Geräuschempfindlichkeit und Lösungen - Was kann ich tun?

Dabei
24 Jan 2017
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31
#1
Hallo ihr lieben Forenmitglieder,

nach einiger Zeit benötige ich mal wieder euren Rat.

Colin hat seitdem er eins ist höllische Angst vor Geräuschen, die mit Knallen oder Gewitter vergleichbar sind. Seit dem letzten Gewitter vor zwei Wochen weitet sich seine Angst immer mehr aus. Wenn wir spazieren gehen und im Schrebergarten fallen Bretter aufeinander oder jemand haut einen Nagel in seine Hütte, ergreift er die Flucht und beruhigt sich den ganzen Tag nicht mehr.

Auch am nächsten Tag ist so eine Aktion nicht vergessen und er ist besonders aufmerksam an dem Ort, an dem er am Vortag geflüchtet ist. Jetzt reicht das kleinste Geräusch aus, um ihn in Panik zu versetzen.

Zuhause angekommen läuft er unruhig durch die Wohnung, mag nicht mehr raus und speichelt sehr heftig.

Was kann ich hier tun? Ich habe es vor Silvester mit Video Konditionierung probiert und ein Feuerwerk gaaanz leise gestartet und Tag für Tag die Lautstärke erhöht, ohne, dass es ihm Angst gemacht hat. An Silvester war das aber egal, da die Lautsprecher nicht mit dem Blitzen und der Lautstärke richtiger Knaller mithalten kann.

Ich bin für jeden Rat dankbar und hoffe, dass ich Colin ohne Medikamente beruhigen kann, da es nicht nur zu Silvester, sondern bei jedem Gewitter oder Knall ausartet.

Vielen Dank im Voraus.

Gruß aus Hamburg
 
Dabei
7 Sep 2012
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2.977
#2
Puh, also wenn das so extrem ist, dann würde ich da nicht allein herumexperimentieren, sondern mich unbedingt an einen kompetenten Hundetrainer/-in mit Schwerpunkt Verhaltenstherapie wenden! Es ist sehr leicht, das unwissentlich noch zu verstärken! Also daher nicht via eines Forums ein solches, für den Hund extrem stressigen Verhalten lösen wollen, sondern unbedingt richtige Hilfe suchen! Nicht auszudenken, wenn der Hund mal vor Angst wegläuft! Medikamente lösen das Problem nicht, sie können höchstens beim Training unterstützen.
 
Dabei
19 Jan 2017
Beiträge
742
#3
Hallo LePatty,

ich weiß wie kräftezerent ein Leben mit einem geräuschempfindlichen Hund ist. Seit fast 11 Jahren lebe ich mit einem geräuschempfindlichen Aussie. Auslöser war ein schlechtes Erlebnis an Knödels erstem Silvester. Stichwort: Jugendliche und Böller. :(
Knödel war erst 5 Monate alt bei dem Erlebnis. Ich habe seitdem vieles ausprobiert und kann dir daher wenig Hoffnung machen.
Es wird nie wieder ganz verschwinden und immer präsent in Collins und eurem Leben sein. Von der Desensibilisierung mit CD´s,
über Entspannungsmethoden, Kauartikel, Thunder T-Shirts, die Gabe von Enzymen ( Zylkene) etc. habe ich alles ausprobiert.
Leider mit wenig Erfolg.

Wirklich geholfen hat nur die Geräusche zu meiden, sodass die Abstände immer größer zwischen den Erlebnissen wurden.
Bei uns waren es auch Flugzeuge, Gewitter, Autos die durch Schlaglöcher fahren, umfallende Bretter, einfach alles was den
Geräuschen von Knallern und Gewittern nahe kam. Und das sind leider viele Geräusche in unserer Umwelt und es werden immer mehr Geräusche miteinander negativ verknüpft. Sodass unglaubliche Ketten an Geräuschen und Gegebenheiten miteinander verknüpft werden, die Angst hervorrufen, obwohl das eigentliche Knallgeräusch noch garnicht ertönte.

Zwischenzeitlich war es mal bei Knödel so schlimm, dass man kein Glas auf einem Tisch abstellen konnte. :(

Silvester fahren wir schon zwei Wochen vorher nach Dänemark in ein ganz ruhiges Gebiet. Und am Silvesterabend selbst fahren
wir auf einen sehr abgelegenden Parkplatz in den Dünen. Sicher ist sicher. Zwischenzeitlich bin ich für die alltäglichen Spaziergänge
sehr weit weg gefahren, damit ich auch wirklich das kleinste Knallgeräusch ausschließen konnte. Knödel hat Strecken und Gebiete die
meidet er auch heute noch nach über 3 Jahren. Einige Urlaube musste ich schon nach einem Tag abbrechen und wieder Heim fahren, weil es
für Knödel zu viel schlechte Geräusche gab.

Was ich euch auf jeden Fall empfehlen kann und bei uns den größten Erfolg hatte, ist die Verknüpfung "Aussicht auf Sicherheit und Geborgenheit".
Für Knödel ist der Kennel im Auto sein sicherer Platz. Dort fühlt er sich wohl und geborgen. Wir haben es fogendermaßen aufgebaut:

Immer wenn wir zum Auto gehen, sagte ich: wir gehen zum Auto.
Waren wir beim Auto und er sollte reinspringen, damit wir losfahren konnten, sagte ich: Auto.
Diese beiden "Befehle" sagte und sage ich auch heute noch wenn wir zum Auto gehen.
Auch auf dem Rückweg während der Spaziergängen. Ist das Auto nicht mehr weit, kommt der Satz: wir gehen zum Auto.

Ertönt nun unterwegs ein negatives Geräusch, kommt von mir sofort der Satz: wir gehen zum Auto.
Wichtig ist, dass ihr dann auch wirklich sofort kehrt macht und die Aussicht und die damit verbundene Erwartungshaltung auf Sicherheit
von Collin bestätigt. Bei uns war es am Anfang der Konditionierung so, dass ich dann oft nach drei Minuten schon umdrehen konnte, Knödel ins Auto ließ und nach Hause fuhr. Aber, dass ändert sich mit der Zeit. Man braucht Geduld.

Wir laufen mittlerweile wieder ganz ruhig unsere Runden.
Ertönt ein unangenehmes Geräusch, sage ich zwar "wir gehen zum Auto" aber wir können ganz in Ruhe zurücklaufen und dabei
auch noch kleinere Umwege einbauen. Knödel weiß, dass ich seine Erwartungshaltung erfülle und er zum Auto in seinen Kennel
darf. Er muss nicht panisch, hechelnd im Tiefflug fliehen. Er schnüffelt noch hier und dort am Wegesrand und ist völlig entspannt. Man zögert das Versprechen mit der Zeit in kleinen Schritten immer weiter hinaus (je nachdem wie weit man in der Verknüpfung ist), aber erfüllt es und das ist ganz wichtig. Was hat Collin für sichere Orte? Wohin zieht er sich zurück bei Angst?

Zusätzlich haben wir die Geräusche visuell benannt und verknüpft. Flugzeuge, Bretter usw.
Alles wieder egal. :) Mit Gewitter und Silvester klappt es leider nicht.
Nach Gewittern braucht Knödel ein paar Tage um sich wieder einzupendeln,
aber es ist bei weitem nicht mehr so schlimm wie früher.

Jetzt ist erst mal wichtig, dass ihr ihn aus der Angstspirale holt.
Also versucht die nächsten Tage, dass Collin nicht diesen Geräuschen ausgesetzt ist. Ich weiß es ist schwierig.

Ich hoffe, ich konnte etwas helfen und wünsche Euch alles alles Gute!
 
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