Ich seh es ähnlich wie Julia - auch bzgl. Ruhe Kontra Auslastung. Es gibt kein Kontra! Wenn man oft auf "Welpen sollen auch mal zur Ruhe kommen" hinweist, dann nur weil das in diesem Thread grad offensichtlich Thema ist. Seltsamerweiße zieht sich dieses Thema nun mal wie ein roter Faden durch das Forum - bis jetzt war noch NIE ein Thema wo man den Eindruck hatte, der verzweiflte Fragestelle macht zuwenig wenn ein Welpe gar so überdreht ist.
Oder die Hütehunde die im Tierschutz abgegeben werden... Sehr, sehr selten kommen da unausgelastete Hunde, meistens sind die überfordert und fallen erstmal in Tiefschlaf. Überforderung entsteht ja nicht durch schönes Spaziergehen, sondern manchmal durch permanentes Einwirken durch seine Leute, permanente Unruhe durch Kinder, Umweltreize, nicht wesensgerechtem Umfeld etc.
Darum finde ich auch teilweiße schwierig wenn im Foren so konkrete Tipps zu wirklich schwerwiegenden Probleme gegeben werden. Im Prinzip geben fremde Menschen Tipps an wiederrrum ihnen fremde Menschen. Man kennt sich nicht und sollte dadruch Ratschläge mit der nötigen Skepsis betrachten. Wer weiß schon wie gut es wirklich klappt bei dem Tippgeber? Niemand kennt die Hunde tatsächlich, Papier ist geduldig - das sollte man nie vergessen. Und dazu kommt, jeder tickt anders! Was bei meiner Shiva gut funktioniert, funktioniert bei Emma null!
Von daher rate ich immer zu einem Trainer bei einem schwerwiegenden Thema. In Foren liest man auch viel heiße Luft von Leuten mit Profilneurosen, wo letztendlich nicht alles soooo toll läuft wie es dargestellt wird. Und nein, ich meine niemand speziellen - sondern rede von einem allgemeinen Phänomen in Foren. Klar, man ist anonym und kann sich so darstellen wie es einem gefällt.
Und selbst wenn die Antworten ehrlich sind, es kann einfach nach hinten losgehen wenn man das Hund/Mensch Team nie persönlich gesehen hat. letztendlich macht man sich ein Bild von etwas das von jemand subjektiv erzählt wurde - das dies oft, ohne böse Absicht, nicht einer Realität entspricht, müsse einem ja klar sein. Wir wissen wir schwierig es ist das Gesagtes bei vertrauten Menschen richtig ankommt, bei Geschriebenen von fremden Leuten ist dies nochmal viel schwieriger.
Dazu kommt das vielleicht der eine mit gewissen Macken leben kann, für den anderen ein absolutes No-Go ist. Doch vielleicht führen die Tipps genau zu diesen No-Go's! Im Prinzip ist mir egal wie jemand seinen Hund erzieht, solange dieser mir oder Emma im Freilauf oder Öffentlichkeit nicht am Senkel geht UND die Konsequenzen getragen werden wenn man es doch wieder besseren Wissen und der Möglichkeit eines Hundetrainers den Hund verbockt hat.
Doch was passiert nur allzuoft? Die Hunde - komplett gaga, aufgedreht und kommt gar nicht mehr zu Ruhe - landet im Tierschutz, wo sich Ehrenamtliche dann damit rumschlagen müssen. DIE müssen dann trainerieren, die müssen schauen wo sie das Geld für die Versorgung aufbringen, DIE haben schlaflose Nächte wegen diese Hunde... Diejenigen die es verbockt haben, die haben sich dem Problem dann mal schnell entledigt und DAS macht mich wütend!
Was auch zu den - meiner Ansicht nach - inzwischen abgelutschte Begriff "Bauchgefühl" führt. Ja, Bauchgefühl ist wichtig - doch wir haben auch noch ein Hirn. Also auch hier - kein Kontra, sondern ein Miteinander. Ich kenne Leute die sich auf "Bauchgefühl" ausreden und den selben Mist immer wieder machen. Weiterbildung, Reflektion und eingestehen von Fehler bzw. ein probieren von anderen Methoden führt GEMEINSAM mit Bauchgefühl zu einem guten Weg.
Bei Menschen die nicht fähig sind einzugestehen das auch sie schon mal die Richtung geändert haben, fehlt die Fähigkeit zu reflektieren und eine notwendige Offenheit. Für mich sind solche Menschen weder glaubwürdig noch gute Ratgeber. Natürlich bringt es nix auf jeden neumodernen Zug aufzuspringen und irgendwelche Guru's zu folgen ist genauso Schmarr'n. Extreme sind nie gut.
Jeder Hund ist anders, jeder Mensch ist anders - was bei dem einen funktioniert, führt beim anderen zum Disaster. Dazu kommen noch das viele Lebensumstände auch anders sind. Eine Bekannte von mir hat exakt die selbse Auslastung für ihren Hund wie ich - trotzdem ist deren Hund komplett überdreht und kommt nicht zu Ruhe. Ja, einfach weil wenn ich nach Hause komme, dann ist es ruhig. Wenn sie nach Hause kommt dann springen da oft die Kinder ihrer Schwester rum, die permanent auf den Hund einwirken.
Das wird oft vergessen - man kann von den eigenen Lebensumstände nicht auf andere schließen. Ich finde nach wie vor das der Hund Ruhe lernt sehr, sehr wichtig! Das heißt ja nicht das man streng nach Plan den Hund zur Ruhe zwingen muss, das sagt aber auch keiner. Doch wenn sich der Hund damit schwer tut, doch ja, dann muss man den auch mal runterholen. Viele meinen ja sie mussten das dem Hund nie lernen! Ich glaub eher der Hund hat das nebenbei "gelernt".
Bei mir war halt so, wenn wir zuhause waren dann hab ich Emmy nicht beachtet und gearbeitet. Das ist auch eine Form von lernen, das einfach nix mehr passiert. Wenn dann permanent auf den Hund eingewirkt wird, dann lernt der Hund sicher nicht Ruhe und das meinen auch viele mit "Ruhe" lernen. Im Prinzip gibt man vieles den Hund einfach im Alltag mit - manche Hunde brauchen da länger und ich finds keine Schande wenn ein Hund Ruhe lernen muss bzw. eher der Mensch lernen muss den süssen Welpi auch mal in Ruhe zu lassen (ich glaub letztes ist eher ein Problem).
Also ich muss ehrlich sagen, als Kind bin ich in einem großen Bekanntenkreis mit vielen Kindern aufgewachsen und wir haben getobt, gespielt und tralala - war super! Doch genauso haben wir überdreht

genauso mussten wir mal gestoppt werden (bzw. wurden wir dann einfach nach draussen befördert) ABER genauso gab es halt dann wieder Zeiten wo nix - goar nix passiert ist. Verregnete Sonntage wo ich gelesen habe und faul auf der Sofa rumgehangen bin. Meine Eltern hätten mir den Vogel gezeigt wenn ich rumgejammert hätte, das wir jetzt Schwimmen fahren müssen etc. Auf die Idee wäre ich gar nicht gekommen!
Und genauso halte ich es mit meinen Hunden - toben, spielen - bremsen wenn der Jungspund überdreht und Tage wo nix passiert und man einfach mal chillt (DAS ist für mich Ruhe lernen). Und es gab auch immer Kinder die musste man dann schon früher bremsen und auch mal zum Still sitzen verdonnern, damit sie wieder runterkamen. Doch mei, da hat jetzt auch keiner ein großes Thema drauss gemacht.
ich halte halt nix von dem ständigen einwirken, ständigen Reizen ausgesetzt sein... Ein gesundes Mittelmass und ein Gespür für den eigenen Hund auch mal das eigenen Verhalten anzupassen und reflektieren ist für mich der richtige Weg. Und es keine Schande wenn man das Gespür (das kommt mit der Zeit) noch nicht hat und sich lieber in Groben nach ein paar allgemeine Regeln orientiert, die sich als gut erwiesen haben.
Find ich persönlich 1000x besser als die Leute, die nicht fähig sind ihre Fehler zuzugeben, sich zu informieren, als diejenigen die meinen sie haben von Anfang bis Ende alles ALLEINE perfekt gemacht, sind schon mit dem überdrüberperfektenhundversand auf die Welt gekommen und haben sowieso immer alles richtig gemacht. Jeder fängt mal an und darüber hinaus sieht die Realität sieht meistens anders aus...