Australian Shepherd Rüde NRW Witten neues Zuhause gefunden

Dabei
26 Mai 2015
Beiträge
2.619
#1
9D9C280F-4FBE-4B8E-BD6C-F2FD9D20BBFC.jpeg
B8A5B876-C99A-4BDB-8781-546F722A0D8E.jpeg
766BF86B-BE79-4335-82E3-95F3CEE36E82.jpeg
Hallo liebe Aussiegemeinde,

Wir suchen für Wilson - kurz Willi - ein neues Zuhause.

Erstmal die Eckdaten:
Willi wurde am 11.03.2020 geboren. Wille besitzt ASCA Papiere und ist tierärztlich von oben bis unten durchgecheckt. Auch von einer Physiotherapeutin ist Willi von oben bis unten gescheckt. Alles ist ohne Befund, Willi ist ein kerngesunder junger Rüde. Er wurde im letzten Herbst kastriert.
Die Gesundheitsunterlagen der Elterntiere können vorgelegt werden.


Zu Willis Geschichte:
Willi kam als Welpe in eine Familie mit zwei kleinen Kindern. Die Familie hat sich sehr bemüht alles richtig zu machen. Willi hat die Welpen- und Junghundeschule durchlaufen. Die Familie ist extra in ein Haus in einer ruhigen ländlicheren Gegend in NRW gezogen. Frauchen hat sogar die Arbeitstelle gewechselt damit der Hund mit zur Arbeit kann.
Leider traten bald Probleme auf, wobei die Hundeschule nicht so recht helfen konnte und erst nach langer Zeit zugeben hat dass sie nicht mehr weiter wissen und zu unerfahren sind. Das hat die Familie wertvolle Zeit gekostet.


Zu Willis Problemen:
Die Familie hat sich sehr gut auf den Hund vorbereitet, jedoch die Aufgabe „Aussie“ unterschätzt. Willi sollte mit Frauchen zum Hundesport gehen und der Kumpel der Kinder werden. Das hat leider nicht geklappt, da Willi sehr sensibel ist und auch sehr unsicher. Die Familie schafft es nicht Willi die Sicherheit zu vermitteln die er braucht. Anfänglich waren Willi und die kleine Tochter der Familie ein Herz und eine Seele und sind es noch. Willi lässt sich von dem Mödchen kraulen, bürsten, Schleifen ins Haar binden etc. Die Familie hat da aber versäumt die Führung zu übernehmen, so dass er das Mädchen jetzt als seine Resource betrachtet welche er beschützt. Der Junge der Familie ist ein „besonderes“ Kind. Da der Junge selbst unsicher ist und nur schwer Ruhe findet, verstärkt er die Unruhe und Unsicherheit des Hundes. Der Junge hat Angst vor dem Hund, was die Situation verschlimmert. Die Familie hängt in einem Teufelskreis fest.


Konkret:
Willi bellt wie irre wenn Besuch kommt. Er findet zuhause keine Ruhe. Er rennt Besucher völlig unkontrolliert und ungebändigt um. Willi setzt dabei auch seine Zähne ein da er mit der Reizüberflutung nicht klar kommt. Willi will nicht angefasst werden und setzt dabei seine Zähne ein. Auch wenn er bei Besuch in einen separaten Raum kommt, kann er nicht abschalten, er kekst sich immer weiter hoch. Die Familie hat dem nichts entgegen zu setzen, so dass er aus seiner Sicht mit diesem Verhalten auch Erfolg hat.
Draußen kommt Willi mit anderen Rüden nicht immer gut klar. Insgesamt ist er auch draußen viel zu aufgeregt. Willi hat keine Hundefreunde, so dass auch der Kontakt zu Artgenossen fehlt.


Die Familie ist mit den Nerven am Ende. Frauchen ist zwar bereit alles zu tun was nötig ist, kann aber nicht souverän genug auftreten um „Situationen zu regeln“
Frauchen ist nicht hundeunerfahren, hat jedoch im laufe der Zeit ihre innere Ruhe verloren, weil die ganze Familie Kopf steht.
Leider haben sie ziemlich lang gewartet bis sie sich offen mit den Problemen an die Züchterin und mich gewandt haben. Die Situation ist mittlerweile so festgefahren, dass keine Energie und „Nerven“ mehr übrig sind für ein langwieriges Training. Die Ruhe die Willi so dringend bräuchte kann in der Familie niemand mehr aufbringen.


Das Positive:
Seit die Familie ihre Probleme benannt hat, betreuen wir die Familie. Inzwischen arbeiten sie mit einer Canis Hundetrainerin zusammen und haben etliche Erfolge erzielt. Willi hat Leinenführigkeit und Orientierung am Menschen gelernt. Auch wenn er immer sehr hochgefahren ist, hat er draußen immer ein Auge und ein Ohr bei seinem Besitzer. Der Rückruf sitzt 1a. Willi ist sogar von zB herumflatternden Enten abrufbar. Mit der Hundetrainerin arbeitet die Familie weiter an der Impulskontrolle. Es wird auch daran gearbeitet ihm durch Nähe, Ruhe zu vermitteln. Auch beim „runter streicheln“ werden Fortschritte gemacht.

Gleichzeitig arbeite ich mit der Familie und dem Hund, ich versuche zu vertiefen was die Hundetrainerin sagt. D. h. ich „übersetze“ quasi was die Hundetrainerin erklärt und übe mit Frauchen an ihrem Timing und daran den Hund zu lesen um früh reagieren zu können.
In der Familie ist nur noch Stress und Verzweiflung und alles erscheint als unüberbrückbare Bürde. Also versuche ich mit der Familie zu erarbeiten dass nicht alles schlecht ist. Ich zeige ihnen was der Hund gut macht und wie man ihn ruhig loben kann. Wie man einen Spaziergang gestalten kann , dass er für alle Spaß macht. Wir haben angefangen Willi richtiges Spielen bei zu bringen, so dass die Familie auch wieder unbeschwerte und positive Momente mit dem Hund hat. Gleichzeitig aber auch um Willi zu zeigen dass er auch Sachen gut kann und macht, ihm etwas mehr Selbstvertrauen zu geben. Denn natürlich spürt er die schlechte Stimmung, was sein Verhalten weiter bestärkt. Wir haben angefangen zu üben sich anfassen zu lassen und haben sehr schnell Fortschritte erzielt.
Vornehmlich bin ich aber da um mal eine Auszeit zu bekommen, eine unbeschwerte Stunde, in der Frauchen sich ausheulen kann und den ganzen Druck ablassen kann, bei jemanden der es versteht und nicht urteilt.

Wir schöpfen jedes kleinste Fitzelchen und Hilfsmittel aus, so wurde auch seine Ernährung genau unter die Lupe genommen und optimiert. Willi hat eine Unverträglichkeit gegen Rind und Huhn und neigt bei Belohnungskeksen zu weichem Kot. Was auch seiner Nervosität geschuldet sein dürfte.

Das Fazit aller Beteiligten ist: der Hund braucht einen Neustart in einer Ruhigen Familie oder Einzelperson, ohne kleine Kinder. Die Person müsste Hunderfahrung mitbringen und souverän auf Willis völlig aufgekratztes Wesen eingehen können. Ein souveräner Zweithund wäre sicher auch von Vorteil. Willi braucht jemanden der ihm ruhig Grenzen aufzeigen und durchsetzen kann, der selbst die Ruhe mitbringt um Willi Ruhe zu vermitteln.
Auch wenn Willi die Zähne einsetzt um unerwünschten Berührungen und Situationen zu entkommen, so ist er dabei nicht aggressiv. Alles an ihm schreit „Ich weis nicht was du von mir willst, geh weg“.
Noch setzt er die Zähne nur zaghaft ein, was sich aber ziemlich sicher noch ändern wird wenn er nicht aus dieser ausweglosen Situation heraus kommt.
Willi lernt sehr sehr schnell. Am Ende der ersten Übungseinheit mit mir, konnte er mir zaghaft die Pfote reichen. Am Ende der zweiten Übungseinheit konnte er mir die Pfote reichen, sich die Ohren anschauen lassen, sich das Maul anfassen lassen, sich die Augen von mir reinigen lassen. Ich persönlich finde es ziemlich leicht Willi zu vermitteln dass die Welt nicht untergeht. Wenn man langsam macht und ihn bestärkt und ermutigt kapiert er das echt schnell. Genau so konnte er sich in der zweiten Übungseinheit schon auf Aufgaben fokussieren. Nasenarbeit / Fährten suchen macht ihm besonders Spaß.

In der Interaktion mit meinen Hunden? Naja? Spiel findet nicht statt. Er ist zu hochgedreht. Wobei wir da schon Kontakt zu schlimmeren Kandidaten hatten. Er versteht schnell wenn Paula ne Ansage macht und nimmt sich dann zurück. Aber selbst für Fay (Fräulein niceest Puppy on Earth) ist seine Energie zu hoch, sie ignoriert ihn. Das muss Willi noch lernen, mit ausgesuchten Hundekontakten wird das aber auch gelingen.

Verträglichkeit mit Katzen ist nicht bekannt. Autofahren ist kein Problem, im Auto kann er gut abschalten. Auch zuhause allein bleiben kann er, er ist entspannt und schläft.

Die Familie wird weiter mit Willi arbeiten und trainieren. Obwohl die Situation angespannt ist, wird ganz in Ruhe ein neues geeignetes Zuhause gesucht. Willi ist in der Nähe von Dortmund beheimatet. Mehrere Kennenlernen Termine sind erwünscht. Auch nach einer Vermittlung sollte weiter Kontakt zur Züchterin gehalten werden.

Die Familie hat diese Entscheidung nicht leichtfertig getroffen, genau so wenig wurde der Hund leichtfertig angeschafft.
Willi ist kein schlechter Hund, es hat sich halt nur herausgestellt dass er mit seiner Sensibilität in der falschen Familie gelandet ist.
 

Anhänge

Zuletzt bearbeitet:
Dabei
15 Mai 2012
Beiträge
5.015
#2
Ach Mensch, das ist für alle Beteiligten fürchterlich :-( weiß nicht wer mir mehr leid tut, der Hund oder diese engagierten Menschen.
Ich drücke die Daumen, dass Willi ein gutes Für-immer-Zuhause findet und dafür, dass die Familie zur Ruhe kommen kann.
 

FrauRossi

Moderator
Dabei
26 Mai 2015
Beiträge
2.619
#3
Ja ich finde es auch so traurig. Die Frau macht echt alles und vieles auch richtig. Aber sie zerreißt sich zwischen Kind und Hund. Das konnte man vorher so nicht absehen. Ich hoffe auch sehr dass wir jemanden für Willi finden. In den richtigen Händen ist der Ruck zuck wieder „auf Kurs“ wenngleich er immer ein zurückhaltender Charakter bleiben wird. Ich habe mich auch schon hin und her gewälzt, aber drei Hunde geht bei mir einfach nicht
 
Gefällt mir: Rumo
Dabei
2 Jan 2022
Beiträge
1
Alter
25
#4
Hallo ihr Lieben,
Wir (Florian & Lisa) sind sehr berührt von Willis Geschichte. Wir sind schon seit einiger Zeit auf der Suche nach dem richtigen Begleiter. Gerne würden wir Willi kennenlernen und schauen ob es für beide Seiten passt. Wir wünschen der Familie viel Kraft!
Liebe Grüße aus Rostock!
 

FrauRossi

Moderator
Dabei
26 Mai 2015
Beiträge
2.619
#5
4CF76B75-3CBA-4FDA-BEB9-A27890615158.jpeg
Heute gab es wieder einen Übungspazierganf für Willi. Es ist für ihn sehr aufregend mit einer so großen Hundegruppe unterwegs zu sein. Aber klar er kennt das ja nicht.

Weil Frauchen einfach nicht mehr kann und auch noch den Arm kaputt hat, habe ich Willi geführt und das klappte problemlos. Willi geht ja gern nach vorne wenn andere Hunde kommen. Aber wenn man frühzeitig jeden Blick in Richtung des anderen Hundes unterbindet. Konzentrierte Willi sich auf mich anstatt Randale zu machen. Er braucht nur jemanden der ihm sagt „hey ich bin da und dir passiert bei mir nichts“
17593EF6-B70F-4321-B67B-B9259E5665BF.jpeg
Sitzen bleiben während der Hundeführer sich entfernt klappt auch immer besser und das obwohl die anderen 6 herumgewuselt sind
8B335FC9-1429-46B2-8E1F-8D0253BDCB4C.jpeg
Aushalten dass alle anderen weiter gehen, nur er eben nicht, funktioniert auch wenn man ihm sagt dass er jetzt eben warten muss. Pippilotta musste das natürlich überwachen :cool:
0F474C6F-2558-493D-A142-129BFD2CCBD0.jpeg
Drei Brausebirnen (die anderen 4 natürlich auch) müssen sitzen bleiben und das obwohl mit Leckerlies gelockt und geknistert wurde. :p
Willis Impulskontrolle hat vor einem Monat noch in ein Schnapspinnchen gepasst, jetzt ist es mindestens ein Weizenglas. Da man als „anständiger“ Hund davon aber nen Hektoliter braucht, ist es noch etwas arbeit. Aber er macht sich.
Frustrationstoleranz ist auch noch ausbaufähig, aber hier backt er schnell kleine Brötchen wenn man ruhig und bestimmt agiert.
 
Dabei
26 Mai 2015
Beiträge
2.619
#6
Ich berichte mal weiter.

In der Zwischenzeit ist Willi erstmal zur Züchterin umgezogen. Da hat er Hundekontakte und kann zur Ruhe kommen.

Der Hund der sich nicht mehr anfassen lassen wollte, bei Besuch Stunden lang aufgeregt geklafft hat, bei dem an kuscheln nicht zu denken war. Legt sich einfach hin und pennt. Schläft mit 4 weiteren Hunden zusammen, nimmt von sich aus Kontakt zum Menschen auf und liegt abends mit auf der Couch zum kuscheln.

Hört sich toll an, ist es auch. Aber es ist keine „Wunderheilung“ sondern einfach konsequente Führung.

Ich war quasi das ganze Wochenende da und selbst als Besuch kam war das beim zweiten Besucher schon kein Problem mehr. Der erste Besucher wurde noch angeknurrt. Aber wenn man das sofort unterbindet und ihn dann erstmal nicht mehr beachtet, war auch das kein Problem. Trotz Besuch ( wir saßen da mit 6 Leuten) hat er sich zwischendrin immer wieder auch hingelegt und die Augen zu gemacht. Beim Essen wollte er betteln wurde aber weggeschickt und hat genau einmal versucht wieder aufzustehen. Er wurde korrigiert und hat das sofort akzeptiert.

Zwei von den Besuchern waren wegen Willi da. Ein super süßes Pärchen. Also ging es auch wieder raus zum üben. Willi ist natürlich immer noch total aufgespuhlt wenn es raus geht. Aber von „der Hund kommt nie runter“ sind wir schon ein Stück weg. Zwischendurch waren seine sonst immer auf unendlich gestellten Pupillen auch mal klein :)
Wer viel übt muss auch spielen und mir ist das Herz aufgegangen wie super Willi das Spielangebot angenommen hat.

Sonntag ging es dann zum Spaziergang mit Ablenkung, die anderen Hunde waren dabei und uns sind auch Fremde Leute und Hunde begegnet. Wir haben mit Willi geübt sich an Futterablenkung vorbei führen zu lassen. Sein Besucher brauchte ein paar Versuche bis er den Bogen raus hatte. Bei einer Hundebegegnung hat sich der Besuch bei einer zweiten Begegnung gut durchgesetzt.
Dann ging is zurück in den eingezäunten Garten und es gab wieder ein Spielangebot, was Willi ungestüm aber mit Freude angenommen hat und wie ein Bekloppter durch den Garten gepest ist :) sich den ganzen Stress raus toben.

Auch zu den Besuchern ist Willi immer wieder von sich aus hingegangen und hat sich kraulen lassen:) Die Besucher haben eine Mappe bekommen mit Tipps, Hintergrundinfos und einer Liste geeigneter Trainer an deren Heimatort.

Willi lernt jetzt weiter bei der Züchterin Ruhe halten und ich schaue dass ich die Woche über nochmal hinkomme um weiter mit Willi zu üben. Nächstes Wochenende kommt der Besuch dann wieder. Es sieht gut aus für Willi.

Manchmal braucht es im Leben wohl Umwege.
 

Oben