Angsthunde und Traumatisierte

Dabei
7 Okt 2014
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#1
Die Kategorie stimmt zwar vermutlich nicht, da es mir nicht primär um Aussies geht, aber in die Meckerecke passte es auch nicht wirklich :eek:

In den letzten Jahren hört und liest man ja vermehrt sowas wie :"Ich habe einen Angsthund" oder "Tu Dies oder Das nicht, das traumatisiert deinen Hund!"
Wenn man dann hinterfragt, entpuppen sich viele dieser sogenannten Angsthunde lediglich als ängstlich oder unsicher und bei den Traumata handelt es sich meines Erachtens ganz oft um Dinge, die einen Hund vielleicht irritieren oder auch mal erschrecken, aber meiner Meinung nach bestimmt nicht direkt traumatisieren.
Klar hängt das vom Individuum ab und ich bestreite auch ganz sicher nicht, dass es wirkliche Angsthunde gibt, aber oftmals erscheint mir eine solche Aussage eher als Ausrede für bestimmte Verhaltensweisen , die man durch Erziehung in den Griff bekommen könnte.
Einen Angsthund zu haben, kommt mir fast schon vor wie ein Trend.
Grade bei Hunden aus dem Ausland fällt der Begriff ganz schnell.
Aber durchaus auch mal in Aussiegruppen.

Letztens noch gelesen :"Meine Aussie Hündin muss nicht arbeiten oder sogar hüten, die wurde beim Vorbesitzer schon genug traumatisiert und ist dadurch Angsthund"
Wie jetzt, und die Arbeit mit ihr wäre kontraproduktiv? Ich würde nämlich das Gegenteil behaupten :confused:

Da keimt bei mir schon der Gedanke auf, ob man da nicht teilweise schon schwerwiegende Begriffe benutzt, um sich die eigene Bequemlichkeit schönzureden.

Ich persönlich kenne nämlich so gut wie keinen Hund, zu dem diese Begriffe tatsächlich passen.
Hunden mit Deprivatrionsschäden und/oder mangelnder Sozialisierung treffe ich natürlich häufiger und da haben es Hund und Halter nicht grade leicht mit, aber das fällt für mich noch nicht unbedingt unter Traumata.

Wie sind eure Erfahrungen?
Kennt ihr wirkliche Angsthunde oder Hunde mit richtigen Traumata?
Wie würdet ihr das definieren?
Reicht ein schlecht gezielter Böller meist schon, um ein Trauma hervorzurufen oder ist der Hund, der sich daraufhin an Silvester verkriecht "nur" temporär verängstigt (ich will das übrigens überhaupt nicht schönreden, diese Hunde tun mir wahnsinnig leid, ich suche lediglich nach Beispielen)?
Werden Welpen in schlecht geführten Welpenspielgruppen tatsächlich traumatisiert oder ist das übertrieben?
Ist ein Hund, der manche Alltagsdinge nicht toll findet, weil er sie nie kennengelernt hat, direkt ein Angsthund?
Und ist es richtig, diese Hunde in Watte zu packen und von Allem fernzuhalten oder sollte man erst recht mit ihnen arbeiten?
 

FrauRossi

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Dabei
26 Mai 2015
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#2
Schwierige Frage. Ich wüsste garnicht wie der Begriff richtig zu definieren ist. Aber mir kommt es schon auch so vor wie dir. Es ist quasi en Vogue einen Angsthund zu haben, vorzugsweise eine "gequälte Seele" aus dem Ausland. Ihr Laufen 2 dieser Exemplare rum, die als Angsthund betitelt werden. Für mich ist der eine einfach nur rotzfrech und die Besitzer sind komplett ahnungslos und setzen ihm nichts entgegen. Der andere ist einfach nur pubertierend. Beide zeigen definitiv keine Angst.

Ich kenne ja so einen Hund dem mal ein Böller vor die Füße flog. Er hat seither an Silvester Stress, aber auch bei jedem anderen lautem knallenden Geräusch. Der hat definitv ein Trauma und echte Angst, auch wenn mit ihm so gearbeitet wurde dass er nicht mehr in totale Panik verfällt. Würde ich ihn als Angsthund bezeichnen? Eigentlich nein, weil er sonst ein aufgeschlossener, netter, aktiver Hund ist.

Dann fällt mir da der kleine Kläffer ein, der immer kurz nach vorn schießt und sich dann schnell bei Frauchen versteckt. Auch er wird als Angsthund bezeichnet. Für mich definit nur Erziehungsmängel. Der Hund ist klar unsicher, anstatt aber daran zu arbeiten, wird er verhätschelt.

Dann gibts hier einen Aussie, der in der Tat sehr ängstlich ist. Jedoch ist Frauchen noch ängstlicher. Für mich wird da klar ein menschliches Gefühl auf den Hund übertragen. Da Frauchen Angst vor anderen Hunden hat, kommt der Hund so gut wie nie raus. Auch diesen Hund würde ich trotzdem nicht als Angsthund bezeichnen.

Einen "richtigen" Angsthund kenne ich nicht. In einem Tierschutzvideo hab ich mal einen gesehen, der wirklich total verängstigt und zitternd in einer Ecke saß und jeden Blickkontakt vermied.

Was einem häufig begegnet sind Hunde die in der ein oder anderen Situation verunsichert reagieren. Aber echte Angst? Meist eher nicht.

Ich glaube so richtige Angsthunde werden auch nur in richtig kundige Hände vermittelt und die trifft man dann nicht einfach so, weil mit Ihnen als im geschützten Umfeld an der Überwindung der Angst gearbeitet wird.
 
Dabei
27 Jul 2012
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#3
Ich gestehe nicht jedes Detail zu lesen, aber ich würde Diaz definitiv als Angsthund und auch traumatisiert beschreiben. Er ist mit keinem anderen Hund zu vergleichen, hat Panikattacken, egal wie viel wir trainieren er legt bestimmte Dinge auch nach 7 Jahren nicht ab. Ängste und Traumata sitzen tief, ich finde man kann das nicht vergleichen mit oh der erschreckt sich mal wenn es irgendwo klingelt oder knallt.
Diaz zB rennt wie gestochen los wenn er ne Fahrradklingel nur im Fernseher hört, dann rennt er hin und her durch jeden Raum geduckt und mit eingekniffenen Schwanz, absolut unnormal.
Aufgegallen ist mir aber auch das es immer mehr solcher Angsthunde gibt, ich mag das Wort auch nicht...
 
Dabei
7 Sep 2012
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#4
Ja und nein... meine Megan war ein Hund der fürchterliche Angst vor Gewitter und Silvesterböller hatte. Das war kein Spaß, für keinen von uns. Im Verlauf ihres Lebens habe ich immer wieder daran gearbeitet, mich informiert, Lösungen gesucht, aber immer trat eine Besserung nur für kurze Zeit ein. Es tut mir noch immer in der Seele weh, das ich sie nicht von ihrer Angst befreien oder sie wenigstens auf Dauer etwas abmildern konnte. :( Woher ihre Ängste kamen, konnte ich nie wirklich ergründen, ich denke aber, das ihr schlechtes Sehvermögen eine Rolle dabei spielte, denn wenn ein Sinn nicht gut ist, gleichen die andere Sinne dies i.d.R. aus u. gerade das Gehör verfeinert sich, wenn die Augen schlechter sind. Nachdem ihre Angst in jüngeren u. mittleren Jahren noch im gewissen Rahmen war, wurde sie mit zunehmenden Alter deutlich schlimmer. Schleichend, aber konsequent Jahr für Jahr.

Es gibt definitiv Hunde für die reicht EINE saudumme, negative Erfahrung und es gibt Hunde, die selbst nach einer ganzen Serien von negativen Erlebnissen keine Ängste entwickeln u. alles wegstecken. Das hängt vom Individuum ab u. wie man heute weiß, entwickelt sich dies schon vor der Geburt im Mutterleib. Schon dort entwickelt sich bei Welpen ein erhöhter Cortisolspiegel (Stresshormon) über die Mutter u. auch in der Muttermilch ist diesen Hormon enthalten. Durch einen erhöhten Cortisolspiegel lassen sich Ängste u. Stress schlechter verarbeiten. Also kann ein Hund schon vor der Geburt vorbelastet sein, später ein Angsthund zu werden ohne das er selber zu diesem Zeitpunkt schon negative Erlebnisse hatte.
In meinen beiden letzten Welpengruppen hatte ich jeweils Hunde dabei, die in schlechten Welpengruppen schlechte Erfahrungen gemacht haben. Die eine (heute 7) ist noch immer ein Hund der Probleme mit fremden Hunden hat, da reichten 2 Stunden für diese sensible Hündin aus. Zwei weitere Hunden lernten ihr Ängste zu überwinden u. hatten die negativen Erfahrungen mit gezielte Arbeit in der Welpengruppe bald vergessen.

Dann gibt es die unsicheren und weniger mutigen Hunde. Hier kann oft mit gezielter Arbeit einiges erreichen, denn während richtige Angsthunde beängstigenden und stressigen Situationen nicht in der Lage sind (bzw. nur in extrem kleinen Schritten) zu lernen, können unsicherer dies i.d.R. schon, aber dennoch wird ein unsicherer u. weniger mutiger Hund wird eben genau dies auch immer im gewissen Rahmen bleiben. Meine Fallon ist so eine. Sie ist keine Heldin, in manchen Dingen ein Hypersensibelchen, aber sie kann über sich hinauswachsen u. sie kann lernen u. sich entwickeln, wenn man sie in kleinen Schritten an etwas heranführt u. ihr Zeit gibt. Und mitunter wächst sie über sich hinaus für eine Bestätigung, für ein Lob oder einfach nur, wegen ihres Will-to-please. Bestes Beispiel: die Schafe aus dem Hänger treiben. Nach und nach hat sie sich überwunden, was sie anfangs gar nicht wollte. Sie ist heute immer noch angespannt, aber sie hat gelernt, das sie auch diese Situation meistern kann.

Tja, und dann gibt es Menschen die definieren sich über die Ängste und Probleme ihrer Hunde u. steigern damit ihr eigenes Selbstwertgefühl. Sie geben einem ängstlichen Hund Sicherheit, sie händeln ihn, sie sind sein sicherer Hafen... und andere bewundern sie und zollen ihnen Respekt, das sie sich um "so einen Hund kümmern". Diese Halter arbeiten normalerweise nicht an den Ängsten ihrer Hunde, das wollen sie auch gar nicht. Aber sie wollen stundenlang darüber reden können! Sie brauchen die Angst ihres Vierbeiners, um die Bewunderung von anderen damit zu erhalten. In meinen über 30 Jahren habe ich mehrere solcher Hundehalter kennengelernt u. das Schema ähnelt sich jedes Mal auf ein neues. In letzten Jahr war es eine Frau in der Welpengruppe mit einem Beagle Jungrüden. Die ganze Stunde hat sie die Trainieren mit den Ängsten ihres jungen Rüden zugetextet. Seinen ganzen bisherigen kurzen Lebensweg explizit dargestellt, seine Ängste, die Ursachen etc.pp. bis ins kleinste Detail wiedergegeben u. die Therapiemöglichkeiten angesprochen. Sie kam 2x, wiederholte jedes Mal lang und breit warum das und das und dieses und jenes mit dem Rüden nicht ginge... dann kam sie nie wieder... Sie ist die Nachbarin einer Bekannten u. noch heute nach über 7 Monaten tut sie nur eines: jeden über die Ängste ihres Rüden zutexten. Aber daran Arbeiten tut sie nicht...
 
Dabei
7 Okt 2014
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#5
Jetzt habe ich grade einen Text gelöscht, an dem ich zwanzig Minuten getippt hatte! :(

Okay, noch ein Versuch in Kurzform.
Ich glaube auch, dass da der Knackpunkt liegt.
Es gibt Ängste , an denen kann man zwar arbeiten und sie vielleicht auch ein Stück weit erträglich machen, aber je nach Tagesform und Gemütszustand werden die niemals ganz weggehen.
Und selbst, wenn die jeweilige Situation zwar ertragen wird, ist das Empfinden und Befinden dabei niemals gut.
Ängste beim Menschen sind oftmals irrational , da kann man manches schon erreichen, indem man drüber spricht und erklärt, dass vermutlich gar nichts Schlimmes passiert.
Das kann man beim Tier aber ja nicht, ein Hund ist da völlig seinem Halter ausgeliefert und darauf angewiesen, positive Erfahrungen zu sammeln.
Manchmal ist die Angst aber vielleicht größer als die positivste Erfahrung es jemals sein könnte.
Und da hilft dann nicht mal eine gute Bindung, siehe Aussiewolfs Hündin.
Da wird der Begriff Angsthund meines Erachtens nach zu Recht eingesetzt, wobei ich wohl immer noch zwischen temporärer Angst (um beim Beispiel zu bleiben, an Silvester) unterscheiden würde und dauerhafter Angst bei beispielsweise allen ähnlichen/lauten Geräuschen im Alltag.

Und dann gibt es Beispiele wie von Frau Rossi, bei denen Verhalten, dass sich noch absolut im Rahmen befindet, schon so betitelt wird.
Ein gutes Beispiel fand ich auch das mit dem angespannten/unsicheren Halter.
Das merke ich bei Finn ja tagtäglich , der reagiert sofort, wenn ich unsicher bin und agiert und reagiert dann ganz anders als an Tagen, an denen ich es nicht bin. Deshalb ist er kein Angsthund , lediglich insgesamt eher unsicher und sehr sensibel, was meine Stimmung angeht.
Fortsetzung folgt...

Die andere Hälfte tippe ich ein anderes Mal, bevor ich wieder versehentlich alles lösche...
 
Dabei
22 Sep 2014
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#6
Also, ich kanne dir, Pia, in sofern zustimmen, als dass es sich viele Leute auch einfach machen und gerade Second Hand-Hunde als "Angsthunde" abstempeln, um jegliches negatives Verhalten zu rechtfertigen. Bestes Beispiel ist ein Hund aus unserer Familie: Kam mit so 5/6 Monaten zu meiner Tante. Ja: der Hund hatte keine Erziehung genossen und war in einer Großfamilie die ersten Monate aufgewachsen (woher die wiederum den Welpen hatten, weiß ich nicht). Ja, er hatte da Stress und wurde bestimmt auch nicht optimal sozialisiert. Ja, der Hund war sehr ängstlich Fremden gegenüber und ja, er hat defintiv draußen mit sehr vielen Sachen ein Problem.
ALLERDINGS geht dieser Hund (ist jetzt 2 Jahre alt) defintiv nach vorne. Und das, was immer als "Ja, die hat eben Angst!" beschrieben wird, sehe ich nicht als Angst. Sie war vielleicht mal ängstlich, aber nur, weil sie komplett alleine gelassen wurde und jetzt hat sie sich als Bewältigungsstrategie eben die bewerte Methode "Dann gehe ich eben nach vorne! Dann kuschen die anderen!" ausgesucht.

Spreche ich meine Tante darauf an, heißt es IMMER "Ja, was sollen wir denn machen? Die kommt aus einem schlechten Zuhause und die ist eben ein Angsthund!". DAS KANN ICH NICHT MEHR HÖREN! Das fällt für mich nicht in die Kategorie Angsthund. Der Entlebucher Sennenhund unserer Nachbarn fällt im Dezember für mich hingegen klar in diese Kategorie: der hat, wie Julia bei ihrem Hund beschrieben hat, so eine Panik vor Gewitter und Silvesterknallerei, dass man quasi den ganzen Dezember nicht vor die Tür gehen kann (nicht ansprechbar, panisch).

Seltsamerweise wird nämlich, wie Pia schreibt, sehr oft bei Hunden aus dem Ausland, auch dieses "Angsthund ergo darf alles" angewandt. Selbst wenn der Hund in die Leine geht, schnappen will... das macht er nur, weil er Angst hat! Und da frage ich mich aber ehrlich gesagt auch (was ein anderer Diskussionspunkt wäre): Muss jeder Hinz und Kunz einen (evtl. tatsächlich traumatisierten) Hund aus dem Ausland aufnehmen?? Ist das gerade schick? Gerade wirklich traumatisierte Hunde gehören für mich defintiv in erfahrene Hände.
 
Dabei
19 Jan 2017
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#7
Wie bei Aussiewolf mit Megan, geht es mir mit Knödel. Da er im Alltag ein sehr souveräner Hund ist würde ich ihn nicht als Angsthund, sonder als Hund mit starken Traumata beschreiben. Ausschlag für dieses Traumata war ein Böller, als er gerade 6 Monate alt war. Ich habe auch vieles versucht um ihm die Angst zunehmen, aber leider hat nichts geholfen. Mit den Jahren ist es immer schlimmer geworden, sodass die Lebensqualität beidseitig stark gesunken ist. Soll heißen, er reagiert extrem sensibel auf ähnliche Geräusche. Gewitter, das Donnern von Flugzeugen, das leiseste Knallgeräusch in der Ferne. Es geht soweit, das er die Strecken wo die Geräusche aufgetreten sind nicht mehr gehen möchte. Auch wenn drei bis vier Tage vergangen sind. Er springt dann nicht mal mehr aus dem Auto. Dann heißt es weiter fahren. Er reagiert mittlerweile auch körperlich auf den Stress mit Magenschleimhautendzündungen. Wir haben jetzt im Januar unser Schlafzimmer in einen anderen Raum verlegen müssen, da er nachts nicht mehr schlief (geschweige den in die obere Etage wollte), weil in der Ferne irgendwo immer etwas knallt. Wir wohnen in einem Industriegebiet und leider wurde das Waldstück (welches ein Naturschutzgebiet war) direkt neben unserem Haus gerodet und eine Logistikfirma baute eine riesige Halle. Seitdem werden LKWs auch nachts be- und entladen. Zudem wird in den umliegenden Feldern und Wälder viel gejagt. Knödel geht auch ungern spät abends noch mal eben kurz zum Lösen in den Garten (könnte ja knallen, wie bei Silvester). Ich versuche alles, dass er diesem Stress nicht ausgesetzt ist, aber das ist unmöglich geworden. Der Dortmunder Flughafen liegt zwar etwas weg, aber die Flugzeuge kreuzen fast alle meine Strecken und man glaubt gar nicht wie oft es in unserer Umwelt knallt. Er ist sonst überhaupt kein unsicherer, oder ängstlicher Hund. Man kann ihn überall mithin nehmen. Egal in welche Umgebeung, sei es Städte, Restaurants usw. Menschen egal ob groß oder klein, alt oder jung, skurril gekleidet. Ihm egal.

Dann habe ich mit Puma einen eher unsicheren Hund. Er ist nicht reserviert gegenüber Menschen, aber wenn jemand anders aussieht wird derjenige schon mal angeböfft. Oder wenn jemand für ihn plötzlich und unerwartet auftaucht sogar verbellt. Er ist unsicher in neuen Umgebungen und Situationen. Kennt er jedoch ein Mal die Situation und die neue Umgebung ist er ebenso souverän wie Knödel. Deswegen versuche ich ihm viel mitzunehmen, damit er viel an Erfahrungen, Situationen und Orte abspeichern kann. :) Ich würde ihn nicht als Angsthund bezeichnen.
 
Dabei
24 Aug 2016
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#8
Hunde aus dem Ausland holen ist definitiv schick heutzutage. Was früher die armen verhungerten Kinder aus Afrika waren, sind heute die armen, verhungerten Hunde, die gerade eben noch aus der Tötungstation gerettet wurden. Damit kann man sich brüsten, das arme Tierchen ist ja schließlich so unendlich dankbar! Da krieg ich jedes Mal das Würgen! Statt Geld für großflächige Kastrationen zu sammeln und einen deutschen Hund aus dem Tierheim zu vermitteln, karrt man die rumänischen Straßenköter 50 - 100 Stück auf einmal nach Deutschland und verdient sich eine goldene Nase dabei.
Und es stehen jeden Morgen Dumme auf, die auf die rührseligen Anzeigentexte reinfallen. Sicher gibt es grausame Einzelschicksale, aber die gibts bei jedem in der Nachbarschaft auch! Die Hunde sind darauf eingestellt, sich ihren “Lebensunterhalt“ selbst zu erstreiten. Klar leben sie auf der Straße und viele sterben sicher zu früh, aber das tun brasilianische Kinder in den Favelas auch, das interessiert aber keinen.
Genauso wie die Argumente von solchen selbsternannten Tierrettern, ich hol mir keinen Hund vom Züchter, ich rette lieber so eine arme Kreatur aus der Tötungsstation. Es sitzen auch ganz viele Kinder im Heim! Ich weiß, der Vergleich hinkt. Und dann sitzen sie da mit so einem Straßenhund und wundern sich, dass der nicht versteht warum er sein Straßenleben hier nicht weiterführen darf. Dann ist es ein Angsthund mit Deprivationsschäden und wird betüddelt und verzogen.
Ich will beileibe nicht alle über einen Kamm scheren und Ausnahmen bestätigen die Regel, aber die ganze Auslandshund-Industrie find ich echt zum ...
 
Dabei
7 Okt 2014
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#9
Ich sehe das mit den Auslandshunden genauso.
Und offenbar hängen selbige und der Begriff "Angsthund" oftmals zusammen.
Das wird den Leuten aber auch suggeriert.
Die arme Kreatur musste bislang so sehr leiden, wenn die Ecken und Kanten und gröbere Macken mitbringt, seid bitte rücksichtsvoll.
Damit kann sich der Tierschutz dann prima rausreden.

Aber ich erlebe diese gravierenden Fehleinschätzungen auch bei Leuten mit gut sozialisierten Hunden vom Züchter.
Nachbars Goldihündin ist eine Zicke vor dem Herrn und benimmt sich anderen Hunden gegenüber wie der Elefant im Porzellanladen.
Die reitet ganz dreist auf und das wird mit Unsicherheit und Sensibilität in einem Atemzug begründet.
Die ist kein Stück unsicher, die ist frech und unerzogen in vielerlei Hinsicht und ja, die ist durchaus sensibel, aber eins schließt das andere ja überhaupt nicht aus.

Finn ist auch ein sehr geräuschempfindlicher Hund, der reagiert sehr stark auf Wind drinnen.
Draußen dagegen ist selbst Sturm kein Problem und zum Glück ist er schußfest. Ich glaube aber, dass eine richtig doofe Erfahrung bei ihm auch zu grundlegender Angst führen könnte.
 
Dabei
19 Jan 2017
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#10
Ich denke auch, dass die Bezeichnung "Angsthund" auf der einen Seite häufig von Menschen als Ausrede benutzt wird, die mit der Hundeerziehung nicht viel am Hut haben möchten. Jedoch denke ich auch, dass es gerne von älteren und nicht so durchsetzungsfähigen Menschen als Vertuschung der eigenen mangelnden Fähigkeiten verwendet wird. Wie eine Art Selbstschutz. Ich denke da liegt auch ein großer Teil des Kasus Cnacktus. Da heutzutage gerade aus unserer menschlichen Sichtweise hündische Verhaltensweisen, welche nicht in unser Gesellschaftsbild passen negativ auf den Menschen gemünzt werden. Wir müssen doch alle höher, weiter und perfekter sein. Da muss der Hund auch funktionieren. Tut er das nicht wird man schief angeschaut, bekommt böse Dinge an den Kopf geworfen und im schlimmsten Fall wenden sich Freude, Bekannte usw. ab.
 
Dabei
6 Jul 2017
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#11
Ich stöbere ab und an aus alter Gewohnheit noch auf Seiten von Tierschutzorganisationen, die Hunde aus dem Ausland holen und habe beim genauen drüber nachdenken schon das Gefühl, dass die Bezeichnung "Angsthund" in den letzten Jahren zugenommen hat.

Unsere erste Hündin war ein ca. 1 1/2 jähriger kleiner Mischling aus Spanien. Als sie zu uns kam, hatte sie panische Angst vor allem möglichen und unmöglichen. Ich war damals 14 und musste mich erst daran gewöhnen, dass für mich so alltägliche Dinge wie z.B. Menschen auf der anderen Straßenseite, Stromkästen und Gullideckel den Hund ebenso in Panik versetzten, wie Nachbars Katze. Wir hatten das Glück, dass damalige Nachbarn mich mit auf ihren Hundeplatz genommen haben. Dort haben wir viel Bindungsarbeit gemacht, das hat ihr den Alltag in unserer Familie und der direkten Umgebung schon sehr erleichtert. Nach und nach haben wir sie behutsam auch an die schwierigeren Situationen herangeführt. Es gab Ängste, die sie nie abgelegt hat - die man vielleicht schon als Trauma bezeichnen kann. Einmal im Urlaub stand die Statue eines Soldaten mit Gewehr auf einem großen Platz - sie war vor lauter Panik nicht ansprechbar. Meine Mutter wollte auch, als wir sie schon eine ganze Weile bei uns hatten, eine Fliege mit einer gerollten Zeitung erschlagen. Als Gurie die erhobene Hand mit der Zeitung gesehen hat, ist sie panisch in die hinterste Ecke geflüchtet und hat sich erst einmal nicht mehr raus getraut, obwohl sie von uns nie grob angefasst oder gar geschlagen wurde. Auch Silvester war ein rießiger Stress für sie. Sobald es in der Ferne auch nur ein Mal geknallt hat, konnte sie nicht einmal mehr pinkeln. Ich würde sie aber dennoch nicht als grundsätzlichen Angsthund bezeichnen. Sie hat sich abgesehen von den speziellen Situationen zu einem selbstbewussten Hund entwickelt und ein "normales" Leben geführt.

Ich denke auch, dass es immer auf den individuellen Hund ankommt, ob z.B. ein einmaliges Negativerlebnis mit einem Böller für ein dauerhaftes Trauma ausreicht. Bei einen grundsätzlich sensiblen, unsicheren Hund vermutlich eher als bei einem, der selbstbewusst durchs Leben geht. Mit Nanouk hatten wir die Böller-Situation ja erst letztens. Wir warten ab, wie es sich dieses Jahr an Silvester auswirken wird aber grundsätzlich konnten wir bislang nicht feststellen, dass er geräuschempfindlicher ist als vorher.

Für mich ist ein Hund, der in für ihn unbekannten Situationen unsicher ist oder sie nicht so toll findet, kein Angsthund - auch wenn mir gerade nichts konkret einfällt, wie ich einen Angsthund definieren würde.

Unserer Gurie hat es sichtlich gut getan, dass wir gemeinsam Agility gemacht und auch ins Obi reingeschnuppert haben - es hat ihr Selbstvertraunen gegeben, von dem ich nicht glaube, dass sie das ohne das Training auch bekommen hätte. Sie hat uns nach einigen Monaten ohne Angst oder Stress überall hin begleitet, wo ein von klein auf gut sozialisierter Hund auch mitgeht - wir haben sie nicht in Watte gepackt. Aber das ist vermutlich auch ganz verschieden je nach Hund.
 
Dabei
3 Apr 2016
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#13
ich habe den eindruck , mit den hunden in heutiger zeit verhält es sich oftmals ebenso , wie mit den kindern ...

da meistens beide elternteile arbeiten müssen , werden kinder den ganzen tag "beschäftigt" -> morgens aus dem schlaf geholt , nachmittags von der kita/schule zum sport/musik/kreative dinge oder sonstwas "geschickt" , um dann abends völlig aufgedreht und durcheinander ins bett geschickt zu werden , weil mama und papa ja auch noch haushalt/einkäufe und andere sachen erledigen müssen ...

wenn die kinder dann in kita/kiga/schule hibbelig und unkonzentriert sind , kommen sehr schnell "diagnosen" wie ads , adhs und andere ins spiel . DAS widerum wird natürlich andauernd als ausrede benutzt , wenn das kind mal nicht so "funktioniert , wie es in dem moment in den augen der eltern/freunde/verwandte oder unbeteiligte sein sollte - immer nach dem motto : das kind kann ja nichts dafür , es hat x , y oder z .

mit vielen hunden verhält es sich irgendwie genauso : man holt sich einen "besonderen" hund (gerettet , anstrengende rasse , qualzüchtungen o.ä.) , erzieht ihn nicht wirklich , hat auch nicht wirklich zeit um ihn auszulasten und wenn das dann nicht so funktioniert , liegt es an den oben genannten faktoren -> der hund kann ja nicht andes , er hat ja ... ist ja ... kommt ja von ...

finde ich extrem grenzwertig und hatte heute wieder genau das passende erlebnis ... der nachbarshund , der des öfteren mal von zuhause wegläuft , taucht dann meistens bei mir am stall auf . ilay und er kennen sich und paco läuft hier nur mit eingekniffener rute herum , ist völlig hysterisch und durch den wind , weil sein besitzer ihn ständig nur anbrüllt .
ilay hat mit ihm keinerlei probleme und sie sind auch schon ne runde toben gewesen . ich packe ihn dann ins auto und bringe ihn nach hause , wo er dann für sein fortlaufen wieder angeschrien wird ...

kommt mir heute beim ausritt die frau des besis mit zerrendem paco an der leine entgegen - ilay freut sich und will zu paco ... ich lasse ihn weiter "bei fuß" am pferd laufen und bitte die frau mit zerrendem paco an der leine , bitte auf abstand vorbei zu gehen , was macht sie ??? geht zu ilay *kotz*

dann meinte paco , er muß wohl mal pöbeln und wollte ilay an den kragen - der widerum war gsd brav bei mir und so konnten wir weitergehen , ohne , daß es zum streß kam .

frau "paco" meinte dann : och , ich dachte , paco möchte mal "guten tag" sagen , er zog da so hin ...
 

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