Aussie-Züchter von Arbeits- oder Mischlinien gesucht

Dabei
3 Jun 2020
Beiträge
3
Alter
27
#1
Hallo zusammen :)

ich hoffe ich stelle keine bereits hundertfach diskutierte Frage, aber bei der Suche im Forum bin ich bisher noch nicht auf genau die Antwort gestoßen, die ich suche..
Ich bin aktuell auf der Suche nach einem guten und seriösen Aussie-Züchter. Unseren ersten Hund haben wir aus dem Tierheim, daher ist das Thema Neuland für mich.

Wir suchen in allererster Linie einfach einen gesunden Aussie als Familienhund. Da wir uns im nächsten Jahr ein paar Ziegen, Hühner und vielleicht auch Schafe zulegen wollen, tendiere ich aktuell zu einer Misch- oder vielleicht auch Arbeitslinie. Die sagen mir optisch sogar auch etwas mehr zu mit ihrem nicht ganz so plüschigen Fell. Aber das wäre schon meine erste Frage: Wäre ein Aussie aus einer reinen Arbeitslinie bei uns unterfordert? Kann auch ein Aussie aus Showlinie uns beim Hüten einer kleinen Herde genauso gut assistieren (meine Erfahrung mit dem Hund meiner Eltern, einem Mischling mit hohem Aussie-Anteil, hat gezeigt, dass der absolut kein Interesse am Hüten hatte)?

Und dann meine größte Frage: Wie finde ich den richtigen Züchter?
Man hört ja immer so viele Horrorstories von reinen "Vermehrern" oder Leuten, deren Hund vom scheinbar seriösen Züchter in jungen Jahren an einem epileptischen Anfall oder sonstwas stirbt, und daher bin ich aktuell etwas verunsichert. Hier im Forum sind ja einige Züchter unterwegs, vielleicht könnt ihr mir ja sagen, ob es wirklich so viele "schwarze Schafe" gibt wie es manchmal dargestellt wird, oder ob ich mir da unnötige Sorgen mache?
Die grundlegenden Punkte, woran man einen seriösen Züchter erkennt (Hündin wird nicht zu jung oder zu oft gedeckt und wirkt beim Besuch gesund, der Züchter schwatzt einem keinen Hund auf, sondern steht beratend zur Seite etc.) sind mir klar, aber reicht es aus, wenn man auf diese Punkte achtet? Es ist ja so, dass man online nicht unbedingt Bewertungen oder Erfahrungsberichte zu verschiedenen Züchtern findet, was für mich als Newbie ohne Connections zu irgendwelchen Züchtern echt hilfreich wäre... Mir geht es nicht unbedingt darum, den "perfekten" Aussie mit den besten Hüteveranlagungen und absoluter Leichtführigkeit zu finden (das ist vermutlich einfach Glückssache), sondern einfach einen mit möglichst hoher Wahrscheinlichkeit gesunden Hund.

Lange Rede, kurzer Sinn: ich würde mich sehr freuen, wenn ihr eure Erfahrungen mit mir teilen würdet und mir vielleicht ein paar nützliche Tipps geben könntet.
Vielleicht habt ihr ja auch konkrete Züchter-Empfehlungen für mich, am liebsten in BaWü oder Hessen, der idealerweise in diesem Jahr oder Anfang 2021 noch einen Wurf plant.

Viele Grüße aus dem Odenwald,
Lina
 
Dabei
3 Jun 2020
Beiträge
3
Alter
27
#3
Hallo Aussiewolf,
vielen lieben Dank für die Verweise auf die zwei anderen Threads, gerade bei dem zweiten werden einige Punkte mehr angesprochen als ich sie bisher so gelesen habe. Wenn mein Thread wegen Dopplungen des Themas nicht so gern gesehen ist, dann seid mir bitte nicht böse und löscht ihn einfach, den zweiten verklinkten Thread habe ich vorhin bei meiner Suche komplett übersehen., tut mir Leid..

Was ich mich aber immer noch frage ist, wie hoch das Risiko ist an einen nur auf den ersten Blick seriös erscheinenden Züchter zu geraten, selbst wenn man all diese Ratschläge und Tipps im Hinterkopf hat. Kann mir hierzu vielleicht jemand etwas zur aktuellen Situation in Deutschland sagen? Gibt es da zurzeit viele "schwarze Schafe", oder kann ich (natürlich ganz vereinfacht gesagt) beispielsweise auf der Website des VDH nach Züchtern suchen, mir deren Website anschauen, diejenigen, die mir zusagen und auch tatsächlich Würfe planen, kontaktieren und mir dann vor Ort anschauen, ob wirklich alles so ist wie vom Züchter beschrieben und wie es laut eurer super hilfreichen Checkliste sein soll? Laufe ich dann immer noch Gefahr einen potenziell kranken Hund aus einer Zuchtstätte zu kaufen, die man besser nicht unterstützen sollte? Oder bin ich einfach paranoid? :D

Liebe Grüße,
Lina
 
Dabei
15 Jun 2008
Beiträge
463
#4
Du läufst immer Gefahr, einen potenziell kranken Hund egal welcher Rasse, bei egal welchem Züchter zu kaufen. Denn die gesündesten Elterntiere und der sorgfältigste Züchter, können keine genetisch gesunden Tiere garantieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass es so ist, steigt zwar damit merklich, aber es bleibt eine große Lücke dessen, was vorhersehbar ist. Jedes Lebewesen trägt 50:50 genetisches Material von beiden Eltern in sich. So natürlich auch der Welpe. Viele Krankheiten vererben sich rezessiv, viele dazu noch polygen. Soll heißen, dass Mutter oder Vater ein betroffenes Allel des Defekts X (zB HD - hier wird ein polygener, rezessiver Erbgang unterstellt) in sich tragen können, aber das gesunde/nicht betroffene Allel dominant ist und den Defekt nicht erkennen lässt - er ist nicht "ausgeprägt". Man spricht hier vom Genotyp (was trägt der Hund in sich) und vom Phänotyp (was zeigt der Hund). Treffen zwei solcher betroffener Allele zusammen im Welpen (die Chancen bei zwei Träger Eltern stehen 50:50), prägt der Welpen den Defekt aus. Es gibt zwar mittlerweile für einige Gen-Defekte (Krankheiten wie CEA, DM etc) oder -Mutationen (eine Mutation wäre zB NBT oder die Farbe Merle) aufschlussreiche Gentests, aber noch lange nicht auf alles. So zB nicht auf HD/ED, Krebs, Allergien, Epilepsie, div. Augenerkrankungen. Diese "Wissenslücke" versucht ein sachkundiger Züchter durch Erfahrung und Pedigreerecherchen so weit wie möglich zu schließen, was natürlich nicht zu 100% gelingen kann. Wir wären ja Gott, könnten wir das alles durchschauen und wissen. Mit viel Geduld bringt uns die Wissenschaft immer wieder Schrittchen für Schrittchen weiter, aber bis dahin ist noch ganz arg viel Wasser den Rhein runter geflossen und ganz viele Hunde sind an unerkannt in ihnen schlummernden genetischen Defekten erkrankt, bzw. haben sie weiter vererbt. Vermutlich ist dir das ohnehin bekannt, aber man kann das nicht oft genug betonen, um auch die Erwartungshaltung an das überhaupt Mögliche, realistisch zu halten.

Nun zur Checkliste - ich bin Züchter und denke auch, dass ich einer von der seriösen Sorte bin. Dennoch kann ich nicht jedem der Punkte in dieser Liste vollends zustimmen. Vielleicht sollte ich das auch im entsprechenden Post mal anmerken, aber bin jetzt grade so nochmal drüber gestolpert - daher also hier ... ^^

... MDR1 -/- werden nicht verpaart ...
Der MDR1 betroffene Hund (-/-) "produziert" mit einem MDR1 freien (+/+) Partner zu 100% Träger (+/-) Hunde. Diese Hunde sollten aus absoluten Vorsichtsgründen zwar nur mit wohldosierten, MDR1 relevanten Medikamenten behandelt werden, aber das sollten mEn alle Aussies uä sensible Rassen. Es macht somit keinen Sinn, einen MDR1 -/- Hund bei sonst guter Qualität aus der Zucht zu nehmen. Auch als Züchter versuche ich natürlich möglichst freie Hunde zur Zucht einzusetzen, um mich nicht unnötig weiter einzuschränken, aber andere Baustellen gehen da einfach vor. Denn wer sich nur auf MDR1 fokussiert, den beißen am Ende die Hunde. Ähnlich verhält es sich beispielsweise auch mit blauen Augen ua Merkmalen, auf die man sich zu sehr einschießt ...

... haben auch die "Rentner", ausgediente Zuchthunde werden nicht einfach abgeschoben/verkauft wenn sie nicht mehr "gebraucht" werden ...
Es hat nicht immer etwas mit abschieben oder ausgedient sein zu tun, wenn ein Züchter sich von Zuchthunden trennt. Oftmals hat es etwas mit Rudelunverträglichkeiten zu tun. Und wer es noch nie erlebt hat, wie sich zwei Hündinnen verletzend beißen, möchte bitte an dieser Stelle einfach schweigen. Ich musste mich schon von einem meiner liebsten Mädels trennen, da kein Zusammenleben mehr ohne dauerhaftes trennen - und das ist schlichtweg nicht meine Haltungsform zu Hause - möglich war. Aus züchterischer Sicht vernünftig gewesen wäre es, sich von der mit 3 Würfen tatsächlich "ausgedienten" und kastrierten Kontrahentin zu trennen. Weil ich die andere aber besser vermitteln konnte, ist es die mit bislang nur einem Wurf noch theoretisch "nutzungsfähige" Hündin geworden. Will sagen - statt pauschal züchterische Entscheidungen zu verurteilen, sollte man mehr hinterfragen und offen für andere Entscheidungen sein. Der Mensch führt gerne schnell das Wohl der Tiere an, wenn es im Grunde doch nur um das eigene geht. Hunde sind Opportunisten - wo wir noch trauern, genießen sie längst die Vorzüge ihres neuen Lebens.

... nicht mehr als 3 Würfe im Leben ...
Ich bin ebenfalls kein Freund von mehr Würfen, haben meine auch nicht. Insbesondere dann nicht, wenn es immer ordentliche Hausnummern waren. Aber wenn eine Hündin zB sehr kleine Würfe hatte, dann wird ihr bei ansonsten guter Verfassung, auch ein vierter Wurf nicht schaden. Natürlich muss man hinterfragen - stimmt etwas mit der Hündin nicht, wenn sie immer nur zwei, drei Welpen hat; will ich das in meiner Zucht, wenn die Rasse durchschnittlich bei einer Wurfstärke von 7-8 liegt? Aber man sollte natürlich auch fragen - gab es hier vielleicht TK Besamungen, die oftmals nur kleine Wurfstärken bringen. Oder stimmt die Spermienqualität eines älteren Rüden nicht mehr so ganz. Oder fehlt noch die Erfahrung des optimalen Deckzeitpunkts, oder, oder ... Auch hier wieder - weg von den Pauschalisierungen.

Abschließend möchte ich noch sagen, dass ich den Züchter als seriös bezeichne, der weiß was er tut (sich nicht nur am MDR1-Defekt festklammert), seinen Rassestandard runter beten kann, ein erklärtes und im Idealfall auch erkennbares Zuchtziel hat, seine Welpenkäufer über rassespezifische Eigenschaften und die der eigenen Hunde, sowie vorhandene Risiken aufklärt, eine gute Aufzucht betreibt und der seine (Zucht-)Hunde gut behandelt. Zu dieser guten Behandlung kann auch eine Trennung gehören, welche viele Hundefans als so verwerflich ansehen. Dies kann eine sehr rationale, aber aus den genannten Gründen auch sehr fürsorgliche Entscheidung zum Wohle einzelner Hunde, wie auch des ganzen Rudels sein.
Die Checkliste ist ein guter Anhaltspunkt, aber lass auch noch etwas gesunden Menschenverstand und das Bauchgefühl sprechen. Wenn du dann noch ein bisschen Glück hast – das gehört unweigerlich einfach auch dazu – wirst du einen passenden Welpen finden. Wünsche dir gutes Gelingen!
 
Dabei
3 Jun 2020
Beiträge
3
Alter
27
#5
Liebe Elke,
tausend Dank für deine ausführliche und hilfreiche Antwort! Es ist wirklich super, hier im Forum Meinungen auch aus der Züchter-Perspektive zu bekommen und du hast das Thema Genetik für mich als absoluten Laien echt verständlich runtergebrochen. Mir war vorher schon klar, dass mir niemand eine Garantie für einen gesunden Hund geben kann, aber jetzt verstehe ich viel besser, welch viele Aspekte ein umsichtiger Züchter bei der Verpaarung alle berücksichtigen muss.
Ich habe jetzt auf jeden Fall das Gefühl, etwas informierter an die ganze Sache heranzugehen und bin mit der Checkliste,deinen Hinweisen zu dieser und deinem Rat, auch auf das Bachgefühl und den gesunden Menschenverstand zu hören, hoffentlich gut gewappnet.
Vielen lieben Dank!
 

Ähnliche Themen


Oben