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Unsere Diagnosereise

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31 Dez 2018
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#1
Ich möchte euch gerne an unserer Diagnosereise mit unserer Hündin Amy teilhaben lassen.
Amy ist 8 Jahre alt und hat seit Januar plötzlich rapide Muskulatur abgebaut. Zuerst war es an der Vorderhand sichtbar und tastbar – zum Beispiel waren die Schulterblätter auf einmal sehr deutlich zu fühlen. Anfangs wurde das von Tierärzten eher als normales Geschehen eingeordnet. Der wichtigste Hinweis darauf, dass doch eine ernsthafte Erkrankung dahintersteckt, war schließlich ein unterschiedlicher Muskelumfang an der Hinterhand.

Wir haben eine sehr umfangreiche Diagnostik durchführen lassen: Ganzkörper-CT mit und ohne Kontrastmittel, Röntgen, EMG-Messung, Muskelbiopsie, Muskel-Nerv-Biopsie und Gelenkspunktion. Natürlich wurde vorher auch das Blut untersucht, inklusive Tests auf Reisekrankheiten. Auffällig waren lediglich ein Vitamin-B12-Mangel, ein erniedrigter T4-Wert und leicht erniedrigtes Phosphat.

Die Muskel-Nerv-Biopsie hat schließlich ergeben, dass Amy an einer komplexen Myopathie und Neuropathie leidet. Aktuell befindet sie sich in Behandlung mit Immunsuppressiva. Obwohl die Erkrankung wirklich ernst zu nehmen ist, sagen viele Tierärzte noch immer, dass man ihr äußerlich kaum etwas anmerkt. Wir haben sehr früh reagiert – und trotzdem nehmen ihre Reflexe inzwischen weiter ab. Nun hoffen wir, ein Medikament zu finden, das gut anschlägt.

Ich kenne inzwischen einen weiteren Aussie, der aktuell betroffen ist. Deshalb möchte ich andere Hundehalter wirklich ermutigen, solche Symptome ernst zu nehmen: wenn ein Hund plötzlich Muskulatur abbaut, nicht mehr weit laufen möchte oder nach einer gewissen Strecke sichtbar die Freude an Bewegung verliert.

Besonders nachdenklich gemacht hat uns die Aussage des Pathologen, der die Muskel-Nerv-Biopsie untersucht hat. Er schrieb, dass zunehmend Biopsien von Aussies eingeschickt werden – auch von jungen Hunden –, die dieses spezielle Bild einer entzündeten Muskulatur und eines demyelinisierenden bzw. degenerierenden Nervs zeigen.
Bei Amy geht die Erkrankung ebenfalls noch auf die Nerven der Augen, auf die Atemmuskulatur und auf das Herz, dies ist aber nicht immer der Fall.
Wir sind sehr dankbar, dass wir eine Krankenversicherung abgeschlossen haben. Ohne sie wären die umfangreiche Diagnostik und die bisherigen Behandlungen kaum möglich gewesen.
Vielleicht hilft unser Beitrag anderen dabei, früh hinzuschauen und Veränderungen ernst zu nehmen.
Die Diagnose heißt Fibre-depleting neuropathy, partially inflammatory, multifocal, chronic,
und demyelinisiernde Polyneuropathie
 

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6 Feb 2023
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#2
Hi Sawo
so ( einfache) Diagnosen wie IGS (Imerslund-Gräsbeck-Syndrom) habt ihr ausgeschlossen? Bei B12 Mangel "klingelt" es nämlich bei mir sofort in diese Richtung. Eure Hündin ist zwar eigentlich schon zu alt, um erstmals Symptome zu zeigen, ich weiß aber von einem Border (IGS komt aber auch beim Aussie vor) bei dem es erst mit fünf diagnostiziert wurde. Der baute in ähnlicher Weise ab, vorher war er einfach immer etwas zu schlank (trotz wirklich hochkalorischem Futter und erhöhten Futtermengen) aber fit, aus irgendwelchen Gründen war die Erkrankung vorher anscheinend gut kompensiert.
Danke jedenfalls für Deinen Bericht. Welche Behandlung bekommt sie denn jetzt? Und falls ich noch etwas fragen darf, welche Formen der Parasitenprophylaxe habt ihr bislang verwendet? CIDP ist mir aus der Humanmedizin ein Begriff und die Prognose ist leider meist bescheiden. Ich wünsche Euch trotzdem alles Gute und vor allem eine schubfreie Zeit für Amy. Liebe Grüße vom OOPS
 
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31 Dez 2018
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#3
Hi Oops, vielen Dank für deine liebe Nachricht.
Tatsächlich haben wir direkt im Februar angefangen Vitamin B12 zu spritzen, zu dem Zeitpunkt waren noch keine neurologischen Probleme sichtbar und gute Reflexe zu beobachten. Mittlerweile sind wir bei mittelgradig verminderten Reflexen.
IGS wurde jedoch nicht aktiv ausgeschlossen, wobei sie nie zu dünn und eher ein Flummi war, als ruhig. Durchfall haben wir viel gehabt in den ersten Jahren, aber da lag der VitB12 im unteren Grenzbereich, jetzt war er viel zu niedrig.
Ich bespreche das nochmal, ob die Testung sinnvoll ist.
Wenn du weitere Ideen hast, gerne her damit.

Sie bekommt seit Anfang April Prednisolon (4mg/2mg und jetzt 1mg/kg) und nun steigen wir auf Azathioprin um und hoffen sehr, dass wir beim Bullshitbingo nicht zu denschlimmen Nebenwirkungen gehören, die zu 25% auftreten.

Amy ist so sensibel, dass wir sehr viel verschiedene Prophylaxen durchhaben. Erst Advantix, das führte aber zu Hautproblemen, dann Serestro, davon bekam sie neurologische Probleme, dann haben wir ein halbes Jahr lang verschiedene Dinge versucht und sind damit gescheitert (Schwarzkümmelöl, Zeckenshirt und irgendein Wundermittel das auch für die Tonne war) und seitdem Scalibor. Die ersten Jahre habe ich sie regelmäßig entwurmt, aber da die Wurmkuren zu Durchfall führten, sende ich seit Jahren regelmäßig Kot zur Uni Giessen ein. Auf Vektorkrankheiten wurde sie nochmal getestet vor der großen Diagnostik. Ich habe nun aufgrund der veränderten Atmung zur Sicherheit auch zweimal auf Lungenwürmer testen lassen. Aber bis auf eine leichte Verschattung, die wohl altersgemäß sein kann, gab es keinen Hinweis auf Lungenwürmer.
 
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6 Feb 2023
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#4
Danke für Deine schnelle Rückmeldung. Ich habe nach den Prophylaxen gefragt, weil cemische Einflüsse ja im Verdacht stehen, solche Dinge auszulösen, die ja häufig als autoimmunvermittelt eingestuft werden. Wenn B12 parenteral verabreicht wird (also gespritzt wird) hat man das zackig im Griff. Wenn die Gabe per Os erfolgt natürlich nicht. Entsprechend der jetzt laufenden Substitution kann man schon absehen, ob ein Test Sinn ergibt. In dem Fall wohl leider nicht... Wäre halt eine einfache Lösung gewesen, Habt ihr mal familiär geforscht, ob es da ähnliche Fälle gegeben hat? Wurfgeschwister, Geschwister der Eltern oder diese selbst, sowie alles was man über die Großeltern herausfinden kann. Prima, dass auch Angiostrongylose ausgeschlossen wurde. Wobei seit der Blutest da ist, würde ich den für einen hundertprozentigen Ausschlus bevorzugen, wenn man etwas auf der Lunge sieht. Denn auch der Kotnachweis ist tunlichst mit nicht zu lang gelagertem Kot durchzuführen. Aber daran wird die Misere bei der Hündin nicht liegen.
Erst Prednisolon und und jetzt die Bombe. Ich drücke Euch ganz fest die Daumen. Zum Hauptproblem wird für Euch jetzt wohl die Vermeidung von opportunistischen Infekten werden, wenn das Immunsystem so dauerhaft runtergefahren wird..Ist sie Einzelhund oer hat sie noch Artgenossen in der Familie? Denn ein wenig hündisches Glücklichsein, wäre ja auch nicht verkehrt, wenn sie darauf Wert legt, gibt ja auch Hunde die auf Artgenossen gut verzichten können und für die Menschen einen prima Ersatz darstellen. Einzige Idee, die ich da noch habe ist sich einen richtig fitten tierärztlichen Ernährungsexperten ins Bott zu holen, der das Darmimmunsystem in Balance bekommt. Ansonsten macht Euch zusammen einfach so gut es geht eine schöne Zeit mit Amy. Sicher hat sie an irgendwelchen Sachen besonders viel Spaß und die würde ich ihr gönnen, so oft es geht. Das ist eine unschöne Sache, aber wirklich ein Glück, dass ihr eine Kraneknvesicherung habt und Euch diese nicht gekündigt wurde. Alles Gute weiterhin! Und wenn Du magst halt uns mal af dem Laufenden. Herzliche Grüße vom OOPS
 
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31 Dez 2018
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#5
Hey Oops,
Danke für deine ganzen Ideen und den Input.
Laut Züchter ist so etwas bei keinem Hund aus der Linie aufgetreten, der Vater war auch in der Hand des Züchters. Wir haben Amy aber aus zweiter Hand, der Kontakt zum Züchter ist leider eher kurz und knapp, da die Zucht eingestellt wurde.

Ja, ich habe gestern zum IGS recherchiert, das scheidet wohl leider aus, wäre ja traumhaft gewesen, das Teufelszeug wieder weglassen zu können. Wir sind in der Tierklinik Lüneburg und ich habe den Eindruck, dass sie sich wirklich gut auskennen und auch gut diagnostiziert haben.
Ja, vor Infekten habe ich wirklich Sorge. Da sie durch das Prednisolon alles fressen möchte, das nicht niet und Nagelfest ist (sie hat vor drei Wochen Rattengift gefunden und wird auch zum Kotfresser), trägt sie zur Brille (Schäferhundkeratitis ) nun auch Mauli mit Fressschutz, auch da ich wirklich Sorge vor Infektionen habe.

Ja, wir haben seit letztem Sommer noch einen 4 jährigen Rüden, vor der Erkrankung haben sie gerade begonnen schön miteinander zu spielen, nun ist es ihr zuviel.

Eine Fachtierärztin für Ernährung ist im Boot und wir sind nur noch am Futter machen, da sie auf die Medikamente sehr empfindlich mit dem Magen reagiert und wir versuchen, so es geht, alles mit pflanzlichen Dingen aufzufangen, da der Tierarzt ungerne auf Pantoprazol gehen möchte.
Sobald die Medikation sich eingependelt hat, werden wir bei ihr nochmal alles durchrechnen lassen und schauen, was wir vereinfachen können.

Ein Bollerwagen hilft uns an warmen Tagen aktuell gut durch die Zeit, ich hoffe, dass sich die Lunge stabilisiert. In einem Röntgen war eine Bullae zu sehen, damit ist ja auch nicht zu spaßen.

Danke für die lieben Wünsche!
Liebe Grüße
SaWo
 
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6 Feb 2023
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#6
Hi SaWo, auch wenn sie keine Lust mehr hat mit ihrem Kumpel zu spielen, so ist er doch da und sie nicht ganz allein und Kontaktliegen ist auch etwas Feines. Bude kühlen so gut es geht und Luftfeuchtigkeit erhöhen, das schafft Erleichterung. Falls sie Wasser mag, vielleicht auch eine Möglichkeit zum Schwimmen suchen oder wenigstens ne Wanne zum Wasser planschen bereitstellen. Ja, dieser Dauerappettit durchs Cortison ist echt doof. Gegen Kotfressen hat mein Urgroßvater (damals gab es für Hunde so gut wie keine Veterinärmedizin und nur Hausmittel, Fertigfutter gab es auch noch nicht) früher Limburger (ohne Kümmel) in völlig überreifem Zustand gefüttert, hat immer geholfen (ich hatte sebst allerdings keinen Kotfresser, da die so grausiges Zeug bekommen wie grünen Pansen, Netz- oder Labmagen, ist der Appetit auf Stinkekram anscheinend gemäßigt) aber bei einem so magen-darmempfindlichen Wesen würde ich es nicht empfehlen wollen. Bevor ich allerdings da medikamentös vorgehe, wär bei mir der Gammel Limburger dran. Ansonsten scheint Amy alles mitgenommen zu haben, was man an Erkrankungen haben kann. Schäferhundkeratitis ist beim Aussie verdammt selten. Wenn Du keine infos vom Züchter bekommst, dann gibt doch mal ein Inserat auf zur Wurfgeschwistersuche. Was ich auch machen würde, wäre mal nach der Abstammung der Eltern suchen, kannst Du ja hier bei Aussie.de tun und mir mal den Inzuchtkoeffizienten anschauen. Möglicherweise erklärt sich dadurch auch etwas. Wir drücken die Daumen für eine Besserung. Liebe Grüße vom OOPS samt Crew
 
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15 Jun 2008
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#7
Ich selbst leide unter CIDP und lebe seit jetzt 16 Jahren mit dem Medikament Gabapentin in mittlerweile höchster Dosierung. Zusätzlich bekomme ich für die Schmerzen Amitriptylin. Nebenwirkung von Gabapentin ist u.a. leider Gewichtszunahme, was für die Mobilitätseinschränkung durch das CIDP selbst, natürlich echt ätzend ist. Jeder Schritt schmerzt und nachts kommt hinzu, dass man "genug Zeit hat", sich auch noch so richtig auf das Kribbeln und Brennen konzentrieren zu können :(

Jedenfalls habe ich schon mal mitbekommen, dass das Gabapentin bei Hunden auch bei Epilepsie zuweilen eingesetzt wird. Da es offensichtlich bei Hunden angewandt werden kann und bei mir zB bei CIDP, als auch bei sonstigen neurologischen Episoden helfen kann, wäre es ja vielleicht eine Option für euch? Vielleicht kannst du mal recherchieren und es mit deinem TA absprechen. Ansonsten sollte bei dem unausweichlich damit einhergehenden Muskelschwund regelmäßige Physio hilfreich sein.
 
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31 Dez 2018
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#8
Hi Oops, ja das stimmt, der Kontakt mit ihrem Kumpel tut ihr total gut, sie wachsen immer weiter zusammen.

Ja und Bude kühlen geht zum Glück bei uns seit diesem Jahr, das hat sie richtig gut geplant, dass ich es ihr drinnen gut erträglich einstellen kann.

Wir hoffen, dass wir das Cortison in einer oder Zwei Wochen runterfahren können und ihr Dauerhunger nachlässt, wobei ich gerade nicht weiss, ob ich den Mauli einfach als Schutz vor Infektionen noch eine Weile drauflassen würden.

Die Idee mit dem Inzuchtkoeffizienten ist sehr cool, dazu muss ich mich mal belesen :)

Heute gab es ein Bad und dann eine Behandlung mit dem Blower, das wirkt zum Sommer hin ja immer wahre Wunder, wenn die alte Unterwolle dann mal richtig weg ist und die Luft wieder besser zirkuliert.

Vielen Dank für deine Tipps und liebe Grüße
Sawo
 
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31 Dez 2018
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#9
Liebe Indiana,
Lieben Dank für deine Erfahrungen!
Das deckt sich sehr mit dem, wie wir es bei Amy Wahrnehmen. Der Neurologe meinte, dass sie eigentlich keine starken Schmerzen haben sollte, aber wir sind der Meinung, dass ihr Gabapentin gut hilft und heben es auch in starker Dosierung. Das hat ihr Wohlbefinden deutlich verbessert!
Sie hat tatsächlich vor einem Jahr angefangen, sich die Extremitäten nach dem Gassi intensiver zu schlecken und vor ein paar Monaten hat sie mit den Zähnen geknirscht, wenn sie sich hingelegt hat. Ich war damit bei der Physio,...aber alle meinten, dass alles okay sei.
Nun mit dem Gaba macht sie es aber nicht mehr.

Wir durften nun mit Physio beginnen, da erst die Entzündung an den Nervenenden gemindert werden sollte und machen Cavalettitraining und versuchen auch die Gassirunden langsam wieder etwas größer werden zu lassen. Haben aber zur Sicherheit immer einen Bollerwagen dabei, damit sie mal Pause machen kann.

Ansonsten hab ich das Gefühl, dass ihr wirklich kälteres Klima (wie Oops schon meinte ).

Vielen Dank für deinen Input! Liebe Grüße und dir ganz viel Durchhaltekraft, Sawo
 

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