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"Nette" Erziehungsmethoden bei aggressivem nach vorne gehen?

Dabei
14 Jan 2018
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#1
Hallo zusammen,

ich würde mich über Meinungen und Erfahrungen von euch freuen bzgl. Trainingmethoden bei aggressiv nach vorne gehenden Verhalten. Dazu erstmal ein paar Hintergrundinfos zu unserer Situation:

--- Vorgeschichte ---

Seit ca. 2,5 Monaten lebt ein Mini-Aussie aus dem Tierschutz bei uns. Wir haben ihn Yoshi genannt. Leider hat er in seiner ersten Familie u.a. schlechte Erfahrungen mit Kindern machen müssen. Es gab dort anscheinend keine Regeln im Umgang mit dem Hund, sodass er nirgends seine Ruhe hatte, nirgends „sicher“ vor den Kindern war. Ein Nachbarskind hat ihn anscheinend auch massiv geärgert. Unser Hund hat dort verlernt zu drohen. Es brachte nichts zu beschwichtigen, zu knurren oder die Zähne zu zeigen, allein das Zubeißen half. Er hat wohl wiederholt die Kinder gebissen und auch den Mann der Familie verletzt, bis er dann schlussendlich im Tierheim landete. Da den Kindern anscheinend keine Regeln im Umgang mit dem Hund beigebracht wurden gehen wir davon aus, dass auch unser Hund dort wenig Grenzen und Führung erfahren hat. Wir wissen z.B., dass er mal aufs Sofa durfte, dann wieder nicht.

Er ist ein toller, kluger und gelehriger Hund, bringt aber natürlich auch seine Probleme mit. Wir wurden vom Tierheim „gewarnt“, dass er rotzfrech ist und einer vernünftigen Führung bedarf. Wir haben ihn über einen längeren Zeitraum kennengelernt und ihn auch öfter für ein paar Stunden und auch mal über Nacht mit nach Hause genommen, bevor er endgültig einzogen ist, damit er uns und unsere Wohnung in Ruhe kennenlernen konnte und sich hier sicher fühlt.

Seit seinem Einzug macht sich der Kleine bei uns insgesamt sehr gut. Er hat hier feste Regeln, Ruheplätze auf denen er vor uns absolut seine Ruhe hat, bekommt sein Futter portionsweise aus der Hand gefüttert und wird meist nur gestreichelt, wenn wir ihn zu uns rufen, nicht wenn er ankommt und es einfordert. (Im Tierheim ist er einmal zum Angriff übergegangen, nachder er Streicheleinheiten eingefordert hatte, daher rufen wir ihn jetzt zu uns und gehen auf seine Aufforderungen nur ganz selten ein). Wir sind natürlich mit ihm in der Hundeschule (mehr für uns als für ihn, da er schon ganz viel kann, wir aber noch ganz viel lernen müssen). Der Trainer dort hat uns ebenfalls bestätigt, dass wir da ein sehr selbstbewusstes Kerlchen haben.

Yoshi ist also ein Hund, der gelernt hat nicht zu drohen, sondern direkt nach vorn zu gehen und auch zuzubeißen, wenn er etwas im weitesten Sinne doof findet. Sei es, dass man ihm etwas zu futtern wegnehmen will, Fremde sein Territorium betreten oder er etwas oder jemanden aus irgendeinem Grund als bedrohlich einstuft. Unser Ziel ist, dass unser Hund sich an uns orientiert und lernt, dass wir alles für ihn regeln und er deshalb nicht mehr nach vorne gehen muss. Es wäre auch schön, wenn er lernen könnte wieder zu drohen. Wir möchten ihm größtmögliche Freiheit bieten, sprich Freilauf wann immer es geht. Aber dabei darf er auf keinen Fall andere Menschen oder Hunde erschrecken, anspringen oder gar verletzen. Bisher hat er zwar immer nur im häuslichen Umfeld gebissen, aber klar ist, dass er keine Beißhemmung (mehr) hat. Daher lassen wir ihn noch sicherheitshalber immer angeleint (kurze Leine bzw. Schleppleine mit Maulkorb.

Nach ein paar Wochen bei uns, hat er angefangen draußen vermehrt aggressives Verhalten zu zeigen. Dazu muss man sagen, dass er meistens und den meisten anderen Menschen und Hunden entspannt begegnet. Eine typische Hundebegegnung läuft so ab, dass er den anderen Hund entdeckt und ihn dann entweder sehr stürmisch zum spielen auffordert oder an ihm vorbei geht und dann noch mal stehen bleibt und hinterherschaut, dann weitergeht. Andere Menschen ignoriert er meistens komplett. Es gibt aber auch Hunde, die mag er einfach nicht (meist sind sie groß, dunkel und/oder plüschig). Auch wenn sich ein Mensch z.B. im Unterholz rumtreibt oder irgendwo über einen Zaun klettert, dann geht er nach vorne (wirft sich bellend in die Leine). Gerade wenn es dämmert zeigt er dieses Verhalten vermehrt anderen Hunden und auch Menschen gegenüber. Wir hatten es auch schon, dass er einen Mann, dem wir schon öfter begegnet sind, auf einmal sehr vehement und nach vorne gehend verbellt hat. Es scheint auch tagesformabhängig zu sein bei ihm. Auch territoriale Aggression und Eifersucht ist bei ihm wohl ein Thema. Kommt ein fremder Hund oder Mensch zu nah ans Grundstück oder (wenn frei laufend) an uns ran, wird er böse. Teilweise reagiert er auch so, wenn fremde Menschen direkt auf ihn bzw. uns zugehen. Man bekommt dabei den Eindruck, dass er es durchaus ernst meint.

Als Basis üben wir aktuell die Leinenführigkeit, der Rückruf folgt noch. Wenn wir irgendwann soweit sind, wird er die erste Zeit auch nur mit Maulkorb frei laufen, bis wir alle möglichen Situationen öfter mal hatten und wissen, dass er sicher kontrollierbar ist.

--- Aktuell ---

Letztes Mal in der Hundeschule war sein aggressives Verhalten Thema, da er dies auch dort gezeigt hatte. Die erste Zeit hat er durch den Zaun hindurch mit dem Hund des Trainers gespielt. Als der Hund dazu geholt wurde, um etwas zu zeigen, reagierte er so wie manchmal auch draußen: Bellend mit gefleschten Zähnen in die Leine werfen, Ohren und Schwanz ganz weit oben. Das war eigentlich ganz gut, so hat der Trainer das mal gesehen und uns gesagt, dass das keine Unsicherheit ist.

Seine Vermutung ist, dass er kurz gesagt dieses Verhaltensmuster gelernt hat: Wenn etwas doof oder schlecht einschätzbar ist, gehe ich nach vorne, der andere trollt sich und ich habe meine Ruhe. Das passt auch zu dem, was wir über seine Vorgeschichte mit den Kindern erfahren haben. Das Ziel ist nun, dass er dieses Verhaltensmuster ablegt und sich ein neues Verhaltensmuster bildet: Wenn etwas doof oder bedrohlich ist, dann gehe ich zu Herrchen und Frauchen. Dort ist Sicherheit und Ruhe, die regeln das für mich.

Nun zur eigentlichen Frage: Wie kann der Weg dorthin aussehen? In unserer Hundeschule wird mit Abbruchsignalen gearbeitet, dort wo sie hingehören. Anschließend wird immer ein erwünschtes Alternativverhalten angeboten und "sich wieder vertragen". Yoshi ist definitiv ein Hund, der auch mal eine klare Ansage und immer klare Regeln und Grenzen braucht. Nur mit Leckerchen kommt man bei ihm nicht weit. Man muss schon was tun, damit er einen auch ernst nimmt. Er testet durchaus Grenzen aus (wie jeder andere Hund und Aussie auch), meist reicht auch ein strenges "Nein" oder dass man ihn anspricht, wenn er gerade im Begriff ist Unsinn zu machen. In Situationen wie der in der Hundeschule letztes Mal, kommt man leider nicht so einfach zu ihm durch.

Uns wurde nun die Benutzung einer Rüttelflasche empfohlen. Wir (bzw. mein Partner) hat das in der Situation in der Hundeschule auch einmal ausprobiert: In dem Moment, in dem er wieder aggressiv nach vorne gehen wollte, hat er sich vor den Hund gestellt und ihn "nach hinten", weg von dem anderen Hund getrieben, mit deutlicher Stimmlage, und als Unterstreichung die Rüttelflasche auf seinen Oberschenkel geschlagen. Das war das erste Mal, dass Yoshi tatsächlich von etwas beeindruckt war in dieser Situation. Anschließend war natürlich direkt Ruhe, stehen bleiben, den Hund nicht anschauen und dann ordentlich knuddeln. Yoshi kann das anscheinend ab, er ist meinem Partner direkt wieder fast auf den Schoß gekrabbelt, keine Spur von Angst. Daraufhin wurde die Situation wiederholt: Hund und Mensch wieder direkt auf meinen Parnter und Yoshi zu, und: nichts. Yoshi blieb ruhig sitzen.

Natürlich fühlt sich dies Vorgehen nicht gut an. Für keinen Beteiligten. Auch der Hundetrainer sagte, dass es natürlich schön wäre, wenn man nicht so vorgehen müsste. Er hat uns im Voraus natürlich auch Alternativen vorgestellt und es wird grundsätzlich alles sehr gut abgesprochen. Wir haben den Eindruck, dass er ein sehr kompetenter, empathischer Trainer ist, der nichts unnötig "hartes" machen würde. Seine Einschätzung bezgl. Yoshi ist, dass wir dieses Verhalten (im Zweifelsfall nach vorne gehen) nicht anders raus bekommen, als wenn wir einmal das Verhaltensmuster komplett platt machen und dann ein neues aufbauen. Das klingt und wirkt hart, aber es erscheint mir alles logisch. Wir tun ihm nicht weh, wir setzen lediglich sehr vehement eine Grenze. Aber auch wenn ich gesehen habe, dass dadurch die Beziehung zwischen uns und unserem Hund nicht beeinträchtigt wird, fühlt es sich trotzdem noch doof an.

Wir sind dabei zu überlegen, ob wir so vorgehen möchten. Die Kosten-Nutzen-Rechnung spricht für sich. Wenn wir das Verhalten nicht rausbekomen, können wir unseren Hund niemals mit gutem Gewissen frei laufen lassen. Wenn wir jetzt ein, zwei oder drei Wochen so stark reagieren und anschließend ein kleines Abbruchsignal ausreicht, um ihn davon abzuhalten auf andere loszugehen, dann kann unser Hund die nächsten 10 bis 14 Jahre Freiheit genießen.

Trotzdem möchte ich vorher erkundigen, ob es nicht doch evtl. andere, "nettere" Wege gibt, die für ihn geeignet sein könnten. Wege, die nicht nur an Leine, sondern auch später im Freilauf greifen, wenn er den anderen Hund oder Mensch zuerst entdeckt. Wenn ich einen "unbefleckten" jungen Hund hätte, würde ich nie so vorgehen. Bei ihm hat sich leider durch seine Vergangenheit viel eingeschliffen. Auch bei einem unsicheren Hund hätte ich bei so einem Vorgehen meine Bedenken. Was habt ihr für Erfahrungen, was haltet ihr von diesem Vorgehen? Ich vermute, dass es bei vielen auf Ablehnung stoßen wird und das kann ich durchaus verstehen.


Bitte entschuldigt, dass es so lang geworden ist. Ich wollte die Situation möglichst gut darstellen, damit ihr einen fundierten Eindruck gewinnen könnt.

Viele Grüße!
Ninki mit Yoshi
 

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Dabei
14 Jan 2018
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#2
Leider kann ich schon nicht mehr editieren: Ich wollte das Vorgehen in der Übung noch mal deutlicher beschreiben: Nach dem Wegetreiben wurde kurz stehen geblieben, dann körpersprachlich eingeladen mitzukommen, ein paar Schritte gegangen (Alternativverhalten: an uns orientieren, so wie wir es in der Leinenführigkeit schon als Basis trainieren). Nach Abschluss dann ordentlich knuddeln, wieder "vertragen", damit die Beziehung keinen Schaden nimmt. Es ist ziemlich schwierig Trainingsmethoden in einem Forum exakt zu beschreiben, finde ich. Ich hoffe es ist jetzt deutlich genug, damit ihr eine Vorstellung habt.
 
Dabei
15 Mai 2012
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#3
Hallo :)

also zum einen finde ich, dass so ein Verhalten nur nach Beobachtung bewertet werden kann, das ist nichts was mit zb. einem Trick vergleichbar wäre.
nur eines, wenn du einen Trainer hast, dem du vertraust und der weder übermäßig „böse“ wird, noch nur mit wattebauschen wirft, dann ist das ja nicht verkehrt!

Ich persönlich muss sagen, dass ich bei so einem Verhalten auch nicht mit heitideiti kommen würde, immerhin scheint er durchaus auf Beschädigungsbeißen aus zu sein und damit ist nicht zu spaßen. Die rüttelflasche mag erstmal nicht schön sein, das ist sein Verhalten aber auch ganz und gar nicht.
Was ich aber auch noch sagen möchte, JEDER Hund sendet irgendein Signal bevor er loslegt, und sei es nur ein Blick. An eurer stelle würde ich ihn auch sehr genau beobachten um das iiiiirgendwann begreifen zu können, auch wenn es schwer ist.
Des Weiteren finde ich es super dass ihr einen Maulkorb am Hund habt!!! Das ist verantwortungsbewusst!!! Vielleicht wird er den auch sein Leben lang tragen, aber ihr schützt damit euer Umfeld und das finde ich total klasse :)
 
Dabei
14 Jan 2018
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#4
Hallo Rumo,

danke für deine Antwort, und das Lob :) Ich finde, dass es selbstverständlich sein sollte auf Nummer sicher zu gehen, wenn man nicht zu 99,9 Prozent weiß, dass nichts passiert. Auch wenn die Leute teilweise echt doof drauf reagieren. Wir haben einen Draht-Maulkorb, der natürlich martialisch aussieht, aber nunmal am sichersten ist und am besten sitzt, sodass er Yoshi nicht stört (außer dabei ungehindert irgendwelchen Mist zu futtern ;)). Da kam schon "Ach der Arme...", "Die hat ihren Hund nicht im Griff", etc. Viele reagieren aber auch nett und fragen nach. Oder lächeln ihn trotzdem an und sagen "Das ist ja ein Süßer!"

Wir versuchen ihn so genau wie möglich zu beobachten, um die Situation so früh wie möglich unterbrechen zu können. Was Hunde-Körpersprache angeht haben wir zwar schon viel gelernt (wir sind einige Monate ehrenamtliche Gassigeher im Tierheim gewesen, bevor wir Yoshi adoptiert haben), aber die Feinheiten zu entdecken und zu unterscheiden finde ich noch schwierig. Aber dafür sind wir ja (auch) in der Hundeschule und lesen ganz viel. Uns hat der Kleine zu Hause auch schon erwischt, daraus haben wir gelernt und in der Rückschau auch verstanden warum das passiert ist. Er gibt durchaus eine Vorwarnung, allerdings eher subtil... Hier zu Hause klappt es inzwischen dank fester "Umgangsregeln" und genauem Beobachten seiner Signale sehr gut. Draußen arbeiten wir noch daran seine Signale besser zu erkennen und zu verstehen. Momentan sieht es für uns noch sehr ähnlich aus, wenn er aufgeregt wird und dann spielend in die Leine springt und wenn er aufgeregt wird und dann aggressiv in die Leine springt.

Ich bin auch sehr froh, dass wir schnell einen Trainer gefunden haben, der für unser Gefühl einen guten "Mittelweg" fährt. Und der auch authentisch und ehrlich ist, ganz viel erklärt und nachfragt und auch ansonsten das Zwischenmenschliche gut beherrscht. Und dass wir so viel Unterstützung und gute Tips (z.B. als allererstes das Maulkorbtraining anzugehen) vom Tierheim bekommen haben und jederzeit wieder bekommen könnten, falls nötig.
 
Dabei
7 Okt 2014
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#5
Ich finde einen Schreckreiz in einem Moment, wo der Hund ansonsten nicht mehr ansprechbar ist, gar nicht so schlimm (sofern man es wirklich gut timed unter Anleitung!), würde aber parallel noch ganz woanders ansetzten.
Ich hätte spontan ein paar Einfälle, aber die solltet ihr nur in Absprache anwenden, denn gesehen hat letztendlich der Trainer den Hund und Niemand hier aus dem Forum!

Du sagst, er packt auch zu, wenn ihr ihm etwas wegnehmen wollt?
Dann übt das vermehrt, indem ihr es extrem positiv verstärkt.
Ich bin eigentlich kein Freund von ständigem Tauschhandel , aber um Vertrauen aufzubauen kann das sehr nützlich sein.
Ich würde da wohl beispielsweise anfangs immer, wenn ich nah an ihm vorbei gehe und er eine Ressource hat, ein Leckerli fallen lassen.
Nah vorbei gehen = positiv
Da er aber ja wohl nicht mehr knurrt, muss das auch extrem gut getimed sein, damit ihr mich versehentlich das Gegenteil belohnt, statt etwas Erwünschtes zu verstärken.
Euer Trainer hat da sicher Tips zu.

Das Problem mit dem Besuch würde ich über Deckentraining angehen.
Anfangs mit Maulkorb und/oder angeleint.
Ihr bestimmt, wer rein darf, nicht er .
Er darf das aus sicherer Entfernung beobachten, aber sich nicht einmischen.
Wenn er auf seinem Platz bleibt und entspannt wirkt, belohnen wie blöd, vielleicht kann sogar der Besuch ihm dann Leckerli zuwerfen (natürlich muss er das mit seinem Mauli auch nehmen können, sonst wäre das echt fies).
Bitte auch da den Trainer zu fragen!

Thema Schutztrieb ...Tja, den bringen Aussies von Natur aus oft mit.
Ganz raus werdet ihr den wohl nicht bekommen, aber händelbar sollte er sein.
Da ist der Maulkorb ganz sicher das Mittel der Wahl zu Anfang.
Den Rückruf würde ich jetzt schon üben, immer und überall, draußen halt an der Schleppleine in einer Gegend ohne große Ablenkung.
Die kann man dann später kontinuierlich steigern.

Wie Rumo schon schrieb, werdet ihr irgendwann am der Körpersprache sehen, wann er nach vorn gehen will.
Wenn ihr das erkennen könnt und der Abbruch dann früh genug kommt, werdet ihr hoffentlich die Rüttelflasche gar nicht mehr brauchen.
Habt ihr ein Abbruchsignal unmittelbar vor deren Einsatz?
 
Dabei
26 Mai 2015
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#6
Hallo,

ich finde es super dass ihr euch so um diesen Hund kümmert und dass du dir viele Gedanken machst. Ich sehe den Schreckreiz durch eine Rüttelflasche mit gemischten Gefühlen, nicht weil ich eine bin die mit Wattebäuschchen wirft, sondern weil Aussies mitunter sehr empfindsam sind, auch die die aggressiv nach vorne gehen - oder vielleicht sogar gerade die.

Ich würde zuhause anfangen wie ihr es schon tut und Finnie Pooh es beschreibt, sprich mit verschärftem Deckentraining und allgemein würde ich enge Grenzen für den Hund stecken. Damit er sieht dass er ihr die Dinge regelt und er das nicht tun muss. Das wird vermutlich nicht ganz einfach werden, weil er ja schon die Zähne eingesetzt hat und das ggf wieder tut, wenn ihm etwas nicht passt. Das Thema ist ziemlich komplex und sollte mit einem erfahrenen Trainer angegangen werden. Wie die anderen schon sagen, man muss den Hund kennen um da nichts falsch zu machen. Es ist nicht minder schwierig eine gute Beziehung zu dem Hund aufzubauen, auch hierbei kann ein Trainer helfen.

Klare Regeln die strikt eingehalten werden, Abbruchsignale etc. stehen aber nicht im Gegensatz zur positiven Verstärkung. Du kannst versuchen den Hund in verschiedenen Situstionen zu konditionieren, das ist ein langwieriger Prozess. Frag deinen Trainer mal danach: Ruheübungen: sprich wenn er ruhig irgendwo liegt und ruhig eine Streicheleinheit von euch bekommt, sagt ihr immer ein Wort dazu. Sehr sehr viel später kann man das Wort auch in aufregenden Situationen benutzen und der Hund beruhigt sich dann.

Draussen sind andere Hunde ein Problem, also kannst du ein Alternativverhalten konditionieren, anfänglich wäre das erstmal "weg von dem Aufreger, hin zu dir". Eigentlich ist das aber schon der dritte Schritt, du müsstest erstmal ohne Ablenkung das "hin zu dir" ohne Ablenkung, später mit kleinen Ablenkungen usw, noch später mit anderen Hunden aufbauen. Auch das lässt sich über ein Forum in ein paar Sätzen nicht erklären, frag auch dazu deinen Trainer.

Parallel solltes du Übungen zu Impulskontrolle und Frustrationdtoleranz machen. Bedenke dabei dass dein Hund jetzt insgesamt ne Menge lernen muss und egal was du übst, halte die Einheiten kurz, mach nicht Zuviel an einem Tag, weil der Hund sich nicht von jetzt auf gleich "lange konzentrieren" kann, das muss man langsam steigern.

Wie gesagt es ist sehr komplex und vermutlich langwierig. Und es kann immer mal sein dass etwas dass ihr trainiert zum jetzigen Zeitpunkt im Training noch nicht funktioniert, das heißt aber nicht dass es in einem Jahr auch noch so ist. Ggf muss man dann nochmal ansetzen.

Du wirst deinen Hund immer besser kennenlernen und mit der Zeit wird dir dein Bauchgefühl auch helfen zu bestimmen, was gerade funktionieren kann und was nicht. Gut wenn man einen Trainer hat der das mit einbezieht und nicht abtut.

Was du jetzt tust, nämlich dich nach allen Seiten informieren ist sehr gut, auch das wird dir helfen. Bücher, Foren, andere Menschen, vielleicht im Laufe der Zeit unterschiedliche Trainer, YouTube, all das wird dir viele Möglichkeiten und Methoden vorstellen, du wirst mit der Zeit wissen was gut für euch ist und was nicht.

Der Maulkorb ist ebenfalls gut, nicht nur zum Schutz, auch um dir Sicherheit zu geben, und dem Hund etwas mehr Freiheit.

Zum lesen empfehle ich dir mal auf die Seite nomro zu gehen. Dort gibt es viel Wissenswertes und vielleicht kommt irgendwann mal eines der dortigen Seminare für dich in Frage.
 
Dabei
14 Jan 2018
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#7
Vielen lieben Dank für die ganzen Tips und Hinweise! :)

Zum Thema gute Beziehung aufbauen: Da hatte ich ganz zu Anfang auch meine Sorgen, nachdem er meinen Partner das erste Mal gebissen hatte. Da war das Vertrauen (auf allen Seiten) natürlich erstmal wieder weg. Es ist aber nach und nach wieder gewachsen, sodass wir ihn dann "trotzdem" adoptiert haben. Der Kleine ist ja kein böser Hund, weil er beißt, sondern er hat es nunmal damals so gelernt. Wir dürfen manche Sachen machen, die er nicht so toll findet, ohne dass er uns gleich was tun will. Da gibt es zwar noch Grenzen, aber wir kennnen uns alle ja auch noch gar nicht so lang, die werden wir nach und nach ausbauen. Und er fühlt sich eindeutig sicher in unserer Wohnung, schläft auch in unserer Gegenwart so tief, dass er oft auch träumt. Auch sucht er oft Körperkontakt, z.B. liegt er jetzt gerade an meine Füße geschmiegt vor dem Sofa und döst :eek: Auf der anderen Seite vertrauen wir ihm inzwischen auch bei immer mehr. Ich habe inzwischen kein ungutes Gefühl mehr, wenn ich ihm die Füße abtrocke. Da hat er am Anfang doch seeehr unglücklich geguckt. Inzwischen guckt er dabei nur noch ein bisschen unglücklich. Wirft sich dann aber, wenn die Pfoten durch sind, in meine Arme, damit ich ihm mit dem Handtuch den Nacken abrubbel. Das findet er nämlich richtig klasse. Wir vertrauen ihm auch, dass er uns draußen "im Normalfall" nicht beißen wird. Auch nicht, wenn er gerade einen anderen Hund echt kacke findet und wir ihn hinter uns ziehen bzw. versuchen uns dazwischen zu stellen. Wenn wir das mit der Rüttelflasche angehen, wird er aber wohl auch an der kurzen Leine den Maulkorb draufbekommen, zumindest erstmal. Die Flasche soll nach Plan ja sowieso nur für kurze Zeit zum Einsatz kommen müssen.

Dazu wollte ich auch noch was sagen: Es klingt im meinem Post ein bisschen so, als sei er ein kleines Monster ;-) Er hat einige Probleme, aber 95 Prozent der Zeit im Alltag über ist er ein total unkomplizierter, lieber Hund. Der draußen auch noch nie gebissen hat, soweit wir wissen. Aber wir wollen eben auch an keinem ersten Mal schuld sein. In der Wohnung hat er am Anfang natürlich getestet (ist ja normal, denke ich), wie ernst wir das meinen, wenn wir Regeln aufstellen. Er hat gemerkt, dass wir konsequent sind und auf ein "Nein" oder ein Wegschicken auch nie mit Schnappen reagiert.

Wir werden auf jeden Fall drauf achten ihn nicht zu überfordern, sondern ein Thema nach dem anderen anzugehen. Er kann zum Glück auch schon sehr viel: Er kannte z.B. bereits die Box (die ihm nun tatsächlich als sicherer Rückzugsort zur Verfügung steht) und hat denke ich auch schon eine ganz gute Impulskontrolle, wenn man das von ihm fordert. "Bleib" funktioniert super, auch wenn man um ihn rum hüpft oder Futter wirft. Das Thema Futter wegnehmen ist für ihn ein ganz wichtiges, wie es scheint. Unser Trainer hat uns empfohlen das ganz zuletzt anzugehen. Beim Thema Frustrationstoleranz hat er glaube ich noch Nachholbedarf. Gibt es da schöne kleine Übungen, die man mal nebenbei im Alltag einbauen kann? Von Entspannungssignalen und Ruheübungen habe ich schon mal gelesen, finde das eine klasse Sache. Danke für den Tipp!

Zum Deckentraining: Das ist eine tolle Idee, finde ich! Bisher sucht er seine Ruheplätze (Decke im Wohnzimmer und Box im Schlafzimmer) nur aus Eigenintitiative auf. In der Box bekommt er nach den längeren Spaziergängen auch was zu kauen, damit er runterfährt. Das haben wir eingeführt, nachdem er hier direkt nach dem spazierengehen regelmäßig Party gemacht hat, und es funktioniert prima. Er schläft auch oft in der Box, und sie kommt mit, wenn wir mal andere besuchen fahren. Dann kann er sich darin verkrümeln oder die Wohnung erkunden, so wie er gerade mag. Das haben wir noch nicht so oft gemacht, aber bisher sind wir damit gut gefahren. Ihn aktiv in die Box oder auf die Decke schicken machen wir aktuell nur ganz selten. Vielleicht stellen wir einfach die Box ins Wohnzimmer, dann können wir dort nach Absprache mit unserem Trainer das Boxentraining ausbauen und er hätte bei Besuch seine sichere Höhle, wäre aber trotzdem dabei.

Beim Thema Schutztrieb bin ich ganz bei dir. Der gehört nun mal zu ihm und ich will ihn auch gar nicht abstellen. Er darf und soll melden, wenn etwas komisch ist. Aber dabei eben kontrollierbar sein und mir die weiteren Entscheidungen überlassen. Den Rückruf trainieren wir auch schon immer mal wieder an der Schleppleine. Hauptaugenmerk ist gerade die Leinenführigkeit. Und wenn ich das richtig verstanden habe, üben wir damit gerade die ersten zwei Schritte von "weg zu dem Aufreger, hin zu mir". Er soll sich dabei ja an uns orientieren, und mit mir bzw. hin zu mir kommen. Angefangen haben wir ohne Ablenkung, nun klappt es schon mit mittlerer Ablenkung (Hunde in Sichtweite aber weit weg, tolle Gerüche). Wir steigern die Ablenkung langsam immer mehr. Die ultimativen Ablenkungen wären dann natürlich ein Hund in der Dämmerung, den er total doof findet, ein sich im Gebüsch versteckender Mensch, etc.

Ich habe den Eindruck, dass diese ganzen Dinge (Leinenführigkeit, Rückruf, Impulskontrolle, ...) am Ende zusammen spielen sollen und auf das selbe Ziel hinauslaufen. Dass es verschiedene Strategien auf dem Weg zum selben Ziel sind. Ich zerdenke mir das Thema momentan aber auch sehr, muss ich sagen. Ich werde mir die Seite von nomro auf jeden Fall mal anschauen. Einen Text davon kenne ich schon und fand ihn gut.

Zum Abbruchsignal direkt vor der Rüttelflasche: Das wäre ja auf jeden Fall sinnvoll, oder? Soweit sind wir letztes Mal in der Hundeschule nicht mehr gekommen (obwohl wir schon wieder überzogen haben), aber es steht auf dem Plan für den nächsten Termin. Schließlich soll Yoshi am Ende ja auf das Abbruchsignal reagieren und dann als Alternativverhalten zu/mit uns kommen, ohne das wir noch die Rüttelflasche benutzen müssen.
 
Dabei
7 Okt 2014
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#8
Ich finde ein Abbruchsignal vorher auch irgendwim bloß fair .
Mag sein, dass ich das zu menschlich sehe, aber mir persönlich wäre es wichtig, dem Hund vorher die Chance zu geben, sich noch umzuentscheiden.
Das Signal muss dann aber auch im ersten Ansatz kommen , bevor er überhaupt erst nach vorne geht.
Wenn er dann sein Verhalten womöglich schon unterbricht und sich an durch orientiert, würde ich das auch echt belohnen bis zum Umfallen.
 
Dabei
10 Jan 2016
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#9
Ich geh jetzt hier mal nur auf deine Frage eines anderen netten Weges ein und dazu fällt mir das ein:

https://www.dogood.de/b-a-t

Kann jemand sagen was er will, aber mit einer Rütteldose im falschen Moment eingesetzt kann man mehr kaputt als gut machen! Das erfordert Erfahrung....

Ob dein Hund aus Unsicherheit und warum auch immer nach vorne geht... das muss man gesehen haben. Im Moment scheint sein Verhalten, ich geh nach vorne, brülle rum jedenfalls von Erfolg gekrönt zu sein nämlich dass er das bekommt was er will: Abstand! Genau das wird beim BAT umgelernt. Wenns brüllt bleibt der Mensch/Hund oder was auch immer stehen, wenn er beschwichtigt oder irgendein anderes Alternativverhalten zeigt das NICHT rumbrüllen ist bekommt er seinen Abstand.

Mit dieser Methode erzielst du natürlich nicht den schnellen Erfolg, viel Arbeit mit dem Hund ist es auch. Du musst ihn lesen lernen, und lernen früh genug zu reagieren bzw. auf die Signale die er dir sendet zu achten. Aber dafür ist der ERfolg nachhaltig und hat der Hund mal gelernt, dass er mit angemessenem Verhalten eine Situation beeinflussen kann, traut er sich auch mehr und hat gar keinen Grund so schnell die FAssung zu verlieren.
 
Dabei
14 Jan 2018
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#10
Ja, Finni Pooh, das sehe ich auch so menschlich. Der Hund soll ja die Möglichkeit haben es (aus unserer Sicht) richtig zu machen. Nur wenn wir dann nicht rechtzeitig genug damit sind, dann reicht das normale Abbruchsignal nicht mehr aus. Und konsequenterweise müssten wir dann trotzdem die Rüttelflasche als nächst-stärkeres Abbruchsignal verwenden, damit er lernt, dass dieses Verhalten nicht okay ist, nicht geduldet wird und damit er sich das Alternativverhalten einprägt. Irgendwie unfair, dass der Hund dann unseretwegen keine Chance hat auf das normale Abbruchsignal zu reagieren. Wobei wir im „Ernstfall“ (später, Hund läuft ein paar Meter entfernt frei, wir schauen zwei Sekunden nicht hin, verpassen die „Vorwarnung“, Hund rennt bellenderweise auf jemanden zu) aber ja auch auf ihn einwirken können müssen. Aber gut, bevor wir ihn frei laufen lassen können, müssen wir sicher sein, dass er dieses Verhalten komplett durch das Alternativverhalten (zu uns kommen, weil wir das regeln) ersetzt hat. Bzw. dass wir dann die Rüttelflasche nicht mehr brauchen, weil er dann nicht mehr so stark reagiert und deshalb auf ein auf das normale Maß reduzierte Abbruchsignal reagieren kann. Ich schätze wir müssen ihn einfach ganz genau beobachten und lesen lernen, damit wir den Zeitpunkt für das normale Abbruchsignal möglich selten verpassen.

Wir werden auch noch mal im Tierheim um Rat bitten. Sie kennen Yoshi ja und unter den Tierpflegern ist auch eine mit Hunde-Trainer-Ausbildung. Vielleicht gibt es da auch noch mehr Input bzgl. Trainingsmöglichkeiten. Sollten wir uns für die Strategie mit der Rüttelflasche entscheiden, werden wir auf jeden Fall vorher noch mal einen Termin bei unserem Trainer machen und noch die Feinheiten besprechen.

Danke für den Link, Yari! Das Konzept klingt auf jeden Fall interessant. Es klingt ein bisschen wie eine abgewandelte Form der Systematischen Desensibilisierung. Es wäre toll, wenn Yoshi lernen könnte, sich „von einem Auslöser abzuwenden“, wie es auf der Seite heißt. Dann wäre es auch nicht mehr weit dahin, dass er lernt auch in der Wohnung aus einer Situation raus zu gehen statt zuzubeißen, wenn ihm etwas nicht passt. Ich belese mich da mal zu.

Hast du Erfahrung mit diesem Konzept? Wie ist das im Alltag, wenn man spazieren geht und ein Auslöser-Hund auf einen zukommt. Klar kann man selbst dann stehen bleiben, aber der andere Hundehalter wird wohl eher nicht 5 min auf der Stelle stehen bleiben und sich anbellen lassen, bis der eigene Hund sich entscheidet ein Alternativverhalten zu zeigen. Für den Alltag gibt es dann wahrscheinlich Übergangslösungen? Und kann das Konzept auch bei territorialer Aggression funktionieren? In der Wohnung wird ja schon die Sache mit der Anfangs-Distanz schwierig. Außerdem kann man selbst kaum Abstand aufbauen, wenn man in der Wohnung bleiben möchte. Also müsste der Gast gehen und der Hund bekommt (zwar auch eine andere Weise, aber dann eben doch) was er will?
 
Dabei
10 Jan 2016
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#11
Wenn ein Auslöser Hund beim Spaziergang auf uns zu kommt und der Abstand groß genug ist lasse ich die Leine locker (!) und Yari entscheidet, in der Regel tritt er von selbst den Rückzug 10 Meter in den Wald an, manchmal ist vorbeigehen auch ok... manchmal zeigt er Alternativverhalten an und dann schaffe ich platz.

Muss es schnell gehen und der Reiz ist zu nah dran manage ich, da haben meine Trainerin und ich verschiedene Methoden mit Yari erarbeitet, das ist aber wirklich nur ein Notbehelf den wir zum Glück auch immer weniger brauchen.

Yari ist auch territorial das gehört eben zum Aussie dazu. Wir haben einen Kennel im Wohnzimmer da geht er meistens mit einem gefüllten Kong rein wenn wir Besuch haben und wenn abzusehen ist dass da zu viele Trigger sind (triggerstacking!) geht Yari hoch bei uns ins Schlafzimmer mit was zu kauen. Wir haben ihm auch beigebracht, wenns klingelt in den Kennel zu gehen oder wenn er was an der Fenster sieht, was ihn aufregt.

In unserer Übungsgruppe ist ein Aussie aus dem Tierheim dabei, der hat zu Beginn alles gebissen, was ihm in die Quere kam, der begrüßt uns heute ganz freundlich, Menschen sind gar kein Thema mehr fremde Hund schon noch, aber der hat enorme Fortschritte gemacht.
 
Dabei
10 Jan 2016
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#12
Ich hab mir deinen Text nochmal durchgelesen

Wir sind dabei zu überlegen, ob wir so vorgehen möchten. Die Kosten-Nutzen-Rechnung spricht für sich. Wenn wir das Verhalten nicht rausbekomen, können wir unseren Hund niemals mit gutem Gewissen frei laufen lassen. Wenn wir jetzt ein, zwei oder drei Wochen so stark reagieren und anschließend ein kleines Abbruchsignal ausreicht, um ihn davon abzuhalten auf andere loszugehen, dann kann unser Hund die nächsten 10 bis 14 Jahre Freiheit genießen.
Ich will dich nicht entmutigen, aber mit einem Abbruchsignal bringst du ihm bei das, was er unangenehm findet auszuhalten und nicht nach vorne zu gehen. Das kann gut gehen.... aber sollte das Fass mal hoch gehen, möchte ich nicht dabei sein!

Lernt der Hund statt dessen, dass er selbst entscheiden kann aus einer unangenehmen Situation herauszugehen (und die meisten Hunde die wissen, dass sie das können tun das auch weil sie vom prinzip her friedliche deeskalierende Wesen sind) hat er ein Werkzeug an der Pfote, dass ihn im Bezug auf das unerwünschte Verhalten unabhängig von euch macht (solltet ihr mal nicht mitkriegen das es brennt) kein Mikromanagement. Und zum anderen ist es viel nachhaltiger, aber halt auch ein etwas längerer und anstrengender Weg. Ich bin immer wieder überrscht das Leute denken sie könnten so ein schwerwiegendes Problem in zwei bis drei Wochen beheben...
Das Frauchen des Aussies aus dem Tierheim von dem ich geschrieben habe ist jetzt schon seit 1,5 Jahren das Problem am bearbeiten, mit enormen Fortschritten, er beißt nicht mehr, niemanden sie selbst hatte am Anfang immer verbissene Waden weil er um sich gebissen hat. Aber es gibt halt immer noch Baustellen.

Wir haben Yari bevor wir im BAT eingestiegen sind, erst einmal beigebracht den Trigger auszuhalten, mit positiver Verstärkung, das war unserer Basisi. Mittlerweile Arbeiten wir ganz ohne Kekse, der Abstand den er sich selbst eigentlich gibt, dass ist die Belohnung. Er hat gelernt dass die Konfrontation und das nach vorne gehen nicht der einfachste Weg ist. Wir haben das zuerst auch kontrolliert in der Hundeschule geübt... das heißt, ist er mach vorne gegangen ist gar nix passiert... hat er sich abgewandt oder irgendein Alternativverhalten gezeigt das nicht brüllen ist bin ich mit ihm weiter weg gegangen.
 
Dabei
26 Mai 2015
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3.240
#13
OT: yari ich kenne Eure Methode nicht. Musste nur grad beim lesen schmunzeln, würde ich Paula die Entscheidung überlassen, hätten wir auch kein Problem mehr, weil sie die Auslöser Hunde ausgelöscht hätte :) Sorry sind übermüdete, resignierte Morgengedanken :)
 
Dabei
10 Jan 2016
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#14
OT: yari ich kenne Eure Methode nicht. Musste nur grad beim lesen schmunzeln, würde ich Paula die Entscheidung überlassen, hätten wir auch kein Problem mehr, weil sie die Auslöser Hunde ausgelöscht hätte :) Sorry sind übermüdete, resignierte Morgengedanken :)

Das dachte ich bei Yari auch immer....

...und so lange der Hund nicht gelernt hat und weiß es gibt auch den Weg nachhinten ist das auch so.

Unsere Trainerin hat mit dieser Methode schon Hunde trainiert... glaub mir da sind unsere beiden wahre Waisenkinder dagegen!
 
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Dabei
10 Jan 2016
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#16
Eine Woche Crashkurs? (Um das Werkzeug mal zu erlernen und es lernen einzsetzen, quasi so was wie ein Fahrplan) Bist du in Rheinbach im März? Da könntest du dich mit ihr vielleicht mal unterhalten?
 
Dabei
26 Mai 2015
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#17
Kommt drauf an wieviel Arbeit ich habe, aber grob angedacht habe ich Rheinbach. Das wäre vielleicht mal gut und vielleicht gibt's bis dahin ja auch schon Ergebnisse von den Hormonuntersuchungen. Aber jetzt sollten wir den Thread nicht weiter mit OT stören :)
 
Dabei
10 Sep 2012
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#18
nun ich denke, nur mit positiver Bestärkung wird's nicht gehen...
Du hast ja schon viele Tips bekommen, die sind auch echt gut..
ich würde beim Thema Futter, dass er ja anscheinend echt verteidigt, die nächste Zeit nur aus der Hand füttern... Du hast das Futter und wenn du es willst bekommt er davon... Das hat bei einigen futteraggressiven Hunden schon des Öfteren geholfen...

Ansonsten, viel Glück und alles Gute, ich hoffe, Du schreibst wie es weitergeht.
 
Dabei
24 Aug 2016
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#20
Könnte das beim Futter nicht auch gerade das Problem sein? Dass der Hund bei den Vorbesitzern oft beim Essen gestört wurde und er deshalb nun so reagiert? Viele meinen ja auch sie müssten das üben und nehmen dem Hund den vollen Napf unter der Nase wieder weg. Ich würde meinen Teller auch verteidigen.
Wenn ich Emma was zu Essen gebe darf sie das auch behalten. Sie weiß dass sie in Ruhe essen kann. Wenn die Katzen ihrem Napf zu nahe kommen verteidigt sie ihn, das darf sie auch. Trotzdem lässt sie mich gucken wenn sie was im Maul hat von dem ich nicht sicher bin was es ist. Ist es ok, bekommt sie es wieder, wenn nicht, schmeiß ichs weg.
 
Dabei
10 Sep 2012
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#21
nun es kommt denk ich drauf an, was er mit Futterverteidigung hat... wenn er schon auf Angriff geht wenn man sich dem Napf nähert, sorry, no way, ich will mich jederzeit bewegen können, auch wenn der Hund frisst.
Das kann sich nämlich auch auf den leeren Napf und längere Zeit nach dem Füttern steigern...
ich habe hier 4 Hunde, verteidigt wird hier nix... vor niemandem... trotzdem hab ich meinen Hunden nie das Fressne genommen...
 
Dabei
7 Okt 2014
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#22
Ich dulde sowas hier auch nicht, das gäbe bei zwei Hunden und fünf dreisten Katzen sonst nämlich Mord und Totschlag irgendwann.
Meinen früheren Hunden war es egal, ob der jeweils andere oder die Katzen sich am Futter bedient haben, bei Finn hat sich das von Anfang an eh nie Jemand getraut, als Ilai einzog herrschte plötzlich schlechte Stimmung, sobald Fressen im Spiel war.
Der hat als Welpe schon den Napf verteidigen wollen, während der noch leer auf der Anrichte stand und wenn er gefressen hatte, lief er so lange total gestresst in der Küche rum, bis ich den leeren Napf weggenommen habe.
Hätte ja Jemand die Nase reinstecken können.
Der hat mich auch angeknurrt, wenn ich zu nah an ihm vorbei gegangen bin und er einen Kauknochen hatte.
Da wurde dann auch einige Zeit aus der Hand gefüttert und das Thema war durch.
Heute könnte ich ihm theoretisch alles wegnehmen , der geht auch nicht dran, wenn mir beim Kochen was runterfällt.
Hätte ich da aber nicht frühzeitig eingegriffen, hätte das Thema Ressourcen wohl ein Problem werden können, der Zwerg war nämlich da wirklich eine echte Schnappschildkröte.
Ich bleibe aber beim regulären Fressen trotzdem grundsätzlich immer dabei und lasse gar nicht erst zu, dass geklaut wird.
 
Dabei
14 Jan 2018
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#23
Yari, das B.A.T. klingt wirklich gut. Es freut mich, dass ihr und auch die Dame mit dem Tierheim-Hund damit schon solche Fortschritte gemacht habt :) Leider ist Waldbach sehr weit entfernt, also würde für uns auch höchstens ein Crashkurs in Frage kommen. Auf unseren nächsten Urlaub müssen wir leider noch etwas warten. Ich würde das ungern noch über zwei Monate unbearbeitet weiter laufen lassen. Das Ganze nur anhand eines Buches zu machen, ohne Trainerunterstützung, ist wahrscheinlich keine gute Idee? Vielleicht, wenn wir schon erfahrener wären… Und was mir noch einfällt: Du schreibst, dass Yari dann 10 m in den Wald ausweicht. Das wird hier schwierig, wir wohnen etwas außerhalb, aber doch in einer Stadt. Hier gibt es oft nur geringe Ausweichmöglichkeiten, auch wenn wir Parks, einen Fluss, Schrebergärten und andere Grün- und Auslaufflächen in der Nähe haben. Kennst du auch „(Vor-)Stadthunde“ bei denen das Training gefruchtet hat?


Den Gedanken mit dem Aushalten beibringen hatte ich auch schon. Erlerntes Verhalten wird nicht wieder vergessen oder verlernt, höchstens umgelernt. Das heißt, wenn ich ihm nur eine Hemmung beibringe, kann es gut sein, dass irgendwann wieder das alte Verhaltensmuster durchbricht. Wenn ich ihm eine Hemmung + ein Alternativverhalten beibringe (nicht nach vorne gehen/aushalten + zu mir kommen), ist die Wahrscheinlichkeit für das Durchbrechen des alten Verhalten vermutlich geringer. Dafür habe ich zwar keine lerntheoretische Basis parat, aber mein Bauchgefühl sagt mir das. Wahrscheinlich hat man bei keiner Methode eine hundertprozentige Sicherheit, dass das alte Verhalten nie wieder kommt. Aber ich kann mir schon vorstellen, dass es beim B.A.T. noch unwahrscheinlicher ist, schon weil der Hund dann unabhängig von uns reagieren könnte und sich selbst dafür belohnt.


Ich glaube auch gar nicht, dass wir das Problem in zwei bis drei Wochen gelöst bekommen. Das ist nur die Zeitspanne, nach der wir die Rüttelflasche laut Trainer wahrscheinlich nicht mehr brauchen werden. Danach muss natürlich die Reaktion auf das normale Abbruchsignal und das Alternativverhalten noch weiter geübt und eingeprägt werden, bevor wir den Kleinen auf die Welt loslassen ;-) Wir führen jetzt ein „Pöbel-Protokoll“, die Idee kam mir gestern. Ich möchte gern wissen, in welchen Situationen er bevorzugt pöbelt, und welche Situationen es sind, in denen er es wirklich ernst meint. Vielleicht/Wahrscheinlich finden wir ein Muster. Ich will das Ganze einfach noch besser verstehen.


Zum Futter: Tierheim und Trainer haben uns empfohlen ihn aus der Hand zu füttern, daher machen wir es schon von Beginn an so. Ich glaube auch, dass er in der früheren Familie oft beim Essen gestört wurde. Beim aus der Hand füttern geht es laut unserem Trainer auch mehr ums „Profilieren“, so wie du, sharuki, es beschreibst. Wir halten ihm Futter in der verschlossenen Hand hin und wenn er uns anguckt geht die Hand auf und er darf fressen. Das macht er auch ganz brav mit. Solange er das Futter nicht als „seins“ ansieht, ist alles gut. Nur draußen müssen wir tierisch aufpassen, weil er ein kleiner Staubsauger ist und hier auch echt viel Müll rumliegt. Und wenn er erstmal was im Maul hat, bekommen wir das da nicht wieder raus… Das ist alles andere als ideal. Aber wir gehen das Thema demnächst in der Hundeschule an. Er bekommt zurzeit auch in der Wohnung nichts mehr, an dem er länger als 2 min knabbern kann (keine großen Kaustangen, keinen Kong etc.), weil das schon mal schief gegangen ist. Darauf muss er verzichten, bis wir das Problem im Griff haben.


Sharuki, meinst du die Körpersprache des Hundes oder des Menschen? Wahrscheinlich beides? Wir üben das Lesen von Yoshis Körpersprache und arbeiten auch immer weiter an unserer. Letzteres finde ich schwieriger...
 
Dabei
10 Jan 2016
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#24
Ninki, es müssen nicht unbedingt die 10m in den Wald sein.... ein U-Turn geht auch. Ohne Trainer weiß ich nicht ob ich mir diese Methode zutrauen würde, wir haben in einigen Stunden erst einmal gelernt unseren Hund lesen zu lernen. Es gibt und gab da so viele Feinheiten im Training, ob das per "Fernkurs" geht... keine Ahnung. Aber ich stelle mir das schwierig vor.

Das Problem zu erkennen, wann Yari die Nerven verliert hatten wir auch, das verwirrende daran war, zu mindest bei uns dass es mal gut geht und genau die selbe oder ähnliche Situation ein ander mal fürchterlich in die Hose. Das Zauberwort hieß Triggerstacking! Und eben genau das ist das Problem wenn man dem Hund beibringt das auszuhalten.... brennt da die Sicherung mal durch, weil er einfach nicht mehr anders kann, dann brennt sie wahrscheinlich richtig durch. Das ist auch der Grund warum ich bei einer Rappeldose so ein ungutes Gefühl habe... zum einen hast du die Gefahr der falschen Verknüpfung und zum anderen lernt der Hund nicht das er selbstwirksam ist sondern er lässt das unerwünschte Verhalten aus Angst. Manchmal kann das ganz gut helfen wenn man so was einmalig sehr gezielt einsetzt, das will ich gar nicht abstreiten, aber der Schuß kann halt auch nach hinten los gehen.

Und ja, gelernt ist gelernt und wenn die Autobahn im Hirn einmal da ist geht die auch nicht mehr ganz weg, dieser Illusion gebe ich mich nicht hin. Aber sie kann zu wachsen sagt unsere Trainerin immer, was aber auch bedeutet, sieht der Hund keine andere Alternative wird er diese Autobahn auch wieder nutzen!

Zum Futter kann ich dir noch folgendes empfehlen, nimm einen Kauknochen/Rinderkopfhaut und lass ihn daran kauen während du es in der Hand hast dann überlegst du dir ein Kommando/Wort (bei uns ist das DAnke Schön) nimmst den Kauknochen dann weg und gibst ihm etwas Höherwertiges. Dann lässt du ihn wieder am Kauknochen kauen. Yari lässt mittlerweile alles aus dem Maul fallen, wenn ich Danke Schön sage, weil er weiß dass es dann was besseres gibt. Mit dem Fressnapf (das würde ich aber erst üben wenn er das Wort schon etwas verinnerlicht hat) haben wir dass so geübt, ich habe Danke Schön gesagt, habe den Fressnapf aus dem er fraß genommen und was super Tolles dazu gelegt und ihn dann wieder hingestellt.
 
Dabei
10 Sep 2012
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#26
Du hast ganz recht, ich meinte Euer beider Körüersprache... den Hund lesen zu lernen ist das Eine, aber selber das auszustrahlen was du ihm sagst ist das andre...
Wenn Dein Körper nicht mitspielt bei dem was Du sagst, nimmt der Hund dich nicht wirklich ernst. Das sind dann eher antrainierte Sachen..
Hunde lesen Dich innerhalb 3 Sekunden und wissen, ob du hinter dem wirklich stehst oder etwas unsicher bist...

Aber ich finde, ihr seid sehr bemüht und ich bin überzeugt, ihr werdet den richtigen Weg finden...
 
Dabei
14 Jan 2018
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#27
Yari, danke für die Grafik zum triggerstacking! Das Konzept kenne ich in einem etwas anderen Zusammenhang vom Zweibeiner, aber mit unseren Vierbeinern hatte ich das noch gar nicht in Verbindung gebracht. Aber klar, das ist total logisch. Und erklärt allein schon so einiges in der Rückschau.

Danke auch für die vielen Tipps zum Futterneid-Abbau, die Körpersprache und die lieben Worte, sharuki. Das hoffe ich!
Die letzten Tage habe ich mir viele Gedanken gemacht und je länger ich nachdenke, desto verwirrter bin ich. Ich werde mal versuchen meine Gedanken durch das hier Niederschreiben halbwegs zu ordnen...

Ich habe zum Beispiel darüber nachgedacht, ob man auf verschiedene Arten von Bellen im Training unterschiedlich oder prinzipiell gleich (außer vielleicht in der Intensität) reagieren sollte. Mit unterschiedliche Arten meine ich Bellen durch unterschiedliche Auslöser/Situationen, z.B. Anbellen von einem unbekannten Gegendstand, Anbellen von einem ungeliebten Hund der vorbeigeht, Anbellen von einem sich „versteckenden“ Menschen, etc. Mein Bauchgefühl war, dass ich z.B. auf ein Bellen aus Unsicherheit aufgrund eines unbekannten Objektes anders reagieren würde als auf ein Bellen aus der Motivation heraus einen vermeintlich gefährlichen Menschen zu vertreiben.

Aber ich frage mich mehr und mehr wie man eigentlich diese Motivationen zu bellen auseinander bekommt. Was bedeutet denn „Bellen aus Unsicherheit“? Wie kann man das z.B. Abgrenzen von „Bellen aus Angst“, „Bellen aus einem Schutztrieb heraus“ oder „Bellen aus Imponiergehabe“? Sagen wir, wir definieren „Unsicherheit“ bei Hunden als „etwas nicht richtig einschätzen können“ und betrachten folgende Situationen:

a) Ein Hund der Angst vor etwas hat, kann doch dieses etwas nicht richtig einschätzen, ist ergo unsicher und es folgt eine Angstreaktion.
b) Ein Hund, der meint sich selbst bzw. sein Rudel beschützen zu müssen, befindet sich in einer Situation, in der er etwas nicht richtig einschätzen kann(?), er findet etwas potenziell (?) bedrohlich und reagiert mit einer Schutzreaktion. Oder wäre das eine Mischung von Unsicherheit und Schutztrieb? Und...
c) ein Hund, der Bellen aus einen reinen Schutztrieb heraus zeigt, der ist sich in seiner Einschätzung der Situation als gefährlich „sicher“? Und handelt ohne jegliche Unsicherheit aus seinem Instinkt heraus?
d) Ein Hund, der einen anderen Hund aus (mir fällt kein passenderes Wort ein gerade) „Imponiergehabe“ anbellt, weil der andere Hund vielleicht einfach bloß existiert, aber größer und voluminöser ist als er selbst, oder weil der andere Hund ihn provoziert oder zuerst angebellt hat: Bellt dieser Hund nicht letztlich auch aus einer Unsicherheit heraus? Einer Unsicherheit bzgl. seiner Stellung bzw. in dem Bestreben druch das Imponiergehabe eine Sicherheit bzgl. seiner Stellung herzustellen?

Irgendwo sehe ich da schon Unterschiede, aber ich kann sie nicht so recht festmachen…

Bei einem unsicheren Hund, der in bestimmten Situationen klar Angst zeigt und sich nach dem Einsatz eines Schreckreizes erstmal drei Tage verkrümeln will, hätte ich große Hemmungen mit Schreckreizen zu arbeiten. Einen ängstlichen Hund zusätzlich zu erschrecken fände ich schon ganz schön gemein (auch wenn ich da vermutlich stark vermenschliche). Aber auch ein selbstbewusster Hund bellt mal aus Unsicherheit heraus. Was ja aber nicht unbedingt heißt, dass er in einer solchen Situation Angst hat, oder? Sondern nur, dass er die Situation nicht richtig einschätzen kann. Natürlich kann auch ein selbstbewusster Hund mal ängstlich sein... Wenn er denn aber so selbstbewusst ist, warum lässt er sich dazu hinreißen aus Unsicherheit erstmal den „Macker“ raushängen zu lassen? Was unterscheidet eigentlich einen selbstbewussten von einem souveränen Hund?

Und wo wären die Konsequenzen für das Training?
1) Mischformen (wie z.B. Bellen aus Unsicherheit + Schutztrieb) sind wahrscheinlich sehr viel häufiger als „Reinformen“, oder? Das würde es schon mal schwierig machen dem unterschiedlich zu begegnen.

2) Für das Ziel den Hund frei laufen lassen zu können, ist es egal warum er im Zweifelsfall bellend nach vorne geht und nicht mehr abrufbar ist. Demjenigen, den er dann an den Kragen will, ist es egal, ob der Hund aus Unsicherheit, Schutzinstinkt oder sonstwas handelt. Umgelernt werden müsen für dieses Ziel alle Formen, die gefährlich werden könnten. Aber rechtfertigt das, im Training auch alle Formen über einen Kamm zu scheren? Andererseits: Könnte der Hund des überhaupt unterscheiden, warum bei einem Bellen und nach vorne gehen die Reaktion vom Menschen so ist und bei einem anderen Bellen und nach vorne gehen wieder anders? Würde das den Hund nicht massiv verunsichern, weil der Mensch dann unberechenbar wird, keine Sicherheit und Orientierung mehr bietet, und das Problem vermutlich noch verstärken?

3) Sollte man auf ein Bellen mit nach vorne gehen und ein Bellen ohne nach vorne gehen unterschiedlich reagieren? Im Grunde geht es ja vor allem um das nach vorne gehen. Aber: selbes Problem wie eben. Und: von Bellen bis nach vorne gehen ist es nicht mehr weit. Aber: Grundsätzlich möchte ich meinem Hund ja nicht jegliches Bellen verbieten. Das gehört nun mal zu seiner Natur und Ausdrucksweise. Er soll eben nur nicht unkontrolliert Pöbeln und er darf nicht nach vorne gehen.

4) Wenn man dem Hund nun Bellen aus Unsicherheit genauso verbietet wie alles andere unerwünschte Bellen, wie soll er dann noch zeigen, wenn ihm etwas nicht behagt? Wird er dann von alleine darauf kommen, dass er z.B. auch knurren oder Distanz suchen kann?

5) Wie sollte man auf ein Knurren reagieren? Ich wünsche mir ja, dass mein Hund lernt wieder zu warnen. Wie soll er das in der Wohnung wieder lernen, wenn ich es ihm draußen verbiete? Vom Bauchgefühl her würde ich sagen der darf knurren und damit zeigen wenn ihm was nicht behagt. Aber wie unterbreche ich das Ganze dann richtig, damit er nicht als nächsten Schrit anfängt zu bellen und/oder nach vorne geht? Ohne ihm zu vermitteln, dass das Knurren falsch war? Einfach indem ich die Distanz zum Auslöser wieder vergrößere? (rein interessehalber: zählt knurren eigentlich im B.A.T. als erwünschtes Alternativverhalten, das mit Abstand belohnt wird? Oder zählen da nur beschwichtigende, „friedliche“ Alternativverhalten?)

6) Versteht der Hund denn überhaupt, warum er aus Freude bellen darf, aber nicht aus allen anderen Gründen? (Das Bellen aus Freude würde ich meinem Hund ja nicht verbieten wollen?)

Das fasst so ungefähr meine Gedanken zusammen, die jetzt tatsächlich ein bisschen geordneter sind. Von einem klaren Durchblick bin ich aber noch weit entfernt… Ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, dass Hundeerziehung doch so kompliziert sein kann. Ich dachte, klare Regeln, Konsequenz, Bauchgefühl, viel mehr braucht es nicht. Vielleicht mache ich es aber auch komplizierter als es ist… Wer bis hierher durchgehalten hat: Danke fürs Lesen, ich freue mich über weitere Anregungen, Anmerkungen und Kritik ;-)
 
Dabei
7 Okt 2014
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#28
Puh, das ist ein extrem komplexes Thema und ich finde es toll, dass du dich damit befasst, allerdings muss man aufpassen, dass man damit nicht einiges "kaputtanalysiert", schätze ich.
Natürlich sind Bellen und Knurren Kommunikation und gut und wichtig, aber es sollte der jeweiligen Situation angemessen stattfinden.
Die Intention dahinter ist meiner Meinung nach zwar wichtig, aber letztendlich macht es im Alltag eigentlich keinen Unterschied, ob dein Hund aus Unsicherheit nach vorn geht oder aus anderen Gründen.
So oder so müssen andere Menschen und Hunde vor Schaden bewahrt werden, auch zum Wohle deines Hundes, denn wenn was passiert, fragt Niemand nach dem Warum.
Euer Ziel wird unabhängig von den Gründen sein, so viel Vertrauen aufzubauen, dass der Hund EUCH eine Situation regeln lässt, egal wie unangenehm sie ihm ist.
Er darf ja ruhig bellen und auch knurren, nur eben im angemessenen Rahmen und der ist seiner Meinung nach vermutlich momentan anders gesteckt als eure Vorstellung davon.
Wenn er nach einem kurzen Bellen nicht weiter nach vorn geht, sondern sich an euch orientiert, ist schon enorm viel erreicht.
Das funktioniert auch bei einem unsicheren Hund, es geht ja letztendlich darum, dass er die Entscheidung trifft, sich zurückzuziehen und euch machen zu lassen, statt dem Weg nach vorn zu wählen .
 
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Dabei
10 Jan 2016
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#29
Euer Ziel wird unabhängig von den Gründen sein, so viel Vertrauen aufzubauen, dass der Hund EUCH eine Situation regeln lässt, egal wie unangenehm sie ihm ist.
Genau das sehe ich anders... das Ziel sollte sein, sollte dem Hund eine Situation unangenehm sein, dass er weiß ER kann den Rückwärtsgang einlegen und einfach aus der Situation rausgehen. Das bedeutet natürlich für den Menschen im Umkehrschluss, dass er auf seinen Hund achtet und hört... und der Hund weiß, wenn ich zeige mir ists zu viel und ich will weg hört und sieht die am anderen Ende der Leine das.

Und was das Knurren betrifft.... mit dem Knurren warnt der Hund, und jeder sollte froh sein, dass der Hund noch knurrt und nicht gleich zuhakt, denn damit hat man Zeit für den Rückzug!

Ich selbst unterscheide schon zwischen dem was draussen passiert und dem was zu Hause passiert... Zu hause ist Yari sehr territorial hier hat er einfach gelernt sich in den Kennel zu verkrümeln, egal obs klingelt oder ob drassen auf „seiner“ Strasse was passiert was da nicht passieren darf. Hier leben wir zu einem Großteil vom Management denn das ein Aussie terretorial ist, habe ich halt im Paket mit gekauft das gehört halt sehr oft dazu.
 
Dabei
7 Okt 2014
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#30
Genau das meine ich doch.
Natürlich muss ich genau drauf achten, wie mein Hund sich verhält und da dann auch dementsprechend drauf eingehen und reagieren.
Aber wenn er den Rückwärtsgang antritt und die Situation verlassen möchte (womöglich an der Leine), vertraut ihr mir ja schon so weit, dass er weiß, dass er so agieren kann.
Und wenn ich ihn dann trotzdem mal der Situation aussetze, weil es vielleicht grade nicht anders geht, sollte er mir auch dabei dann vertrauen.
Finn hat beispielsweise vor manchen Sachen im Alltag wirklich Angst und geht dann auch rückwärts, ich kann die aber nicht ständig meiden, also muss er manchmal auch da durch und weil er mir vertraut, klappt das auch gut.
Wir laufen dann zwar einen Bogen oder bleiben stehen, dass er sich das auf Abstand anschauen kann oder wir gehen auch mal ganz zügig dran vorbei, aber egal wie, er vertraut mir, dass das jetzt okay ist und er von sich aus gar nichts mehr machen muss, weil die Situation so oder so gleich vorbei ist.
Hätte er diese Sicherheit nicht, würde er vermutlich auch eher nach vorn gehen.
 

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