Erwartungen an den Hund

Dabei
13 Aug 2015
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#31
Ach ja, die Erwartungen an den Hund- das kenne ich zu gut.
Ich arbeite einige Stunden in einer Hundeschule und auch in einem Verein, da ist schon erstaunlich was die Menschen von ihren Hunden erwarten. Da wird der Pudel gekauft, weil man mal irgendwo einen Hund gesehen hat der Tricks gemacht hat und Pudel lernen ja schnell. Dass diser Pudel jetzt als Welpe vor allem hysterisch kläfft und zuhause kaum zu bändigen ist, das hat ja vorher keiner ahnen können. Nicht? Er kommt von Züchtern, die gerne auf die hohe Aktivität ihrer Pudel hinweisen, das sind sportlich echte Hochleistungshunde. Aber hohe Leistung und entspannte Familienhunde ist ja nicht immer zu verbinden.

Daher hat mein großer Aussie 3 1/2 Jahre lang ausschließlich gelernt, entspannt und ruhig mit dem zu Leben, was zu einer Familie gehört. Erst danach sind wir in den Sport gegangen- und den hat er sich dann auch noch selbst ausgesucht. Er steht total auf Fussarbeit und genau Kommunikation, also laufen wir jetzt Rally Obedience. Und das recht erfolgreich. Ist ja nicht so, dass es mir nicht auch Spaß macht, einfach weil der Hund es liebt. So sind wir beide zu Freaks geworden.

Meine Keine ist da schon ein anderes Kaliber, bedingt durch ihre vorherige Lebensweise. Sie war nämlich ein Hund, der 18 Monate ihres Lebens immer alles im Blick haben musste und alles selbst regeln. Resultat: Hat gebissen, musste weg. Hatte hier ohne Ende Schwierigkeiten, zu Ruhe zu kommen. Sie liegt viel, aber da gibt es ja auch noch einen Unterschied zur wirklichen Ruhe. Ihr fehlt es an Entspannung, Impulskontrolle, Gelassenheit, Grundvertrauen in den Menschen. Ein genialer Hund in der Arbeit, da habe ich sie bewusst trotz ihrer "Probleme" ausgesucht. Sie macht auch gerne Fußarbeit, das bisher aber nur wenig da sie ja erstmal anderes lernen muß. Und wohl wissend, dass sie vielleicht etwas anderes noch lieber macht, werden wir im nächsten Jahr mal ins Agility einsteigen und in Treibball schnuppern. Nur Fährtensuche bzw. Schutzdienst den werden meine Hunde nicht ausprobieren. ;)
 
Dabei
15 Jul 2014
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#32
Was ich möchte ist: Ein gut sozialisierter Hund, der mit jeder Umgebung und jeder Situation klar kommt.
hmm. das erwarte ich mir nicht mal von mir selbst ;)
es gibt umgebungen, menschen, situationen... mit denen man selbst nicht oder schlecht klar kommt. warum soll das mein hund können?

cash ist jetzt 1 jahr. er kann problemlos mit ins büro, er kennt meine alltagskommandos (bleib da, geh rein, raus... etc), er bleibt allein zuhause, im büro, im hotel, im auto, kann ruhig sein, weiß was nein bedeutet :p, man kann ihn in die stadt oder ins cafe mitnehmen. er ist im freilauf regulierbar, achtet sehr auf mich und ist zum großteil gut leinenführig. mehr hätte ich mir bis heute auch nicht erwartet - und das wichtigste: er hat spaß. ;)
 
Dabei
29 Mrz 2015
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#33
Frau Rossi: im Großen und Ganzen läuft es bei uns draußen genauso ab. Nett geschrieben, vor allem das "vorbei füttern" haha. Ausgangspunkt war ja die Frage, ob ihr euch mit den anderen Aussies bei euch vergleichen sollt und es war ja schon vorher klar, dass ihr das nicht macht und dass es auch gut so ist! Was mir beim lesen nochmal Denkanstösse gegeben hat, ist, dass man schon recht viel von seinem Hund erwartet manchmal und dass man viel als selbstverständlich hin nimmt. Ich glaube auch, dass die Summe aller Dinge am Tag wichtig ist und selbst wenn man wenig draußen ist, kann doch auch drinnen Stress sein durch Kinder, andere Tiere, Fernseher und was weiß ich noch alles. Dieser "Alltag" wird oft nicht mitgerechnet. Und wenn bei euch solche Reize vielleicht kaum vorkommen, kann Paula doch durchaus noch "Kopf genug" haben für andere "Belastungen". Die Gesamtsumme kannst nur du sehen und Paula zeigt dir hoffentlich, ob das Mass stimmt. Das ist nur ein Gedanke von mir, der hauptsächlich aus meiner eigenen Erfahrung mit Beruf und Familie und aus der Erziehung meiner Tochter stammt... :)

Ich finde es toll, dass so viele hier ihre Meinung dazu posten. Es sind ja weniger Antworten an dich als die Reflektion eigener Ideen und das Hinterfragen der eigenen Einstellung und vor allem sehr hilfreiche Tipps für die Lesejunkies unter uns, die immer alles ganz genau wissen wollen, wie es bei anderen läuft. Also für mich halt und bestimmt auch viele Leser, die sich erst noch einen Hund anschaffen wollen.
 
Dabei
18 Okt 2015
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#34
[FONT=&#10]Ich finde das Thema Erwartung super spannend. Persönlich tendiere ich dazu selbst sehr hohe Ansprüche an mich zu stellen und mit Sicherheit auch an meinen Hund. Seit der kleine Jim bei uns wohnt, habe ich versucht die Leistungsansprüche an mich und den Hund zu reduzieren und mir immer wieder bewusst machen, was der kleine Kerl alles verarbeiten muss und das ist echt viel. Dank der hilfreichen Tipps hier im Forum hab ich immer wieder unser Aktionspensum runtergeschaltet. Manchmal sitzen Jim und ich auf der Wiese an der Straße und gucken uns an was alles passiert: ein Radfahrer, Autofahrer, Kinder, Hunde etc und wir beiden lümmeln dabei gemütlich rum.
Gut, dass dieser Herbst so schön ist ;-).

Dennoch erwarte ich schon einiges von ihm, wenn er groß ist. Er soll mit meinem Mann auf die Arbeit und auch wenn mal ein Kunde reinkommt, soll Jim auf seiner Decke liegen bleiben und entspannen, er soll nichts vom Werkstattboden aufheben und fressen, auch die Grenzen des Werkstatthofes beachten ohne Zaun, er soll die Grundlagen am besten im Schlaf beherschen (Sitz, Platz, Bleib, Hier...). Ich vermute, dass wir so ca 2 Jahre dafür brauchen, bis das zu 100% klappen könnte. Mir hilft die Erwartung dabei ein Gerüst zu überlegen, was ich für die Sozialisierung und die Erziehung wichtig finde.

Was ja auch immer wieder hier angesprochen wird ist, dass der Hund ja seinen eigenen Charakter mitbringt. Das finde ich auch super wichtig zu berücksichtigen. Jim findet andere Menschen ganz toll und will mit jedem spielen. Deshalb will ich meine Erwartung nicht runterschrauben (entspannt liegen, wenn ein Kunde die Tür kommt) aber ich berücksichtige, dass es ihm schwerer fallen wird liegen zu bleiben als vielleicht einem anderen Hund, der Menschen nicht so super toll findet. Zur Zeit (er ist 4 Monate) übe ich mit ihm nur, dass er andere Menschen nicht anspringt und gerade Freunde benutze ich dazu, Jim nur Aufmerksamkeit zu schenken, wenn er sich rücksichtsvoll (also nicht springen & quengeln) verhält. Mit dem Kundentraining werde ich erst später anfangen, wann werde ich hoffentlich merken wenn Jim soweit ist.
Ich finde Erwartungen an das gemeinsame Leben mit Hund und an die Beziehung zum Hund wichtig, um Ziele zu haben auf die man den Hund hintrainieren und ihn vorbereiten kann. Aber klar ist für mich, dass diese Erwartungen nicht einfach selbstverständlich vom Hund erfüllt werden müssen, sondern wir ihm dabei helfen müssen und man als Herrchen/Frauchen berücksichtigt, welchen Charakter man vor sich hat.

Die Ideen zu euren Tagen fand ich auch echt toll und habe viele gute Ideen mitgenommen.
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Dabei
26 Mai 2015
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#35
Seit ich das Thema erstellt habe sind 14 Monate vergangen und Paula wird im Frühjahr 2.

Haben sich meine Erwartungen erfüllt? Haben sich meine Erwartungen verändert?

Ich wollte einen gut sozialisierten Hund der mit allen Situationen klar kommt. Habe ich das erreicht? Ja und nein. Paula bleibt nach wie vor geschmeidig, vordert nicht und fügt sich in unseren Alltag ein. All das üben hat was gebracht. Im Café legt sie sich gleich unter den Tisch, zu Hause liegt sie rum, der Grundgehorsam ist gut. Allerdings möchte sie gerne ca jedem 4. Hund auf die Fresse hauen. Das hätte ich mir anders gewünscht und gerade erst heute hat mir unsere Trainerin den Zahn gezogen dass sich das jemals ändern wird. Nur unterbrechen werde ich sie immer besser können. Da hat sich meine Erwartung also geändert, weil mir das schon reicht. Jetzt nachdem Paula Monate lang total am Rad gedreht hat.

Ich habe meine Erwartung in ein paar wenigen Punkten so korrigiert dass sie zu meinem Hund passen.

Wenn mir einer vorher gesagt hätte wie dieser Hund wird? Ich hätte dankend abgelehnt :) Jetzt liebe ich meine wilde Hilde halt wie sie ist und wachse an meiner Aufgabe.

Meine Haupterwartung heute, oder besser meine Haupthoffnung: Bitte bleib gesund Pippilotta.
 

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