Mein Hund macht das aus Unsicherheit

Dabei
21 Feb 2011
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#1
Seit einiger Zeit fällt mir vermehrt auf, dass immer, wenn ein Hund bellt, knurrt, nach vorn geht und vlt sogar abschnappt, es heißt: der macht das aus Unsicherheit.
Natürlich gibt es unsichere Hunde, die genau solche Verhaltensweisen zeigen, gar keine Frage......ich frage mich: sind all diese Hunde wirklich unsicher?
Was ist mit Wach- und Schutztrieb, mit einem jungen Rüden, der sich gern aufspielt und mal ausprobiert, wie weit er gehen kann und dabei heftigst pöbelt? Was ist mit Ressourcenverteidigung?
Da ist der Hund zb drei oder fünf Jahre alt, pöbelt an der Leine rum was das Zeug hält.....und er ist unsicher. :confused: Selbstredend arbeitet man ja daran und es ist im Laufe der Zeit auch schon viiiiiieel besser geworden. Hat man diesen Hund schon als Welpen bekommen, warum schaffen es die Leute dann nicht, dem Hund Sicherheit zu geben?
Entweder läuft (beim Training) was ganz gewaltig schief oder die Diagnose ist schlicht falsch und der Hund vlt gar nicht unsicher?
Für mich ist das oft nichts weiter, als eine "Alibi-Ausrede", die Mensch benutzt, damit es für ihn nicht unbequem wird. Man möchte sich mit dem Problem gar nicht auseinandersetzen, deshalb ignoriert, bzw verdrängt man es. Man will sich gar nicht damit auseinandersetzen, dass der eigene Hund schlicht und einfach unerzogen ist.

Begegnen euch auch so viele "unsichere" Hunde?
Was denkt ihr darüber?
 

Nine

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Dabei
18 Sep 2012
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#2
Hach, danke für das Thema :D
Bekomme es auch immer öfter mit, dass es fast nur noch gesagt wird.
Aber das der Hund einfach ein A**** an der Leine ist oder schlichtweg unerzogen.... Das gibt es nicht mehr ;)
Ist doch eine tolle Entschuldigung und hört sich auch noch gut an... Und man kann sich noch ein "Och, der Arme" einheimsen...

Und genau das: Wir trainieren schon soo lang und haben auch schon soooo viel erreicht....höre ich öfter... Man bemerkt nur nix davon *kopfkratz*
 
Dabei
12 Apr 2012
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#3
Ich würde schon sagen dass es sich hier oft um Unsicherheit handelt.
ABER....ich denke dass diese Unsicherheit in den meisten Fällen vom anderen Ende der Leine ausgeht und auf den Hund übertragen wird!
Also so ist es find ich zB bei uns! Bei manchen Hunden verkrampfe ich mich unwillkürlich wenn ich sie auf uns zukommen sehe und das Resultat daraus is ein pöbelnder Madoc an der Leine!
Dabei sieht man ihm finde ich an dass er da gerade einfach nicht weiß was er tun soll weil er muss einerseits sein blödes ängstliches Frauchen beschützen und ist andererseits aber nicht das was man als Draufgänger bezeichnen würde. Zusätzlich versuche ich hektisch wieder die Kontrolle zu übernehmen was ihn noch mehr aufpusht. Also jetzt mal so als Beispiel aber ich denke das wird bei einigen Leinenpöblern auch so der Fall sein!
Bleibe ich komplett ruhig und souverän verunsichere ich den Hund damit auch nicht und er pöbelt nicht.
Wenn also jemand meint der Hund macht das aus Unsicherheit sollte man sich vlt mal den Spiegel vorhalten und ev mehr am Vertrauen arbeiten!
 
Dabei
30 Jul 2013
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#4
Ich bin da ganz bei Aleks. Ich glaube oft überträgt der Besitzer seine eigene Anspannung auf den Hund. Hazel ist für solche Stimmungen von mir auch sehr empfänglich. Bin ein Schisser abends im Dunkeln. :D Wenn ich einmal tief durchatme, wird sie auch sofort entspannter.
Ich kann jetzt im wahren Leben nicht feststellen, dass viele das als Ausrede benutzen. Ich kenn auch Hundebesitzer, die frei heraus zugeben, dass ihr Hund ein A.... ist. :D
Aber was ich tatsächlich meine zu merken, ist, dass viele Aussies tatsächlich unsicher sind. Das, was viele Aussies zeigen, ist keine Reserviertheit mehr, sondern tatsächlich die Unfähigkeit mit der Situation umzugehen. Und oft sieht man ganz klar, dass sie Angst zeigen und keinen Schutztrieb. Sie haben einfach ein schwaches Nervenkostüm. Ob das jetzt an fehlgeleiteter Zucht oder fehlgeleiteter Erziehung liegt, kann ich nicht immer beurteilen. Ich finde meine Beobachtungen aber auf jeden Fall bedenklich.
 
Dabei
21 Feb 2011
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#5
Ja, Aleks, darin liegt oft ein Problem. Und ich schrieb ja auch, dass es natürlich unsichere Hunde usw gibt.
Du hast euer, oder besser gesagt, dein Problem erkannt, arbeitest an dir, was ja dann auch deinem Hund hilft.
Du könntest aber auch, so wie ganz viele andere, nichts an deinem Verhalten ändern und sagen, dass dein Hund unsicher ist.

Und nicht jeder Hund, der an der Leine pöbelt, einen anderen anbellt, bellt, wenn es an der Tür klingelt usw ist unsicher.
Das wird, mMn vorgeschoben, weil es für den Menschen bequemer ist.
Um mal beim Leinenpöbler zu bleiben: manche Hunde zeigen Revierverhalten....die pöbeln mit anderen Hunden nur auf "ihren" Gassiwegen.
Geht man mit diesen Hunden in einer anderen, fremden Gegend, zeigen sie dieses Verhalten nicht.
 
Dabei
21 Feb 2011
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#6
Aber was ich tatsächlich meine zu merken, ist, dass viele Aussies tatsächlich unsicher sind. Das, was viele Aussies zeigen, ist keine Reserviertheit mehr, sondern tatsächlich die Unfähigkeit mit der Situation umzugehen. Und oft sieht man ganz klar, dass sie Angst zeigen und keinen Schutztrieb. Sie haben einfach ein schwaches Nervenkostüm. Ob das jetzt an fehlgeleiteter Zucht oder fehlgeleiteter Erziehung liegt, kann ich nicht immer beurteilen. Ich finde meine Beobachtungen aber auf jeden Fall bedenklich.
Das sagst du was. Das hab ich auch schon beobachtet.
Bleibt aber wieder die Frage: warum schaffen es die Besitzer nicht, den Hunden die nötige Sicherheit zu geben? Mal von ein paar Ausnahmesituationen abgesehen.
Apps zb ist auch so eine. Manchmal habe ich wirklich das Gefühl, sie kann gewisse Dinge überhaupt nicht einschätzen usw.
Ich habs lange ertragen, dann einen Trainer geholt und ein wirklich guter Erfolg war bereits nach der ersten Stunde sichtbar. Klar, das war da noch nicht gefestigt, aber sie hat sofort auf mein verändertes Verhalten reagiert. Im positiven Sinne. Und heute sind diese Unsicherheiten fast weg.....nach wenigen Monaten.
Es sollten sich also, wenn man auf die richtige Art an das Problem geht, doch recht schnell einzelne Erfolge zeigen.
Warum sind dann die Hunde mit zb 4 oder 5 Jahren immer noch mit fast jeder Situation überfordert und unsicher?
 
Dabei
12 Apr 2012
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#7
Ja da hast du Recht Gundi das machen sicher einige Leute sehr gern weil es einfacher ist sowas auf den Hund zu schieben als mühsam daran zu arbeiten ;)
Wegen dem schwachen Nervenkostüm....Das könnte schon auch daran liegen dass der Aussie mehr und mehr zum Modehund wird und auf solche Sachen bei der Zucht eventuell nicht mehr ganz soooo viel wert gelegt wird. Oder dass der Aussie oft sowieso als hyperaktiver Hibbel abgestempelt wird und die Leute das eben so hinnehmen!
 
Dabei
31 Okt 2012
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#8
Ich seh auf alle Fälle einen der Punkte, um den es hier auch geht... Nämlich warum glaubt jeder das sein Hund eigentlich vom Wesen her wie ein kleines, süsses Kaninchen ist - das eben entweder verspielt ist, sowieso nix tut oder eben unsicher/ängstlich ist, wenn er bellend auf andere Leute, Hunde etc. zuläuft und sich aufführt wie ein A***?

Ich muss ehrlich sagen - JA, ich bin auch unsicher wenn - so wie heute - zwei Hovawart-Mix Hunde bellend auf mich und Emma zulaufen. Und natürlich überträgt sich das auf Emma. Zum Glück bleibt sie bei mir und bellt halt mit. Doch so Situationen sind alles andere als witzig! Ich bin zwar dann meistens so sauer, das meine Unsicherheit schwindet - und das ich erstmal tief brülle und aufstampf... Mit viel Glück reicht das!

Ich könnte so kotzen, noch dazu weil der Halter ein total unfähiger Schluffi, der ja soooo tiefenentspannt barfuss heruläuft und keine Ahnung hat. Für den sind seine Hunde zwei Blümchen die im Wind tanzen - das ist so ein richtiger Hippie! *grrr* Und weil die Hunde auch nur von Liebe leben, reicht es wenn man die zweimal am Tag zum **** vor die Tür lässt. (*Ironie* mehr Auslauf brauchen die nicht, sind doch liebe kleine Blümchen, denen reicht Liebe...) Und natüüüüüürlich tun die nix! Ja, sie sind halt ein bisserl unsicher... Deswegen stürmen die bellend auf Emma und mich zu. Keine Ahnung was für ein Problem ich habe...

Klar...!

Ja, ich glaube es gibt unsichere / ängstliche Hunde - und genau durch solche Situationen fördert man sowas. ABER um ganz ehrlich zu sein - mir ist es pipegal ob ein Hund unsicher ist, ängstlich ist, agressiv ist, nur spielen möchte, nix tut (eigentlich!) - solange man die Hunde von meinen fernhält. Wenn man glaubt das das eigene Mistvieh nur ein kleines zitterndes etwas ist - von mir aus, aber dann bitte abseits von meinen!

Doch das geht natürlich nicht - weil A) die machen das unter sich aus und B) sind doch die eigenen Hund so liiiiiiiiiebe Hund und der will JEDEN "Hallo" sagen - bellend und zähnefletschend... natürlich!

Das ein Hund "agressiv" ist - ist inzwischen ein totales Tabuthema! Wenn Hunde sich mobben, dann spielen sie... Wenn sie bellen und knurren, dann spielen sie auch (*hach* Hunde spielen eigentlich immer....) oder im schlimmsten Fall sind sie halt unsicher/ängstlich...

Und PLÖTZLICH beisst ein Hund zu... Man glaub gar nicht wieviele Hunde im Tierschutz landen, weil der PLÖTZLICH schnappt! Jahrelang war das soooo ein lieber Hund und dann auf einmal schnappt der nach den Besitzern. Wenn man dann nachforscht (was die vom Tierschutz öfters tun) dann kommt raus dass es mehrere Beisvorfälle mit anderen Hunden gab, der Hund agressive an der Leine ist usw. usw. usw.

Doch das ist alles o.k. - solange der Hund beim Frauchen der kleine liebe Wuffi ist - dann IST er ein kleiner liebe Wuffi und die restliche Welt ist schlecht. Doch wehe er schnappt EINMAL - dann ist das heile Weltbild zerstört, die tiefe Liebe hat ein Ende und der Hund kommt ins Tierheim... undankbares Tier, wo man doch es so gut gemeint hat und mit Liebe überhäuft hat. Zurück bleibt ein seelisch tief verletztes Frauchen...

Davon abgesehen sind richtige Angstbeisser viel schwieriger als agressive Hunde - kopfloser, gehen schneller nach vorne und die Beisattaken fallen viel heftiger aus. Und natürlich gibt es die... Doch ich glaub auch das viele Hundehalter sich nicht eingestehen wollen das ihr süsser Wuffi sich einfach schlecht benimmt. Das passt dann nicht ins Weltbild des immer lieben, treuen Lassie...

Schöne heile Welt...
 
Dabei
12 Dez 2012
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#10
[OT]
Wenn Hunde sich mobben, dann spielen sie...
Da hatte ich ja letztens auch so eine tolle Situation. Ich lauf mit meinen beiden meines Weges, kommt von hinten ein Hund an - weit und breit kein Besitzer in Sicht. Naja, meine rannten dann hinter dem her, der war total unsicher. Besitzerin kam dann ma angeschlurft und mit säuselnder Stimme: "Ach, er ist so verspielt..." Ich frag mich, wo die da ein Spiel sieht, ich sah da nur einen total unsicheren bis ängstlicheren Hund, der sich von meinen beiden bedrängt fühlte und vor ihnen wegrannte, was dazu führte, dass meine gemeinsam hinter ihm herrannten. Daher schnappte ich mir dann meine beiden um das zu unterbrechen (die haben ja nich gemeinsam andere Hunde zu jagen). Das andere, total passive Frauchen hatte keine Ahnung, warum ich jetzt das nette Spiel unterbreche.... *kopfschüttel* [/OT]
 
Dabei
15 Mai 2014
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#11
Ich glaube auch, dass viele Hundehalter einfach nicht wissen, wie sie das Leinenpöbeln (und anderes schlechtes Benehmen) abstellen können. Ihnen ist das alles unangenehm, sie gehen deshalb nicht mehr so gerne, und daraufhin bald auch nicht mehr so lange raus, was das Problem dann häufig noch verschärft. Es ist übrigens gar nicht so einfach, einen guten Hundetrainer zu finden. Wir haben auch länger gesucht, bis wir in unserem Hundeverein gelandet sind. In vielen Hundeschulen wird noch mit Gewalt (auf den Boden werfen, Leinenruck) erzogen, andere machen es wieder größtenteils über Ablenkung, so dass der Hund die "Gefahr" gar nicht erst bemerkt, aber Leckerlies sind nicht immer spannender als herankommende Hunde. Dieses "Wo ist der Hund"-Spiel hat uns z.B. gut geholfen, aber das haben wir aus dem Forum. Ich habe schon häufiger Leute getroffen, die mir erzählt haben, womit sie bei ihrem Hund nicht klarkommen. Sie wären schon da.. und da gewesen und nichts hätte geholfen. Gut, bei einigen mag es auch eine Ausrede sein.
 
Dabei
21 Feb 2011
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#12
Klar, gute Hundetrainer gibt es leider nicht an jeder Ecke. Wobei das natürlich auch ganz individuell ist. Ein Trainer, der für mich persönlich gut ist, muss das für den nächsten nicht sein.
Aber nicht immer sind die Trainer daran Schuld. Grundsätzlich werde ich stutzig, wenn mir Leute erzählen, bei wie vielen Trainern, Vereinen, Huschus sie schon gewesen seien. Da stimmt dann auch was nicht...entweder sie hören gar nicht zu, erwarten ein Wunder oder sind absolut Beratungsresistent.
Und auch hier zeigt sich das "übliche" menschliche Verhalten: für alles eine Ausrede parat, man geht immer den Weg des geringsten Widerstandes und sehr praktisch: man hat gleich einen Sündenbock, nämlich den Trainer.
 
Dabei
9 Apr 2014
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#13
Äh, ich bekomme gerade ein ungutes Gefühl aber ich "oute" (den Begriff bitte mit einem Augenzwinkern verstehen:rolleyes:) mich mal:
Ich habe einen dieser unsicheren Hunde und in meinen Augen ist es wirklich Unsicherheit. Die Traninerin hat es vor gut einem Jahr so "diagnostiziert" und uns Verhaltensmassregeln aufgestellt. Sie hat uns knallhart unsere Fehler im Umgang mit Miro vor Augen gehalten und uns ein langwieriges, hartes Training an die Hand gegeben. Ich bin ihr sooooo dankbar, denn wir haben zusammen ganz viel in die richtige Richtung lenken können.

Zurückgeblieben ist nur noch sein Drohfixieren bei frontalen Begegnungen, wo ich kontinuierlich dran arbeite. Er kann einfach damit nicht umgehen und er fühlt sich sofort bedroht, wenn von vorne etwas auf ihn zukommt und fängt an zu fixieren. Die Trainerin sagte auch, dass er leider den Wesenzug "Angriff ist die beste Verteidigung" hat. Das erklärt für mich auch ein bischen, warum er der Gefahr nicht einfach aus dem Wegen geht (Bogen machen, weggucken, ...). Setze ich ihn seitlich an den Rand, kann da ´ne ganze Fussballtruppe vorbeirennen, er guckt nur kurz hin. Auch ein von mir gelaufener Beschwichtigungsbogen deskaliert die Situation immer.
Als er knapp ein Jahr alt war, gab es leider von seiner Seite aus einen Beissvorfall, den wir und die Trainerin aber auf Angst und Unsicherheit zurückführen. Es war auf engstem Raum, für ihn keine Ausweichmöglichkeit, eine wenig bekannte Person kommt frontal auf ihn zu, er dachte es wäre die heissgeliebte Oma und musste kurz vor knapp erkennen, dass sie es nicht ist, die Person beugt sich dann auch noch über ihn um den Kopf zu streicheln (wieso streicheln die meisten Idioten immer den Kopf????) und zack - hatte er sich nicht mehr unter Kontrolle.
Dazu muss ich auch sagen, dass er damals seit ca. 10 Tagen den Hormonchip und damit doppelte Hormone intus hatte und er war gerade mal 11 Monate alt - von Selbstkontrolle also eh noch weit entfernt. GsD war er an der Leine und dank guter Reaktion ist "nur" ein blauer Fleck passiert. Aber für mich war es absolut schrecklich: Mein Hund hat zugebissen! Kann ich der Verantwortung gerecht werden? Gebe ich ihn lieber in Hände mit mehr Erfahrung? .... Tausend Fragen taten sich für mich auf. Ich bin das Problem angegangen und bin so froh darüber. Jetzt ist er fast 2 und ich habe den Eindruck, dass er reifer wird, sich selbst mehr unter Kontrolle hat und dass das lange Training sich definitiv auszahlt.

Wegen dem Fixieren habe ich vor kurzem auch das "Wo ist..."-Spiel angefangen und er macht wunderbar mit. Ob es im Enddefekt die erhoffte Wende bringt, weiss ich noch nicht, da wir ja noch beim Spielaufbau sind. Wie Zaraila habe auch ich dieses Spiel hier im Forum entdeckt. Bis dato gab es immer den Click für Blick, aber da sind wir einfach nicht weiter gekommen.

Zu der eigentlichen Diskussion:
Da ich weiss, wie mein Hund tickt, gibt es nie, nie, nie unkontrollierte Begegnungen. Weder mit Mensch noch mit Hund. Das heisst, dass er an die Leine kommt sobald ich jemanden sehe oder wenn der Waldweg unübersichtlich wird/ist. Mit Hunden verträgt er sich sehr gut und komischerweise sind ihm die Menschen dann auch völlig egal. Aber auch da muss er erst an die Leine und ich frage, ob eine Begrüssung ok wäre.
Da denke ich genauso wie ihr: Den Hund einfach auf andere zurennen lassen ist absoluter Mist. Ausnahme sind nur Hunde, die sich eh heiss und innig lieben, aber auch da muss geschaut werden, ob der andere Hund nicht evtl. gerade UO oder ähnliches machen muss und es muss auf jeden Fall auf sich aufmerksam gemacht werden. Ich kann mich an viele Spaziergänge erinnern, wo ich mitten im Training war, eh schon einen leicht abzulenkenden Hund hatte und dann auch noch so immens gestört wurde. Das war echt sch.....

So, der Roman ist beendet:rolleyes:, bin schon gespannt auf weitere Meinungen. Finde das Thema sehr interessant.
LG Ilona und Miro
 
Dabei
28 Apr 2013
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#14
Ich habe hier so einen Kandidaten, der Unsicher ist, zur zeit wieder mehr.
Das weiß ich und versuches durch gezielte Veränderungen zu verhindern/ verändert das setting und es klappt.

1. An der Leine oder ohne Leine Hunden begegnen.....zur zeit gaaanz schwierig. Lønne will dann schnell vorbei, zieht, ich will korrigieren und es gelingt nicht, ich werde " böse" und schwups ist er noch nervöser. Also setzte ich ihn ab, lass den Hund passieren und alles ist entspannt. Läuft wunderbar und mit 2 Hunden sowieso perfekt.

2. Leute kommen auf unser Grundstück. Lønne fährt hoch und bellt tierisch. Nun kurzer Pfiff, alles gut und er fährt wieder runter. Lange noch nicht wie es mal war, aber wir nähern uns. ( er war bei meinen Eltern allein und es wurde versucht einzubrechen)

Ich denke wenn man seinen Hund kennt, dann weiß man welche Situationen ihn stressen und übt es oder verändert gewisse Sachen.
Lønne ist nämlich weiß gott nicht nur unsicher und zum Teil auch der Jungrüde der auch mal bellt, um zu schauen" was darf ich ".
Dh unsicher schön und gut, wenn er ohne grund jdm anbellt, dann wird er korrigiert, egal ob er vllt auch gerade unsicher war. Denn sowas geht nicht und eigentlich ist hier klar: ich bin beschützer.
Denn wenn er unsicher ist bei zb hundebegegnungen ohne Leine kommt er immer zu mir und sucht hilfe was er tun soll, sprich wartet ab ob er laufen darf oder ob ein anderes kommando kommt.
Damit fahre ich mit beiden Hunden gut und denke, dass wir somit nach und nach Unsicherheiten abbauen werden. Und ehrlich gesagt, so schlimm ist das absitzen bei entgegenkommenden Hunden, radfahrern oder Fußgängern nicht:D
 
Dabei
15 Mai 2014
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#15
Heute morgen hatten wir auch einen Fall von Leinenpöbelei, an dem meiner Meinung nach Unsicherheit und meine Unachtsamkeit schuld gewesen sind. Ich war mit meinen beiden Hunden und einer Bekannten mit ihrer BC-Hündin spazieren, als uns ein Mann mit zwei Hunden entgegenkam, die er dann gleich an die Leine nahm. Wir leinten unsere Hunde auch an, bei Zaro sammelte ich seine Schleppleine, die er wegen kürzlicher jagdlicher Ambitionen zur Zeit trägt, ein. Dabei verhedderte sich die Schleppleine, die ich dann entwirrte. Inzwischen war der Mann schon so weit herangekommen, dass Naila und seine beiden und dann auch Zaro zu bellen anfingen. Nachdem ich mich zwischen die Hunde gestellt habe und einen Sitz-Befehl gegeben habe, waren sie gleich ruhig. Der Mann hatte seine Hunde auch beruhigt. Wir konnten uns dann super mit entspannten Hunden unterhalten, die dann sogar Interesse zeigten, miteinander zu spielen. Naila, die ja auch erst 9 Monate alt ist, war wohl vorher mit der Situation, in der ich sie komplett alleine gelassen habe, weil ich mich um die Leine gekümmert habe, überfordert. Ich kann mir gut vorstellen, dass viele Leute einfach nicht die Geduld und Lust aufbringen, wenn es nötig ist, konsequent mit dem Hund zu arbeiten. Viele wollen nur auf entspannten Spaziergängen mit ihren Freunden quatschen und ärgern sich dann, wenn ihr Hund alles selbst in die Hand nimmt. Und dann schaukelt es sich hoch.
Ich habe aber nicht den Eindruck, dass Aussies, oder zumindest die, die ich kenne, ein übertrieben unsicheres Verhalten zeigen. Falls etwas schief läuft, liegt es meist an der Erziehung oder Sozialisierung. Und Aussies nutzen Inkonsequenz eben eher aus als viele andere Hunderassen.
 
Dabei
13 Feb 2014
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#16
Ich hab hier einen einen unsicheren aber auchleinenpöbelnden Rüden. Vielleicht weiß noch wer wo ich dieses Spiel finden kann(Wo ist der Hund?) Wäre für uns nämlich sehr hilfreich.
Wenn wir auf jemanden zugehen oder vorbeigehen dann fängt er an zu bellen unddas ganz sicher nicht aus Unsicherheit. (Die Rute ist komplett oben) Teilweisekann ich es ihm mit einem "Nein" verbieten und er nimmt dann auch oftBlickkontakt zu mir auf aber das ist Situationsabhängig. Ich möchte einfach entspanntan Hunden und Menschen vorbeigehen können, habe aber keinen Anhaltspunkt wieich daran arbeiten könnte. Klar lobe ich ihn, wenn er Blickkontakt zu miraufnimmt, aber in solchen Situationen ist im meist sogar ein Leckerli egal. Wirwohnen in einem kleinen Dorf und haben nicht oft jemanden vor oder neben uns,was es eben schwierig macht regelmäßig zu üben. Fahre ich in die Stadt, wo mehrMenschen sind, dann macht er das nicht. Nur bei einzelnen ich sag mal bis zudrei Personen. Also vielleicht weiß noch wer den Thread oder kann mir ein paarAnhaltspunkte geben womit ich üben kann?!


Die Unsicherheit zeigt er bei Menschen die ihn ich sage mallocken möchten und streicheln. Also wenn er frei läuft, ich stehe neben ihm undvor uns ist eine Person die ihn ruft. (Vielleicht 2 Meter entfernt) Da bellt ermeines Erachtens aus Unsicherheit, die Rute ist unten und er traut sich nicht zuder Person hin, er geht immer ein Stück vor aber Sucht dann bei mir wiederSchutz.

Gestern im Freilauf ist uns ein Hund mit Besitzerentgegengekommen. Der Hund war angeleint. Ich hab die beiden nicht gleichkommen sehen, da ich mit fotografieren beschäftigt war. Fynn flitze derweildurch die Wiese und als ich kurz hochblickte sah ich die beiden, Fynn auch. Erbellte einmal kurz und ich dachte mir schon, das kann was werden, ich hättemeine Kamera drauf verwettet, das er auf meinen Rückruf nicht hört. Aber er kamnach einmal rufen, ohne mit der Wimper zu zucken sofort zu mir. Ich war baffaber mächtig stolz auf ihn :) Ob er da auch aus Unsicherheit zu mir kam, kann ichaber nicht beurteilen.
 
A

Aussie2014

#19
Das Phänomen hab ich bis jetzt selten beobachten können. Häufiger begegnen mir Hundehalter, die ihre Hunde nicht unter Kontrolle haben und nicht abrufen können oder die einfach nicht gucken und weitergehen während ihr Hund andere dominiert. Ich finde auch garnicht, dass die Unsicherheit des Hundes eine gute Entschuldigung ist. Es ist für mich genauso ein Problem wie Machogehabe, wenn nicht sogar ein größeres. Wenn ich wirklich einen unsicheren Hund habe, dann muss ich versuchen ihm Sicherheit zu geben und es ist für mich genauso wenig eine Entschuldigung wie dass der Hund ein A-loch ist. Das hilft noch weniger weiter, um Lösungen zu suchen und das drückt für mich noch mehr eine "Egal, ist halt so" Haltung aus.

Grundsätzlich ist es aber schon so, dass die meisten (natürlich nicht alle) Aggressionen aus Angst und Unsicherheit heraus enstehen und daher find ich es gut, auch dies in Betracht zu ziehen anstatt gleich den Hund als Macho darzustellen. Hat man wirklich einen unsicheren Hund kann man durch Maßregeln dann nur Schlimmeres anrichten. Wenn man daran arbeitet und das Verhalten des Hundes differenziert betrachtet, dann finde ich es gut, es zu erkennen und offen damit umzugehen.

Hab es bisher noch nie von einem Hundehalter (außer mir selbst :D) sagen hören, daher kann ich die Erfahrungen nicht ganz teilen.

Grundsätzlich finde ich es aber immer gefährlich einen verklärten, einseitigen Blick auf seinen Hund zu haben, würd das jetzt aber nicht nur auf die Unsicherheit beziehen.
 
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Dabei
9 Apr 2014
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#20
Das Phänomen hab ich bis jetzt selten beobachten können. Häufiger begegnen mir Hundehalter, die ihre Hunde nicht unter Kontrolle haben und nicht abrufen können oder die einfach nicht gucken und weitergehen während ihr Hund andere dominiert.


Hab es bisher noch nie von einem Hundehalter (außer mir selbst :D) sagen hören, daher kann ich die Erfahrungen nicht ganz teilen.
Hallo nochmal,
bin in den letzten Tagen doch mal vermehrt mit "offenen Ohren" durch den Wald gegangen: Ich kann Aussie2014 nur zustimmen, auch mir gegenüber hat bisher kein Hundebesitzer versucht, das Verhalten seines Hundis mit Unsicherheit zu erklären. Pöbelnde Hunde erlebe ich allerdings auch so gut wie nie (gibt sie wohl kaum hier:)). Freilaufende Hunde, die sich sch... benehmen, kenne ich auch nicht. Schätze, das liegt daran, dass ich meinen Wauwi immer erst an die Leine nehme. Wenn der andere Hu-Besitzer dass sieht, kommt auch der andere Hund bislang immer an die Leine. Wahrscheinlich glaubt mein Gegenüber, dass mit Miro nicht gut Kirschen essen ist;), und will eine mögliche Konfrontation vermeiden. Eigentlich gar nicht schlecht, oder? Sollte sich dann bei erfragtem Beschnuppern doch Ärger einstellen, sind bislang die Hunde einfach kommentarlos getrennt worden (da an der Leine, auch problemlos), man hat sich beiderseits entschuldigend angelächelt und sich mit den Worten "dann wohl eher nicht..." noch einen schönen Tag gewünscht. Und steigt meiner oder der andere Hund schon vorher in die Leine, geht man halt mit der entsprechenden Massregelung aneinander vorbei.
Ich muss sogar eher erwähnen, dass mir im Fall der Fälle bisher immer gesagt wurde: "Besser nicht begrüssen lassen, meiner mag das nicht, bzw. meiner macht dann Ärger." So handle ich auch (so 2-3 Wauwis sind nicht auf Miro´s Beliebtheitsskala) und ich finde, wir haben hier glücklicherweise alle ein entspanntes miteinander. Spreche da aber nur aus meiner Erfahrung!

LG, Ilona und Miro
 
Dabei
7 Sep 2012
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#21
Wenn wir von echter (!) Unsicherheit sprechen, dann finde ich es immer leicht u. schnell dahingesagt: "Warum kann bzw. ist der Besitzer nicht in der Lage, dem Hund Sicherheit zu vermitteln?"

Wer einen Hund wirklich unsicheren Hund hat, wird bestätigen können, das das nicht so leicht u. einfach ist, seinen Hund von einem Angst-Trigger/Auslösereiz "mal eben" Sicherheit zu vermitteln.
Jeder kennt z.B. Menschen mit Angst vor Spinnen. Wie lang ist hier für uns rational denken könnenden Menschen der Weg, um diese völlig unbegründete Angst in den Griff zu bekommen???
Und selbst wenn es einem irgendwann gelungen ist, beim Anblick einer Spinne cool zu reagieren, wird man Spinnen wohl kaum irgendwann "lieben".

Fakt ist: es ist ein langer langer Weg einem ängstlichen/unsicheren Hund irgendwann in angstlösenden Momenten Sicherheit, Ruhe u. Souveränität vermitteln zu können u. es wird ein Hundelebenlang Momente geben wo er wieder in "alte" Verhaltensmuster zurückfallen kann. Sei es weil sich eine saublöde Situation ergibt, sei es, weil z.B. die Hormone gerade verrückt spielen (Läufigkeit etc.) oder schlicht, weil der Hund an diesem Tag halt nicht so drauf ist, wie sonst.
Besonders schwierig, wird es, wenn diese Unsicherheit noch an einen anderen Trieb gekoppelt ist, wie z.B. dem Schutztrieb. Ich stelle mir immer vor, wie der Hund innerlich hin- u. hergerissen ist. Auf der einen Seite will er aus der Situation heraus, auf der anderen Seite, verlangt sein Trieb, die Situation zu klären u. in den Griff zu bekommen.

Leider gibt es genug Hundehalter, die nicht erkennen können WARUM ihr Hund z.B. an der Leine pöbelt. Ist es aus Unsicherheit? Oder aus "einen auf dicke Hose machen" heraus?
Viele ertragen lieber, statt zu analysieren u. sich mit dem Verhalten zu befassen u. nach Lösungen/Verbesserungen zu suchen.
 
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Dabei
21 Feb 2011
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5.211
#22
Leider gibt es genug Hundehalter, die nicht erkennen können WARUM ihr Hund z.B. an der Leine pöbelt. Ist es aus Unsicherheit? Oder aus "einen auf dicke Hose machen" heraus?
Viele ertragen lieber, statt zu analysieren u. sich mit dem Verhalten zu befassen u. nach Lösungen/Verbesserungen zu suchen.
Und genau damit drückst du aus, was ich eigentlich meine :)
Klar wird ein wirklich unsicherer Hund immer wieder mal in sein Verhalten zurückfallen und natürlich ist das ein langer und oft harter Weg, vor allem für den Menschen.
Und trotzdem.....wenn man daran arbeitet, und das mit den richtigen Mitteln, werden sich Erfolge einstellen.....kleinere schon recht schnell. Die sind dann natürlich noch nicht gefestigt und man muss dranbleiben.
 
Dabei
7 Sep 2012
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#23
Und genau damit drückst du aus, was ich eigentlich meine :)
Klar wird ein wirklich unsicherer Hund immer wieder mal in sein Verhalten zurückfallen und natürlich ist das ein langer und oft harter Weg, vor allem für den Menschen.
Und trotzdem.....wenn man daran arbeitet, und das mit den richtigen Mitteln, werden sich Erfolge einstellen.....kleinere schon recht schnell. Die sind dann natürlich noch nicht gefestigt und man muss dranbleiben.
Nach 3,5 Jahren mit einem unsicheren Hund m. einer guten Portion Schutztriebe, jeder Menge "Schützenhilfe" von erfahrenen Hundtraineren/-leuten kann ich nur sagen: ja, kleine Erfolge recht schnell, Festigung sehr langsam, zwischendurch lange Durststrecken ohne Fortschritte, aus dummen Situationen heraus, schnell mal wieder Rückschritte u. dran bleiben, heißt in einem sochen Fall wirklich "ein Hundeleben lang"!
Mittlerweile fahre ich echt hoch bei Leuten, die anmerken, man müssen dem Hund "nur mal Sicherheit" vermitteln...
 
Dabei
21 Feb 2011
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5.211
#24
Mittlerweile fahre ich echt hoch bei Leuten, die anmerken, man müssen dem Hund "nur mal Sicherheit" vermitteln...
Kann ich sehr gut verstehen.....das ist auch keine leichte Aufgabe.

Mich regen halt die auf, die nix analysieren, die zu faul sind, am Verhalten des Hundes was zu ändern, die jedes nach vorn gehen, jede Pöbelei usw. damit entschuldigen, dass der Hund unsicher ist. Und wenn er dabei einen anderen beisst, dann ist es ein Angstbeisser.
Ist ja auch einfacher zu sagen: mein Schatz hat mal schlechte Erfahrungen gemacht, deshalb verhält er sich so......als was zu ändern.
Und mit dieser Entschuldigung wird man dann auch gleich noch von den anderen bemitleidet.
 
Dabei
7 Sep 2012
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2.992
#25
Mich regen halt die auf, die nix analysieren, die zu faul sind, am Verhalten des Hundes was zu ändern, die jedes nach vorn gehen, jede Pöbelei usw. damit entschuldigen, dass der Hund unsicher ist. Und wenn er dabei einen anderen beisst, dann ist es ein Angstbeisser.
Ist ja auch einfacher zu sagen: mein Schatz hat mal schlechte Erfahrungen gemacht, deshalb verhält er sich so......als was zu ändern.
Und mit dieser Entschuldigung wird man dann auch gleich noch von den anderen bemitleidet.
Erstaunlicherweise gibt es hierunter auch Leute, die die Probleme ihres Hunde "brauchen". Die darin aufgehen u. die deshalb an dem Verhalten ihres Hunde nichts ändern, weil SIE es brauchen! Sei es, um dieses Mitleid von anderen zu bekommen, sei es, weil sie glauben für den Umgang mit einem solchen Hund "bewundert" zu werden, sei es, weil sie sich in dem Verhalten ihres Hundes wieder finden, oder weil sie darin aufgehen, dieses Verhalten wieder u. wieder zu analysieren, ohne auch nur einmal die wahre Ursache zu finden (oder finden zu wollen?) oder mal die rosarote Brille von ihrer Nase zu nehmen.
Mitunter ist es auch eine scheinbar nützliche "Ausrede", um z.B. diesen Hund rassespezifisch auszulasten, weil mit "diesem" Hund u. seiner Unsicherheit, kann man dieses oder jenes nicht machen.
 
Dabei
7 Nov 2013
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1.037
#26
Also ich finde die Ausrede bzw. Rechtfertigung durch Unsicherheit total Sinnlos. Ich persönlich habe sie zwar noch nicht gehört, aber ich würde sie auch nicht wirklich ernst nehmen. Man muss sich vor mir nicht Rechtfertigen. Weil mit anständigen Besitzern kann ich über kleine Probleme auch mal lachen.. Z.B weil unsere Hunde jung sind (und sich mal daneben benehmen, obwohl man sich alle Mühe gibt - wie das kleine Kind, das beim Einkaufen grade an der Kasse einen Wutanfall bekommt) oder eine kleine doofe Situation kurz entstanden ist durch Unaufmerksamkeit seitens beider oder eines Besitzer.. Das nehme ich nicht zu ernst! Hunde sind ja keine Maschinen... Und so lange alles unter Kontrolle bleibt, habe ich damit keine Probleme. Wenn ein Aggressiver Hund natürlich einfach frei zu meinem spazieren kann würde das nochmal anders aussehen... Oder die zweite Möglichkeit: ich treffe einfach auf ignorante Hundehalter die sich sowieso für nichts rechtfertigen und meinen alles sei im Lot.. Und auch die möchten sich nicht Rechtfertigen oder auch nicht Entschuldigen.

Und ich kann verstehen, dass es Aussiewolf aufregt, dass man so schnell dahin sagt es liegt am Besitzer die Sicherheit zu übermitteln.. Ich sag das auch oft so raus, mein es aber anders.
Natürlich gehört da noch viel, viel mehr dazu. Aber es ist ein Anfang selbstsicher aufzutreten. Ich glaube so meinen das die meisten.. Und wenn die es nicht so meinen, haben sie noch keinen Unsicheren Hund kennengelernt.

Ich persönlich habe auch einen relativ unsicheren Hund und wie Aussiewolf sagt gibt es (trotz viel Training vom Welpenalter an) immer wieder Rückschritte, Rückfälle, erneut Probleme, schelchte Tage und und und...
Und wenn ich nicht selbstsicher, ruhig, konsequent und vor allem nach Schema F vorgehe, kommt es schnell wieder zu unsicherem Verhalten.
Ich nutze es aber nicht als Ausrede. Ich entschuldige mich aufrichtig (für schlechtes Verhalten) aber ich möchte denen gegenüber trotzdem erklären, dass vieles aus Unsicherheit geschieht und wir daran arbeiten.
Ich habe das Gefühl, dass manchmal eine Rechtfertigung notwendig ist, weil Menschen gerne urteilen. Ich habe das Gefühl, dass die Hundehalter mich von oben herab anschauen und meinen ihr Hund sei ja schon gut erzogen geboren. Nur weil er vielleicht in keiner Hinsicht ausgeprägtes Verhalten zeigt oder so.. Wenn bei mir mal was schief geht dann gibt es Hundehalter die ich schon länger kenne die lächeln dann mal und sagen, "oh der kleine ist aber heute nicht so gut drauf".. Oder hatten teilweise ähnliche Probleme und geben Tipps und Anregungen. Oder kennen ihn vielleicht von einigen tollen Tagen, an dem sie erstaunt waren wie toll der Hund hören kann... Andere stempeln ihn direkt als kleinen schrecklichen Hund ab und laufen einen riesen Bogen um mich und meinen Hund.. Als ob er ein blutrünstiger Hund wäre. Und das obwohl Barney wirklich ein toller Hund ist und noch niemals Aggressives Verhalten gegenüber Mensch oder Hund gezeigt hat.

Ich habe aber schon einige unsichere Aussies kennengelernt. Ich weiß nicht warum, aber die Rasse scheint mir da eine gewisse Neigung zu haben..
 
Dabei
27 Jun 2012
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#27
Julia, du sprichst mir aus der Seele.

Es ist so einfach gesagt: "Gib dem Hund Sicherheit, dann wird das schon wieder!".
Aber bis man als Mensch soweit ist, dass man in stressigen Situationen Ruhe und Selbstsicherheit ausstrahlt, ist ein verdammt steiniger und langwieriger Weg. Menschen kann man Selbstsicherheit vorspielen. Dem Hund nicht. Es reicht nicht, nur so zu tun als ob man für den Hund der Fels in der Brandung ist. Man muss es sein! Der Hund merkt den Unterschied sofort!
Und dann muss man ja auch erstmal den Trigger erkennen. Reagiert mein Hund jetzt, weil der Mann einen Hut trägt? Oder ist es, weil er anders geht oder der Mann ihn anders anguckt? Oder ist es vielleicht doch der bellende Hund im Hintergrund? Da muss man sich als Mensch erstmal für sensibilisieren und seine Umwelt genau wahrnehmen lernen. Manchmal sind es die "banalen" Sachen, die man eigentlich als selbstverständlich ansieht, die das Fass zum überlaufen bringen. Den Hund darf man in diesen Situationen auch nicht aus den Augen verlieren und ihn richtig lesen. Was zeigt er für Anzeichen bei Unsicherheit/Stress/Angst? Bis zu welchem Zeitpunkt erträgt er die Situation? Wann wird es zu viel? Und das alles dauert oft nur wenige Sekunden, in denen man als Mensch so viel wie möglich wahrnehmen muss...
Im Training kann man dann auch noch so viel falsch machen. Man muss erstmal eine Methode finden, die für Mensch und Hund passend sind. Dazu braucht man meistens einen kompetenten (!) Trainer. Aber selbst der beste Trainer bringt einem nichts, wenn man ein schlechtes Timing hat. Schlechtes Timing kann schnell aus Unsicherheit Angst und Panik machen.

Nach 3,5 Jahren mit einem unsicheren Hund m. einer guten Portion Schutztriebe, jeder Menge "Schützenhilfe" von erfahrenen Hundtraineren/-leuten kann ich nur sagen: ja, kleine Erfolge recht schnell, Festigung sehr langsam, zwischendurch lange Durststrecken ohne Fortschritte, aus dummen Situationen heraus, schnell mal wieder Rückschritte u. dran bleiben, heißt in einem sochen Fall wirklich "ein Hundeleben lang"!
Mittlerweile fahre ich echt hoch bei Leuten, die anmerken, man müssen dem Hund "nur mal Sicherheit" vermitteln...
Dem kann ich zu 100% zustimmen. Yankee ist auch in vielen Situationen unsicher, ist überfordert und hat dadurch auch eine Menge Stress. Dieser Hund hat es so oft schon geschafft, dass ich an mir zweifel, einfach weil es streckenweise nicht mehr besser wurde oder teilweise schlimmer als es vorher war. Und dann zu sagen: "Nein, dass hier ist der richtige Weg. Irgendwann werden wir ankommen, egal wie lange es dauert." Das ist manchmal sch**** schwer. Man ist doch selbst auch nur ein Mensch.
Yankee ist inzwischen knapp 2,5 Jahre alt. Seit 2,5 Jahren arbeiten wir an mir und seiner Unsicherheit. Inzwischen kann ich fest behaupten, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Aber genau so weiß ich auch, dass es noch ein viel längerer Weg wird.
 
Dabei
9 Apr 2014
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#28
Nach 3,5 Jahren mit einem unsicheren Hund m. einer guten Portion Schutztriebe, jeder Menge "Schützenhilfe" von erfahrenen Hundtraineren/-leuten kann ich nur sagen: ja, kleine Erfolge recht schnell, Festigung sehr langsam, zwischendurch lange Durststrecken ohne Fortschritte, aus dummen Situationen heraus, schnell mal wieder Rückschritte u. dran bleiben, heißt in einem sochen Fall wirklich "ein Hundeleben lang"!
Mittlerweile fahre ich echt hoch bei Leuten, die anmerken, man müssen dem Hund "nur mal Sicherheit" vermitteln...
Ja, die Bemerkung "gib dem Hund mehr Sicherheit"...
Ich arbeite mittlerweile nun auch schon ein gutes Jahr an Miro´s Verhalten und ich kann Julia´s Worte haargenau bestätigen. Unter anderem wurde auch mir natürlich gesagt, dass ich dem Hund mehr Sicherheit geben soll. Aber wie? habe ich nachgefragt und leider nur so allgemeines wie "stell Dich vor ihn" oder "zeig ihm, dass Du ihn beschützt" als Antwort bekommen.
Er fühlt sich nunmal sofort bedroht, wenn Hund oder Mensch frontal und ohne Beschwichtigungssignale auf ihn zukommen oder wenn ihm wer in die Augen starrt (und die sind ja so schön blau). Leider sendet er selber aber auch keine Beschwichtigungssignale aus, sondern hat nur den einen Gedanken "Angriff ist die beste Verteidigung". Ich habe versucht, mich vor ihn zu stellen, bzw. ihn hinter mir gehen zu lassen - Pustekuchen, dieser Hund guckte dann ständig an mir vorbei um die vermeindliche Gefahr zu beobachten. Als ob er abschätzen wollte, ob und wie er gegebenenfalls agieren, bzw. reagieren muss. Der war, und ist es manchmal noch, der Meinung, dass er das alleine klären kann/will/muss da er halt vom Wesen her ein Hund ist, der eher nach vorne als zurück geht.
Gott sei Dank haben ja andere Trainingsmethoden Erfolg gebracht und ich habe ihn gut im Griff - aaaaber, wie Julia sagt, ein Leben lang dranbleiben...
Ich muss immer vorausschauend sprazierengehen und handeln um kein Risiko einzugehen.


Erstaunlicherweise gibt es hierunter auch Leute, die die Probleme ihres Hunde "brauchen". Die darin aufgehen u. die deshalb an dem Verhalten ihres Hunde nichts ändern, weil SIE es brauchen! Sei es, um dieses Mitleid von anderen zu bekommen, sei es, weil sie glauben für den Umgang mit einem solchen Hund "bewundert" zu werden, sei es, weil sie sich in dem Verhalten ihres Hundes wieder finden, oder weil sie darin aufgehen, dieses Verhalten wieder u. wieder zu analysieren, ohne auch nur einmal die wahre Ursache zu finden (oder finden zu wollen?) oder mal die rosarote Brille von ihrer Nase zu nehmen.
Mitunter ist es auch eine scheinbar nützliche "Ausrede", um z.B. diesen Hund rassespezifisch auszulasten, weil mit "diesem" Hund u. seiner Unsicherheit, kann man dieses oder jenes nicht machen.
Julia, leider wirst Du da wohl zu 99% recht haben.:mad:


Und wenn ich nicht selbstsicher, ruhig, konsequent und vor allem nach Schema F vorgehe, kommt es schnell wieder zu unsicherem Verhalten.
Ich nutze es aber nicht als Ausrede.

Ich entschuldige mich aufrichtig (für schlechtes Verhalten) aber ich möchte denen gegenüber trotzdem erklären, dass vieles aus Unsicherheit geschieht und wir daran arbeiten.
Da sprichst Du mir aus dem Herzen, danke littleBarneyy!
Erst als ich meine Anspannung abbauen konnte, konnte ich langsam aber sicher Erfolge sehen. Heute gehe ich selbstsicher mit ihm durch Wald und Strassen. Ich habe meine Augen überall, ich passe auf, aber ich bin nicht mehr unruhig und angespannt. Ich habe akzeptiert, dass er so ist wie er ist und das ich kaum noch werde ändern können und dieser Schritt in meinem Kopf hat die Welle der Besserung in rollen gebracht.
Werde ich gefragt, warum ich dies und jenes mit meinem Hund mache (wenn wir an Menschen vorbeigehen), erkläre ich auch ruhig und NICHT entschuldigend, sondern informativ, was mit ihm los ist. Während so eines Gespräches liegt Miro übrigens völlig entspannt zu meinen Füssen;) und bekommt immer mal ein Leckerli zur Bestätigung.

So, das war mal wieder viel zu lang:rolleyes:, sorry

LG von Ilona und Miro
 
Dabei
7 Sep 2012
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#29
Für mich heißt "Sicherheit vermitteln" heute (!), das ich selber in Situationen in denen der Hund unsicher wird/ist ruhig u. souverän bleibe u. mich von meinem Hund nicht anstecken lasse. Also in der Körperhaltung u. Stimme entspannt bleibe, aber mittunter in gewissen Situationen auch mal streng u. mahnend! Dazu heißt auch auch, im passenden Augenblick (sofern dieser denn beim Hund kommt) weich u. belohnend (Fein! + Lecker) oder aber auch mal motivierend zu werden (Super!).
Das gelingt mir auch heute noch bei weitem nicht immer, aber immer öfter... Ich muss sagen, das ich da insgesamt entspannter wurde, als ich an den Punkt kam, wo es mir scheißegal wurde, was die Leute von mir u. meinem Hund denken! Das war ein Meilenstein, der uns weitergeholfen hat.
Ich entschuldige oder erkläre meinen Hund i.d.R. nicht vor Fremden, sondern nur, wenn man jemand danach fragt.

Den Hund körperlich in Schutz nehmen (durch davorstellen/m. dem Körper abschirmen) hat bei uns nur in einigen Fällen Erfolg gebracht u. ist i.d.R. abhängig von dem "Auslöser" für die Unsicherheit. Es gibt Situationen, wenn ich sie da abschirmen will, dann fährt sie erst richtig hoch oder aber, sie weiß sofort "da kommt" was u. wird erst Recht unsicher bzw. fährt so richtig hoch.
Mitunter schaltet sie "den Verstand ein", wenn sie eine Situation in Ruhe bewerten kann u. analysieren kann. Letztendlich ist es der Hund der entscheidet, ob er in einer Situation klarkommt oder nicht u. das kann Tagesform abhängig sein. Als meine Hündin jetzt am Anfang ihrer Läufigkeit war, war ihre Unsicherheit u. ihre Tendenz nach vorne zu gehen, deutlich größer als sonst, während sie jetzt am Ende der Läufigkeit wieder gemäßigter wird.
 
Dabei
7 Nov 2013
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#30
Ich muss sagen, das ich da insgesamt entspannter wurde, als ich an den Punkt kam,wo es mir scheißegal wurde, was die Leute von mir u. meinem Hund denken! Das war ein Meilenstein, der uns weitergeholfen hat.
Ganz genau so ist es bei uns auch.
Nur muss ich sagen, dass auch ich genauso wie mein Hund an schlechten oder empfindlichen Tagen immer wieder in mein altes Muster zurück falle.. Oder zum Beispiel grade wenn mich Freunde beim Spaziergang begleiten! Genauso wenn ich wie Schneffi geschrieben hat potentielle Auslöser vor ihm entdecke.. Auch dann Fall ich gerne mal ins alte Muster zurück..
Dann mache ich mir Gedanken darüber was alle denken, wie es den anderen dabei geht, wie Barney reagiert.. Ich kenne einfach meine Eltern die früher oft vom Joggen und Fahrradfahren heim kamen und sich über die schlecht erzogenen Hunde aufgeregt haben.. Und wenn ich mich heute im Wald umsehe hat vieles davon zwar mit schlechter Erziehung oder Sozialisierung zu tun, aber genauso viel auch mit Unsicherheit, falscher Auslastung, etc.
 

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