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Beruhigung aus hohem Erregungslevel

Dabei
31 Okt 2012
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#1
Es gibt hier sehr viele gute Tipps um langfristig zu vermeiden dass ein Hund in einen hohen Erregungslevel kommt, doch mich würde mal interessieren, was macht man in unvorhersehbare Situationen - die nun mal passieren - wo der Hund reinkippt und nur mehr schwer ansprechbar ist?

Dazu zählt zB das gestern um Mitternacht ein Feuerwerkskörper direkt in unseren Garten explodiert ist und Emma (noch dazu mit einer guten Portion Wachinstinkt) da total ausgerastet ist. Heißt sie bellte und knurrte in die Richtung, aber halt richtig krass.
Davor hatte die wenig Problem mit den Böllern, doch das war halt super das da jemand etwas in den Garten schmeisst :mad: und damit direkt vor unser Fenster.

Doch was ich damit sagen möchte, es gibt Situationen die ich einfach nicht vorhersehen kann. Und auch wenn Emma sich super an mir orientiert, so muss ich zugeben in solchen Extremsituationen ist es wirklich viel Arbeit zu ihr durchzudringen. Also wenn "Schau mich an" inzwischen sonst immer funktioniert, selbst bei spielenden Hunden - in solchen Situationen (die wirklich selten sind) ist das sinnlos.

Ihre letzte Läufigkeit war auch so heftig, weil sie da total schnell auf 100 war - was sich zum Glück danach wieder vollkommen erledigt hatte und wir eben ins solche Situationen eh kaum kommen.

Trotzdem würde mich interessieren ob solche Situationen sonst noch wer kennt und wie ihr da vorgeht.

Gestern hab zuerst so versucht zu beruhigen, bin nachschauen gegangen, hab gelassen gewirkt. Hab sie angesprochen, auch ein Abbruchsignal gegeben, auch sehr deutlich. Doch alle Mechanismen die sonst greifen, sind dann sinnlos - ich dringe dann nicht mehr zu ihr durch.
Ich sie dann auf ihre Decke gebracht, mich zu ihr gesetzt - sie aber auch nicht weggelassen bzw. ablegen lassen. Danach hab den Klicker (der dort zum Glück lag) und geklickert. Das hat sie verstummen lassen und dann hab ich sie gelobt und Leckerli reingeschoben. Da sie dann noch immer ruhig war, hab ich sie immer schön gelobt und Leckerli reingeschoben. Und binne kurze Zeit war das Thema erledigt, es wurde dann noch ewig geböllert und Emma war es egal. Später schlief sie dann eng an mich gekuschelt.

Also ich denke da hat das gut geklappt, doch in anderen Situationen mitten auf der Strasse tue ich mir da schon wesentlich schwerer. Wie gesagt, sowas passiert selten, doch wenn möchte ich das auch händeln können, gerade weil Emma einfach eine gute Portion Wach- und Schutzinstinkt hat. Natürlich arbeite ich daran das ICH ihr Schutz biete, mir vertrauen kann... Doch erstens mache ich auch mal Fehler, übersehe etwas, reagiere blöd... und zweitens kann ich auch nicht alles kontrollieren.

Also her mit euren Meinungen, Tipps und Erfahrungen wie man eine solche Situation händelt.
 

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Dabei
18 Mrz 2012
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#2
Also grundsätzlich kenne ich das, dass mein Hund nicht ansprechbar ist, sondern völlig in einer anderen Welt. Hast du ja auch schon mit Emma erlebt- manchmal sind die Außenreize einfach zu hoch. Einen guten Weg, ihn da rauszuholen, hab ich auch nicht gefunden. Wie lang dauern denn diese Aussetzer? Wobei ich jetzt auch finde, dass das schon verständlich ist, wenn da so ein laut knallendes Ding in "ihrem" Garten landet
 
Dabei
30 Sep 2012
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#3
Wenn Kaylee einen Aussetzer hat (passiert sehr selten das sie garnicht ansprechbar ist) dann lass ich sie entweder ausspinnen - meistens is das im Auto wenn ich aussteigen will und sie einen befreundeten Hund sieht

oder ich greife ihr mal fest ins Fell - dazu muss ich sagen das ihr ihr nicht weh tue. in keinster weise ... und Kaylee ist sehr sehr unsensibel für nen Aussie - und gebe ein strenges Nein. Hilft auch nicht immer - aber es ist das einzige was überhaupt was bringt
 
Dabei
31 Okt 2012
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#4
Also grundsätzlich kenne ich das, dass mein Hund nicht ansprechbar ist, sondern völlig in einer anderen Welt. Hast du ja auch schon mit Emma erlebt- manchmal sind die Außenreize einfach zu hoch. Einen guten Weg, ihn da rauszuholen, hab ich auch nicht gefunden. Wie lang dauern denn diese Aussetzer? Wobei ich jetzt auch finde, dass das schon verständlich ist, wenn da so ein laut knallendes Ding in "ihrem" Garten landet
Eigentlich nie lange - im Idealfall kann ich ihr zeigen dass es nicht gefährlich ist und dann ist das Thema durch. Also wenn ich aktiv werde.

Doch ich konnte nicht sehen ob da nicht doch noch wer was über den Zaun wirft, und ich weiß nicht ob sie das dann wirklich beruhigt hätte, wenn ich im Garten stehe und rund um mich die Knaller fliegen. :D Ich versteh auch dass sie das aufregt und finde das auch "normal". Doch dieses Erlebnis hat mich wieder dran erinnert (war ja seit der Läufigkeit nicht mehr) und mich würde echt interessieren wie andere dann zu ihrem Hund durchdringen.

Es gibt auch noch den Fall dass sie einfach so freudig erregt ist, doch das bekomme ich - wie die meisten hier im Forum - mit üben, üben, üben hin ;)

Wenn Kaylee einen Aussetzer hat (passiert sehr selten das sie garnicht ansprechbar ist) dann lass ich sie entweder ausspinnen - meistens is das im Auto wenn ich aussteigen will und sie einen befreundeten Hund sieht

oder ich greife ihr mal fest ins Fell - dazu muss ich sagen das ihr ihr nicht weh tue. in keinster weise ... und Kaylee ist sehr sehr unsensibel für nen Aussie - und gebe ein strenges Nein. Hilft auch nicht immer - aber es ist das einzige was überhaupt was bringt
Stimmt - gut das Du das ansprichst!
Wäre natürlich gestern blödsinnig gewesen, doch ich hatte einmal das Emma bei meinen Eltern angefangen hat zu Bellen wenn jemand das Wohnzimmer betreten hat und sie nicht sofort gesehen hat, wer das ist. Da hab ich ihr auch in den Kragen gefasst (nach Vorwarnung) weil es ihr wirklich nicht zusteht das zu bestimmen. Da war auch viel Wirbel, doch das toleriere ich wirklich nicht.
Da bin ich dann auch mehr oder minder zu ihr durchgedrungen. Das machen auch Hunde untereinander so, bei Bekannten hat einmal der Haushund auch Emma korrigiert, weil sie den (ihr unbekannten) Hausherren verbellt hat. Ich stand da ein Stück weit weg, ansonsten wäre das natürlich meine Aufgabe. Doch ja, ich fasse ihr auch schon mal ins Fell wenn sie sich Dinge rausnimmt, die nicht o.k. sind.
 
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Dabei
18 Mrz 2012
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#5
Also den Hund körperlich da raus holen, find ich gar nicht so falsch. Sprachlich stellen die ja eh oft auf Durchzug dann in so Momenten
 
Dabei
31 Okt 2012
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#6
Ich bin da auch immer so hin- und hergerissen. Und soviele Möglichkeiten zum Üben hab ich zum Glück nicht. ;)

Doch in einer Situation hab ich die körperlich raus holen wollen und das klappte überhaupt nicht. Da hatte ich eher den Eindruck das ist als ob ich ihr auch noch in den Rücken fallen und die wurde nur noch panischer. Und ich bin ja nicht jemand die sich nicht scheut den Hund auch mal körperlich anzusprechen oder zu korrigieren. Wahrscheinlich hängt es - wie immer - von der Gesamtsituation ab und "ausspinnen lassen" ist natürlich auch gar nicht so falsch ;)
 
Dabei
18 Mrz 2012
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#7
Naja, körperlich rausholen muss ja nicht immer negativ sein, man kann manche Hunde vielleicht auch durch Kuscheln, Streicheln etc. da rausholen, wenn die Situation es erlaubt
 
Dabei
27 Jun 2012
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#8
Yankee schafft es auch manchmal sich komplett wegzubeamen. Ganz schlimm war es anfangs bei Katzen (inzwischen kaum noch ein Problem). Er hat eine Katze gesehen/gerochen und dann ging das große Schreien los. Er hat nicht gebellt, er hat geschrien als würde ich ihn bei lebendigem Leibe abschlachten. Er war kein bisschen mehr ansprechbar. Weder mit Stimme, noch mit Körpersprache oder Leberwurst. Der Hund war mental weg.

Anfangs habe ich ihn schreien lassen. Bestimmt über 10 Minuten. Der Hund war fast heiser, ich am Ende der Nerven, die Nachbarn haben ausm Fenster geguckt... Es war einfach nur schrecklich.
Dann habe ich versucht ihn fest zu halten, ganz eng an meinen Körper, um ihn zu beruhigen. Hat nichts gebracht. Der Hund war am schreien und hörte nicht auf. Selbst wenn die Katze schon über alle Berge war, der Hund schrie weiter.
Ich konnte ihm das Maul zu halten, ihn ankeifen, grob in die Seite zwicken, nichts hat ihn da rausgebracht.
Dann habe ich meine Trainerin gefragt was ich tun soll und sie hat sich die Situation angeguckt.

Sie meinte, dass ich ihn da nur rauskriege, wenn ich ihn aus der Situation raus nehme. Also habe ich meinen Hund am Geschirr gepackt und hab ihn da einfach weg geholt. Bin soweit weggegangen, bis er wieder ansprechbar war und habe einen Moment gewartet bis er sich etwas beruhigt hat. Danach sollte ich wieder zurück gehen, aber nur soweit wie es für ihn ok war. Also ein paar Meter auf die Stelle zu, man merkte wie die Anspannung stieg, habe ihn angesprochen mit "Yankee, Yankee, Yankee" in frohlockender Stimme, er sah mich an und dann sind wir schnell wieder auf Abstand gegangen. Das haben wir mehrfach wiederholt und wir konnten jedes Mal etwas näher ran.

Inzwischen beamt er sich bei sowas nicht mehr weg. Wir können einer Katze begegnen und klar, er steht dann unter Hochspannung und fängt noch sehr laut an zu fiepen, aber er schreit nicht mehr und ich muss nur noch "Yankee,Yankee,Yankee" sagen und mein Hund schaut mich an und wir können weiter gehen.
 
Dabei
31 Okt 2012
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#9
Naja, körperlich rausholen muss ja nicht immer negativ sein, man kann manche Hunde vielleicht auch durch Kuscheln, Streicheln etc. da rausholen, wenn die Situation es erlaubt
Das stimmt! Wobei Emma dann echt keine große Kuschlerin ist - allerdings hat sie gestern mein sanftes Festhalten auf der Decke schon beruhigt. Insofern ist das sicher gut dem Hund durch körperliche Anwesenheit eine Form von Sicherheit zu geben - gute Idee, Anna :)
 
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Dabei
15 Mai 2012
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#10
Ich denk dass unsere Hunde bei einem richtig hohen Level gar nicht mehr zuhören können, es geht einfach wirklich nicht, obwohl sie das selbst wahrscheinlich am wenigsten wollen... Ist ja stress pur!

Das körperliche find ich schon mal echt gut, allerdings würde ich vermutlich in so einer Situation wie der mit dem Böller auch nicht zwicken oder sowas!! Denn der das zwicken und der Schmerz, und sei er noch so gering, schüttet freilich wieder Adrenalin und sonstiges aus, was man ja wiederum überhaupt nicht will!
mir hilft es häufig, wenn ich Rumo einfach nur anfasse, auch gerne fester, aber sehr liebevoll und nicht zum zwicken. Meistens hinten an der Flanke, sodass er checkt "hoppala, die ist ja auch noch da". Also lieber über taktile Kommunikation Kontakt zum Hund aufbauen.

leider fällt mir dazu auch nicht mehr ein als das und eben auch Steffis Idee mit dem aus der Situation nehmen :)
 
Dabei
31 Okt 2012
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#11
Ui, super Steffi - das ist exakt wie sich Emma verhält in so einer Situation (also während der Läufigkeit war das bei manchen Gruselmenschen so) und exakt gar nix hat etwas gebracht. Wirkich genauso wie Du beschreibst!

Ich bin dann auch immer aus der Situation und dachte immer ich mache das komplett falsch, weil sie somit lernt das es wirklich gefährlich ist. Doch ich hab mir echt nicht mehr anders zu helfen gewusst, weil ich null durchdrang. Wobei Emma dann wirklich wie von Sinnen gebellt hat.

Ich bin dann auch wieder Stückweise in die Situation und nach Möglichkeit konnte ich ihr dann zeigen dass eh alles easy ist. Das beruhigt mich das ich da nicht komplett daneben lag. Ich wollte mir damals auch eine Trainerin suchen, doch als die dann Zeit hatte, war Emma wieder "normal" und somit das Thema vom Tisch.

Und super, Steffi - das Yankee langfristig auch noch in der Situation ansprechbar wurde. Hast Du da etwas spzielles gemacht, also das übliche üben, üben, üben der Situation oder meinst das ging aufgrund eures "Zusammenwachsen" weg?
 
Dabei
31 Okt 2012
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#12
Ja, Manu - das sehe ich genauso - in der Situation mit dem Kracher wäre ein korrigieren komplett blödsinnig.
Bei postiven Reizen hilft so ein leichtes, liebevolles Anfassen auch gut - bei so Dingen wo bei Emma der Wachinstinkt durchkommt würde die das null wahrnehmen. Ich hab den Eindruck die nimmt dann wirklich gar nichts mehr wahr - letztendlich wirklich exakt wie es Steffi beschreibt.

Ich war mir immer sehr unsicher ob aus der Situation nehmen richtig ist - weil es führt zwar dazu das Emma runterkommt, doch ich hatte Sorge das ich ihr damit das falsche signalisiere (nämlich das ich "flüchte" - die Situation nicht im Griff habe). Ich hätte halt gerne das mir Emma immer 100% vertraut und das tut sie ja auch - nur in diesen Ausnahmesituationen ist es als ob ich gar nicht exisitiere.

Danke, Steffi! Das hat mir echt geholfen! :)
 
Dabei
18 Mrz 2012
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#13
Naja also klar kann es passieren, dass man dem Hund damit ne Flucht signalisiert. Deshalb finde ich es wichtig, dass man eben so wie du es machst, zurückgeht und dem Hund zeigt, dass alles okay ist. Aber dafür muss er ja erstmal ansprechbar sein
 
Dabei
27 Jun 2012
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#14
eigentlich lief da ganz viel parallel. Was es jetzt genau war, kann ich auch nicht sagen.
Ich habe viel mit ihm trainiert, dass er mich während des Spazierganges viel anschaut und auf mich achtet. Also fürs Anschauen gabs Käse. Allein das hat schon viel geholfen. Dann habe ich an der Impulskontrolle in solchen Situationen gearbeitet. Wenn er etwas interessantes entdeckte, zog er am Anfang sofort dahin, egal was mit mir war. Ich bin dann immer vorher stehen geblieben, sodass er nicht hinkam. Erst wenn er mich anschaute und ordentlich hingehen wollte, habe ich ihn gelassen.
Und dann habe ich an mir gearbeitet, dass ich viel Rue ausstrahle. Ich gehe im Moment auch noch im Schneckentempo durch die Welt wenn Yankee dabei ist. da ist jeder Senior schneller. Aber es hilft ihm und das ist das einzige was für mich zählt.

Also ich habe mir nicht speziell die Katzen gesucht, ich nahm es so hin, wenn es passierte und habe meine Übungen angewendet. Praktisch war, dass Yankee sich immer merkt wo er mal eine Katze gesehen hat. Das merkt man ihm an, da dann die Anspannung sichtlich steigt. Und da bin ich dann einfach super konsequent und er muss ordentlich an der Leine gehen und darf auch dann erst hin. und ich habe ihm immer versucht klar zu machen, dass es sich mehr lohnt wenn er mich anschaut (Käse ;-) ).
Natürlich ist über die Zeit auch unsere Bindung sehr gewachsen. Ich strahle die Ruhe aus und gebe ihm Halt zum orientieren, da ich bombenfeste Regel eingeführt habe.

Alles in allem hat es bis zu diesem Stand der Dinge 6 Monate hartes Training gebraucht und wir sind auch noch nicht am Ende. Seit ca 6 Wochen ist eine sichtliche Besserung zu merken und inzwischen lässt er sich sehr zuverlässig aus solchen Situationen holen. Aber der Weg ist noch weit.
 
Dabei
12 Jul 2012
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#15
ich würde glaub ich auch versuchen den hund "körperlich" da rauszuholen. mein dicker ist manchmal auch nicht mehr ansprechbar. ich drehe mich dann einfach um und gehe. nehme ihn kommentarlos am halsband mit, alles andere bringt nichts. sobald er den sichtkontakt zu wem/was auch immer verloren hat ist er wieder ansprechbar. die lütte tickt auf dem hupla gern mal aus, wenn sie lange warten muss. da fängt sie immer das jaulen an. bei ihr hilft einfache unterordnung.
 

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