Hallo zusammen,
ich würde mich über Meinungen und Erfahrungen von euch freuen bzgl. Trainingmethoden bei aggressiv nach vorne gehenden Verhalten. Dazu erstmal ein paar Hintergrundinfos zu unserer Situation:
--- Vorgeschichte ---
Seit ca. 2,5 Monaten lebt ein Mini-Aussie aus dem Tierschutz bei uns. Wir haben ihn Yoshi genannt. Leider hat er in seiner ersten Familie u.a. schlechte Erfahrungen mit Kindern machen müssen. Es gab dort anscheinend keine Regeln im Umgang mit dem Hund, sodass er nirgends seine Ruhe hatte, nirgends „sicher“ vor den Kindern war. Ein Nachbarskind hat ihn anscheinend auch massiv geärgert. Unser Hund hat dort verlernt zu drohen. Es brachte nichts zu beschwichtigen, zu knurren oder die Zähne zu zeigen, allein das Zubeißen half. Er hat wohl wiederholt die Kinder gebissen und auch den Mann der Familie verletzt, bis er dann schlussendlich im Tierheim landete. Da den Kindern anscheinend keine Regeln im Umgang mit dem Hund beigebracht wurden gehen wir davon aus, dass auch unser Hund dort wenig Grenzen und Führung erfahren hat. Wir wissen z.B., dass er mal aufs Sofa durfte, dann wieder nicht.
Er ist ein toller, kluger und gelehriger Hund, bringt aber natürlich auch seine Probleme mit. Wir wurden vom Tierheim „gewarnt“, dass er rotzfrech ist und einer vernünftigen Führung bedarf. Wir haben ihn über einen längeren Zeitraum kennengelernt und ihn auch öfter für ein paar Stunden und auch mal über Nacht mit nach Hause genommen, bevor er endgültig einzogen ist, damit er uns und unsere Wohnung in Ruhe kennenlernen konnte und sich hier sicher fühlt.
Seit seinem Einzug macht sich der Kleine bei uns insgesamt sehr gut. Er hat hier feste Regeln, Ruheplätze auf denen er vor uns absolut seine Ruhe hat, bekommt sein Futter portionsweise aus der Hand gefüttert und wird meist nur gestreichelt, wenn wir ihn zu uns rufen, nicht wenn er ankommt und es einfordert. (Im Tierheim ist er einmal zum Angriff übergegangen, nachder er Streicheleinheiten eingefordert hatte, daher rufen wir ihn jetzt zu uns und gehen auf seine Aufforderungen nur ganz selten ein). Wir sind natürlich mit ihm in der Hundeschule (mehr für uns als für ihn, da er schon ganz viel kann, wir aber noch ganz viel lernen müssen). Der Trainer dort hat uns ebenfalls bestätigt, dass wir da ein sehr selbstbewusstes Kerlchen haben.
Yoshi ist also ein Hund, der gelernt hat nicht zu drohen, sondern direkt nach vorn zu gehen und auch zuzubeißen, wenn er etwas im weitesten Sinne doof findet. Sei es, dass man ihm etwas zu futtern wegnehmen will, Fremde sein Territorium betreten oder er etwas oder jemanden aus irgendeinem Grund als bedrohlich einstuft. Unser Ziel ist, dass unser Hund sich an uns orientiert und lernt, dass wir alles für ihn regeln und er deshalb nicht mehr nach vorne gehen muss. Es wäre auch schön, wenn er lernen könnte wieder zu drohen. Wir möchten ihm größtmögliche Freiheit bieten, sprich Freilauf wann immer es geht. Aber dabei darf er auf keinen Fall andere Menschen oder Hunde erschrecken, anspringen oder gar verletzen. Bisher hat er zwar immer nur im häuslichen Umfeld gebissen, aber klar ist, dass er keine Beißhemmung (mehr) hat. Daher lassen wir ihn noch sicherheitshalber immer angeleint (kurze Leine bzw. Schleppleine mit Maulkorb.
Nach ein paar Wochen bei uns, hat er angefangen draußen vermehrt aggressives Verhalten zu zeigen. Dazu muss man sagen, dass er meistens und den meisten anderen Menschen und Hunden entspannt begegnet. Eine typische Hundebegegnung läuft so ab, dass er den anderen Hund entdeckt und ihn dann entweder sehr stürmisch zum spielen auffordert oder an ihm vorbei geht und dann noch mal stehen bleibt und hinterherschaut, dann weitergeht. Andere Menschen ignoriert er meistens komplett. Es gibt aber auch Hunde, die mag er einfach nicht (meist sind sie groß, dunkel und/oder plüschig). Auch wenn sich ein Mensch z.B. im Unterholz rumtreibt oder irgendwo über einen Zaun klettert, dann geht er nach vorne (wirft sich bellend in die Leine). Gerade wenn es dämmert zeigt er dieses Verhalten vermehrt anderen Hunden und auch Menschen gegenüber. Wir hatten es auch schon, dass er einen Mann, dem wir schon öfter begegnet sind, auf einmal sehr vehement und nach vorne gehend verbellt hat. Es scheint auch tagesformabhängig zu sein bei ihm. Auch territoriale Aggression und Eifersucht ist bei ihm wohl ein Thema. Kommt ein fremder Hund oder Mensch zu nah ans Grundstück oder (wenn frei laufend) an uns ran, wird er böse. Teilweise reagiert er auch so, wenn fremde Menschen direkt auf ihn bzw. uns zugehen. Man bekommt dabei den Eindruck, dass er es durchaus ernst meint.
Als Basis üben wir aktuell die Leinenführigkeit, der Rückruf folgt noch. Wenn wir irgendwann soweit sind, wird er die erste Zeit auch nur mit Maulkorb frei laufen, bis wir alle möglichen Situationen öfter mal hatten und wissen, dass er sicher kontrollierbar ist.
--- Aktuell ---
Letztes Mal in der Hundeschule war sein aggressives Verhalten Thema, da er dies auch dort gezeigt hatte. Die erste Zeit hat er durch den Zaun hindurch mit dem Hund des Trainers gespielt. Als der Hund dazu geholt wurde, um etwas zu zeigen, reagierte er so wie manchmal auch draußen: Bellend mit gefleschten Zähnen in die Leine werfen, Ohren und Schwanz ganz weit oben. Das war eigentlich ganz gut, so hat der Trainer das mal gesehen und uns gesagt, dass das keine Unsicherheit ist.
Seine Vermutung ist, dass er kurz gesagt dieses Verhaltensmuster gelernt hat: Wenn etwas doof oder schlecht einschätzbar ist, gehe ich nach vorne, der andere trollt sich und ich habe meine Ruhe. Das passt auch zu dem, was wir über seine Vorgeschichte mit den Kindern erfahren haben. Das Ziel ist nun, dass er dieses Verhaltensmuster ablegt und sich ein neues Verhaltensmuster bildet: Wenn etwas doof oder bedrohlich ist, dann gehe ich zu Herrchen und Frauchen. Dort ist Sicherheit und Ruhe, die regeln das für mich.
Nun zur eigentlichen Frage: Wie kann der Weg dorthin aussehen? In unserer Hundeschule wird mit Abbruchsignalen gearbeitet, dort wo sie hingehören. Anschließend wird immer ein erwünschtes Alternativverhalten angeboten und "sich wieder vertragen". Yoshi ist definitiv ein Hund, der auch mal eine klare Ansage und immer klare Regeln und Grenzen braucht. Nur mit Leckerchen kommt man bei ihm nicht weit. Man muss schon was tun, damit er einen auch ernst nimmt. Er testet durchaus Grenzen aus (wie jeder andere Hund und Aussie auch), meist reicht auch ein strenges "Nein" oder dass man ihn anspricht, wenn er gerade im Begriff ist Unsinn zu machen. In Situationen wie der in der Hundeschule letztes Mal, kommt man leider nicht so einfach zu ihm durch.
Uns wurde nun die Benutzung einer Rüttelflasche empfohlen. Wir (bzw. mein Partner) hat das in der Situation in der Hundeschule auch einmal ausprobiert: In dem Moment, in dem er wieder aggressiv nach vorne gehen wollte, hat er sich vor den Hund gestellt und ihn "nach hinten", weg von dem anderen Hund getrieben, mit deutlicher Stimmlage, und als Unterstreichung die Rüttelflasche auf seinen Oberschenkel geschlagen. Das war das erste Mal, dass Yoshi tatsächlich von etwas beeindruckt war in dieser Situation. Anschließend war natürlich direkt Ruhe, stehen bleiben, den Hund nicht anschauen und dann ordentlich knuddeln. Yoshi kann das anscheinend ab, er ist meinem Partner direkt wieder fast auf den Schoß gekrabbelt, keine Spur von Angst. Daraufhin wurde die Situation wiederholt: Hund und Mensch wieder direkt auf meinen Parnter und Yoshi zu, und: nichts. Yoshi blieb ruhig sitzen.
Natürlich fühlt sich dies Vorgehen nicht gut an. Für keinen Beteiligten. Auch der Hundetrainer sagte, dass es natürlich schön wäre, wenn man nicht so vorgehen müsste. Er hat uns im Voraus natürlich auch Alternativen vorgestellt und es wird grundsätzlich alles sehr gut abgesprochen. Wir haben den Eindruck, dass er ein sehr kompetenter, empathischer Trainer ist, der nichts unnötig "hartes" machen würde. Seine Einschätzung bezgl. Yoshi ist, dass wir dieses Verhalten (im Zweifelsfall nach vorne gehen) nicht anders raus bekommen, als wenn wir einmal das Verhaltensmuster komplett platt machen und dann ein neues aufbauen. Das klingt und wirkt hart, aber es erscheint mir alles logisch. Wir tun ihm nicht weh, wir setzen lediglich sehr vehement eine Grenze. Aber auch wenn ich gesehen habe, dass dadurch die Beziehung zwischen uns und unserem Hund nicht beeinträchtigt wird, fühlt es sich trotzdem noch doof an.
Wir sind dabei zu überlegen, ob wir so vorgehen möchten. Die Kosten-Nutzen-Rechnung spricht für sich. Wenn wir das Verhalten nicht rausbekomen, können wir unseren Hund niemals mit gutem Gewissen frei laufen lassen. Wenn wir jetzt ein, zwei oder drei Wochen so stark reagieren und anschließend ein kleines Abbruchsignal ausreicht, um ihn davon abzuhalten auf andere loszugehen, dann kann unser Hund die nächsten 10 bis 14 Jahre Freiheit genießen.
Trotzdem möchte ich vorher erkundigen, ob es nicht doch evtl. andere, "nettere" Wege gibt, die für ihn geeignet sein könnten. Wege, die nicht nur an Leine, sondern auch später im Freilauf greifen, wenn er den anderen Hund oder Mensch zuerst entdeckt. Wenn ich einen "unbefleckten" jungen Hund hätte, würde ich nie so vorgehen. Bei ihm hat sich leider durch seine Vergangenheit viel eingeschliffen. Auch bei einem unsicheren Hund hätte ich bei so einem Vorgehen meine Bedenken. Was habt ihr für Erfahrungen, was haltet ihr von diesem Vorgehen? Ich vermute, dass es bei vielen auf Ablehnung stoßen wird und das kann ich durchaus verstehen.
Bitte entschuldigt, dass es so lang geworden ist. Ich wollte die Situation möglichst gut darstellen, damit ihr einen fundierten Eindruck gewinnen könnt.
Viele Grüße!
Ninki mit Yoshi
ich würde mich über Meinungen und Erfahrungen von euch freuen bzgl. Trainingmethoden bei aggressiv nach vorne gehenden Verhalten. Dazu erstmal ein paar Hintergrundinfos zu unserer Situation:
--- Vorgeschichte ---
Seit ca. 2,5 Monaten lebt ein Mini-Aussie aus dem Tierschutz bei uns. Wir haben ihn Yoshi genannt. Leider hat er in seiner ersten Familie u.a. schlechte Erfahrungen mit Kindern machen müssen. Es gab dort anscheinend keine Regeln im Umgang mit dem Hund, sodass er nirgends seine Ruhe hatte, nirgends „sicher“ vor den Kindern war. Ein Nachbarskind hat ihn anscheinend auch massiv geärgert. Unser Hund hat dort verlernt zu drohen. Es brachte nichts zu beschwichtigen, zu knurren oder die Zähne zu zeigen, allein das Zubeißen half. Er hat wohl wiederholt die Kinder gebissen und auch den Mann der Familie verletzt, bis er dann schlussendlich im Tierheim landete. Da den Kindern anscheinend keine Regeln im Umgang mit dem Hund beigebracht wurden gehen wir davon aus, dass auch unser Hund dort wenig Grenzen und Führung erfahren hat. Wir wissen z.B., dass er mal aufs Sofa durfte, dann wieder nicht.
Er ist ein toller, kluger und gelehriger Hund, bringt aber natürlich auch seine Probleme mit. Wir wurden vom Tierheim „gewarnt“, dass er rotzfrech ist und einer vernünftigen Führung bedarf. Wir haben ihn über einen längeren Zeitraum kennengelernt und ihn auch öfter für ein paar Stunden und auch mal über Nacht mit nach Hause genommen, bevor er endgültig einzogen ist, damit er uns und unsere Wohnung in Ruhe kennenlernen konnte und sich hier sicher fühlt.
Seit seinem Einzug macht sich der Kleine bei uns insgesamt sehr gut. Er hat hier feste Regeln, Ruheplätze auf denen er vor uns absolut seine Ruhe hat, bekommt sein Futter portionsweise aus der Hand gefüttert und wird meist nur gestreichelt, wenn wir ihn zu uns rufen, nicht wenn er ankommt und es einfordert. (Im Tierheim ist er einmal zum Angriff übergegangen, nachder er Streicheleinheiten eingefordert hatte, daher rufen wir ihn jetzt zu uns und gehen auf seine Aufforderungen nur ganz selten ein). Wir sind natürlich mit ihm in der Hundeschule (mehr für uns als für ihn, da er schon ganz viel kann, wir aber noch ganz viel lernen müssen). Der Trainer dort hat uns ebenfalls bestätigt, dass wir da ein sehr selbstbewusstes Kerlchen haben.
Yoshi ist also ein Hund, der gelernt hat nicht zu drohen, sondern direkt nach vorn zu gehen und auch zuzubeißen, wenn er etwas im weitesten Sinne doof findet. Sei es, dass man ihm etwas zu futtern wegnehmen will, Fremde sein Territorium betreten oder er etwas oder jemanden aus irgendeinem Grund als bedrohlich einstuft. Unser Ziel ist, dass unser Hund sich an uns orientiert und lernt, dass wir alles für ihn regeln und er deshalb nicht mehr nach vorne gehen muss. Es wäre auch schön, wenn er lernen könnte wieder zu drohen. Wir möchten ihm größtmögliche Freiheit bieten, sprich Freilauf wann immer es geht. Aber dabei darf er auf keinen Fall andere Menschen oder Hunde erschrecken, anspringen oder gar verletzen. Bisher hat er zwar immer nur im häuslichen Umfeld gebissen, aber klar ist, dass er keine Beißhemmung (mehr) hat. Daher lassen wir ihn noch sicherheitshalber immer angeleint (kurze Leine bzw. Schleppleine mit Maulkorb.
Nach ein paar Wochen bei uns, hat er angefangen draußen vermehrt aggressives Verhalten zu zeigen. Dazu muss man sagen, dass er meistens und den meisten anderen Menschen und Hunden entspannt begegnet. Eine typische Hundebegegnung läuft so ab, dass er den anderen Hund entdeckt und ihn dann entweder sehr stürmisch zum spielen auffordert oder an ihm vorbei geht und dann noch mal stehen bleibt und hinterherschaut, dann weitergeht. Andere Menschen ignoriert er meistens komplett. Es gibt aber auch Hunde, die mag er einfach nicht (meist sind sie groß, dunkel und/oder plüschig). Auch wenn sich ein Mensch z.B. im Unterholz rumtreibt oder irgendwo über einen Zaun klettert, dann geht er nach vorne (wirft sich bellend in die Leine). Gerade wenn es dämmert zeigt er dieses Verhalten vermehrt anderen Hunden und auch Menschen gegenüber. Wir hatten es auch schon, dass er einen Mann, dem wir schon öfter begegnet sind, auf einmal sehr vehement und nach vorne gehend verbellt hat. Es scheint auch tagesformabhängig zu sein bei ihm. Auch territoriale Aggression und Eifersucht ist bei ihm wohl ein Thema. Kommt ein fremder Hund oder Mensch zu nah ans Grundstück oder (wenn frei laufend) an uns ran, wird er böse. Teilweise reagiert er auch so, wenn fremde Menschen direkt auf ihn bzw. uns zugehen. Man bekommt dabei den Eindruck, dass er es durchaus ernst meint.
Als Basis üben wir aktuell die Leinenführigkeit, der Rückruf folgt noch. Wenn wir irgendwann soweit sind, wird er die erste Zeit auch nur mit Maulkorb frei laufen, bis wir alle möglichen Situationen öfter mal hatten und wissen, dass er sicher kontrollierbar ist.
--- Aktuell ---
Letztes Mal in der Hundeschule war sein aggressives Verhalten Thema, da er dies auch dort gezeigt hatte. Die erste Zeit hat er durch den Zaun hindurch mit dem Hund des Trainers gespielt. Als der Hund dazu geholt wurde, um etwas zu zeigen, reagierte er so wie manchmal auch draußen: Bellend mit gefleschten Zähnen in die Leine werfen, Ohren und Schwanz ganz weit oben. Das war eigentlich ganz gut, so hat der Trainer das mal gesehen und uns gesagt, dass das keine Unsicherheit ist.
Seine Vermutung ist, dass er kurz gesagt dieses Verhaltensmuster gelernt hat: Wenn etwas doof oder schlecht einschätzbar ist, gehe ich nach vorne, der andere trollt sich und ich habe meine Ruhe. Das passt auch zu dem, was wir über seine Vorgeschichte mit den Kindern erfahren haben. Das Ziel ist nun, dass er dieses Verhaltensmuster ablegt und sich ein neues Verhaltensmuster bildet: Wenn etwas doof oder bedrohlich ist, dann gehe ich zu Herrchen und Frauchen. Dort ist Sicherheit und Ruhe, die regeln das für mich.
Nun zur eigentlichen Frage: Wie kann der Weg dorthin aussehen? In unserer Hundeschule wird mit Abbruchsignalen gearbeitet, dort wo sie hingehören. Anschließend wird immer ein erwünschtes Alternativverhalten angeboten und "sich wieder vertragen". Yoshi ist definitiv ein Hund, der auch mal eine klare Ansage und immer klare Regeln und Grenzen braucht. Nur mit Leckerchen kommt man bei ihm nicht weit. Man muss schon was tun, damit er einen auch ernst nimmt. Er testet durchaus Grenzen aus (wie jeder andere Hund und Aussie auch), meist reicht auch ein strenges "Nein" oder dass man ihn anspricht, wenn er gerade im Begriff ist Unsinn zu machen. In Situationen wie der in der Hundeschule letztes Mal, kommt man leider nicht so einfach zu ihm durch.
Uns wurde nun die Benutzung einer Rüttelflasche empfohlen. Wir (bzw. mein Partner) hat das in der Situation in der Hundeschule auch einmal ausprobiert: In dem Moment, in dem er wieder aggressiv nach vorne gehen wollte, hat er sich vor den Hund gestellt und ihn "nach hinten", weg von dem anderen Hund getrieben, mit deutlicher Stimmlage, und als Unterstreichung die Rüttelflasche auf seinen Oberschenkel geschlagen. Das war das erste Mal, dass Yoshi tatsächlich von etwas beeindruckt war in dieser Situation. Anschließend war natürlich direkt Ruhe, stehen bleiben, den Hund nicht anschauen und dann ordentlich knuddeln. Yoshi kann das anscheinend ab, er ist meinem Partner direkt wieder fast auf den Schoß gekrabbelt, keine Spur von Angst. Daraufhin wurde die Situation wiederholt: Hund und Mensch wieder direkt auf meinen Parnter und Yoshi zu, und: nichts. Yoshi blieb ruhig sitzen.
Natürlich fühlt sich dies Vorgehen nicht gut an. Für keinen Beteiligten. Auch der Hundetrainer sagte, dass es natürlich schön wäre, wenn man nicht so vorgehen müsste. Er hat uns im Voraus natürlich auch Alternativen vorgestellt und es wird grundsätzlich alles sehr gut abgesprochen. Wir haben den Eindruck, dass er ein sehr kompetenter, empathischer Trainer ist, der nichts unnötig "hartes" machen würde. Seine Einschätzung bezgl. Yoshi ist, dass wir dieses Verhalten (im Zweifelsfall nach vorne gehen) nicht anders raus bekommen, als wenn wir einmal das Verhaltensmuster komplett platt machen und dann ein neues aufbauen. Das klingt und wirkt hart, aber es erscheint mir alles logisch. Wir tun ihm nicht weh, wir setzen lediglich sehr vehement eine Grenze. Aber auch wenn ich gesehen habe, dass dadurch die Beziehung zwischen uns und unserem Hund nicht beeinträchtigt wird, fühlt es sich trotzdem noch doof an.
Wir sind dabei zu überlegen, ob wir so vorgehen möchten. Die Kosten-Nutzen-Rechnung spricht für sich. Wenn wir das Verhalten nicht rausbekomen, können wir unseren Hund niemals mit gutem Gewissen frei laufen lassen. Wenn wir jetzt ein, zwei oder drei Wochen so stark reagieren und anschließend ein kleines Abbruchsignal ausreicht, um ihn davon abzuhalten auf andere loszugehen, dann kann unser Hund die nächsten 10 bis 14 Jahre Freiheit genießen.
Trotzdem möchte ich vorher erkundigen, ob es nicht doch evtl. andere, "nettere" Wege gibt, die für ihn geeignet sein könnten. Wege, die nicht nur an Leine, sondern auch später im Freilauf greifen, wenn er den anderen Hund oder Mensch zuerst entdeckt. Wenn ich einen "unbefleckten" jungen Hund hätte, würde ich nie so vorgehen. Bei ihm hat sich leider durch seine Vergangenheit viel eingeschliffen. Auch bei einem unsicheren Hund hätte ich bei so einem Vorgehen meine Bedenken. Was habt ihr für Erfahrungen, was haltet ihr von diesem Vorgehen? Ich vermute, dass es bei vielen auf Ablehnung stoßen wird und das kann ich durchaus verstehen.
Bitte entschuldigt, dass es so lang geworden ist. Ich wollte die Situation möglichst gut darstellen, damit ihr einen fundierten Eindruck gewinnen könnt.
Viele Grüße!
Ninki mit Yoshi
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