Hi SusiPa,
jeder Hund ist anders, jeder Aussie auch.
Bei manchen merkt man schlichtweg nichts von der Pubertät, okay der Rüde hebt sein Bein, aber er läuft trotzdem rund. Trotzdem ist das Gehirn in Unordnung und eine Menge an Synapsen wird neu verkabelt. Neues erlernen dauert dann vielleicht mal ein paar Wiederholungen und Tage länger, aber sonst alles wie üblich. Schließlich ruht man sich nicht auf seinen Lorbeeren aus, sondern trainiert jeden Tag.
Bei anderen kommt die zweite „Spooky-Phase“ intensiv: Dinge die gestern noch völlig normal waren, sind plötzlich gar ultragruselig: Weiterlaufen? Unmöglich! Da steht ein schwarzes Ding aus der Hölle… (die Mülltonne). Die war da früher nie, ich schwöre das!
Gleichzeitig haben sie alles wieder vergessen, was vor vier Wochen noch wunderbar lief. Rückruf? War da was? Ich geh jetzt jagen! An der Leine laufen? Der Hund der das bis gestern konnte, bin ich nie gewesen. Ähnlichkeiten unbeabsichtigt und rein zufällig: Ich wars nicht!
Was kostet die Welt? Ich nehme das zweimal!
Manche, die vorher einfach unproblematisch mit jedem Hund frei laufen konnten, stellen plötzlich jedes Gegenüber in Frage. Je nach Antwort des Gegenübers, ergeben sich unterschiedliche Probleme. Der eine probiert es einmal und dann nie wieder, der andere hat seinen Ruf als „Schrecken der Straße“ fortan gepachtet.
Bei manchen erwacht plötzlich ein überraschend, deutliches Schutzverhalten. Während ehedem zwar gewacht und Krawall gemacht wurde, testet „hund“ plötzlich auch mal den Einsatz der 42 Argumente. Im ungünstigen Fall auch innerhalb der Familie. Je nach Erfolg der Übung: Einmal oder auch mehrmals.
Auch „gern“ genommen, ein recht plötzlich auftretendes Leinenpöbeln. Im blöden Fall auch mit umlenken der Aggression auf den, der den Strick in der Hand hat. „Ich will jetzt diesen Terrier vermöbeln! Und wenn Du mich nicht lässt, dann bist Du dran.“ Wer es vor der Pubertät schon konnte, entdeckt nun möglicherweise das Umlenken für sich.
Igitt, Hormone im Spiel: Mit dem Rüden dauert der gleiche Spaziergang plötzlich zwanzig Minuten länger, denn alles muss markiert werden. Futter uninteressant, wenn irgendwo im Umkreis eine Hündin läufig ist. Eifriges Vokalisieren inklusive. Stammt der Aussie vom Wolf ab? Dieser ganz sicher, denn er kann plötzlich „singen“, wobei die Mondphase nichts zur Sache tut. Die Höhe und Stabilität des Zaunes und dessen Unüberwindbarkeit aber schon, denn abhauen wird geprobt (auch bei jungen Damen möglich).
Freundliche Hündin, eher unterwürfig, mutiert nach der ersten Läufigkeit schlagartig zum Monster. Kommandos? Alle vergessen! Verträglichkeit mit anderen Mädels, nur noch, wenn diese sofort signalisieren, dass sie einem Konflikt aus dem Weg gehen. Besonders „schön“, wenn diese in der eigenen Familie beheimatet sind und nicht daran denken, sich die Butter vom Brot nehmen zu lassen.
Als Welpe nie etwas kaputt gemacht, nun aber plötzlich Zernagewut. Gern auch in Kombination mit Alleinbleiben? Geht nicht mehr!
Hund probiert sich aus und versucht sich neu zu erfinden.
Zum Glück macht nicht jeder Aussie jedes Fass auf. Manche arbeiten sie fast alle ab, leider nicht ausschließlich nacheinander versteht sich.
Auftreten der Symptome irgendwo zwischen dem siebten, achten und 18. Lebensmonat. Ende ungewiss. Die meisten sind mit vier bis fünf Jahren endgültig erwachsen, psychisch stabil und Verlasshunde.
Tipps: Wenn „Es- das Pubertier“- plötzlich keinen Rückruf mehr kennt. Die Schleppleine liegt noch in einer Kiste und die kommt wieder dran, bevor dieser herrliche Dopamin-Cocktail (Jagen Juhu!) das Hirn zu oft geflutet hat. Dieser Spaß ist nämlich selbstbelohnend.
Bei allem was Richtung Aggression geht, bitte bei Zeiten einen Trainer (der mehr gelernt hat, als Formalismen wie Sitz, Platz und Fuß beizubringen) mit ins Boot holen, bevor sich aus einem normalen Aggressionsverhalten das einen Auslöser braucht, ein erlerntes Verhalten entwickelt, das dann auch nach der Pubertät bestehen bleibt und ungleich schwerer wieder korrigiert werden kann. Wer sich drei Jahre erfolgreich quer durch die Artgenossen und Menschen gebissen hat, ist nicht selten ein Fall für lebenslanges Management. Ganz einfach, weil der Auslöser nicht mehr vorhanden sein muss, wenn das Verhalten erst mal sitzt. Aussies stehen da nicht an vorderster Front, haben jedoch Potential. Das ist dann „Stecknadel(n) im Heuhaufen“ suchen.
Genereller Tipp: Sichere Bindung fördern, Impulskontrolle und Frustrationstoleranz schulen, täglich. Wenn diese Grundpfeiler stabil vorhanden sind, wird es auch in der Pubertät erträglich, beziehungsweise man merkt (fast) gar nicht, dass der Hund drin steckt. Außerdem üben, was man schon kann, siehe oben. Wer sich auf den Lorbeeren ausruhen möchte, fängt unter Umständen bei nahe null wieder an (Sitz klappt noch für zwei Sekunden, aber der Rest?). Was schon vor der Pubertät Probleme verursacht hat, wird in der Regel nicht spontan besser, sondern oft richtig heftig.
Eine Kleinigkeit nicht vergessen: Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Sie sind alle nicht als perfekte Hunde zur Welt gekommen und wir nicht als perfekte Hundeführer. Jeder macht Fehler und ist mal inkonsequent oder unachtsam. Wichtig ist eigentlich nur, dass man sich selbst hinterfragt und sich überlegt, was man hätte anders und im Idealfall besser machen können, wenn etwas nicht geklappt hat oder auch richtig schief gelaufen ist. Und sich anschließend bemüht, das dann nicht zu wiederholen.
Viel Glück, Erfolg und eine angenehme Pubertät wünschen der OOPS samt Crew