[OT]So, wollte mich auch nochmal kurz zurückmelden, da ich ja nachgefragt hatte. Hab es nicht früher geschafft alle Beiträge durchzulesen (ihr schreibt aber auch viel

).
Ich verstehe absolut, dass man nach jahrelanger, aktiver Forenteilnahme & aktiver Tierschutzteilnahme solche Zusammenhänge sieht und will die auch gar nicht widerlegen. Wie man aus diesen reinen Vermehrerstätten (schlechte Zustände, Hündin als Wurfmaschine missbraucht, keine Sozialisierung etc.) einen Welpen holt, kann ich auch nicht nachvollziehen und bezweifle auch, dass sich da großartig informiert wurde.
Sich aber einen Hund von jemanden zu holen, der "mal einen Wurf haben wollten"/Unfallwurf/etc, kann ich
eher nachvollziehen. Nur weil denen nicht bewusst ist, dass die der Rasse nichts Gutes tun, heißt es nicht automatisch, dass sie sich über Hundeerziehung prinzipiell nicht informiert haben. Das man mal Fragen hat, ist klar. Das hat jeder Mal und vll. sind sie bei dem einen grundlegender als bei dem anderen. Aber ich bin immer froh, wenn die Leute fragen und nicht einfach aus der Hilflosigkeit heraus reagieren.
Ich hab mit 14 eine Golden Retriever Hündin bekommen. Mit 8 Wochen abgeholt, sie ist vor mir weggelaufen, war ängstlich, ist mit ihren drei Brüdern im Stall aufgewachsen und hat glaube ich nichts anderes kennengelernt als das. Natürlich ohne Papiere. Habe ich in dem Alter nicht gesehen, meine Eltern sind da auch noch etwas "old-school" wie man hier auf dem eben Land ist. Sie war der liebste Hund auf der Welt für mich, meine beste Freundin und ich würde sie vermutlich immer wieder mitnehmen. Aber es war eine furchtbar anstrengende Zeit zum Teil - wesensschwach, ängstlich, es ging teilweise in Angstaggressionen über bei der Begegnung mit anderen Hunden. Sie wurde halt einfach nie richtig sozialisiert, zudem kamen wir in eine furchtbar schlechte Hundeschule am Anfang (spezialisiert auf Schäferhunde. Weiter möchte ich das lieber nicht ausführen.) wodurch natürlich noch mehr kaputt gemacht wurde. Ich habe nach Rat in 1-2 Hundeforen gesucht und habe da viele gute Ratschläge bekommen. Sobald ich dann einen Führerschein hatte, ging es zudem in eine andere Hundeschule und wir haben gezielt an den Problemen mit anderen Hunden gearbeitet und wurden ein klasse Team
Ich weiß also definitiv was es heißt einen nicht sozialisierten Hund zu besitzen und mit ihm den Alltag zu bestreiten - funktioniert nur mit Hindernissen. Ich habe mir auch danach gesagt, dass der nächste Hund definitiv aus einer richtigen Zucht kommt wo alles stimmt, die Hunde gut sozialisiert werden, die Ahnen nachweislich gesund sind etc. pp. (Ich musste meine GR Hündin mit nur 9 Jahren einschläfern. Die Not-OP hat ihr noch 6 Wochen gegeben, uns 2,500 € ärmer gemacht [um mal dem "Totschlagargument" entgegenzuwirken, dass es den Leuten ums Geld gehen mag...das Teure kommt eh erst später, also investiert lieber vorher!] und Krebs und Tumor haben letztendlich doch gesiegt.)
Trotzdem, oder gerade deswegen - das Kind ist bereits in den Brunnen gefallen. Ist der schlecht sozialisierte Hund erstmal gekauft, helfen keine Belehrungen von wegen "Selber Schuld, hast dir schließlich einen papierlosen Hund geholt". Man braucht Hilfe. Und man wacht besser spät als nie auf und realisiert, dass man blauäugig an den Hundekauf rangegangen ist. Ich musste mir auch viel anhören (bzw. durchlesen), was mir sehr nah gegangen ist und ich teilweise kurz davor war, die Foren wieder zu verlassen. War zu der Zeit natürlich auch das Alter

Man nimmt vieles persönlicher als es eig. gemeint ist. Mein Hund war sicherlich sehr dankbar, dass ich es damals nicht getan habe, sondern "drüber stand" und in den Foren weiter nach Hilfe gefragt habe bzw. vieles auch einfach still mitgelesen habe. Ansonsten wären wir damals nicht so ein tolles Team geworden und es würde auch jetzt mit Oskar nicht so gut in manchen Bereichen klappen.
Eigentlich war das Thema Hund für mich dann aufgeschoben. 1. hatte ich nicht das nötige Kleingeld, 2. würde mir als Student kaum ein VDH-Züchter einen Welpen anvertrauen. So. Dann bin ich gegen Ostern bei einer Freundin zu Besuch, mit bei ihrem Pferd und treffe diesen Hund - MEINEN Hund. Das war einfach sofort klar. Und ja, es war ein Mischling, es war ein Unfallwurf (ein tatsächlicher. Keiner von diesen angeblichen, die nur als Unfallwurf getarnt sind. Die Hündin wurde letzte Woche kastriert

) und ich bin immer noch total glücklich über diese Entscheidung. Die Hunde wurden top sozialisiert, sind furchtlos, lieben Menschen und haben keinerlei schlechte Erfahrungen gemacht. SO stelle ich mir eine gute Zuchtstätte vor - nur dann mit einem klaren Zuchtziel und Papieren
Ich weiß, ich bin absolut OT und total abgeschweift, aber irgendwie lag es mir gerade auf dem Herzen, dass ich jeden verstehen kann, der es furchtbar findet "Papierlose Hunde" zu unterstützen. Denn ich hab das gelebt und weiß wie untypisch mein GR in manchen Bereichen war und was schlechte Sozialisierung aus einem Hund machen kann.
DENNOCH hat Uninformiertheit nicht nur was mit papierlosen Hunden zutun. Ich kenne hier viele Hunde, sowohl mit, als auch ohne Papiere. Zwei GRs in meiner Straße haben Papiere, zeigen ebenfalls untypisches Verhalten und die Halterin ist ziemlich verunsichert, weil jeder Trainer was anderes sagt und es soviele verschiedene Meinungen gibt und sie sich kein Bauchgefühl erlaubt. Hunde laufen jeden Tag an der Schlepp. Eine gute Freundin von mir hat einen GR, der sich null für sie interessiert. Sie hat sich zwar bzgl. der Zuchtstätte informiert und warum Papierhund besser ist, aber nicht so sehr mit den Problemen, die sie mittlerweile haben. Hund läuft ebenfalls ständig an der Schlepp. Eine andere gute Freundin (bzw. ihre Mutter) hat einen Schäferhund mit Papieren, allerdings aus 2. Hand, und der trägt Stachel. Über die neueren Erkenntnisse in der Hundewelt erkundigt sie sich nicht. Die Labbihündin mit Papieren in meiner Welpengruppe und ihr Frauchen - die ist vom Charakter so draufgängerisch wie mein Oskar und sie turtelt da rum mit ihr und ruft 5 mal ihren Namen ohne das die Hündin sich für die im geringsten interessiert (Ja, der Trainer schreitet da ein

). Etc. etc.
Ansonsten treffe ich hier fast nur Hunde an der Flexi...sowohl mit als auch ohne Papiere, die alle irgendwelche Probleme haben und idR nicht freilaufen können, weil O-Ton: "Dann sind die weg.". Aha. Klingt ja nach einem total spaßigen Spaziergang
Einen Zusammenhang zwischen Informiertheit und papierlosen Hunden sehe ich daher nicht wirklich (zumindest nicht im wahren Leben - in Foren hab ich da noch nicht drauf geachtet). Ich denke mir immer, solange der Wille da ist dazuzulernen und sich Hilfe zu suchen, ist das schonmal der richtige Schritt. Egal ob Papiere oder keine.
LG
Johanna[/OT]