Junghund - Schutztrieb, Angst, überreizt?

Dabei
7 Jun 2022
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#1
Hallo liebe Community,

ich bin neu hier und lese seit dem Einzug meiner kleinen Bonnie vor 2 Wochen still hier mit - besonders der "Hand aufs Herz"-Thread hat mir sehr gut getan zu Beginn :emoji_relieved:.
Vielen Dank dafür!

Die Kleine ist hier mit 5 Monaten eingezogen und war noch nicht ausreichend sozialisiert.
Sie hatte vor allen fremden Menschen und fremden Hunden riesige Angst - mit panisch kopflos fliehen wollen, sich vergraben wollen, unter sich machen...

Seit sie bei mir ist, üben wir jeden Tag und sie macht seitdem eigentlich jeden Tag einen Schritt mehr.

Draußen kann sie inzwischen öfter mal neben mir stehen oder sitzen bleiben, wenn Menschen uns entgegen kommen, bei fremden Hunden kann sie manchmal kurz mal schnüffeln, ehe die Rute wieder ganz eingeklemmt und die Öhrchen angelegt werden.
Wenn Besuch kommt, ist sie zwar noch deutlich gestresst, aber die Neugier wird langsam stärker als die Angst.
Immer wieder kommt und schaut sie, rennt dann wieder davon, schaut wieder usw. bis sie irgendwann an meiner Seite "dabei" sein kann.

Parallel bekomme ich aber nach und nach auch einen willensstärkeren Hund, der auch immer öfter gerade diskutieren möchte, ob wir nicht doch da lang gehen können, wo es gerade so gut riecht oder vielleicht doch tagsüber ind Bett usw... :emoji_wink:. Und vor allem: für den Kommandos gerade gefühlt optional werden.
Anfangs, in ihrer Unsicherheit, hat sie sich total an mir orientiert und ganz schnell auf "Bonnie", "Hier", "Sitz", "Nein" gehört.
Jetzt wirkt das alles plötzlich zunehmend "optional", die Öhrchen stehen nach und nach immer öfter mal auf Durchzug und ich beginne mich langsam zu fragen, ob ich es damit gerade "verderb", wenn ich alles zig mal sage(n muss?) oder ob wir in recht normales vorpubertäres Verhalten rutschen... (sie ist nicht mein erster Hund, aber der erste Hütehund). Hundeschule wollte ich erst in zwei bis vier Wochen starten, wenn sie noch mehr Scheu im Kontakt verloren hat.


So und jetzt überlege ich eben, was folgendes Verhalten sein kann und wie ich ihr helfen kann (klar, vielleicht ist da Ferndiagnose gar nicht möglich, aber vielleicht habt ihr doch Ideen oder Anregungen):

Seit 3-4 Tagen reagiert sie viel mehr auf Geräusche aus der Wohnung unter mir und dem Hausflur.

Das hat sie vorher schon manchmal - bei Weitem nicht so oft! - , wenn man Stimmen gehört hat. Dann eher ängstlich mit eingeklemmter Rute, schutzsuchend bei mir. Ich hab dann "unbesorgt" reagiert, mit entspanntem "alles gut" und bin ansonsten nicht drauf eingegangen.

Seit besagten 3-4 Tagen ist sie aber viel mehr damit beschäftigt, auf Geräusche anzuspringen, selbst auf Gehgeräusche, Autotüren vor dem Fenster usw., springt immer wieder auf, lauscht, selbst aus dem Schlaf, rennt zur Tür, meist "stumm", selten aber auch schhon mal mit einem Bell. Rute ist nur nach Bell eingeklemmt und dann huscht sie zu mir - sonst geht sie jetzt durchaus mit Rute aufgestellt, Öhrchen aufgestellt, aber nicht souverän, sondern gestresst wirkend.

Ich find sie halt primär unruhig gerade.
Anfangs konnte ich ihr manchmal aus so aufgewühlter Energie mit Grundkommandos üben helfen.
Momentan sind die Geräusche stärker.
Sie hört mir dann sichtbar gar nicht mehr zu, lässt mich manchmal einfach "stehen" mittendrin.

So, nun frag ich mich
- hat meine Reaktion bisher vielleicht "nicht gereicht", im Sinne von "Frauchen kümmert sich offenbar nicht, also muss ich das wohl?"
- oder kommt mit jetzt bald 6 Monaten vielleicht wirklich langsam der Schutztrieb durch? Wie kann ich sie darin unterbrechen? Ich möchte nicht, dass mein Hund permanent auf Empfang und im Stress sein muss...
- oder kann es sein, dass sie auch einfach überreizt ist? In den letzten 10 Tagen haben wir bestimmt an 7-8 Tagen Besuch geübt, vor allem, weil ich seit dieser Woche wieder halbtags arbeite und jetzt eine liebe Nachbarin in der Zeit auf sie aufpasst - deshalb war mir wichtig, dass sie sich an die Nachbarin gewöhnt. Da ist sie jetzt eben vormittags - nochmal andere Wohnung, andere Geräusche...
Und falls das vermutbar - wie helfe ich ihr da vielleicht?


Entschuldigt den langen Text - ich wollte es möglichst gut im Kontext schreiben.
 
Dabei
29 Mrz 2018
Beiträge
248
#2
Warum Dein Hund in den unterschiedlichen Situationen diese , oder jene Reaktionen zeigt , kann aus der Distanz kaum beurteilt werden ,
und ob es der Schutztrieb ist , oder der Hund auf Grund eines ängstlichen Verhalten auf bestimmte Geräusche reagiert , kann durch Ferndiagnose
nicht geklärt werden .
Jeder Welpe durchläuft natürlich immer bestimmte Vasen der Entwicklung , doch durch die individuelle Persönlichkeit kann das Verhalten dabei verschiedenen Individuen recht unterschiedlich sein .

Bei meiner Mini - Aussie - Hündin , war das Verhalten als Welpe kaum durch Ängste geprägt , sie hatte ein meist freundliches Auftreten zu Menschen ,oder auch fremden Hunden . Ich war auch bestrebt, jegliche Kontakte immer positiv zu gestalten , besonders zu den Kindern, habe ich extra gefördert. Anfangs durften auch alle Menschen meiner kleinen Hündin ein Leckerli geben , um so ihren Zugang den fremden Menschen gegenüber noch zu fördern .
Die kleine Hündin lief, wenn es möglich war immer frei herum, konnte wenn sie wollte bei Spaziergängen spielen und ihre Kontakte pflegen.
Auch nach der 1. Läufigkeit änderte sich nichts an ihrem spielerischen Verhalten , erst nach und nach entwickelte sich ihr Schutztrieb und Wachtrieb.
Ab dem 3. Lebensjahr fing sie an fremde Menschen und Hunde in der Nähe unseres Hauses zu verbellen und böse an zu knurren , oder auch andere Hunden bei Spaziergängen abzudrängen, wenn diese mir zu nahe kommen. Heute bewacht sie nicht nur unser Haus, sondern auch die Nachbarhäuser und alle Anwohner mit.

Leider hat meine Hündin nun aber Ängste bei Fahrten mit der Bahn entwickelt , diese versuche ihr nun, durch vorsichtige Gewöhnung langsam zu nehmen . Ich fahre nun öfter , in Zeiten mit wenig Fahrgästen und auf Strecken mit kleinen Bahnhöfen, immer nur wenige Stationen weit ,
vielleicht gelingt es mir so , ihre Ängste langsam abzubauen .

Ich glaube , wenn dein Hund bei angstbesetzte Störungen auch Aggressionen zeigt ,wäre dieses eher schon ein gutes Zeichen und kann auch als
Schutztrieb gesehen werden .
An die Betreuung durch die Nachbarin, kann sich Deine Kleine bestimmt auch schnell gewöhnen . Es wäre dabei vielleicht auch hilfreich ,
wenn Du mit Hund und Nachbarin erst gemeinsame Unternehmungen machst und auch die Nachbarin dabei mit dem Hund spielen kann .
 
Dabei
7 Sep 2012
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3.208
#3
Hallo,

also irgendwie lese ich deinen Text jetzt so, das dieser 5 Monate alte Welpe nun in einer Art Schnelldurchlauf das erlernen soll, was offensichtlich versäumt wurde + das, was er zukünftig beherrschen soll.
Das wird so über das Knie gebrochen nicht funktionieren!
Zum einen: der Hund ist erst seit 14 Tagen da, in seiner neuen Umgebung. Lass ihn doch bitte mal erst in Ruhe ankommen u. an sich u. sein neues Umfeld gewöhnen. Wenn ich weiß, das ich einen (warum auch immer, denn zur Vorgeschichte gibt es ja keine weiteren Infos die zu einer Beurteilung wichtig wären) "nicht ausreichend" sozialisierten Hunde aufnehme (wobei auch hier die Frage wäre, was darunter zu verstehen ist, denn wenn der Hund ein solches Umfeld zuvor nicht kannte, hat das mit Sozialisierung ja nichts zu tun), der noch dazu ein unsicherer Typ (zu sein scheint), dann benötige ich dafür Zeit u. Ruhe, die unbedingt einzuplanen ist. Ich kann da jetzt nicht in 2 Wochen alles über das Knie brechen, denn genau damit überfordere u. verunsichere ich den Hund noch mehr!

Parallel bekomme ich aber nach und nach auch einen willensstärkeren Hund, der auch immer öfter gerade diskutieren möchte, ob wir nicht doch da lang gehen können, wo es gerade so gut riecht oder vielleicht doch tagsüber ind Bett usw... :emoji_wink:. Und vor allem: für den Kommandos gerade gefühlt optional werden.
Anfangs, in ihrer Unsicherheit, hat sie sich total an mir orientiert und ganz schnell auf "Bonnie", "Hier", "Sitz", "Nein" gehört.
Jetzt wirkt das alles plötzlich zunehmend "optional", die Öhrchen stehen nach und nach immer öfter mal auf Durchzug und ich beginne mich langsam zu fragen, ob ich es damit gerade "verderb", wenn ich alles zig mal sage(n muss?) oder ob wir in recht normales vorpubertäres Verhalten rutschen... (sie ist nicht mein erster Hund, aber der erste Hütehund). Hundeschule wollte ich erst in zwei bis vier Wochen starten, wenn sie noch mehr Scheu im Kontakt verloren hat.
Die Frage ist: kannte sie diese Kommandos überhaupt? Oder hat sie sich eher "zu dir gerettet" weil alles ander fremd war? Ich glaube jedenfalls kaum, das ein 5 Monate junger (schlecht sozialisierter) Hund in völlig neuer Umgebung hier schon soweit gefestigt ist/war, das er die Kommandos wirklich gründlich beherrscht.

Seit 3-4 Tagen reagiert sie viel mehr auf Geräusche aus der Wohnung unter mir und dem Hausflur.

Das hat sie vorher schon manchmal - bei Weitem nicht so oft! - , wenn man Stimmen gehört hat. Dann eher ängstlich mit eingeklemmter Rute, schutzsuchend bei mir. Ich hab dann "unbesorgt" reagiert, mit entspanntem "alles gut" und bin ansonsten nicht drauf eingegangen.
Normal, das sie nach einer gewissen Eingewöhung alles andere erst jetzt so wirklich wahrnimmt.

oder kommt mit jetzt bald 6 Monaten vielleicht wirklich langsam der Schutztrieb durch?
Von Schutztrieb lese ich hier allerdings rein gar nichts, so unsicher wie sie reagiert!

Hundeschule wollte ich erst in zwei bis vier Wochen starten, wenn sie noch mehr Scheu im Kontakt verloren hat.
Ist eine adäquate HS vor Ort, noch dazu eine mit einer wirklich guten Welpengruppe, würde ich sofort damit beginnen u. nicht noch länger warten.
Die wichtige Sozialisierungsphase (8-12 Woche) ist nun vorbei u. eigentlich sollte sie das dort gelernte nun in der Welpengruppe umsetzen. Daher ist es gerade für einen so unsicheren Hund wichtig, entsprechende Sozialspiele mit geeigneten Gleichaltrigen zu ermöglichen. Noch mal 2-4 Wochen warten ist daher gerade für diesen Hund ungünstig!

Dafür hätte ich hiermit zunächst einmal gewartet, bis eure Beziehung gefestigt ist u. sie Sicherheit in ihrem neuen Zuhause hat, bevor man den nächsten Schritt unternimmt.

oder kann es sein, dass sie auch einfach überreizt ist? In den letzten 10 Tagen haben wir bestimmt an 7-8 Tagen Besuch geübt, vor allem, weil ich seit dieser Woche wieder halbtags arbeite und jetzt eine liebe Nachbarin in der Zeit auf sie aufpasst - deshalb war mir wichtig, dass sie sich an die Nachbarin gewöhnt. Da ist sie jetzt eben vormittags - nochmal andere Wohnung, andere Geräusche...
 

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