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Hundebegegnungen an der Leine – mal völlig entspannt, mal komplette Eskalation

Dabei
12 Aug 2026
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23
#1
Hallo zusammen,

ich wollte mal hören, ob jemand von euch ein ähnliches Thema kennt und vielleicht ein paar Ideen oder Erfahrungen dazu hat.

Meine Hündin Filou ist jetzt 2,5 Jahre alt und eigentlich ein wirklich toller und im Alltag gut erzogener Hund. Wir sind ein super Team und im normalen Alltag klappt eigentlich alles richtig gut. Unsere größte Baustelle war und ist von Anfang an die Leinenführigkeit. Nach gefühlt ewiger Arbeit haben wir die inzwischen auch ganz gut hinbekommen, wobei sie immer noch ziemlich tagesformabhängig ist. An manchen Tagen läuft sie super, an anderen hat sie offenbar vergessen, dass wir das jemals geübt haben.

Was mir aber mittlerweile deutlich mehr Kopfzerbrechen bereitet, sind Hundebegegnungen an der Leine. Wichtig dazu ist vielleicht, dass das nicht schon immer ein Problem war. Das Verhalten hat sich erst in den letzten Monaten entwickelt bzw. deutlich verstärkt. Früher waren Hundebegegnungen an der Leine eigentlich kein großes Thema.

Und das Komische daran ist, dass ihr Verhalten dabei total situationsabhängig ist.

Wenn wir irgendwo sitzen und ein anderer Hund läuft teilweise wirklich direkt vor ihrer Nase vorbei, interessiert sie das häufig überhaupt nicht. Auch wenn wir zum Beispiel in der Innenstadt unterwegs sind und andere Hunde uns einfach ignorieren, klappt das meistens richtig gut. Sie bleibt bei mir, ist ansprechbar und wir können ganz normal weiterlaufen.☺️

Ganz anders sieht es aus, wenn wir einem Hund entgegenlaufen und sie ihn schon von Weitem sieht. Dann kann es passieren, dass sie sich komplett hochfährt. Und mit komplett meine ich wirklich komplett: Sie zieht hin, springt in die Leine, knurrt und schreit teilweise regelrecht. In dem Moment komme ich überhaupt nicht mehr zu ihr durch.

Ähnlich ist es, wenn der entgegenkommende Hund Interesse an ihr zeigt, sie fixiert, zieht, bellt oder auch nur irgendwie „Faxen macht“. Dann kippt die Situation teilweise innerhalb von Sekunden und ich habe kaum eine Chance, sie wieder runterzufahren.

Was mich dabei zusätzlich verunsichert: Ich kann manchmal überhaupt nicht einschätzen, ob das „nur“ Aufregung bzw. Unsicherheit ist oder ob da tatsächlich Aggression mit reinspielt. Sie knurrt in diesen Situationen teilweise auch deutlich. Wenn sie schon komplett hochgefahren ist und ich versuche, sie am Halsband festzuhalten oder zu greifen, kann es außerdem passieren, dass sie nach mir schnappt. Außerhalb solcher Situationen zeigt sie dieses Verhalten mir gegenüber überhaupt nicht. Es tritt wirklich nur auf, wenn sie wegen eines anderen Hundes schon völlig drüber ist.

Genau das macht es für mich so schwer einzuschätzen. Es ist eben nicht so, dass sie grundsätzlich keine anderen Hunde an der Leine aushält. In manchen Situationen können die gefühlt einen Meter neben ihr stehen und es ist ihr vollkommen egal, in anderen reicht ein Hund in 30 Metern Entfernung und sie fährt komplett hoch.

Wir sind auch in einer Hundeschule und üben dort natürlich Hundebegegnungen. Interessanterweise sind die dort aber überhaupt kein Problem. Vermutlich, weil die Situation für sie vorhersehbar ist und die anderen Hunde sich ebenfalls entsprechend verhalten.

Wir hatten schon die Vermutung, dass Unsicherheit bzw. fehlende Sicherheit an der Leine eine Rolle spielen könnte. Deshalb versuche ich auch, ihr möglichst viel Orientierung zu geben und solche Situationen für sie zu übernehmen. So richtig komme ich bei dem Thema aber bisher nicht weiter, gerade weil ihr Verhalten so unterschiedlich ist und das Ganze erst seit einigen Monaten überhaupt ein Thema ist.

Kennt jemand von euch so etwas? Gerade dieses Wechselspiel zwischen „anderer Hund ist mir komplett egal“ und völliger Eskalation? Und vielleicht sogar, dass sich dieses Verhalten erst im Erwachsenenalter entwickelt hat?

Mich würde auch interessieren, woran ihr bei eurem Hund erkannt habt, ob dahinter eher Unsicherheit, Frust, Aufregung oder tatsächlich Aggression steckt und was euch beim Training wirklich weitergebracht hat, gerade wenn das Problem in gestellten Trainingssituationen kaum auftritt.

Vielen Dank für eure Meinungen und liebe Grüße,
Newkatniss und Filou
 

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Dabei
26 Mai 2015
Beiträge
3.245
#2
Hallöchen und herzlich willkommen,

zunächst einmal, das ist für uns Menschen schwer zu akzeptieren und auf Social media wird uns ja auch gern der "perfekte" Hund vorgegaukelt von diversen Trainern und anderweitig motivierten :p Aber Aggression ist im Hundeverhalten völlig normal.

Du fragst ist es Aggression: Die Antwort lautet: ja das ist es. Du fragst ist es Aufregung: Die Antwort lautet: ja das ist es. Du fragst ist es Unsicherheit: Die Antwort lautet: Keine Ahnung niemand hier kennt deinen Hund, aber ja wahrscheinlich. Und es kann auch alles mögliche andere mit reinspielen: Deine Unsicherheit schonmal auf jeden Fall, aber auch das was der andere Hund ausstrahlt (was du wahrscheinlich garnicht erkennst), es können teretoriale Aspekte mit reinspielen uvm. Wenn du von weitem einen Hund siehst der frontal auf euch zu geht: Frontal aufeinander zugehen ist schon ein Teil von Agression. Das lässt sich auf Wegen usw. manchmal nicht vermeiden, wir Mensche haben eben Wege gebaut wo wir so in zwei Richtungen latschen, aber Hunde nähern sich, wenn sie sich nicht kennen und sich höflich verhalten wollen nicht frontal. Unsere Menschlichen Wege (und dass die Hunde an der Leine an uns dran hängen) verhindert eben auch, dass wenn Hunde schon auf 200metern feststellen: wir finden uns nicht gut, sie eben nicht ausweichen können, keinen Bogen gehen können. Was sie normalerweise als erstes Versuchen würden.

Du sagst die Leinenführigkeit hapert noch. Mal gut mal schlecht. Da würde ich konsequent drann bleiben, auch ohne Hund in der Nähe, auf jedem Spaziergang, absolut immer, verlangst du ab jetzt Leinenführigkeit bzw. Orientierung am Menschen. Dann wird sehr wahrscheinlich auch das Verhalten an der Leine anderen Hunden gegenüber für dich kontrollierbar. Es sollte ab jetzt keinen Ausnahme von der Regel geben, dann wirst du für deinen Hund auch verlässlicher. Ich weiß nicht wie Ihr das in eurer Hundeschule übt. Aber frag mal nach Orientierung am Menschen, ggf. such dir eine Hundeschule die das anbietet. Wenn es sich irgendwie vermeiden lässt dann geh jetzt erstmal nicht frontal auf andere Hunde zu, wenn du schon merkst dass sie sich aufspuhlt, dann dreh um, bieg ab und zwing sie nicht in eine Situation, in der sie dir ja schon von weitem zeigt, das hier wird jetzt scheiße :cool:

Bei ner 2 Jährigen ist es auch immer gut noch an der Impulskontrolle und Frustrationstoleranz zu arbeiten. Wenn sie da etwas besser wird im zusammenhang mit der Orientierung am Menschen, wirst du das schon hinbekommen.

Ich habe hier selbst so eine Kandidatin. Sie ist jetzt 11 Jahre, auch sie geht völlig uninteressiert an den meisten Hunden, aber manchen will sie aufs Maul hauen (unterschiedlichste Gründe) meine zweite ist 7 die macht auch gelegentlich Theater (bei Ihr eher weil sie nicht zu jedem hin darf, und es ihr nicht passt wenn sie nicht kann wie sie will).
Bei beiden ist die Orientierung am Menschen eigentlich hervorragend ebenso die Leinenführigkeit. ABER! Jetzt kommt das große Aber :p ich bin auch nur ein Mensch und entsprechend faul, sprich immer wieder mal vernachlässige ich es einfach Leinführigkeit und Orientierung auch wirklich einzufordern, ich bin genervt von der Arbeit, gestresst, oder ich hab halt einfach keinen Bock. Das merken die Hunde, sie merken auch dass ich dann nicht so aufpasse und dann passiert das eher. Da wir das jedoch zu Anfang wirklich konsequent über einen sehr langen Zeitraum (bei der großen 2 Jahre, bei der kleinen 1 Jahr) geübt haben, bzw. ich es konsequent eingefordert habe, ist das jetzt kein großes Problem mehr, ich muss dann nur ein paar Tage wieder konsequent sein und es läuft wieder.
Aber insbesondere bei der großen, führt das nicht dazu dass sich kein Theater machen will, es führt nicht dazu dass sie den anderen Hunden nicht auf die Fresse hauen will. Bei der kleinen führt das nicht dazu dass sie nicht zu den anderen Hunden hin will. Nein das alles nicht, aber wenn sie merken dass ich konsequent bin und auf die Einhaltung der Regelen bestehe, nehmen sie sich zurück :cool: und es gibt kein Theater.

Also auch mit viel Übung wird wahrscheinlich nicht alles rosarot, aber kontrollierbar.

Nur weil das Plüsch so süß aussieht heißt das nicht dass sie sich "süß und nett" nach menschlichen Maßstäben verhalten. Das tun sie nicht, es sind Hunde und da gehört Aggression dazu :cool:

Deine ist noch voll in der Pubertät für dich lohnt es sich in jedem Fall konsequent zu sein und wenn dich deine Hundeschule dabei nicht unterstützen kann, dann such dir ne andere. Mit dem richtigen Training sollte dass nach 6 bis 8 Einzelstunden in 6-8 Wochen (in denen du umsetzt was dir beigebracht wurde) eigentlich gegessen sein. Also bleib nicht ewig in ner Hundeschule wo es keine Fortschritte gibt. Und klar läuft es in der Hundeschule gut, da sind wahrscheinlich immer die gleichen Hunde, heißt die kennen sich schon, die ganze Situation ist kontrolliert und für den Hund vorhersehbar. Du musst ins Einzeltrainig raus in die echte Welt, mit einem guten Trainer und noch wichtiger du musst dann auch ohne Trainer konsequent umsetzen was du gezeigt bekommst. Denn auch irgendwo in Stadt und Wald und was weiß ich mit einem neuen Trainer, wo ihr zwar eher das echte Leben üben könnt, wissen die Hunde doch sehr schnell: ah der Fuzzi ist dabei das heißt wir machen Hundetraining, das heißt ich verhalte mich wie gewünscht. :p Das schwierige ist es in den Alltag zu übertragen. Aber unmöglich ist es nicht. Ihr macht das schon.
Ich empfehle gerne auf der Seite von Canis Kynos einen Trainer zu suchen (Die Absoventen sind dort nach PLZ sortiert auf der Seite zu finden) denn die haben eine fundierte Ausbildung. (heißt nicht dass es nicht auch andere gute Trainer gibt, oder dass es bei den Canis Leuten keine Schwarzen Schafe gibt, aber die Chance dort einen wirklich kompetenten TrainerInn zu finden ist ungleich höher als wenn man sich von Hundeschule zu Hundeschule so durchsucht.
 

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