Diverse Probleme mit meiner Aussiehündin, bitte um Hilfe!

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17 Mai 2021
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#1
Hallo liebe Aussieliebhaber/innen! :)

Ich habe mich soeben in diesem Forum angemeldet, um vielleicht noch ein paar Erziehungstipps und Tricks von euch zu erhalten, denn ich verzweifel so langsam an meiner Hündin. Zunächst erstmal allgemeines über sie:
Finja ist eine blue-merle Hündin aus der Arbeitslinie (Mutter und Vater hüten aber nicht aktiv), knapp über 1 Jahr alt (geb. 05.05.2020) und lebt seit der 8. Woche bei uns. Wir, das sind mein Mann, ich und unser Althund Sammy, fast 11 Jahre alt und auch ein Aussie. Wir haben sie von einer ASCA-Züchterin, also auch mit Papieren, Untersuchungen etc. Dies war allerdings ihr erster Wurf, weshalb sie noch nicht viel Erfahrung, vor allem in Bezug auf das Verhalten der Welpen, aufweisen konnte. Der Wurf war eine insgesamt sehr agil, aber manche auch eher zurückhaltend, dennoch ziemlich neugierig. Die Züchterin hatte selbst eine Hündin behalten, weswegen sie uns erst sehr spät quasi den Welpen zugeteilt hatte. Finja beschrieb sie immer als eher draufgängerisch, neugierig und diskutierfreudig. Soweit so gut, genau so eine Hündin wollte ich auch immer haben, sie sollte nur keineswegs unsicher sein, was sie auch kaum war, als wir sie alle paar Wochen besucht hatten. Allerdings war die Mutterhündin ziemlich unsicher und zurückhaltend, das hätte uns schon eine deutliche Warnung sein sollen, denn bei unserem Althund Sammy war dies ebenso der Fall, obwohl dies auch seriöse Züchter, leider auch unerfahren, aber die Hündinnen eben eigentlich nicht zur Zucht geeignet waren. Mit Sammy habe ich sehr viel gearbeitet, er hat sich aber auch immer relativ gut lenken lassen, sodass wir nur noch wenige Probleme haben und diese auch gut umgehen bzw. zu lösen wissen.

Nun zu meinen Anliegen mit Finja:

Als Finja bei uns einzog, war sie sehr neugierig, interessiert an allem, aber eben auch schon unsicher und misstrauisch gegenüber uns. Ich habe zunächst mal angefangen, sie an diverse Standardsituationen bzw. Gegenstände, wie Geschirr, Leine, Box etc zu gewöhnen. Dabei zeigte sie schon deutliche Unsicherheiten und war äußerst sensibel und mochte es vor allem nicht, eingeengt bzw. beschränkt zu werden. Ich habe wirklich über Wochen und Monate versucht, ihr z. B. das Geschirr schmackhaft zu machen, (Superleckerli, Clicker etc.) was sie schon bei der Züchterin nicht mochte, aber bis heute mag sie es einfach nicht/hat Angst davor. Sie geht zumindest freiwillig mit einem Leckerli oder einem zu erwartenden Leckerli durch. Halsband habe ich ebenso trainiert, zu Hause klappte es schon ganz gut, draußen flippt sie mal komplett aus und versucht es sich, sofort mit den Pfoten abzumachen und kratzt sich dort ständig, ein anderes mal akzeptiert sie es. Als sie es akzeptierte (bin nur ein paar Meter gegangen), habe ich kurzzeitig die Leine drangemacht, zu Hause hat das schon sehr gut geklappt, draußen ist sie dermaßen ausgeflippt, sodass sie sich fast herausgewunden hätte, obwohl ich darauf achtete, dass absolut kein Zug auf die Leine bzw. Halsband kommt.
Vielleicht wisst ihr da noch einen Tipp?

Ein anderes großes Problem ist bei uns die Leinenführigkeit. Auch diese habe ich versucht von Anfang in richtige Bahnen zu lenken, was auch zunächst klappte. Nur anfangs konnte man mit ihr nur sehr kurz gehen, was sich ganz langsam erst gesteigert hat, da sie einfach viel zu aufgeregt war und wirklich durchgedreht ist (hat nur noch gebellt, gezogen). Mittlerweile hat es sich etwas gebessert, aber sobald sie etwas aufgeregt ist (z. B. einen Menschen sieht, der ihr unheimlich ist oder Hunde) steigert es sich in sekundenschnelle und sie zieht dann nur noch, bellt ab und an und ist nicht mehr zu erreichen. Wir trainieren nach Turid Rugaas, was auch schon Erfolge brachte, aber irgendwie kommen wir nicht weiter. In so einer Situation mit dem Ausflippen bleibe ich immer stehen, lotse sie mit einer Hand zu mir und versuche sie ins Sitz zu bewegen, was sie dann auch meist macht und dann auch wieder etwas ruhiger wird und beruhigt, aber manchmal klappt es auch gar nicht. Wenn sie nur zieht, gebe ich ihr das erlernte Signal, drehe um und belohne sie mit Stimme, wenn sie mitkommt, dann drehe ich mich wieder um und wir gehen den Weg weiter.
Ich habe auch schon probiert, meinen Althund, der leinenführig ist, mit einzubeziehen, nur kann ich nicht alle paar Meter stehen bleiben, bis sie Finja beruhigt hat und erst dann weitergehen, während er dauernd neben mir bleiben muss, was er auch macht. Nur ist das so ja kein Dauerzustand, besonders wenn mein Althund mal dringend muss und dann natürlich irgendwann auch an den Zaun/Gebäude/laterne etc. pinkelt, was ich nicht möchte. Habt ihr da vielleicht ein paar Ideen, wie man das am besten mit zwei Hunden managt? Bisher gehe ich meist nur einzeln nacheinander, weil sonst kein Training mit der Hündin möglich ist, da sie, wenn der Rüde dabei ist, noch weniger reagiert.

Zuletzt gibt es noch Probleme mit anderen Hunden. Da ist sie sehr unsicher, geht bellend in die Leine rein, aber wenn sie dann tatsächlich, vor allem zu einem großen Hund hinkommt, würde sie am liebsten flüchten und hat dies auch schon versucht. Wenn ich den Hund rechtzeitig sehe, was hier bei der Reihenhaussiedlung meist nicht einfach möglich ist, weiche ich aus oder lenke sie mit Leckerliwerfen auf den Boden ab, denn an Vorbeigehen ist absolut nicht zu denken. Sie würde mir direkt vor die Füße rennen und ich hätte nicht die Kraft, sie mit einer Hand zurückzuziehen. Ich habe mit ihr schon das "Schau" Signal aufgebaut, übe es immer wieder, aber in solchen Situationen funktioniert es einfach (noch?) nicht. Da weiß ich langsam auch nicht mehr weiter, es reicht auch schon, wenn sie nur einen Hund von weiterer Entfernung sieht, da flippt sie teilweise schon aus. Sobald man etwas lauter wird, zuckt sie zusammen, legt die Ohren hinten an, hört kurz auf und macht dann natürlich weiter, weil es ja an ihrem Gefühl nichts ändert. Sie ist sehr sensibel, z. B. reicht es schon aus, wenn ich mich zu Hause über irgendetwas ärgere, sie dabei null beachte oder ansehe, selbst dann läuft sie sofort die Treppe rauf in ihr Bett, kommt dann aber nach längerer Zeit wieder.
Wisst ihr da vielleicht noch ein paar Tipps, wie ich am besten mit ihr bezüglich Hundebegegnung und Sensibilität umgehen soll?

Eine Sache möchte ich auch noch erwähnen: Wir waren in 2 Hundeschulen, haben 2 Welpenkurse mitgemacht bis sie 6 Monate alt wurde. Ein Welpenkurs bestand hauptsächlich aus spielen, der andere aus mehreren Trainingseinheiten, sodass da auch schon eine gewisse Basis gelegt wurde. Danach haben wir noch 3mal von 10mal ein Begegnungstraining gehabt, das auch ziemlich gut war, dann kam leider der Lockdown. Vor kurzem haben wir noch einen Leinenführigkeitskurs mitgemacht, der zwar auch nicht so schlecht war, aber da wurde nur rein über Bestechung gearbeitet, was ja anfangs sehr sinnvoll ist, nur sollte das doch schnell in Belohnung übergehe, meiner Meinung nach. Eine Einzelstunde haben wir bisher wahrgenommen, diese war aber nicht so erfolgsversprechend und auch ziemlich teuer. Derzeit bin ich in Kontakt mit einer nochmals anderen Hundeschule, die wir vielleicht mal ausprobieren werden.

Insgesamt muss ich sagen, dass mich meine Hündin wirklich an die Grenze des Belastbaren bringt, weil ich eben auch meinen Rüden nicht vernachlässigen möchte, aber ich habe sie schon in mein Herz geschlossen und bin bereits, auch intensiv mit ihr zu arbeiten.

Vielen herzlichen Dank an Alle, die sich das bis zum Ende durchlesen und entschuldigt, dass es so lange geworden ist, Fragen sind gerne erwünscht.

Schönen Tag euch alle zusammen!

Schöne Grüße

Nicole
 
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10 Nov 2018
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#2
Hallihallo,

Würde es noch interessant finden wie euer Tages Ablauf aussieht. Wie hat sich euer alt Hund der Hündin verhalten wie sie gekommen ist.
Was ich mir gleich denke du wolltest doch einen Hund der diskutiert? das tut sie doch das sie dir zeigt Halsband etc interessiert sie nicht. Aber das würde ich mit spielen belohnen zb zerrspiel Geschirr rauf mit Leckerlie belohnen und dann unter spazieren gehen Zerr Spiel machen, irgendwann wird sie es positiv verknüpfen.

Arbeitslinie gibt da natürlich auch Couch Hunde wo auch bei Show Arbeits wütige gibt. Aber denke Mal das du ein Energiebündel hast.

Im Endeffekt sagen wo du wohnst evtl gibt es hier jemanden der einen Trainer kennt der auf Hütehunde spezialisiert ist und kann ihn dir weiter vermitteln. Gerade das mit anderen Hunden würde ich aufpassen denke selbst das sie sehr unsicher ist. Aber das ist nur reine Vermutung von mir.

Würde mich interessieren wie es bei euch weiterläuft

Lg
 
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6 Jul 2017
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#3
Hallo Nicole,

zunächst einmal herzlich Willkommen bei uns im Forum und viel Spaß beim Stöbern :)

Die von dir beschriebenen Dinge erinnern mich in mancher Hinsicht ein bisschen an meine eigene Situation früher. Aber die Auslöser dafür können völlig andere sein und es ist äußerst schwierig, bis unmöglich, hier im Forum Tipps dazu zu geben. Wie Scolan schreibt: Wie sieht euer Tagesablauf aus? Stimmt die Balance aus Ruhephasen und (geistiger) Auslastung für Finja? Kommt die Hündin außerhalb der geschilderten Situationen gut zur Ruhe? Wann und wie reagierst Du, wenn Deine Hündin in Rage gerät? Bzw. wenn sie Verunsicherung gegenüber anderen Hunden zeigt?

Für mich liest es sich so, als wäre die Hündin mit diesen Situationen überfordert, sie könnte aber ebenso gut unterfordert sein. Oder pubertär bedingte "Aussetzer" haben. Oder, oder...

Warum hast Du ihr versucht, Halsband und Geschirr "schmackhaft" zu machen? War sie von Anfang an panisch, wenn Du es ihr anziehen wolltest? wie positionierst Du Dich, wenn Du sie anziehst? Seitlich des Hundes? Von vorne? Bei uns gehört das Anziehen von Geschirr und Halsband zum Alltag, wie für mich das Schuhe anziehen. Es ist selbstverständlich und wir haben das nie gesondert geübt. Meine Hündin, lief immer "nackig", bevor sie mit 5 1/2 Monaten zu mir kam; sie ist auch eher ein unsicherer Hund und findet Geschirre je nach Modell zwar bis heute nicht toll aber von Panik sind wir selbst da weit entfernt. Vielleicht hat es sich auch ein bisschen zum Selbstläufer entwickelt, weil zu viel Bedeutung auf dem "anziehen" liegt?

Wo kommt Ihr denn her? Es gibt hier im Forum eine Liste mit empfehlenswerten Trainern, nach Postleitzahl sortiert. Vermutlich wären Einzelstunden erst einmal das Mittel der Wahl, um genau herauszufinden, wo Eure Baustellen sind. Ja, sie sind teuer... Aber wenn man die richtigen Tipps und Hausaufgaben bekommt und diese umsetzen kann, braucht man nicht sehr viele und vor allem erleichtert es euch den Alltag enorm.

Viele Grüße
Patrizia mit Tiana und Nanouk
 
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17 Mai 2021
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#5
Hallihallo,

Würde es noch interessant finden wie euer Tages Ablauf aussieht. Wie hat sich euer alt Hund der Hündin verhalten wie sie gekommen ist.
Was ich mir gleich denke du wolltest doch einen Hund der diskutiert? das tut sie doch das sie dir zeigt Halsband etc interessiert sie nicht. Aber das würde ich mit spielen belohnen zb zerrspiel Geschirr rauf mit Leckerlie belohnen und dann unter spazieren gehen Zerr Spiel machen, irgendwann wird sie es positiv verknüpfen.


Hallo Scolan!

Erstmal vielen Dank für deine Antwort! :)

Unser Tagesablauf ist derzeit recht unterschiedlich, aber meistens ist es so, dass mein Mann oder ich gegen 6 h morgens aufstehen, danach gehe ich meist nur mit dem Rüden kurz raus (so ca. 20 Min.), habe aber auch schon beide dabei gehabt, nur ist es dann eben sehr problematisch, wie ich auch schon in meinem Post schrieb. In der Zeit schläft Finja und kommt meist veträumt an, wenn ich wieder reinkomme. Danach gehe ich entweder auch noch kurz mit ihr raus oder arbeite dann direkt im Home-Office bis ca. 12:30 h. In der Zeit ist sie sehr ruhig und schläft fast nur. Da hatte ich auch schon Bedenken, dass ich ja zu wenig mit ihr mache, wenn ich z. B. gar nicht rausgehen und sie nur in den Garten lasse, weil sie ja bereits die ganze Nacht geschlafen hat, aber als ich ein paar mal ein Schnüffelspiel mit ihr gemacht habe, drehte sie so richtig auf und kam erst einige Zeit später wieder runter, seitdem lasse ich das.

Nach dem Mittagessen gehe ich bei Home-Office Tagen erstmal mit ihr raus. Am schlimmsten sind eigentlich die 100 m bis zu einer größeren Wiese, wenn uns da ein Hund/komischer Mensch/Kind entgegen kommt, rastet sie quasi komplett aus, bellt herum etc. Wenn uns nichts entgegen kommt, geht sie relativ gut an der Leine. Bis zur Wiese trainiere ich sehr oft z. B. Kinder ruhig anzuschauen, die sich auf der gegenüberliegenden Seite auf dem Spielplatz befinden, also mit so weitem Abstand wie möglich, stehe dann quasi fast am Haus. Das hat sich auch schon deutlich gebessert, da dreht sie mittlerweile nicht mehr ganz so auf. Wenn wir dann bei der Wiesen angelangt sind, mache ich ihr immer die 5 m - Schleppleine dran, dann darf sie loslaufen, aber sollte eben nicht ziehen, was sie da auch kaum mehr macht. Wenn sie dann etwas ruhiger geworden ist, lass ich sie auch komplett frei und wir üben diverse Kommandos, Rückruf etc. aber eben alles nicht übertrieben und nur recht kurz. Dann mache ich meist noch ein Schnüffelspiel mit Leckerlis mit ihr oder nehme auch mal einen Kong zum werfen, den sie dann suchen und bringen muss, wobei bringen noch so gar nicht ihr Ding ist, vor allem nicht einen Leckerlidummy, aber da üben wir noch. Dann machen wir uns wieder auf dem Heimweg, auf dem es häufig besser mit ihr ist, klar sie ist ja dann auch ausgelastet und ausgepowert, da reagiert sie nicht mehr ganz so intensiv auf Hunde/Menschen etc. und ist besser steuerbar. Das war jetzt nur mal ein grobes Beispiel, wie manche Spaziergänge bei uns aussehen, je nachdem, ob wir doch mal einen anderen Hund begegenen (ist hier leider eher selten, da viele Leute ihre Hunde nur an der Leine lassen und keinen Kontakt wünschen) oder eine aufregenden Situation haben, wie z. B. spielende Kinder mit Fußball, Hühner, Pferde etc. variieren die Spaziergänge von der Zeit her. Sehr häufig setze ich mich auch einfach ins Gras oder auf eine Bank, lasse sie viel beobachten oder bleibe einfach stehen, was sie anfangs sehr frustriert, aber in der Zwischenzeit deutlich gebessert hat. Im Durchschnitt dauert der Spaziergang mit ihr ca. 1 - 1,5 h. Danach ist dann mein Rüde dran, sie ist dann erstmal fertig und schläft. Mit ihm bin ich meist ca. 45 Min - 1 h draußen, je nach Wetterlage, er ist zwar noch fit, aber er spürt schon seine Gelenke etwas und will einfach manchmal auch nicht mehr so lange gehen, was ja kein Problem ist.

Danach kümmere ich mich um Hausarbeit etc. die beiden schlafen dann meistens bis mein Mann gegen 16 - 17 h heimkommt. Danach gehen wir gemeinsam raus in den Wald, dort ist sie auch mit Schleppleine, allerdings 10 m unterwegs, da sie auch schon Jagdtendenzen gezeigt hat und wir leider schon blöde Begegnungen hatten (sowohl mit Mensch als auch mit Tieren). Der Rüde läuft immer frei. Das dauert auch so ca. 1 h, dabei spielen die beide häufig ausgelassen miteinander, wir machen Leckerlisuchspiele im Geäst und Gestrüb mit beiden, auch mal Waldagility, wenn es sich anbietet, Kommandos. Wenn wir dann heimkommen, sind beide müde, manchmal schaut Finja noch, was wir so zu essen machen *g* aber spätestens, wenn wir dann gegen 19 h auf der Couch sind, liegen sie bei uns und schlafen meist bis wir um ca. 22 h ins Bett gehen. Zwischendurch will sie vielleicht mal raus oder, je nachdem, wieviel sie erlebt hat, rammelt sie auch mal ihr Kissen, aber das hat sich auch schon sehr gebessert, seitdem wir sie zu uns rufen und mit streicheln und/oder kurz festhalten zur Ruhe bringen. Beide schlafen dann bis zum nächsten Morgen in ihren Betten vor unserem Schlafzimmer im 1. OG, mein Rüde geht dann meist ins EG.

Das ist jetzt so die Beschreibung von einem durchschnittlichen Tagesablauf, wenn ich mal nicht so lange mit ihr rausgehe, beschäftige ich sie auch mit Schnüffelteppichen, ein paar Tricks und Maulkorbtraining. Ich vermeide häufig alles, was sie aufpuscht, da sie dann nur schwer wieder herunterkommt, also kein Ballspielen, Frisbee etc. und schnüffeln liebt sie über alles. Am Wochenende haben wir gerade mit Mantrailing angefangen, aber nur privat mit einem guten Buch, das gefällt ihr auch schon sehr.

Wenn ich arbeiten gehe, läuft es entweder ähnlich bei meinem Mann wie bei mir ab (nur das er mit beiden zusammen im Wald geht), wenn er Home-Office hat oder an 1-2 Tagen, an denen wir beide arbeiten müssen, sind sie von morgens bis mittags alleine. Das Alleinebleiben kann sie allerdings sehr gut, darauf haben wir von Anfang an sehr darauf geachtet, sie auch mit Wildkamera beobachtet und da ist sie wirklich ruhig und schläft viel. Manchmal gebe ich ihr auch noch einen tiefgefrorenen Kong oder anderweitig etwas zum kauen zur Beschäftigung oder sie darf Leckerlis in Zeitungspapier im Karton suchen, das habe ich aber mittlerweile ziemlich zurückfahren können und nahezu abgestellt. Der einzige Unterschied besteht an den Arbeitstagen darin, dass ich zuerst mit Sammy rausgehe und dann erst mit ihr, was sie aber auch nicht als schlimm erachtet und nie in irgendeiner Weise gestresst war, als ich wieder mit ihm nach Hause kam. Sie ist dann zwar schon noch aufgeregt, aber auch das hat sich schon etwas gebessert. Anfangs bin ich immer zuerst mit ihr gegangen, aber da war sie dermaßen in Rage vor Aufregung, dass ich das schnell abgestellt habe, auch weil ich dann manchmal noch zusätzlich von der Arbeit gestresst bin und sich das sicherlich auch leicht auf sie übertragen hat.

An Wochenenden und freitags (da habe ich immer frei) ist es nochmal entspannter, da gehen wir auch mal länger raus und nur gemeinsam. Morgens wird dann erstmal ausgiebig im Bett gekuschelt (wenn sie nur gerade nicht so haaren würden *g*) :)

Das war so mein Tagesablauf, hoffe es ist ein wenig verständlich, falls da noch Fragen bestehen, immer her damit ;-)

Als wir sie mit 8 Wochen bekommen haben, hatten wir bei unserem Althund schon das schlimmste befürchtet, da er doch ziemlich territorial, vor allem im Haus ist. Aber da ich schon ein paar Gasthunde hatte, wusste ich so ziemlich, worauf ich mich einlasse und dachte, die Gewöhnung wird erstmal unser größtes Problem werden und viel Training erfordern. Tja es kam anders, schon am 2. Tag konnten wir beide zusammenlassen. Er hat sie schon ein paar Mal zurechtgewiesen, als sie zu frech wurde und etwas Training war auch erforderlich, aber er ist nie direkt auf sie losgegangen, hat sie sofort im Auto neben sich geduldet und seine Box war auch schnell erobert (ja seine Box mag sie ab und an gerne aufsuchen, ihre eher nicht). Es gab ein paar Situationen, bei denen man etwas aufpassen musste, wie z.B. bei Futter, aber das hat sich sehr schnell gelegt und heute spielen sie bei fast jedem Spaziergang miteinander und er ist dadurch sogar noch etwas fitter geworden, laut meiner Ostheopathin :)

Klar wollte ich einen Hund, mit denen ich diskutieren muss, aber es hätte jetzt nicht unbedingt das absolut unsichere Sensibelchen sein müssen, ich hätte mir eher etwas draufgängerisches, vom Wesen her festeres Wesen gewünscht, was die Züchterin aber auch bei ihr so gesehen hat. Nur hat sie sich dann eben nochmal verändert, was man wahrscheinlich schwer voraussagen konnte bzw. die Erfahrung dafür fehlte. Die Geschwister von ihr sind auch alle sehr unterschiedlich, aber da war es dann teilweise genau das Gegenteil, die die etwas ruhiger und zurückhaltender waren, sind draufgängerischer geworden, die anderen eher unsicher und senbiler.

Genau das habe ich bei dem Geschirr auch schon probiert, ihr schnell übergezogen und dann sofort gespielt/getobt, eben auch unterschiedlich belohnt. Hat dann 1-2 x funktioniert, danach wollte sie gar nicht mehr ins Geschirr, hat ihren Kopf quasi versteckt, ist zurückgeschreckt und weggegangen. Da hat man dann keine Chance mehr, weil sobald man etwas, nur minimalen Druck bei ihr aufbaut, ist es sofort vorbei. Sie hat anfangs auch Angst vor dem Klickgeräusch der Schnallen gehabt, das geht mittlerweile ganz gut. Auch dreht sie nicht mehr ganz so durch, wenn sie das Geschirr mal anhat, bis vor ein paar Monaten ist sie dann nur noch im Kreis gelaufen, gejault, gekratzt. Als sie sich dann beruhigt hat, ging es, nur beim ausziehen, wenn ich ein anderes Geschirr als das dogfellow nehme, bekommt sie auch heute noch Panik und hasst es einfach. Beim Halsband macht sie das heute auch noch, aber erst, wenn wir draußen sind, versucht es dann, sofort abzubekommen, dreht richtig auf, auch wenn keine Leine dran ist. Ich habe ihr auch vor ein paar Monaten ein dogfellow Geschirr easy besorgt, weil ich dachte, dass es sie an ihren Fledermausohren stört, wenn ich es ihr über die Ohren lege und mit diesem Geschirr man nur den Klickverschluss am Hals öffnen muss. Seitdem lässt sie es sich zumindest mal normaler ausziehen, das Klicken beim anziehen mag sie noch weniger, als wenn sie den Kopf durchsteckt. Ich habe wirklich noch nie so einen Hund erlebt, der damit solche Probleme hat, aber das war wohl schon bei der Züchterin so, was man auf manchen Videos gut sehen konnte, dass viele da halb durchgedreht sind..

Arbeitslinie gibt da natürlich auch Couch Hunde wo auch bei Show Arbeits wütige gibt. Aber denke Mal das du ein Energiebündel hast.

Joa das stimmt, sehe ich ja selbst an den beiden. Sammy ist ein absoluter Couchpotatoe, so einen findet man wahrscheinlich sehr selten, denn er hat noch nie etwas eingefordert, war sehr ruhig als Welpe schon und ließ sich recht leicht führen. Zu viel Druck darf man bei ihm natürlich auch nicht aufbauen, denn er ist schon sensibel, aber er verträgt das etwas besser als sie. Sie ist quasi fast das Gegenteil von ihm, was ihr aber wohl beim Ruhe lernen viel hilft und schon geholfen hat.

Im Endeffekt sagen wo du wohnst evtl gibt es hier jemanden der einen Trainer kennt der auf Hütehunde spezialisiert ist und kann ihn dir weiter vermitteln. Gerade das mit anderen Hunden würde ich aufpassen denke selbst das sie sehr unsicher ist. Aber das ist nur reine Vermutung von mir.

Also wir kommen direkt aus Ansbach, es wäre wirklich super, wenn jemand einen guten Trainer für uns wüsste, der eben auch Erfahrung mit Hütehunden hat, das suche ich schon lange. Ja das ist wirklich absolute Unsicherheit, daher möchte ich das zumindest in Bahnen lenken, in denen sie steuerbar ist, weggehen wird das wahrscheinlich nicht mehr ganz, aber es soll nicht in Aggression umschlagen, das ist meine größte Sorge.

Würde mich interessieren wie es bei euch weiterläuft


Ich halte dich gerne auf dem Laufenden :)

Schöne Grüße!
 
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17 Mai 2021
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#6
zunächst einmal herzlich Willkommen bei uns im Forum und viel Spaß beim Stöbern :)

Die von dir beschriebenen Dinge erinnern mich in mancher Hinsicht ein bisschen an meine eigene Situation früher. Aber die Auslöser dafür können völlig andere sein und es ist äußerst schwierig, bis unmöglich, hier im Forum Tipps dazu zu geben. Wie Scolan schreibt: Wie sieht euer Tagesablauf aus? Stimmt die Balance aus Ruhephasen und (geistiger) Auslastung für Finja? Kommt die Hündin außerhalb der geschilderten Situationen gut zur Ruhe? Wann und wie reagierst Du, wenn Deine Hündin in Rage gerät? Bzw. wenn sie Verunsicherung gegenüber anderen Hunden zeigt?[/QUOTE]
Hallo Patrizia!

Vielen Dank für deine Antwort :)

Den Tagesablauf habe ich jetzt mal bei Scolan geschrieben, wenn aber noch weitere Fragen bestehen, darfst du sie gerne jederzeit stellen.

Meiner Meinung nach stimmt schon das Verhältnis zwischen Ruhe und Auslastung, nur ist es für mich bei ihr wirklich verdammt schwer, da eine richtige Balance zu finden, weil sie eben auch recht schnell überdreht. Sie schläft aber normalerweise schon mind. 18 h am Tag, darauf haben wir von Anfang an geachtet, weil wir eben später kein hibbeliges Tier haben wollen, das nur noch auf Arbeit wartet. Bisher ist das uns recht gut gelungen, sie findet abends relativ schnell zur Ruhe und schläft auch viel.
Ich reagiere da sehr unterschiedlich, es kommt immer auf die Situation an. Wenn ich den Hund vorher sehe, der auf der anderen Straßenseite auf uns zukommt, versuche ich sie mit Leckerli abzulenken, das gelingt meist bis zu dem Punkt, an dem der andere Hund nur wenige Meter auf der anderen Straßenseite entfernt ist. Wenn sie dann plötzlich mit Bellen beginnt und sich in die Leine reinhängt, versuche ich sie zurückzuziehen, damit ich nicht falle und gehe in schnellerem Schritt weiter, ziehe sie dann mit. Ich habe ihr aber auch schon ein deutliches "Hey" gesagt, was natürlich bei ihr in dieser höchst aufgeladenen Situation Blödsinn ist, aber auch darauf reagiert sie nicht. Manchmal halte ich dann auch die Leine straff, damit sie mir nicht vor die Füße läuft, was aber meist kaum gelingt und ignoriert habe ich sie auch schon. Auch hab ich ihr schon ein deutliches "Sitz" gesagt, was sie aber aufgrund der Aufgeregtheit auch erst später machen konnte, Ein anderes Mal habe ich sie auch mit Leckerliwerfen abgelenkt, das hat zumindest mal relativ gut funktioniert, aber da hat sie dann die Situation kaum wahrgenommen, zumindest aber mal nicht ausgerastet.
Wenn ich den Hund nicht kommen sehe, was hier leider häufig vorkommmt, ignoriere ich es meist und ziehe sie weiter. Danach verlange ich meist noch ein "Sitz" von ihr, was sie dann auch macht, wenn sie nicht zu aufgeregt ist, damit sie schneller wieder herunterkommt, was aber auch nicht immer gelingt.

Für mich liest es sich so, als wäre die Hündin mit diesen Situationen überfordert, sie könnte aber ebenso gut unterfordert sein. Oder pubertär bedingte "Aussetzer" haben. Oder, oder...

Ich denke auch, dass sie mit diesen Situationen einfach vollkommen überfordert ist, wir konnten auch nicht so viel trainieren, weil ja ständig Lockdown war, auch das Training mit verschiedenen Reizen war nahezu unmöglich, weil es schlicht einfach nur wenig gab bzw. wenige Menschen/Hunde unterwegs waren. Jetzt wird es langsam immer mehr und sie kommt damit so gar nicht klar, so lässt sich das für mich ein Stück weit erklären, aber sicherlich haben wir auch manche Fehler gemacht..

Warum hast Du ihr versucht, Halsband und Geschirr "schmackhaft" zu machen? War sie von Anfang an panisch, wenn Du es ihr anziehen wolltest? wie positionierst Du Dich, wenn Du sie anziehst? Seitlich des Hundes? Von vorne? Bei uns gehört das Anziehen von Geschirr und Halsband zum Alltag, wie für mich das Schuhe anziehen. Es ist selbstverständlich und wir haben das nie gesondert geübt. Meine Hündin, lief immer "nackig", bevor sie mit 5 1/2 Monaten zu mir kam; sie ist auch eher ein unsicherer Hund und findet Geschirre je nach Modell zwar bis heute nicht toll aber von Panik sind wir selbst da weit entfernt. Vielleicht hat es sich auch ein bisschen zum Selbstläufer entwickelt, weil zu viel Bedeutung auf dem "anziehen" liegt?

Ja sie war von Anfang an panisch, wie ich auch schon bei Scolan geschrieben habe. Das Thema haben wir von Beginn an. Ich positioniere mich immer nur seitlich, da es ja sonst bedrohlich auf den Hund wirkt. Für meinen Rüden gehört es auch zum Alltag dazu, der hat damit null Probleme, von Anfang an schon nicht, da haben wir es auch etwas trainiert, aber es war eher ein Selbstläufer, weil auch die Züchter schon viel geübt haben. Finja hat mittlerweile auch keine Panik mehr, aber sobald man einen Schritt mit dem Geschirr oder Halsband auf sie zumacht, schreckt sie sofort zurück, erst wenn sie selbst reingeht, dann geht es einigermaßen. Das Ausziehen mag sie nach wie vor nicht.

Wo kommt Ihr denn her? Es gibt hier im Forum eine Liste mit empfehlenswerten Trainern, nach Postleitzahl sortiert. Vermutlich wären Einzelstunden erst einmal das Mittel der Wahl, um genau herauszufinden, wo Eure Baustellen sind. Ja, sie sind teuer... Aber wenn man die richtigen Tipps und Hausaufgaben bekommt und diese umsetzen kann, braucht man nicht sehr viele und vor allem erleichtert es euch den Alltag enorm.

Ich habe schonmal etwas in der Liste geschaut, da wir aus Ansbach kommen, wäre nur Nürnberg in der Nähe, das ist aber noch auch fast 1 h entfernt, würden wir aber natürlich investieren, genauso das Geld, wenn es denn etwas bringt. Wir hatten ja schonmal eine Einzelstunde aufgrund des Themas mit Hundbegegnungen, nur hat uns das nicht viel gebracht, weil ich diese Methodik mit dem Clicker nicht oder nur schlecht bei zwei Hunden anwenden kann und so eine richtige Erklärung war auch nicht dabei, Hausaufgaben leider schon gar nicht und die gute Dame wollte dann auch mehrere Einzelstunden machen, hätte dann über 600 € gekostet, evtl. für nichts, das war irgendwie etwas komisch. Wir haben nun Anfang Juni auch noch ein Begegnungstraining für einen Tag gebucht, vielleicht bringt uns das ja auch etwas. Ich hoffe nur, dass nun die Hundeschulen auch offen bleiben, denn das Training, das wir bei einer anderen Hundeschule in Nürnberg hatten, hat Finja schon geholfen, nur findet das leider erst wieder im Winter statt bzw. Januar nächsten Jahres. So lange möchte ich dann nicht warten, daher denke ich auch, dass wohl Einzelstunden für uns besser wären.

Schöne Grüße

Nicole mit Finja und Sammy
 
Zuletzt bearbeitet:
Dabei
8 Jul 2017
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#7
Hallo Nicole,

du bemühst dich sehr, klasse. Wie die Zuchtstätte war usw ist schon kein Thema mehr, daran ist nichts mehr zu ändern. Es gibt so viele Hunde die unsicher sind, aus dem Tierschutz aus der Zucht oder aus dem Ausland.
Jeder Hund ist anders , ich wünsche alles Gute ... Leine braucht Zeit und Hundebegegnung erst recht. Würde nicht in allzu viele doof Begegnungen laufen, bis Hilfe Vorort, ev braucht sie einfach mehr Abstand .

Alles Gute
 
Dabei
2 Aug 2016
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10
#8
Hallo Nicole,

herzlich willkommen im Forum. Was du bezüglich Hundebegegnungen beschreibst kommt mir sehr bekannt vor. Meine Hündin ist ebenfalls unsicher und gleichzeitig sehr territorial was es eine ganze Zeit lang sehr schwierig gemacht hat in unserer direkten Umgebung auf fremde Hunde zu treffen. Mittlerweile ist Tammy 5 Jahre alt und wir haben dass gut im Griff. Meine Hündin hat gelernt sich auf mich zu verlassen. Das braucht jedoch Zeit und ganz viel Geduld, richtiges Timing und vor allem selbstsicheres Handeln von deiner Seite. Ich weiß nur zugut wie es ist wenn der eigene Hund fremde Hunde verbellt, man fühlt sich einfach schlecht dabei und mit jeder Begegnung wird dieses Gefühl schlimmer. Uns hat es am Anfang geholfen weiter weg zu fahren um spazieren zu gehen, dort liefen die Begegnungen meist positiv ab. Ob das auch der richtige Weg für euch ist kann ich natürlich nicht Beurteilen. Weiterhin hab ich auch Alternativen angeboten, so hatte Tammy die Wahl fremder Hund verbellen oder leckere Fleischwurst suchen.

LG Nicole und Tammy
 
Dabei
19 Jan 2017
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818
#9
Hallo liebe Nicole,

ich finde es toll, dass du dir die Zeit nimmst so einen langen und ausführlichen Text ins Forum zustellen. Danke dafür. :)

Das sind schon nicht ganz einfache Baustellen, vorallem wenn man versucht an allen gleichzeitig zu arbeiten.
Deshalb kann ich mir gut vorstellen, dass ihr gemeinsam (Du und deine Hündin) unter einem enormen Druck und Stress steht.
Hinzu kommt noch, dass deine Maus in ein Alter kommt, wo körperlich und seelisch einiges im Umbau ist. Die Pubertät klopft an.
Außerdem klingt es für mich nach einer super sensiblen Hündin, die sehr stark auf Reize (Bewegungen, Mimik, Körpersprache)
in ihrem Umfeld reagiert. Im Grunde nichts Schlechtes. Man muss es "nur" wissen zu nutzen.

Ich persönlich würde jetzt erst einmal versuchen den Druck wieder rauszubekommen.
Sodass die positiven Erfahrungen, die ihr miteinander erlebt wieder überwiegen.
Momentan hört sich alles mehr nach einem Gegeneinander an. Überall gibt es Reibungspunkte.
Da baut sich ganz viel Frust und Stress auf. Die Zündschnurr wird immer kürzer. Nicht nur bei Dir, auch bei deiner Maus.
Ein schwieriger Teufelskreis. Keine gute Voraussetzung zum Trainieren und an den Dingen zu arbeiten.
Deshalb würde ich diese Spirale erst einmal durchbrechen, damit ihr wieder in Ruhe starten könnt.
Sucht euch zum Spazierengehen ein ruhiges Umfeld, wo ihr einfach mal wieder Spaß miteinander habt.
Auch ruhig mit deinem Althund zusammen. :)

Dann würde ich irgendwann in ein Gebiet wechseln, wo ihr anderen Hunden/Menschen frühzeitig seht.
Wenn ihr nach Turid Rugaas mit Calming Signalen arbeitet (finde ich gut), müsstest Du vorzeitig diese Signale bei deiner Hündin beobachten und entsprechend reagieren. Es sollte bei dir ein Gefühl für den Radius deiner Hündin entstehen. Welche Entfernung toleriert sie bei Hunden/Menschen. Und ab wann verfällt Sie ins Bellen und Ziehen. Dann ist es zu spät. Oder eher gesagt Du bist dann zu spät.
Ist sie im Verhalten drin, erreichst du sie im Kopf nicht mehr. Versuche wirklich früh zu reagieren und sie im Kopf für dich zu gewinnen. :)
Zum Beispiel mit dem "Schau". Sobald Sie nur die kleinsten Calming Signale zeigt würde ich das "Schau" verwenden. Dann hat sie die Chance noch mit dem Kopf bei dir zu sein. Sofort belohnen. Und es dabei schon belassen. Nicht ihren Radius missachten und schon in die Konfrontation zum fremden Hund/Menschen gehen. Positiv abschließen. Sich richtig freuen mit ihr und euch wieder aus der Situation zurückziehen. Das bringt jetzt zu Anfang wieder Sicherheit für deine Fellnase und baut wieder Vertrauen auf. Dieser Radius kann zum jetztigen Zeitpunkt sehr groß sein. Mit dem Älterwerden (überstandene Pubertät) und Vertrauen zu Dir kann er sich verkleinern. Es kann auch sein, dass sie eine Hündin wird, die immer etwas Abstand benötigt, dass sollte man nach einer gewissen Zeit respektieren und ihr auch zugestehen.
Ich würde da jetzt aber erst einmal in langsamen Schritten und Fingerspitzengefühl rangehen. :)
Nicht die Brechstange bei einer so sensiblen Hündin benutzen und versuchen Sie auf kurzer Distanz an Hunden und Mensche vorbeizuführen.
Vorallem wenn sie diese unheimlich findet.

Mit der Zeit, oder wenn Du merkst ihr werdet sicherer und es klappt alles in einem gewissen Radius, kannst du die Entfernung etwas verkleiner.
Aber nur so viel, wie sie aushält, ansprechbar ist und nicht ins alte Verhalten fällt. Alles braucht seine Zeit. Vorallem jetzt in dieser Altersphase.
Finja ist erst etwas über 1 Jahr alt. Jetzt fängt erst so richtig das Training an. :)
Sie ist noch ganz jung. Es klappt nicht immer alles. Was vollkommen normal ist in diesem Alter.
Es gibt Auf und Abs. Tagesformen. Einfach weiter trainieren. :)

Fällt mir noch ein: Stehenbleiben und neben dir sitzen zu müssen (klassische und beliebte Rangehensweise von Hundeschulen:p), kann je nach Charakter bei Hütehunden das Gegenteil bewirken und das unerwünschte Verhalten noch verstärkt.
Beim Stehenbleiben und Sitzen in Situationen die unheimlich sind, verlangt man immer sehr viel.
Insbesondere bei deiner sensiblen Finja. Belohne sie dafür wirklich ausgiebig, dass ist ganz großes Kino,
wenn sie trotz unheimliche Reize auf dich hört und sich neben dir setzt und bleibt.

Das waren jetzt so meine ersten Gedanken. Ich hoffe, ich konnte etwas helfen.
Du schaffst das! Bleib dran, es zahlt sich wirklich aus. :)
 
Dabei
17 Mai 2021
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#10
Hallo Nicole,

du bemühst dich sehr, klasse. Wie die Zuchtstätte war usw ist schon kein Thema mehr, daran ist nichts mehr zu ändern. Es gibt so viele Hunde die unsicher sind, aus dem Tierschutz aus der Zucht oder aus dem Ausland.
Jeder Hund ist anders , ich wünsche alles Gute ... Leine braucht Zeit und Hundebegegnung erst recht. Würde nicht in allzu viele doof Begegnungen laufen, bis Hilfe Vorort, ev braucht sie einfach mehr Abstand .

Alles Gute
Guten Abend Senior!

Vielen Dank für deine aufmunternde Antwort.

Mit der Züchterin wollte ich einfach nur deutlich machen, dass Finja definitiv kein sog. "Coronahund" war oder eine unüberlegte Anschaffung von einem Vermehrer etc., da ich schon seit ca. 5 Jahren einen Zweithund wollte und ich mir diesen Traum nun endlich aufgrund der neuen Wohn- und Arbeitssituation erfüllen konnte. :)

Auf Abstand gehe ich sowieso immer mit ihr, so weit wie möglich, nur manchmal ist ausweichen eben schwierig, besonders wenn ein Ereignis plötzlich auftaucht wird es leider nahezu unmöglich.

Ich denke auch, dass es wirklich noch sehr viel Zeit braucht, bis sie gewisse Situationen meistern kann.

Danke, dir auch alles Gute! :)
 
Dabei
17 Mai 2021
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#11
Hallo Nicole,

herzlich willkommen im Forum. Was du bezüglich Hundebegegnungen beschreibst kommt mir sehr bekannt vor. Meine Hündin ist ebenfalls unsicher und gleichzeitig sehr territorial was es eine ganze Zeit lang sehr schwierig gemacht hat in unserer direkten Umgebung auf fremde Hunde zu treffen. Mittlerweile ist Tammy 5 Jahre alt und wir haben dass gut im Griff. Meine Hündin hat gelernt sich auf mich zu verlassen. Das braucht jedoch Zeit und ganz viel Geduld, richtiges Timing und vor allem selbstsicheres Handeln von deiner Seite. Ich weiß nur zugut wie es ist wenn der eigene Hund fremde Hunde verbellt, man fühlt sich einfach schlecht dabei und mit jeder Begegnung wird dieses Gefühl schlimmer. Uns hat es am Anfang geholfen weiter weg zu fahren um spazieren zu gehen, dort liefen die Begegnungen meist positiv ab. Ob das auch der richtige Weg für euch ist kann ich natürlich nicht Beurteilen. Weiterhin hab ich auch Alternativen angeboten, so hatte Tammy die Wahl fremder Hund verbellen oder leckere Fleischwurst suchen.

LG Nicole und Tammy
Guten Abend Nicole! ;-)

Dankeschön für die sehr nette Antwort und dem Bericht eigener Erfahrungen!

Oh ja, das kann ich mir sehr gut vorstellen, dass es bei euch dann auch sehr schwierig war. Ich habe mittlerweile auch das Gefühl, dass bei ihr das territoriale zusammen mit unsicherem Verhalten auftritt. Vor allem, vor unserer Haustür und der direkten Straße rastet sie förmlich aus, wenn da ein Mensch oder Hund ist und lässt sich dann leider nicht mehr ablenken :-( Wir fahren jeden Tag mindestens einmal in den Wald, um einfach etwas entspannter spazieren zu gehen, nur begegnet man dort nahezu niemanden, aber ich werde mich mal genauer informieren, ob es bei uns auch irgendwo so eine Gegend gibt, in der etwas mehr los ist...ist leider sehr schwierig hier.

Schönen Abend wünsche ich noch!

Viele Grüße

Nicole mit Finja und Sammy
 
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17 Mai 2021
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#12
Hallo liebe Nicole,

ich finde es toll, dass du dir die Zeit nimmst so einen langen und ausführlichen Text ins Forum zustellen. Danke dafür. :)

Hallo und schönen guten Abend Katrin!

Erstmal vielen lieben Dank für die sehr ausführliche Antwort!

Das sind schon nicht ganz einfache Baustellen, vorallem wenn man versucht an allen gleichzeitig zu arbeiten.
Deshalb kann ich mir gut vorstellen, dass ihr gemeinsam (Du und deine Hündin) unter einem enormen Druck und Stress steht.
Hinzu kommt noch, dass deine Maus in ein Alter kommt, wo körperlich und seelisch einiges im Umbau ist. Die Pubertät klopft an.
Außerdem klingt es für mich nach einer super sensiblen Hündin, die sehr stark auf Reize (Bewegungen, Mimik, Körpersprache)
in ihrem Umfeld reagiert. Im Grunde nichts Schlechtes. Man muss es "nur" wissen zu nutzen.



Ich persönlich würde jetzt erst einmal versuchen den Druck wieder rauszubekommen.
Sodass die positiven Erfahrungen, die ihr miteinander erlebt wieder überwiegen.
Momentan hört sich alles mehr nach einem Gegeneinander an. Überall gibt es Reibungspunkte.
Da baut sich ganz viel Frust und Stress auf. Die Zündschnurr wird immer kürzer. Nicht nur bei Dir, auch bei deiner Maus.
Ein schwieriger Teufelskreis. Keine gute Voraussetzung zum Trainieren und an den Dingen zu arbeiten.
Deshalb würde ich diese Spirale erst einmal durchbrechen, damit ihr wieder in Ruhe starten könnt.
Sucht euch zum Spazierengehen ein ruhiges Umfeld, wo ihr einfach mal wieder Spaß miteinander habt.
Auch ruhig mit deinem Althund zusammen. :)


Jaaa da schätzt du uns absolut richtig ein und du sprichst mir komplett aus der Seele! Über Monate hat sich gewissermaßen ein Druck und Stress angestaut, sodass der Spaß fast verloren gegangen ist. Das versuche ich nun seit ein paar Wochen zu ändern und eben mehr die positiven Seiten von Finja zu sehen, auch wenn es mir manchmal sehr schwer fällt. Ich denke dann aber auch immer an das Hormonchaos, das sie sicherlich gerade erlebt und das sie einfach sehr sensibel ist. Sie reagiert z. B. auch empfindlich auf Geräusche, wenn sie diese noch nicht kennt, schreckt schnell zusammen, ist aber auch teilweise ziemlich neugierig, auch je nach Stimmung.
Ich denke auch, dass ich mich einfach von dem Gedanken verabschieden muss, dass sie eine absolut selbstsichere Hündin werden wird, die quasi jeden Menschen und Hunde mag (als Welpe und teilweise Junghund liebte sie wirklich jeden Menschen, ich habe sehr gehofft, dass es so bleibt, da wir das Thema schon mit meinem Althund haben). Ich bin dabei, das zu akzeptieren :)

Dann würde ich irgendwann in ein Gebiet wechseln, wo ihr anderen Hunden/Menschen frühzeitig seht.
Wenn ihr nach Turid Rugaas mit Calming Signalen arbeitet (finde ich gut), müsstest Du vorzeitig diese Signale bei deiner Hündin beobachten und entsprechend reagieren. Es sollte bei dir ein Gefühl für den Radius deiner Hündin entstehen. Welche Entfernung toleriert sie bei Hunden/Menschen. Und ab wann verfällt Sie ins Bellen und Ziehen. Dann ist es zu spät. Oder eher gesagt Du bist dann zu spät.
Ist sie im Verhalten drin, erreichst du sie im Kopf nicht mehr. Versuche wirklich früh zu reagieren und sie im Kopf für dich zu gewinnen. :)
Zum Beispiel mit dem "Schau". Sobald Sie nur die kleinsten Calming Signale zeigt würde ich das "Schau" verwenden. Dann hat sie die Chance noch mit dem Kopf bei dir zu sein. Sofort belohnen. Und es dabei schon belassen. Nicht ihren Radius missachten und schon in die Konfrontation zum fremden Hund/Menschen gehen. Positiv abschließen. Sich richtig freuen mit ihr und euch wieder aus der Situation zurückziehen. Das bringt jetzt zu Anfang wieder Sicherheit für deine Fellnase und baut wieder Vertrauen auf. Dieser Radius kann zum jetztigen Zeitpunkt sehr groß sein. Mit dem Älterwerden (überstandene Pubertät) und Vertrauen zu Dir kann er sich verkleinern. Es kann auch sein, dass sie eine Hündin wird, die immer etwas Abstand benötigt, dass sollte man nach einer gewissen Zeit respektieren und ihr auch zugestehen.
Ich würde da jetzt aber erst einmal in langsamen Schritten und Fingerspitzengefühl rangehen. :)
Nicht die Brechstange bei einer so sensiblen Hündin benutzen und versuchen Sie auf kurzer Distanz an Hunden und Mensche vorbeizuführen.
Vorallem wenn sie diese unheimlich findet.

Mit der Zeit, oder wenn Du merkst ihr werdet sicherer und es klappt alles in einem gewissen Radius, kannst du die Entfernung etwas verkleiner.
Aber nur so viel, wie sie aushält, ansprechbar ist und nicht ins alte Verhalten fällt. Alles braucht seine Zeit. Vorallem jetzt in dieser Altersphase.
Finja ist erst etwas über 1 Jahr alt. Jetzt fängt erst so richtig das Training an. :)
Sie ist noch ganz jung. Es klappt nicht immer alles. Was vollkommen normal ist in diesem Alter.
Es gibt Auf und Abs. Tagesformen. Einfach weiter trainieren.
:)

Im Wald, in dem wir mind. 1 mal am Tag gehen, konnten wir ab und an mal das Entgegenkommen von Menschen trainieren, da verfällt sie aber schon sehr weit vorher ins fixieren, lässt sich dann aber auch fast immer schon wieder rausholen, nur es ist leider so, dass ich unter der Woche einmal am Tag hier in der Gegend gehen muss, da ich keinerlei Möglichkeit habe, in eine ruhigere Gegend zu fahren, weil ich keinen Führerschein habe. Nun ist es hier aber so, dass ich vorher eben nie weiß, was und wieviel gerade los ist. Normalerweise begegne ich hier vielleicht mal 1-2 Menschen und leider auch häufig Hunde auf dem Hinweg. Auf dem Rückweg ist noch seltener etwas los. Nur wenn schönes Wetter herrscht, sind meist etwas mehr Leute unterwegs. Wenn ich mal auf dem Feld bzw. der Wiese bin, kann ich von weitem sehen, ob ein Hund oder Mensch kommt oder nicht und genau da trainieren wir auch schon seit Längerem. Sie hält mittlerweile schon etwas weniger Abstand aus, ich mache das also schon genau so, wie du beschreibst, in die Situation reingehen, also direkt zum Menschen oder Hund hin, habe ich hier fast keine Chance, da hier fast jeder seinen Hund nur an der Leine hält und weitläufig ausweicht. Daher hat sie auch eigentlich keine direkten Hundekontakte, weil es einfach nicht möglich ist. Die meisten Hunde hier sind auch nicht verträglich, daher eben so gut wie keine Begegnung. Einerseits will sie auch zu dem Hund hin, weil sie ja schon neugierig ist, nur kann ich das so gut wie nie zulassen...ich kann mir daher schon auch vorstellen, dass sie teilweise auch aus Frust gepaart mit Unsicherheit bellt, je nach Situation und Hund eben. Wir haben hier auch kein Hundefreilaufgebiet o. ä., wahrscheinlich befindet sich die nächste Möglichkeit, um Hunde zu treffen, in Nürnberg. Bei Sammy habe ich das so nie gehabt, weil wir damals in München und Augsburg gewohnt haben, da ist die Hundementalität eine etwas andere, lockerer, unbefangener und viele auch ohne Leine unterwegs...

Bisher versuche ich dann eben immer sie so lange wie möglich bei mir zu behalten, meist mit Superleckerlis, das klappt auch schon relativ gut, zumindest auf der Wiese, wo es ziemlich weitläufig ist. Ich denke, ich werde da das Training auch erstmal so weiter gestalten, da klappt es ja ganz gut. Nur eben auf dem Hin- und Rückweg ist es sehr schwierig, wenn da plötzlich jemand um die Ecke kommt, wie heute eine Frau mit zwei Hunden, habe ich eben keinerlei Chance, aber zumindest hat sie sich dann schneller wieder beruhigt, nachdem ich sofort die Straßenseite gewechselt habe und Leckerlispiel gemacht habe.

Fällt mir noch ein: Stehenbleiben und neben dir sitzen zu müssen (klassische und beliebte Rangehensweise von Hundeschulen:p), kann je nach Charakter bei Hütehunden das Gegenteil bewirken und das unerwünschte Verhalten noch verstärkt.
Beim Stehenbleiben und Sitzen in Situationen die unheimlich sind, verlangt man immer sehr viel.
Insbesondere bei deiner sensiblen Finja. Belohne sie dafür wirklich ausgiebig, dass ist ganz großes Kino,
wenn sie trotz unheimliche Reize auf dich hört und sich neben dir setzt und bleibt.


Also mir wurde das Stehenbleiben nicht in der Hundeschule vermittelt, sondern ich bin irgendwie selbst auf die Idee gekommen, ihr ein Signal zu trainieren, bei dem sie etwas herunterkommt, ab und an, wie in der heutigen Situation macht sie das auch, wenn auch nur kurz, da lobe ich sie viel, nur nicht zu viel, sonst dreht sie wieder total auf. Wir haben in der einen Hundeschule vermittelt bekommen, dass man auf die Leine steigen soll, um quasi ein Ruhesignal zu erzeugen, das hat Finja nie so richtig akzeptiert und hat einen Terror veranstaltet ohne Ende (wir sind jedesmal dort aufgefallen ;-), mittlerweile kennt sie das Verweilen auf einer Stelle recht gut, war aber auch Training notwendig.


Das waren jetzt so meine ersten Gedanken. Ich hoffe, ich konnte etwas helfen.
Du schaffst das! Bleib dran, es zahlt sich wirklich aus.
:)

Wirklich vielen Dank für deine Eindrücke, du konntest aufjedenfall helfen! Und danke, dass du mir auch Mut machst :)

Schöne Grüße

Nicole mit Finja und Sammy
 
Dabei
29 Mrz 2018
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#13
Hallo liebe Aussieliebhaber/innen! :)

Ich habe mich soeben in diesem Forum angemeldet, um vielleicht noch ein paar Erziehungstipps und Tricks von euch zu erhalten, denn ich verzweifel so langsam an meiner Hündin. Zunächst erstmal allgemeines über sie:
Finja ist eine blue-merle Hündin aus der Arbeitslinie (Mutter und Vater hüten aber nicht aktiv), knapp über 1 Jahr alt (geb. 05.05.2020) und lebt seit der 8. Woche bei uns. Wir, das sind mein Mann, ich und unser Althund Sammy, fast 11 Jahre alt und auch ein Aussie. Wir haben sie von einer ASCA-Züchterin, also auch mit Papieren, Untersuchungen etc. Dies war allerdings ihr erster Wurf, weshalb sie noch nicht viel Erfahrung, vor allem in Bezug auf das Verhalten der Welpen, aufweisen konnte. Der Wurf war eine insgesamt sehr agil, aber manche auch eher zurückhaltend, dennoch ziemlich neugierig. Die Züchterin hatte selbst eine Hündin behalten, weswegen sie uns erst sehr spät quasi den Welpen zugeteilt hatte. Finja beschrieb sie immer als eher draufgängerisch, neugierig und diskutierfreudig. Soweit so gut, genau so eine Hündin wollte ich auch immer haben, sie sollte nur keineswegs unsicher sein, was sie auch kaum war, als wir sie alle paar Wochen besucht hatten. Allerdings war die Mutterhündin ziemlich unsicher und zurückhaltend, das hätte uns schon eine deutliche Warnung sein sollen, denn bei unserem Althund Sammy war dies ebenso der Fall, obwohl dies auch seriöse Züchter, leider auch unerfahren, aber die Hündinnen eben eigentlich nicht zur Zucht geeignet waren. Mit Sammy habe ich sehr viel gearbeitet, er hat sich aber auch immer relativ gut lenken lassen, sodass wir nur noch wenige Probleme haben und diese auch gut umgehen bzw. zu lösen wissen.

Nun zu meinen Anliegen mit Finja:

Als Finja bei uns einzog, war sie sehr neugierig, interessiert an allem, aber eben auch schon unsicher und misstrauisch gegenüber uns. Ich habe zunächst mal angefangen, sie an diverse Standardsituationen bzw. Gegenstände, wie Geschirr, Leine, Box etc zu gewöhnen. Dabei zeigte sie schon deutliche Unsicherheiten und war äußerst sensibel und mochte es vor allem nicht, eingeengt bzw. beschränkt zu werden. Ich habe wirklich über Wochen und Monate versucht, ihr z. B. das Geschirr schmackhaft zu machen, (Superleckerli, Clicker etc.) was sie schon bei der Züchterin nicht mochte, aber bis heute mag sie es einfach nicht/hat Angst davor. Sie geht zumindest freiwillig mit einem Leckerli oder einem zu erwartenden Leckerli durch. Halsband habe ich ebenso trainiert, zu Hause klappte es schon ganz gut, draußen flippt sie mal komplett aus und versucht es sich, sofort mit den Pfoten abzumachen und kratzt sich dort ständig, ein anderes mal akzeptiert sie es. Als sie es akzeptierte (bin nur ein paar Meter gegangen), habe ich kurzzeitig die Leine drangemacht, zu Hause hat das schon sehr gut geklappt, draußen ist sie dermaßen ausgeflippt, sodass sie sich fast herausgewunden hätte, obwohl ich darauf achtete, dass absolut kein Zug auf die Leine bzw. Halsband kommt.
Vielleicht wisst ihr da noch einen Tipp?

Ein anderes großes Problem ist bei uns die Leinenführigkeit. Auch diese habe ich versucht von Anfang in richtige Bahnen zu lenken, was auch zunächst klappte. Nur anfangs konnte man mit ihr nur sehr kurz gehen, was sich ganz langsam erst gesteigert hat, da sie einfach viel zu aufgeregt war und wirklich durchgedreht ist (hat nur noch gebellt, gezogen). Mittlerweile hat es sich etwas gebessert, aber sobald sie etwas aufgeregt ist (z. B. einen Menschen sieht, der ihr unheimlich ist oder Hunde) steigert es sich in sekundenschnelle und sie zieht dann nur noch, bellt ab und an und ist nicht mehr zu erreichen. Wir trainieren nach Turid Rugaas, was auch schon Erfolge brachte, aber irgendwie kommen wir nicht weiter. In so einer Situation mit dem Ausflippen bleibe ich immer stehen, lotse sie mit einer Hand zu mir und versuche sie ins Sitz zu bewegen, was sie dann auch meist macht und dann auch wieder etwas ruhiger wird und beruhigt, aber manchmal klappt es auch gar nicht. Wenn sie nur zieht, gebe ich ihr das erlernte Signal, drehe um und belohne sie mit Stimme, wenn sie mitkommt, dann drehe ich mich wieder um und wir gehen den Weg weiter.
Ich habe auch schon probiert, meinen Althund, der leinenführig ist, mit einzubeziehen, nur kann ich nicht alle paar Meter stehen bleiben, bis sie Finja beruhigt hat und erst dann weitergehen, während er dauernd neben mir bleiben muss, was er auch macht. Nur ist das so ja kein Dauerzustand, besonders wenn mein Althund mal dringend muss und dann natürlich irgendwann auch an den Zaun/Gebäude/laterne etc. pinkelt, was ich nicht möchte. Habt ihr da vielleicht ein paar Ideen, wie man das am besten mit zwei Hunden managt? Bisher gehe ich meist nur einzeln nacheinander, weil sonst kein Training mit der Hündin möglich ist, da sie, wenn der Rüde dabei ist, noch weniger reagiert.

Zuletzt gibt es noch Probleme mit anderen Hunden. Da ist sie sehr unsicher, geht bellend in die Leine rein, aber wenn sie dann tatsächlich, vor allem zu einem großen Hund hinkommt, würde sie am liebsten flüchten und hat dies auch schon versucht. Wenn ich den Hund rechtzeitig sehe, was hier bei der Reihenhaussiedlung meist nicht einfach möglich ist, weiche ich aus oder lenke sie mit Leckerliwerfen auf den Boden ab, denn an Vorbeigehen ist absolut nicht zu denken. Sie würde mir direkt vor die Füße rennen und ich hätte nicht die Kraft, sie mit einer Hand zurückzuziehen. Ich habe mit ihr schon das "Schau" Signal aufgebaut, übe es immer wieder, aber in solchen Situationen funktioniert es einfach (noch?) nicht. Da weiß ich langsam auch nicht mehr weiter, es reicht auch schon, wenn sie nur einen Hund von weiterer Entfernung sieht, da flippt sie teilweise schon aus. Sobald man etwas lauter wird, zuckt sie zusammen, legt die Ohren hinten an, hört kurz auf und macht dann natürlich weiter, weil es ja an ihrem Gefühl nichts ändert. Sie ist sehr sensibel, z. B. reicht es schon aus, wenn ich mich zu Hause über irgendetwas ärgere, sie dabei null beachte oder ansehe, selbst dann läuft sie sofort die Treppe rauf in ihr Bett, kommt dann aber nach längerer Zeit wieder.
Wisst ihr da vielleicht noch ein paar Tipps, wie ich am besten mit ihr bezüglich Hundebegegnung und Sensibilität umgehen soll?

Eine Sache möchte ich auch noch erwähnen: Wir waren in 2 Hundeschulen, haben 2 Welpenkurse mitgemacht bis sie 6 Monate alt wurde. Ein Welpenkurs bestand hauptsächlich aus spielen, der andere aus mehreren Trainingseinheiten, sodass da auch schon eine gewisse Basis gelegt wurde. Danach haben wir noch 3mal von 10mal ein Begegnungstraining gehabt, das auch ziemlich gut war, dann kam leider der Lockdown. Vor kurzem haben wir noch einen Leinenführigkeitskurs mitgemacht, der zwar auch nicht so schlecht war, aber da wurde nur rein über Bestechung gearbeitet, was ja anfangs sehr sinnvoll ist, nur sollte das doch schnell in Belohnung übergehe, meiner Meinung nach. Eine Einzelstunde haben wir bisher wahrgenommen, diese war aber nicht so erfolgsversprechend und auch ziemlich teuer. Derzeit bin ich in Kontakt mit einer nochmals anderen Hundeschule, die wir vielleicht mal ausprobieren werden.

Insgesamt muss ich sagen, dass mich meine Hündin wirklich an die Grenze des Belastbaren bringt, weil ich eben auch meinen Rüden nicht vernachlässigen möchte, aber ich habe sie schon in mein Herz geschlossen und bin bereits, auch intensiv mit ihr zu arbeiten.

Vielen herzlichen Dank an Alle, die sich das bis zum Ende durchlesen und entschuldigt, dass es so lange geworden ist, Fragen sind gerne erwünscht.

Schönen Tag euch alle zusammen!

Schöne Grüße

Nicole

Hallo,
hier meine Vorschläge für ein Training Deiner Probleme mit dem Hund :

Wenn Dein Hund insgesamt unsicher ist und bei Begegnungen mit fremden Menschen , oder Hunden Probleme machen ,
kann man von einer schlechten Sozialisierung sprechen .
Um diese zu verbessern sollte der Hund möglichst viele Kontakte haben , nach Möglichkeit mit immer positivem Ausgang .
Das heißt , Begegnungen suchen , aber ihnen nicht ausweichen .
Im Freilauf ,beim Spielen mit anderen Hunden, wenn möglich , anfangs in einem geschlossenen Areal .
Bei uns gibt es in jedem Stadtteil Hundeauslaufzonen , wo Hunde frei herumtoben können .

Beim Freilauf kann man auch einen sicheren Rückruf , oder Pfiff trainieren .

Um Hunde an ein Halsband , oder Geschirr zu gewöhnen , sollte der Hund dieses einfach dauerhaft und ständig tragen .

Die Leinenführigkeit , kann man auf unterschiedliche Weise trainieren .
Versuche es vielleicht am Anfang, in dem Du den Hund dicht an einer Mauer , oder einem Zaun entlang führst
und ihn mit einem Kommando und Körpersprache dabei häufig zum stehen , oder sitzen bringst ,
in dem Du , mit kurzer Leine ,leicht vor den Hund ritzt und ihn zum Halten bringst .

Auch kann der Hund so auch gleich - Bei Fuß - trainieren .
Nehme ein Leckerli in die geschlossene Hand und locke den Hund damit
und dem Kommando , im Gehen , dicht neben Dir her .

Auch würde ich bei Hundebegegnungen kein Futter auf den Boden werfen , sondern ihn mit Leckerli in der Hand ,
-Bei Fuß - an dem fremden Hund vorbei führen . Anfangs bei größerer Distanz .
 
Zuletzt bearbeitet:
Dabei
17 Mai 2021
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32
#14
Hallo Fritz,

Hallo,
hier meine Vorschläge für ein Training Deiner Probleme mit dem Hund :


Wenn Dein Hund insgesamt unsicher ist und bei Begegnungen mit fremden Menschen , oder Hunden Probleme machen ,
kann man von einer schlechten Sozialisierung sprechen .


Entschuldige, wenn ich das nochmal ausdrücklich so sagen muss, aber es fand defintiv eine Sozialisierung, so weit es in dieser speziellen Zeit ging, statt! Wir waren dreimal bei der Züchterin zu Besuch, sie hat sehr viel mit den Welpen gemacht, es kamen verschiedene Leute zu Besuch, auch der Vater der Hunde war mal anwesend, sie unternahm ein paar Ausflüge, Halsband wurde geübt etc. Als wir sie dann bekamen, sind wir mit ihr sehr früh in eine Welpenspielstunde gegangen (dort fand meist nur spielen statt, Finja hat es gut gefallen, da hat sie auch nie gebellt), danach sind wir nochmals in eine andere Hundeschule, auch wieder in eine Welpengruppe (dort fand neben ein paar Spieleinheiten auch richtiges Training statt), auch dort war sie sehr gerne bis sie 6 Monate alt wurde. Danach hätten wir gerne noch einen Basiskurs bzw. Grundkurs besucht, nur war dann leider der Lockdown, da war hier überhaupt kein Training möglich, da die Hundeschulen schließen mussten, nichtmal Einzeltraining durfte hier angeboten werden.

Um diese zu verbessern sollte der Hund möglichst viele Kontakte haben , nach Möglichkeit mit immer positivem Ausgang .
Das heißt , Begegnungen suchen , aber ihnen nicht ausweichen .
Im Freilauf ,beim Spielen mit anderen Hunden, wenn möglich , anfangs in einem geschlossenen Areal .
Bei uns gibt es in jedem Stadtteil Hundeauslaufzonen , wo Hunde frei herumtoben können .


Ich habe von Anfang an nach möglichst positiven Kontakten gesucht, nur ist das hier nahezu nicht möglich, weil die Leute hier einfach mit ihren Hunden ausweichen, flüchten oder keinen Kontakt wünschen, häufig aus nachvollziehbaren Gründen, da hier viele wirklich unerzogen und auch aggressiv sind. Ab und an, wenn ich Glück habe, treffe ich mal eine andere Besitzerin mit einer kleinen Hündin im selben Alter wie Finja, die beiden mögen sich sehr, da bellt sie dann auch nicht mehr und will unbedingt spielen. Ansonsten lasse ich sie viel beobachten, immer mit Abstand, sodass sie eben nicht bellen muss, aber das habe ich ja auch schon bei anderen Beiträgen geschrieben.
Es freut mich wirklich, wenn es bei euch Hundeauslaufzonen gibt, nur gibt es hier sowas überhaupt nicht. Weder in der Stadt noch im Umland. Selbst im einzigen Park, den wir hier haben, herrscht Leinenpflicht von max. 1,5 m. Ich nehme mal an, die nächste Möglichkeit wäre in Nürnberg (ca. 60 km entfernt) gegeben, da ich selbst solche Zonen von München und Augsburg kenne, diese sind aber leider eher in den Großstädten bzw. größeren Städten vertreten, so mein Eindruck.

Beim Freilauf kann man auch einen sicheren Rückruf , oder Pfiff trainieren .


Kann sie beides (Rückrufkommando und Pfiff) zu 90 % perfekt, teils auch schon unter höchster Ablenkung wie Reh und Menschen. Ohne Ablenkung nahezu 100 %. Nur bei anderen Hunden ist es noch schwierig, auch mangels Trainingsmöglichkeit, da bleiben wir aber auch dran.

Um Hunde an ein Halsband , oder Geschirr zu gewöhnen , sollte der Hund dieses einfach dauerhaft und ständig tragen .

Genau so habe ich auch gedacht und es von Anfang an so gemacht...sie mag es bis heute nicht wirklich.

Die Leinenführigkeit , kann man auf unterschiedliche Weise trainieren .
Versuche es vielleicht am Anfang, in dem Du den Hund dicht an einer Mauer , oder einem Zaun entlang führst
und ihn mit einem Kommando und Körpersprache dabei häufig zum stehen , oder sitzen bringst ,
in dem Du , mit kurzer Leine ,leicht vor den Hund ritzt und ihn zum Halten bringst .


Leinenführigkeit klappt mometan wieder ganz gut, so lange eben keine hohe Ablenkung vorhanden ist. Anfangs habe ich das auch so gemacht wie du beschrieben hast, das löste aber dermaßen Frust bei ihr aus, dass ich null Erfolg hatte. Daher habe ich mich in Turid Rugaas eingelesen und die Methode hat wirklich funktioniert, da so eigentlich kein Frust aufkommen kann und man trotzdem weiterkommt. Alleine mit ihr klappt es wirklich schon gut, aber zusammen mit meinem Althund, der absolut leinenführig ist, leider noch kaum. Das werde ich wohl nochmal extra trainieren müssen, dass es zusammen mit beiden klappt..

Auch kann der Hund so auch gleich - Bei Fuß - trainieren .
Nehme ein Leckerli in die geschlossene Hand und locke den Hund damit
und dem Kommando , im Gehen , dicht neben Dir her .

Auch würde ich bei Hundebegegnungen kein Futter auf den Boden werfen , sondern ihn mit Leckerli in der Hand ,
-Bei Fuß - an dem fremden Hund vorbei führen . Anfangs bei größerer Distanz .


Fuß gehen kann sie auch schon sehr gut, wenn nicht zu viel oder keine Ablenkung vorhanden ist. Das macht sie nahezu perfekt, schaut mich dabei sogar an und setzt sich, sobald ich stehen bleibe. Nur mit großer Ablenkung wie bei Hunden klappt es gar nicht. Ich habe das auch schon so versucht, wie du schreibst, bei großer Distanz geht es ganz gut, nur kann ich leider auf dem Gehweg nicht weiter ausweichen wenn mir auf der anderen Gehwegseite jemand entgegen kommt, das ist ihr (noch) zu wenig Distanz. Dementsprechend reagiert sie dann und nein, da bringt kein Leckerli der Welt mehr etwas (Käsewürfel, Wiener etc.), denn da ist sie so in Aufregung und Rage, dass sie das gar nicht mehr nehmen kann. Wenn ich sie dann kurz halte, gelingt es ihr trotzdem durch die Hebelwirkung, mir quasi fast vor die Füße zu laufen, da habe ich kaum eine Chance. Das einzige, was dann wirklich noch etwas hilft, ist ein Suchspiel mit Leckerlies auf den Boden, das bringt sie dann etwas raus aus ihrer Aufregung, sofern der andere Hund nicht schon eine zu geringe Distanz hat. Diesen Tipp bekam ich auch von einer Hundeschule, was natürlich kein richtiges Training darstellt, aber im Notfall besser ist, als nichts zu machen und so ihr negatives Verhalten weiter zuzulassen.

Ich bedanke mich aber trotzdem für deine Tipps, diese haben damals, so vor 10/11 Jahren, bei meinem Aussierüden alle Erfolg gehabt, nur sie ist da in vielen Dingen etwas anders, aber auch diese Herausforderung nehme ich an. :)

Schönen Gruß

Nicole mit Finja und Sammy
 
Dabei
29 Mrz 2018
Beiträge
164
#15
Hallo,
ich kann mir vorstellen , dass übertriebener , allgemeiner Leinenzwang und keine Möglichkeit zum Kontakt . oder zum spielen
mit gleichalterigen , anderen Hunden , Begegnungen zum Problem machen kann .

Diese Situation führt nach meiner Ansicht ,auch allgemein ,bei vielen Hunden und in den Köpfen der H.H. zu Schwierigkeiten , und Aggressionen
bei Hundekontakten .

Aber Du solltest darum vielleicht versuchen , Dich mit gleichgesinnten Anderen zu gemeinsamen Hundespaziergängen zu verabreden ,
zum Trainieren und dann vielleicht auch, an geeigneten Stellen, den Hunde gemeinsam Freilauf zu gestatten .

Ich glaube , dieses ist bestimmt nötig , um den Hunden eine gute Sozialisierung , auch mit fremden Hunden zu ermöglichen .
 
Dabei
19 Jan 2017
Beiträge
818
#16
Wenn Dein Hund insgesamt unsicher ist und bei Begegnungen mit fremden Menschen , oder Hunden Probleme machen ,
kann man von einer schlechten Sozialisierung sprechen .
Diese Aussage ist viel zu stark verallgemeinert.
Es spielen viele Faktoren eine Rolle, warum Hunde bei Begegnungen mit Unsicherheit reagieren, dass hat nicht sofort etwas mit schlechter Sozialisierung zu tun.

Mit dem Geschirr würde ich nicht als Problem sehen.
Es gibt viele Hunde, die es einfach nicht mögen.
Puma ist bis heute kein Freund von Halsbändern, Leinen etc.
Er lässt sich diese Dinge anlegen, aber ist auch heilfroh wenn er sie wieder los ist. ;)

Das einzige, was dann wirklich noch etwas hilft, ist ein Suchspiel mit Leckerlies auf den Boden, das bringt sie dann etwas raus aus ihrer Aufregung, sofern der andere Hund nicht schon eine zu geringe Distanz hat. Diesen Tipp bekam ich auch von einer Hundeschule, was natürlich kein richtiges Training darstellt, aber im Notfall besser ist, als nichts zu machen und so ihr negatives Verhalten weiter zuzulassen.
Wundert mich nicht, das sie gut auf diese Rangehensweise reagiert. :)
Diese Methode vereint mehrere positive Dinge, die unsicheren Hunden (die nicht stark Futterfixiert sind) halt gibt.
Schnüffeln und bewegen gleichzeitig sind für Hunde ein super Stresskiller.
Gleichzeitig ist Schnüffeln und Blickabwenden eine Beschwichtigungsgeste, was euch zusätzlich in die Karten spielt.
Und glaube mir, wenn Finja so sensibel auf ihre Umwelt reagiert, wird sie auch trotz schnüffeln am Boden
immer ein Auge auf das haben, was um sie herum geschieht. Ich habe hier auch so eine aufmerksame Fellnase. ;)
Die Leine wird während des Suchspiels auch einigermaßen locker sein, also keine Beschränkung in ihrer Bewegung.
Da die Leine nicht spannd, geht der Druck auf das Geschirr weg und somit fallen die Druckpunkte auf den Körper des Hundes weg,
also ein Stresssignal von Seiten des Menschen weniger.
Sobald Menschen die Leine kurz nehmen, es muss noch nicht mal richtig Zug drauf sein,
reicht es als Signal schon aus und der Stresslevel geht bei Hunden hoch.

Ich habe selbst zwei Aussies, die aus unterschiedlichen Gründen starke Unsicherheiten entwickelt haben.
Und habe deswegen mehrere Seminare besucht zu Unsicherheiten und Ängsten speziell bei Hütehunden.
Dort wurde auch diese Methode vorgestellt. Wichtig ist, das man irgendwann den Übergang zum Vorbeigehen schafft.
Was du schon probieren kannst, ist dieses Suchspiel mit einem Kommando zu verknüpfen und zu festigen.

Bei uns lief das im ersten Schritt ungefähr so:
Hund gesehen. Leine locker lassen (Nicht mit der Hand die Leine kürzen, ist immer so ein Drang von uns Menschen:)).
Sofort Kommando: "kuck weg" gleichzeitig Futter auf den Boden geworfen.
Leckerei gefunden und gefressen. Blick wieder zum Hund lassen. Wieder Kommando: "kuck weg"
Das sollte man erst ohne Begegnung trainieren.
Erfahrungsgemäß dauert es nicht lange, bis die Verknüpfung erstellt ist. ;)

Wurde die Distanz zu klein, haben wir uns entfernt.
So habe ich das Kommando erst in kleinen Schritten gefestigt.
Wir haben das Suchspiel in der Rangehensweise später nach vorne verlagert und mit dem Kommando "weiter" verknüpft.
Dazu muss man aber wirklich seiner sicher sein.
Irgendwann, aber erst vieeeeeel später, lässt man das Leckerchen weg und sagt "weiter".
Die Fellnase läuft vorbei und danach folgt erst die Belohnung.

Nachdem was du über Finja schreibst, würde ich sie in Begegnungen in der sie mit Unsicherheit reagiert nicht nach den klassischen Methoden ausbilden. (Bewegung einschränken, still sitzen müssen, kurze Leine, nah an dir laufen müssen). Ich weiß, du hast geschrieben in deinem Umfeld
ist es schwierig ihr die nötige Distanz zu geben. Kannst Du für den Anfang nicht in Garageneinfahrten, Hauseingängen oder kleinere Straßen
abbiegen?

In diesen Seminaren ist mir auch bewusst geworden, dass man nicht jede Begegnung wie im Bilderbuch schaffen muss.
Man kann auch ruhig mal etwas ausweichen und muss nicht direkt in Konfrontation gehen. Man kann auch mal ganz in Ruhe umdrehen
(Das Umdrehen kann man auch mit einem Kommando dem Hund beibringen und somit für Sicherheit und Gelassenheit sorgen.
Bei uns heißt es "kehrt") und gelassen zurücklaufen zur nächsten Möglichkeit abzubiegen und das andere Mensch-Hundteam vorbeigehen lassen.
Wichtig: immer so, dass die eigene Fellnase das Vorübergehen des anderen Mensch-Hundteams mitbekommt.
Das ist auch ein großer Erfolg und wird beim Hund unter "wir haben es geschafft" verbucht.
Auch wichtig sich klar zu werden: das hat dann nichts mit verstecken zu tun, oder dass man der Situation aus dem Weg geht.
Man schafft halt mal andere Bedingungen. :)
 
Dabei
29 Mrz 2018
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#17
Hallo Farbkraft,
soziales Lernen ist nur möglich , wenn Hunde ganz selbstverständlichen die Möglichkeit haben , wie sie unterschiedlichen ,anderen Lebewesen ,
angstfrei , wie ohne Aggressionen begegnen und sich mit ihnen beschäftigen können .
Ich denke , wenn es vielleicht auch mit der Futtermethode , unter Ablenkung irgendwann gelingen mag,
Hund einigermaßen ruhig aneinander vorbei zu führen .
Wenn Hunde keine wechselnden, freien Kontakte zu ihres gleichen haben können , werden sie jedoch kaum lernen , wie sie sich dabei richtig verhalten sollen , oder lernt , auch ohne starke Emotionen denn unterschiedlichsten ,anderen Hunderassen zu begegnen .
Es kann zum Anderen nur positiv sein , wenn junge Hunde miteinander spielen können , sich mit Freude bewegen ,oder gemeinsam beschäftigen können.
 
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Dabei
19 Jan 2017
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#18
Hallo Fritz,

ich bin etwas irritiert. Nie habe ich geschrieben, dass Finja abgeschirmt werden soll...
So wie ich die Beiträge von Nicole lese, wird mit Finja sehr gut und gewissenhaft gearbeitet
und ich bin mir sicher, wenn sie weiter so an sich arbeiten, wird sie sich gut entwickeln. :)
 

FrauRossi

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Dabei
26 Mai 2015
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#19
Hallo, ich hab lange „auf meinen Fingern gesessen“ aber jetzt muss ich doch was dazu sagen. Bitte Fritz informiere dich doch nochmal ausführlicher bevor du allgemeine Ratschläge erteilst oder besser gesagt Dinge in den Raum stellst die so einfach nicht stimmen. Schildere gern deine persönliche Erfahrung mit deinem Hund, aber verallgemeinere bitte nicht.
 
Dabei
17 Mai 2021
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#20
Hallo Fritz,

Hallo,
ich kann mir vorstellen , dass übertriebener , allgemeiner Leinenzwang und keine Möglichkeit zum Kontakt . oder zum spielen
mit gleichalterigen , anderen Hunden , Begegnungen zum Problem machen kann .

Diese Situation führt nach meiner Ansicht ,auch allgemein ,bei vielen Hunden und in den Köpfen der H.H. zu Schwierigkeiten , und Aggressionen
bei Hundekontakten .

Aber Du solltest darum vielleicht versuchen , Dich mit gleichgesinnten Anderen zu gemeinsamen Hundespaziergängen zu verabreden ,
zum Trainieren und dann vielleicht auch, an geeigneten Stellen, den Hunde gemeinsam Freilauf zu gestatten .

Ich glaube , dieses ist bestimmt nötig , um den Hunden eine gute Sozialisierung , auch mit fremden Hunden zu ermöglichen .

Da kann ich dir nur teilweise zustimmen. Ich habe es bei Sammy erlebt, der in München am Rande der Stadt aufgewachsen ist. Er hat von Anfang an mit vielen Reizen klarkommen müssen, da er einen ruhigere Charakter hat, ging das auch relativ gut, auch wenn manche Situationen viel Übung erforderten und er bis heute nicht mag, wie z.B. Menschenmassen etc. aber selbst da ist er gut händelbar. So hatten wir auch in München sehr viel mehr Hundekontakte als Finja wohl jemals haben wird, sind immer zu den beliebten Hundeauslaufstellen gefahren, im Park, Wald, da war und ist wohl auch überall keine Leinenpflicht und die Leute dort waren/sind einfach entspannter, wenn ein fremder Hund ihrem begegnet. Sammy kam damit ganz gut klar, spielte viel als er noch jung war, allerdings waren es eben nicht immer nur entspannte schöne Kontakte, die er hatte. Im Gegenteil, anfangs war uns das noch nicht ganz bewusst, wie er teilweise bedrängt wurde, als er dann regelmäßig alle paar Monate von verschiedenen Hunden angegriffen wurde, fand er Hundekontakte gar nicht mehr so toll. Er äußerte das aber nie lautstark mit bellen, sondern ignorierte es meist, knurrte etwas und ging einfach weg. Dennoch ist er seitdem auch unsicher gegenüber fremden Hunden, will den Kontakt möglichst vermeiden und knurrt erstmal jeden Hund an, der ihm zu nahe kommt, ohne Leine versteht sich, denn an der Leine lasse ich ihn zu keinem Hund mehr, das mag er nämlich einfach nicht.
Ich persönlich glaube, dass Sozialisierung zwar schon viele verschiedene Hundetypen braucht, aber es eher entscheidend ist, auf welchen Charaktertyp der Hund trifft und ob er damit umgehen kann, bzw. es schon gelernt hat, damit umzugehen. Dazu gehört auch einfach eine Portion Glück, dass es z. B. nicht zu vielen Angriffen kommt, denn die kamen bei uns fast immer überraschend, ohne Vorwarnung (einer kam plötzlich um die Ecke geschossen und jagte Sammy erstmal, einer hat sich total verändert und ist dann auf Sammy losgegangen etc.) So wird eben der eigene Hunde fürs Leben geprägt und wenn er Pech hat und zu viele negative Kontakte hatte (was sich glaube ich, der Aussie auch relativ schnell einprägt), eben nicht mehr so gut sozialisiert erscheint, obwohl er es vor wenigen Lebensjahren noch war.

Ich versuche daher auch, mir gezielt Hunde für Finja auszuwählen, die vielleicht vom Charaktertyp zu ihr passen und sie nicht überfordern, was sich halt hier als sehr schwierig darstellt, aber ich gebe nicht auf :)

Schöne Grüße
 
Dabei
17 Mai 2021
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#21
Hallo Farbkraft!

Vielen herzlichen Dank für deine Antwort! Darüber habe ich sehr lange nachgedacht, da du meiner Meinung nach total ins Schwarze getroffen und ein absolut richtiges Verständnis, vor allem für den Aussie hast :)

Diese Aussage ist viel zu stark verallgemeinert.
Es spielen viele Faktoren eine Rolle, warum Hunde bei Begegnungen mit Unsicherheit reagieren, dass hat nicht sofort etwas mit schlechter Sozialisierung zu tun.


Mit dem Geschirr würde ich nicht als Problem sehen.
Es gibt viele Hunde, die es einfach nicht mögen.
Puma ist bis heute kein Freund von Halsbändern, Leinen etc.
Er lässt sich diese Dinge anlegen, aber ist auch heilfroh wenn er sie wieder los ist. ;)


Zur Sozialisierung habe ich mich ja schon bei Fritz geäußert, vielleicht hat da auch jeder seine eigene Interpretation oder Meinung, bzw. liegt es wahrscheinlich einfach an den eigenen gemachten Erfahrungen.

Das beruhigt mich schon sehr, dass es da auch andere Aussies gibt, die nicht so gut mit Geschirr, Halsband etc. klarkommen, trotz intensiven Trainings. Im Moment klappt es wieder sehr gut bei ihr mit Geschirr anziehen, haben jetzt einfach das Signal "Durch" eingeführt, was wir eh schon immer gesagt haben und nun macht sie es freiwillig ohne das man ein Leckerli in der Hand haben muss :) Mit Halsband läuft es eher schlecht, aber das lasse ich jetzt auch erstmal bleiben, muss ja nicht unbedingt sein, evtl probiere ich irgendwann nochmal ein anderes aus, bei dem sie selbständig nur den Kopf durchstecken muss, hat ja noch Zeit.

Da du ja auch zwei Aussies hast, würde es mich noch interessieren, wie ihr das mit der Leinenführigkeit gehandhabt habt bzw. wie ihr die Spaziergänge an der Leine gestaltet? Das funktioniert bei uns eben noch so gar nicht, weil Finja noch nicht wirklich leineniführig ist.

Wundert mich nicht, das sie gut auf diese Rangehensweise reagiert. :)
Diese Methode vereint mehrere positive Dinge, die unsicheren Hunden (die nicht stark Futterfixiert sind) halt gibt.
Schnüffeln und bewegen gleichzeitig sind für Hunde ein super Stresskiller.
Gleichzeitig ist Schnüffeln und Blickabwenden eine Beschwichtigungsgeste, was euch zusätzlich in die Karten spielt.
Und glaube mir, wenn Finja so sensibel auf ihre Umwelt reagiert, wird sie auch trotz schnüffeln am Boden
immer ein Auge auf das haben, was um sie herum geschieht. Ich habe hier auch so eine aufmerksame Fellnase. ;)
Die Leine wird während des Suchspiels auch einigermaßen locker sein, also keine Beschränkung in ihrer Bewegung.
Da die Leine nicht spannd, geht der Druck auf das Geschirr weg und somit fallen die Druckpunkte auf den Körper des Hundes weg,
also ein Stresssignal von Seiten des Menschen weniger.
Sobald Menschen die Leine kurz nehmen, es muss noch nicht mal richtig Zug drauf sein,
reicht es als Signal schon aus und der Stresslevel geht bei Hunden hoch.


Genauso ist es auch bei uns, sobald ich die Leine etwas kürzer nehme, hat sie sofort mehr Stress und schaut dann selbst schon immer nach einem Auslöser, um dann darauf zu reagieren, sie sucht förmlich danach.

Ich habe selbst zwei Aussies, die aus unterschiedlichen Gründen starke Unsicherheiten entwickelt haben.
Und habe deswegen mehrere Seminare besucht zu Unsicherheiten und Ängsten speziell bei Hütehunden.
Dort wurde auch diese Methode vorgestellt. Wichtig ist, das man irgendwann den Übergang zum Vorbeigehen schafft.
Was du schon probieren kannst, ist dieses Suchspiel mit einem Kommando zu verknüpfen und zu festigen.


Bei uns lief das im ersten Schritt ungefähr so:
Hund gesehen. Leine locker lassen (Nicht mit der Hand die Leine kürzen, ist immer so ein Drang von uns Menschen:)).
Sofort Kommando: "kuck weg" gleichzeitig Futter auf den Boden geworfen.
Leckerei gefunden und gefressen. Blick wieder zum Hund lassen. Wieder Kommando: "kuck weg"
Das sollte man erst ohne Begegnung trainieren.
Erfahrungsgemäß dauert es nicht lange, bis die Verknüpfung erstellt ist
. ;)

Wurde die Distanz zu klein, haben wir uns entfernt.
So habe ich das Kommando erst in kleinen Schritten gefestigt.
Wir haben das Suchspiel in der Rangehensweise später nach vorne verlagert und mit dem Kommando "weiter" verknüpft.
Dazu muss man aber wirklich seiner sicher sein.
Irgendwann, aber erst vieeeeeel später, lässt man das Leckerchen weg und sagt "weiter".
Die Fellnase läuft vorbei und danach folgt erst die Belohnung.


Genau diese Methode habe ich auch mal bei jemanden in einer facebook-Gruppe gelesen und habe sie deshalb teilweise schon angewandt. Zumindest die Teilschritte kann Finja schon recht gut, wir haben "Keks" für Hundesichtung schon etwas geübt, das hat sie wohl auch schon recht gut verknüpft, da sie sich tatsächlich bei der letzten zufälligen Hundebegegnung damit hat aus ihrem "Bellwahn" hat rausbringen lassen, was ich schon als großen Erfolg verbuche. Auch kennt sie schon gut das Kommando "Weiter", was wir auch seit ein paar Monaten geübt haben. Ich habe ihr aber auch "Schau" ganz gut beigebracht, nur lässt sie sich damit nur ablenken, wenn der Hund noch eine große Entfernung aufweist.

Ich hätte da aber noch drei Fragen an dich:
Finja kennt ja die Kommandos "schau" und "Keks" bereits recht gut, soll ich davon dann immer nur eines anwenden oder kann ich das auch abwechseln innerhalb der Trainingseinheit? Wie merkt man denn, dass man den Übergang zum Vorbeigehen erreicht hat? Und wie reagierst du, wenn euch doch mal ein Hund zu nahe kommt und dein Aussie bzw. beide ausrasten? Gehst du dann einfach weg ohne Kommentar?

Nachdem was du über Finja schreibst, würde ich sie in Begegnungen in der sie mit Unsicherheit reagiert nicht nach den klassischen Methoden ausbilden. (Bewegung einschränken, still sitzen müssen, kurze Leine, nah an dir laufen müssen). Ich weiß, du hast geschrieben in deinem Umfeld
ist es schwierig ihr die nötige Distanz zu geben. Kannst Du für den Anfang nicht in Garageneinfahrten, Hauseingängen oder kleinere Straßen
abbiegen?


Ja das hab ich auch ganz schnell wieder aufgehört, sie nach klassischen Methoden auszubilden, dafür ist sie einfach ein anderer Charakter und ultrasensibel. Ich versuche wirklich immer, irgendwohin auszuweichen und manchmal gelingt es mir auch recht gut, aber viele Male ist es einfach unmöglich, den anderen Hund rechtzeitig zu sehen, dafür ist es hier zu verwinkelt und die Gehwege ziemlich schmal. Außerdem bellen hier die meisten anderen Hunde, wenn sie einen Hund erblicken, was Finja natürlich dann noch mehr in Rage versetzt. Das habe ich nun auch schon für mich akzeptiert, dass es wohl hier immer wieder Situationen geben wird, die sehr schwierig sind, aber ich versuche auch weiterhin, vor allem jetzt am Anfang noch mehr, möglichst auszuweichen. Finja ist schon auch sehr sehr schnell in der Wahrnehmung, daran muss ich mich auch erst noch gewöhnen, da ist mein Rüde das Gegenteil ;-)

In diesen Seminaren ist mir auch bewusst geworden, dass man nicht jede Begegnung wie im Bilderbuch schaffen muss.
Man kann auch ruhig mal etwas ausweichen und muss nicht direkt in Konfrontation gehen. Man kann auch mal ganz in Ruhe umdrehen
(Das Umdrehen kann man auch mit einem Kommando dem Hund beibringen und somit für Sicherheit und Gelassenheit sorgen.
Bei uns heißt es "kehrt") und gelassen zurücklaufen zur nächsten Möglichkeit abzubiegen und das andere Mensch-Hundteam vorbeigehen lassen.
Wichtig: immer so, dass die eigene Fellnase das Vorübergehen des anderen Mensch-Hundteams mitbekommt.
Das ist auch ein großer Erfolg und wird beim Hund unter "wir haben es geschafft" verbucht.
Auch wichtig sich klar zu werden: das hat dann nichts mit verstecken zu tun, oder dass man der Situation aus dem Weg geht.
Man schafft halt mal andere Bedingungen.
:)

Ich sehe schon, sobald es wieder möglich wird, werde ich auch mal schauen, ob ich ein paar Seminare zu diesen Themen besuchen kann. :) Das ist auch eine super gute Idee, ein Kommando fürs umdrehen aufzubauen, das haben wir bisher noch nicht gemacht, außer im Rahmen der Leinenführigkeit, das schnalzen, darauf reagiert sie aber auch schon ganz gut. Ja mitbekommen wird sie es wohl fast immer, wenn ein anderer Hund vorbeigeht, aber vielleicht wird es ja auch im Laufe des Trainings und mit der Zeit etwas gelassener. Menschen dürfen mittlerweile auch schon vorbeigehen, ohne das sie unbedingt bellt, hinzieht etc., sofern ich eben die Barriere bilde, aber das gibt ihr eben Sicherheit.

Dass ist wirklich ein super Satz, dass man sich andere Bedingungen schafft..so hab ich das überhaupt noch nicht gesehen und ich finde, das steckt eckt viel Wahrheit drin..dankeschön :)

Gerne kannst du mir auch per private Nachricht die Fragen beantworten, damit habe ich keine Probleme, mach einfach, wie du gerne magst :)

Schöne Grüße!
 
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29 Mrz 2018
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#22
Hallo Fritz,




Da kann ich dir nur teilweise zustimmen. Ich habe es bei Sammy erlebt, der in München am Rande der Stadt aufgewachsen ist. Er hat von Anfang an mit vielen Reizen klarkommen müssen, da er einen ruhigere Charakter hat, ging das auch relativ gut, auch wenn manche Situationen viel Übung erforderten und er bis heute nicht mag, wie z.B. Menschenmassen etc. aber selbst da ist er gut händelbar . So hatten wir auch in München sehr viel mehr Hundekontakte als Finja wohl jemals haben wird, sind immer zu den beliebten Hundeauslaufstellen gefahren, im Park, Wald, da war und ist wohl auch überall keine Leinenpflicht und die Leute dort waren/sind einfach entspannter, wenn ein fremder Hund ihrem begegnet. Sammy kam damit ganz gut klar, spielte viel als er noch jung war, allerdings waren es eben nicht immer nur entspannte schöne Kontakte, die er hatte. Im Gegenteil, anfangs war uns das noch nicht ganz bewusst, wie er teilweise bedrängt wurde, als er dann regelmäßig alle paar Monate von verschiedenen Hunden angegriffen wurde, fand er Hundekontakte gar nicht mehr so toll. Er äußerte das aber nie lautstark mit bellen, sondern ignorierte es meist, knurrte etwas und ging einfach weg. Dennoch ist er seitdem auch unsicher gegenüber fremden Hunden, will den Kontakt möglichst vermeiden und knurrt erstmal jeden Hund an, der ihm zu nahe kommt, ohne Leine versteht sich, denn an der Leine lasse ich ihn zu keinem Hund mehr, das mag er nämlich einfach nicht.
Ich persönlich glaube, dass Sozialisierung zwar schon viele verschiedene Hundetypen braucht, aber es eher entscheidend ist, auf welchen Charaktertyp der Hund trifft und ob er damit umgehen kann, bzw. es schon gelernt hat, damit umzugehen. Dazu gehört auch einfach eine Portion Glück, dass es z. B. nicht zu vielen Angriffen kommt, denn die kamen bei uns fast immer überraschend, ohne Vorwarnung (einer kam plötzlich um die Ecke geschossen und jagte Sammy erstmal, einer hat sich total verändert und ist dann auf Sammy losgegangen etc.) So wird eben der eigene Hunde fürs Leben geprägt und wenn er Pech hat und zu viele negative Kontakte hatte (was sich glaube ich, der Aussie auch relativ schnell einprägt), eben nicht mehr so gut sozialisiert erscheint, obwohl er es vor wenigen Lebensjahren noch war.

Ich versuche daher auch, mir gezielt Hunde für Finja auszuwählen, die vielleicht vom Charaktertyp zu ihr passen und sie nicht überfordern, was sich halt hier als sehr schwierig darstellt, aber ich gebe nicht auf :)

Schöne Grüße
Hallo Finja&Sammy ,
Ich lebe in Hamburg, in einem Vorort am Stadtrand, mit vielen Parkanlagen, landwirtschaftlich genutzten Flächen, Wald und Uferbereichen .
Hier gibt es viele Hundehalter, oder sie kommen aus der Innenstadt , welche ihre Hunde im Freilauf mitführen , oder sie auch frei am Fahrrad
mitlaufen lassen . Auf ausgewiesenen Hundefreilaufflächen , oder Hundestränden, in meiner Nähe kommen regelmäßig verschiedene Hundesitter,
mit ganzen Autoladungen von unterschiedlichen Hunden, die mit ihren Rudeln ihre Runden machen, auch gibt es Ausflüge von Hundevereinen, Hundezüchtern, oder anderen Hundefreunden. Hier treffe ich auch häufig Hundehalter, die traumatisierte Hunde,
auch aus prekären Bedingungen halten , welche ihre Tiere gar nicht, oder nur an langen Schleppleinen herumlaufen lassen ,
damit sie diese auch wieder einfangen können .
Insgesamt verhalten sich hier alle Hunde recht friedlich miteinander, man hört hier nur selten von ernsthaften, aggressiven Auseinandersetzungen .
Sicherlich gibt es auch Raufbolde unter den Hunden, mit verschiedenen Blessuren, die keinem Streit aus dem Weg gehen, doch auch diese haben meist eine Nische gefunden, in der sich diese Hunde in Gesellschaft bewegen können.

In dieser Lebenswirklichkeit für die Hunde , konnte ich drei meiner Hunde bis zu ihrem Tot begleiten .

Der 1. , ein Springer - Spaniel - Rüde wurde zum großen Teil von meiner Frau und Schwiegermutter betreut ,
in der Zeit , wo Hunde noch alleine, frei herum laufen konnten und wo es vorkam , dass andere H.Halter, mit gerade läufigen Hündinnen anriefen ,
weil unser Hund bei ihnen vor der Haustür säße und wir ihn doch bitte abholen sollen .
Dieser überwiegend ruhige Hund , zeigte sonst wenig Interesse bei Hundebegegnungen und hatte da kaum Emotionen ,
er was eher ein Balljunkie, bei dem fressen und spielen die Hauptsache war .

Nummer 2. war eine Kooikerhondje -Hündin, bei der ich mir den Wunsch nach einem Hund in meinem Ruhestand erfüllte
und mit der ich im Hundeverein regelmäßig trainierte, eine Begleithundeprüfung ,wie eine Ausbildung zum Besuchs- Therapiehund gemacht habe .
Die Hündin war absolut gehorsam , konnte alle möglichen Tricks und war mit allen fremden Menschen, Kindern , Behinderten ,vertraut .
Im Welpen-alter und als junger Hund , spielte sie gerne mit Gleichgesinnten, aber nach der ersten Läufigkeit , als Hündin war sie etwas zickig
und wies alle Rüden energisch ab .

Nr. 3, meine nun 3 jährige Mini-Aussie-Hündin , 11 kg , verhält sich sehr körperbetont, kontaktfreudig und hat ihr kindliches Spielverhalten ,
mit anderen Hunden bisher immer noch beibehalten . Vor Corona habe ich mit Geistig -behinderten Menschen Freizeittreffen begleitet ,
bei der mich auch meine Hündin begleitet hat . So zeigt sie auch ein positives Verhalten mit Menschengruppen, oder Kindern ,
ist gut auf ihre Kommandos konditioniert und freundlich . Zeigt aber auch Wachtrieb und Eifersucht , wenn andere Hunde mir zu nahe kommen ,
oder sich an ihrem Grundstück bewegen .
Bei Hundebegegnungen ist sie jetzt auch langsam wählerischer geworden und geht an vielen Hunden gleichgültig ,
ohne Regung, oder Begrüßung vorbei und fordert nur noch ausgesuchte Partner zum spielen auf ,
aber sichtbare Ängste konnte ich noch nicht beobachten .

Ich kann mir natürlich vorstellen , dass traumatisierte Hunde starke Ängste entwickeln und habe solche auch schon kennengelernt ,
aber bei Welpen und junge Hunde die gewohnt sind mit anderen Hunden frei zu spielen, sollte der Wunsch noch Kontakt vorherrschend sein .
Es gibt auch unsichere Welpen , die erst nach einiger Zeit Kontakte genießen lernen und lange brauchen , bis sich die Zurückhaltung gelegt hat .
Hier sind geduldige , ruhige Spielpartner gefragt , welche nicht zu stürmisch vorgehen ,oder bedrängen .
Auch ältere , größere Hunde , welche Welpen mit ruhiger Souveränität begegnen , können die Ängste lösen und Vertrauen aufbauen ,
aber Welpen in ähnlicher Gewichtsklasse und Alter, eignen sich wohl für ein ausgewogenes Spielerlebnis am besten zur Eingewöhnung .

Wie der junge Hund von - Finja&Sammy - sich dermaßen zum ängstlichen Tier entwickeln konnte , ist mir ein Rätsel ,
besonders ,wenn er schon andere Hunde in eine größeren Entfernung als Bedrohlich empfindet ?

Aber allen Bu -Rufen zum Trotz , ich halte eine separate Erziehung , ohne direkte Kontakte, bei jungen Hunden für einen falschen Ansatz .
Je älter der Hund wird , je schwerer ist auch eine Änderung im Verhalten , hier bleibt nicht ewig Zeit, Hunde werden sehr schnell erwachsen .
Ich denke , manchmal sollte man Hunde auch zu ihrem Glück zwingen und nicht jeder Regung entsprechen .
Wenn es nicht zu einer absoluten Übervorerdung führt , lassen Hunde sich auch dadurch überzeugen , wenn man einfach Tatsachen schafft,
mit denen sie zurecht kommen müssen . .
 
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Dabei
21 Feb 2011
Beiträge
5.400
#23
Jetzt kann ich mich auch nicht mehr auf die Finger setzen.

Richtig lesen und verstehen!

Nirgendwo hat hier jemand geschrieben, dass KEINE Kontakte stattfinden sollen!

Ich frag mich echt, wie man das hier herauslesen kann :rolleyes:
 
Dabei
19 Jan 2017
Beiträge
818
#24
Ich weiß es auch nicht, woher Fritz diesen Ansatz nimmt. :rolleyes:

Wie der junge Hund von@ - Finja&Sammy - sich dermaßen zum ängstlichen Tier entwickeln konnte , ist mir ein Rätsel ,
besonders ,wenn er schon andere Hunde in eine größeren Entfernung als Bedrohlich empfindet ?
Nur kurz, ich bin auf dem Sprung. ;)
Mit einsetzen der Pubertät können solche Verunsicherung und Verhaltensänderungen, trotz sorgfältiger Sozialisierung, sehr schnell kommen.
Genauso schnell können sie nach einer gewissen Zeit auch wieder abklingen. Jeder Hund durchlebt diese Lebensphase anders.

Je älter der Hund wird , je schwerer ist auch eine Änderung im Verhalten , hier bleibt nicht ewig Zeit, Hunde werden sehr schnell erwachsen
Das ist wieder so eine allgemeine Aussage, die ich gefährlich finde.
Mit solchen Äußerungen werden wieder Land und Leute verrückt gemacht und unter Druck gesetzt. :(
 

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