Fehlverknüpfungen beim Hund

Dabei
21 Feb 2011
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#1
Mir ist aufgefallen, dass, wenn jemand schreibt, er setzt z. B. eine Wurfkette, Rappeldose o. ä. ein, immer gleich sofort das Ding mit der Fehlverknüpfung kommt, wenn man diesen Schreckreiz im falschen Moment einsetzt.
Stimmt ja auch so ;)

Wo gar nicht bis selten von Fehlverknüpfung gesprochen wird, ist, wenn jemand "rein positiv" verstärkt.
Aber hier kann der Klick, das Markerwort, Leckerli usw genauso im falschen Moment kommen und der Hund lernt u. U. eine komplette Verhaltenskette, die gar nicht erwünscht war.

Ein gutes Beispiel dafür war der Aussie meiner Freundin. Der hat bei Hundebegegnungen immer fürchterlich gebellt.
Irgendwer kam dann auf die Idee: gib ihr doch in diesen Situationen ein Leckerli.
Das hat meine Freundin ca 14 Tage gemacht. Dann erzählte sie mir, dass sich das Bellen irgendwie verändert hätte (also im Ton). Auch hätte sie den Eindruck, dass ihr Hund gar nicht mehr wegen der anderen Hunde bellt, sondern sie anbellt.
Hier war wirklich die Verknüpfung so, dass ihr Hund gemeint hat, er muss bellen, damit er einen Keks bekommt. Kam der Keks nicht, wurde der Hund richtig nervig und fordernd.

Ich denke, wenn das jemandem passiert, der wenig Erfahrung hat, kann das für diesen Menschen (und seinen Hund) zu einem großen Problem werden, weil er es gar nicht bemerkt.

Nur darüber redet man (fast) nie......die Fehlverknüpfung wird meist bei Schreckreizen erwähnt.

Mich würde echt interessieren, warum das so ist.
Ich finde Fehlverknüpfungen immer "schlimm".....für Hund und Mensch.
 
Dabei
10 Mrz 2014
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#2
gundi du hast damit recht. ich denke das es vielen einfach nicht bewusst ist, das auch beim positiven Verstärken Fehlverknüpfungen statt finden.
Oft sind die auch nicht so offensichtlich oder werden geduldet weil keine Angst vor kommt.
Eine unserer Katzen hat gelernt das wenn sie an der Scheibe kratzt, sie sofort einen Türöffner bekommt. Sie macht es nur wenn sich jemand im Wohnzimmer befindet. (das Gemeine ist, der Ton der dabei entsteht geht in Mark und Knochen und die Angst das die Scheibe leidet ist nicht ganz unbegründet, deshalb springen wir lieber sofort. )Und obwohl das nicht ganz angenehm ist, nehmen wir es als kleine Macke hin. Lassies Angst vorm Staubsauger, dieser ist wahrscheinlich mal umgefallen, ist schwieriger zu akzeptieren. Sie versteckt sich dabei in den hintersten erreichbaren Winkel.
Lassie ist auch sehr leise und relaxt während wir essen, sobald beim Abendessen aber der letzte Löffel im Mund versenkt ist, wird sie unruhig. Wenn wir nicht reagieren, fängt sie ca 5 Minuten später winseln, sucht Aufmerksamkeit, teilweise sehr aufdringlich. Grund dafür ist, das sie zu 90% danach Fressen bekommt. Je nach meiner Stimmung, sehe ich es als Make die mich nicht stört, lache darüber oder wenn es mich mal nervt, muss sie 1-2Std warten oder bekommt erst Futter wenn sie ruhig ist. Eigentlich streng genommen ist es auch eine Fehlverknüpfung, aber nicht weder belastend für Hund noch für uns Menschen.
 
Dabei
1 Jun 2015
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#3
an dem Thema kratzen wir in leichter Form auch gerade an.
Beim Glassigehen an der Leine, hat mein erster Hund vermutlich folgende Fehlverknüpfung gelernt. "Ich laufe vor, Frauchen bleibt stehen, ich laufe wieder bei Ihr. Es gibt ein Lob/ Leckerchen." "Und das ganze noch mal von vorne......"

Da ist mir jetzt gerade gestern die Frage eingefallen: Wieviel Zeit muss den zwischen der "Korrektur" und dem Lob, dass es jetzt richtig läuft, sein, damit diese oder auch andere VerhaltensKetten nicht entstehen?
Ausserdem finde ich es auch immer wieder anspruchsvoll genau den richtigen Moment zu Klickern oder zu belohnen, also selber keinen Fehlflick zu machen. Da habe ich auch schon mal mitten ins Rumpöbeln reingelickt. Aber damit es zu einer festsitzenden Fehlverknüpfung kommt, muss es sicher einige Wiederholungen geben, wie mit dem Beispiel deiner Freundin.
 
Dabei
21 Feb 2011
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#4
Die kleinen Dinge im Alltag, die uns ab und an mal nerven, weil falsch verknüpft, sind ja nicht so schlimm und die meine ich eher auch nicht.

Sondern wirklich sowas, wie bei meiner Freundin. Hund bellt und geht nach vorn bei Hundebegegnungen, vermutlich aus Unsicherheit.
Sie bekam immer ein Lob, just in dem Moment, wo sie still war. Nach menschlicher Denke müsste das Timing gepasst haben.
Hat es aber wohl nicht, denn bereits nach kurzer Zeit war es für den Hund halt so: ich geh nach vorn und belle, dann sagt die da neben mir, ich soll still sein. Ich bin still, also krieg ich den Klick und den Keks.
Da war irgendwas völlig falsch beim Hund angekommen, bzw das Timing doch nicht richtig?

Mir stellt sich da die Frage: was wäre, wenn meine Freundin es nicht bemerkt hätte? Wenn sie so weitergemacht hätte?
Irgendwann lässt man es vlt, weil man denkt, es bringt nix......aber dann ist die falsche Verknüpfung schon drin.
Was ja nun wieder zu völliger Ratlosigkeit, Frust und evtl auch Stress beim Hund führt. Wochenlang wurde sein Verhalten belohnt und plötzlich nicht mehr.

Ist das jetzt für den Hund weniger schlimm, als die Angst vor z. B. einer Wurfkette, weil vom Mensch im falschen Moment geworfen?
Also, ich denke nicht.
 
Dabei
7 Sep 2012
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#5
OT: Fehlverknüpfung... ;) Bei der Kongstar Werbung springen meiner immer bellenden auf, weil sie denken jemand klingelt an der Haustür...
 
Dabei
21 Feb 2011
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#7
[OT]In der dritten Symbolleiste ist es der letzte. Einfach mal mit der Maus drüberfahren[/OT]
 
Dabei
9 Apr 2013
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#10
Wir hatten eine ganz ähnliche Situation.
Leider verbellt meine Hündin fremde Hunde auch gerne mal. In einem Kurs "Begegnungen meistern" sollten wir den Moment Klickern, wo der Hund aufhört zu bellen. Meine hat in kürzester Zeit daraus einmal bellen, Frauchen ansehen, klicker, Keks gemacht. Die Trainerin meinte nur, sie ist nicht doof, wir müssen da anders vorgehen.
Dann haben wir nur noch geklickert, wenn sie den fremden Hund angesehen hat und nicht gebellt hat, also erstmal den Abstand vergrößern, damit noch kein Anreiz für sie war zu bellen.

Ich finde auch, dass man bei der positiven Verstärkung ein gutes Timing haben muss, denn auch da kann man einiges falsch machen. Zumal die anderen Hunde in dem Kurs es nicht so interpretiert haben wie meine.
 
Dabei
7 Okt 2014
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#11
Ich merke grade wieder, wie schnell das geht mit der Fehlverknüpfung.
Finn hat ja über mehrere Monate "plötzlich" andere Hunde angepöbelt, die auf uns zu kamen (natürlich kam das in Wirklich nicht plötzlich , wir sind da in eine ganz blöde Spirale geraten, die ich nicht habe kommen sehen), das haben wir jetzt endlich im Griff und letztendlich hat es nur zwei etwas derberer Korrekturen gebraucht.
Vorher wollte ich es aber erstmal nett versuchen, da ich fälschlicherweise dachte, er sei lediglich unsicher.
Also habe ich ihn absitzen lassen, die Distanz zum anderen Hund vergrößert und es belohnt, wenn er mich angeschaut hat und relativ entspannt war .
Tja, hatte dann den glorreichen Erfolg, dass er den Keks kassiert und im Anschluss gepöbelt hat, wenn der Hund an uns vorbei war.
Ins Gesicht stänkern war also gegessen, Hinterteil angiften nicht.
Da wurde mir dann auch endlich bewusst, dass das nicht bloß Unsicherheit ist und an einem richtig blöden Tag ist Finn so unglücklich in den Kurzführer gesprungen, dass ihm die Pfoten weggingen und er gefallen ist.
Zeitgleich habe ich ihn vor Schreck angebrüllt, er stand auf, schüttelte sich, guckte vorwurfsvoll und ging anstandslos am anderen Hund vorbei.
(Btw. hatte ich da auch die Befürchtung einer Fehlverknüpfung , aber er hat sich scheinbar selbst im exakt richtigen Moment ausgeknockt.)
Am nächsten Tag habe ich ihn verbal nochmal korrigiert und das war das Ende der Pöbelattacken.
Jetzt läuft es seit zwei Monaten super und er wird auch weiterhin vorerst belohnt, wenn er tatsächlich entspannt ist und ich habe viel Sicherheit zurückgewonnen, aus der Spirale sind wir dadurch glücklicherweise raus.
ABER dummerweise gab es die letzten Tage in einer immer wiederkehrenden , für ihn echt unangenehmen Situation (Nachbarshund geht aggressiv fast über den Zaun und wir müssen ganz nah vorbei währenddessen) , Lob , als er noch extrem angespannt war , weil ich es ihm hoch angerechnet hatte, dass er trotzdem nicht giftig nach vorn ist.
Heute plusterte sich der Herr am Zaun dann schon auf, als uns der Nachbarshund noch gar nicht gesehen hatte.
Also schnell die Bremse rein und umdenken!

(Ich gestehe ihm übrigens durchaus zu, dass er diesen Hund furchtbar findet und eigentlich fände ich es nicht mal schlimm, wenn er da kurz kontra gibt, aber der Weg führt an einer Straße lang, deshalb muss er da eng bei mir vorbeilaufen ohne Aufstand.)
 
Dabei
7 Okt 2014
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#12
Und noch ein lustiges Beispiel.
Ilai hat sehr lange gebraucht, etwas mit der Nase anzustupsen, also beispielsweise das Handtarget.
Irgendwie war/ist ihm das scheinbar unangenehm.
Als er endlich angefangen hat, überhaupt dran zu gehen, habe ich erstmal jede Berührung mit der Schnauze geclickert.
Mit dem Ergebnis, dass er statt der Nase jetzt Lefzen und Zunge benutzt und mich nicht anstupst, sondern anleckt.
So schiebt er auch oft die Kugeln der Motorikschleife von einer Seite zur anderen.
Ihm zu vermitteln, dass er gezielt die Nase benutzen soll, ist jetzt ein hartes Stück Arbeit :p
 
Dabei
12 Jul 2012
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#13
Mit dem Ergebnis, dass er statt der Nase jetzt Lefzen und Zunge benutzt und mich nicht anstupst, sondern anleckt.
So schiebt er auch oft die Kugeln der Motorikschleife von einer Seite zur anderen.
Ihm zu vermitteln, dass er gezielt die Nase benutzen soll, ist jetzt ein hartes Stück Arbeit
willkommen im club :) wollte smiley das handtarget schmackhaft machen, leider hab ich geklickert als sie geleckt hat. sie meinte danach immer das sie lecken muß...hat lange gedauert bis das raus war..

oder youko. für pipi machen gibts leckerlie. jetzt muß sie ständig pipi...sie bekommt zwar keins mehr dafür aber sie steht ständig vor der tür und will raus. ignorieren will ich es aber auch nicht weil sie teilweise auch echt dringend muß
 
Dabei
7 Okt 2014
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#14
Das bekommt man wirklich schlecht wieder raus mit dem Lecken!
Immerhin komme ich mir jetzt nicht mehr ganz so doof vor ;)

Auch blöd ist die Verhaltenskette (ob ich es Fehlverknüpfung nennen darf, weiß ich nicht, weil es im Grunde bloß clever ist ):
Steine aufnehmen - auf Kommando ausspucken - dafür einen Keks bekommen.
Ilai hat mir dadurch als Welpe kurzzeitig Unmengen Steine vor die Füße geworfen und forderte ein Leckerli !
Als ich es nicht mehr beachtet habe, wenn er was in der Schnauze hatte, hörte es aber sofort wieder auf.
 
Dabei
6 Jul 2017
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#15
Steine aufnehmen - auf Kommando ausspucken - dafür einen Keks bekommen.
Das Thema haben wir mit Taschentüchern - Nanouk schielt immer rüber, ob man auch ja sieht, dass er ein Taschentuch aufsammelt und spuckt es einem demonstrativ vor die Füße - manchmal weiß ich nicht, ob ich darüber lachen oder weinen soll :rolleyes:
 
Dabei
1 Jun 2015
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#16
Gundi, um deine Frage vom Anfang nochmal aufzugreifen: "Warum da keiner drüber spricht?"

Diese Fehlverknüpfung (egal welchen Ausmaßes ) liegt an einem selbst. Ich habe im falschen Moment bestätigt. Das zu erkennen ist schonmal ein Prozess und dann auch noch allen zu sagen. Schaut mal da habe ich meinem Hund Mist beigebracht......
 
Dabei
1 Jun 2015
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#17
um deine Frage aus dem mittleren Teil ( Mir stellt sich da die Frage: was wäre, wenn meine Freundin es nicht bemerkt hätte? Wenn sie so weitergemacht hätte?
Irgendwann lässt man es vlt, weil man denkt, es bringt nix......aber dann ist die falsche Verknüpfung schon drin.
Was ja nun wieder zu völliger Ratlosigkeit, Frust und evtl auch Stress beim Hund führt. Wochenlang wurde sein Verhalten belohnt und plötzlich nicht mehr.) zu beantworten. Da kann ich ja nur aus meiner persönlichen Perspektive antworten. ICH würde immer einen Trainer zu rate ziehen und mir auch Einzelstunden gönnen. Gerade erst wieder geschehen. Ich kenn aber auch Leute die die "Macken" ihrer ausfälligen Hunde akzeptieren und schön reden. Meist sind das aber kleine Fiffis.
 
Dabei
7 Okt 2014
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#18
Ich glaube eher, da wird kaum drüber geredet, weil es die Wenigsten merken.
Und weil eine Fehlverknüpfung negativ ist, was für viele Leute im Zusammenhang mit positiver Bestärkung irgendwie ein solcher Widerspruch zu sein scheint, dass es einfach geleugnet wird.

Wenn ich rein positiv mit meinem Hund arbeite, KANN da nichts Negatives draus entstehen, genauso MUSS Erziehung mit aversiven Mitteln (ich hasse dieses Wort) zwangsläufig dazu führej, dass mein Hund Angst bekommt.
Das nimmt ja teilweise fast schon fanatische Züge an.
Der Hund, der in der Nachbarschaft beinahe über den Zaun geht, wird darin ständig unbewusst positiv bestärkt.
Da hockt die Halterin neuerdings sogar daneben auf dem Boden mit einer Tupperdose mit Leberwurstbrot, versucht ihn abzurufen und flötet dabei die ganze Zeit :"Ja fein , komm hier, fein ..." und wirft was aus der Dose, während vorbeigehende Hunde angegangen werden.
Dass sie damit genau das Verhalten bestärkt, das sie eigentlich nicht haben will, erschließt sich ihr aber nicht oder sie will es nicht wahrhaben.
Oder die Leute, die ihren Hund beim Tierarzt permanent trösten, wenn er jault.
Gestern noch wieder erlebt...Das wurde ständig mit "Ach du Armer, hast du Angst?!" und Streicheln und Keksen kommentiert und sich gewundert, warum es nicht besser wird, obwohl man den Besuch beim Tierarzt doch extra immer wieder übt von Welpe an.
 
Dabei
26 Mai 2015
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#19
Um bei der Eingangsfrage zu bleiben. Ich glaube dass hat einen anderen Hintergrund. Jemand hat Problem X und sagt er will jetzt mal die Rütteldose ausprobieren. Worauf hin der Aufschrei kommt -kann auch Fehlverknüpfungen ergeben- Ich denke in erster Linie suche die Aufschreienden ein gutes Argument gegen den "Terror" einer Rütteldose und da greift man schnell zum Argument "Fehlverknüpfung". Ich glaube weil man einfach demjenigen die Rütteldose ausreden will. Im Umkehrschluß daher auch kein "Aufschrei" bei falsch geklickert. Tut ja nicht weh, der Hund kriegt auch noch Kekse (Lob)

Wenn ich von meinem Hund ausgehe, dann sind die Viecher soviel schlauer als man denkt und eine "Fehlverküpfung" wie sie hier jetzt aufgezählt wurden, entsteht schneller als ich gucken kann. Da stellt sich mir die Frage: ist das überhaupt eine Fehlverlnüpfung? Wenn ich belle und aufhöre gibt's n Keks? Oder wenn ich das Target anlecke statt anstupse? Ist es nicht eigentlich genau das was wir trainiert haben, bloß dass WIR was anderes wollen/wollten? Immerhin handelt der Hund im Rahmen der Situation die wir auch im Sinn haben, halt bloß noch so wie wir uns das dachten.

Wenn ich an Fehlverknüpfung denke, denke ich eher an Situation X tritt auf, ich setze aversiven oder taktilen Reiz ein und der Hund hat fortan Angst vor z.B. Schotterwegen, weil es dort passiert ist. Sprich er knüpft garkeinen Bezug zum Verhalten, sondern zur Ungebung. Dann haben wir ruckzuck einen Hund mit zwei Problemen 1x pöbelt er zB weiter und 1x kann er nicht mehr über Schotterwege gehen. Wenn ich dann an die "positive" Variante einer solchen Situation denke, ist ein Hund der immer einen Keks erwartet weil er Kieselsteine unter seinen Füßen spührt nicht so schlimm, wie einer der sich winselnd an den Boden presst, weil er keinesfalls je wieder Kieselsteine betreten will. Ob die eine Erwartungshaltung des Hudes (Es passiert etwas schlimmes) schlimmer ist als die andere (es gibt n Keks) kann ich nicht beurteilen, zweifels ohne entsteht eine Form von Stress. Wobei ich mir vorstellen kann dass es weniger problematisch ist -es gibt Kekse auf Schotter- wieder abzubauen, als dem Hund klar zumachen -die Wekt geht nicht unter auf Schotter-
 
Dabei
10 Okt 2016
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#20
Ich habe bei Connor auch eine schicke Fehlverknüpfung erzeugt... Hab ihn gelobt wenn er sich als Welpe an der Tür gemeldet hat zum Pipi machen! Draußen dann natürlich auch wenn er seine Geschäfte erledigt hat...
Was macht mein Junghund jetzt? "Guck maaaaaaaal, ich stehe vor der Türe und tippel aufgeregt hin und heeeeeer!!!!! Wo ist mein Loooooob?!"...
Wenn ich ihn ignoriere legt er sich ab und muss auf einmal gar nicht mehr raus! :p
 
Dabei
26 Mai 2015
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#21
Genau das was Adele jetzt beschrieben hat, meine ich. Das ist doch keine Fehlverknüpfung im eigentlichen Sinne. Im Gegenteil, der Hund macht doch genau dass wozu wir ihn dressiert haben. Wir hatten dabei einen anderen komplexeren Gedankengang im Sinn, aber letztlich ist da nix Fehlverknüpft.
 
Dabei
7 Okt 2014
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#22
Gut geschrieben, Kerstin!
Deshalb war ich oben nicht sicher, ob ich es überhaupt Fehlverknüpfung nennen darf/soll.
Bzw. ob eine erlernte Verhaltenskette und eine Fehlverknüpfung überhaupt das gleiche sind.
Die Verhaltensketten sind meiner Meinung nach beinahe immer hausgemacht, eine klassische Fehlverknüpfung kann auch gut mal von "außen" innerhalb von Sekunden entstehen.
Das kann ja wirklich bloß ein falsches Geräusch in der falschen Situation sein und schon hat man eventuell ein langwieriges Problem.
Die erlernte Verhaltenskette braucht bedeutend länger und lässt sich meist leichter durchbrechen.
 
Dabei
10 Okt 2016
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#23
Genau das was Adele jetzt beschrieben hat, meine ich. Das ist doch keine Fehlverknüpfung im eigentlichen Sinne. Im Gegenteil, der Hund macht doch genau dass wozu wir ihn dressiert haben. Wir hatten dabei einen anderen komplexeren Gedankengang im Sinn, aber letztlich ist da nix Fehlverknüpft.
Ob sowas Fehlverknüpfung ist oder nicht, war ja glaub ich die eigentliche Frage... vielleicht trifft die Formulierung es nicht ganz. Er versucht mich zu dressieren indem er das von mir positiv belegte Verhalten zeigt. Er hat nur nicht komplett abgespeichert, das dieses Verhalten mit dem Pipireiz zusammenhängt :p Das bekommt er aber auch noch raus.

Das was du oben schreibst bezüglich Rütteldose und Schotterwegen stimmt natürlich, aber wäre dann ja wieder die Fehlverknüpfung mit dem negativen Reiz!
Denke allerdings schon, das man mit dem falschen Timing bei positiver Verstärkung auch negatives/unerwünschtes Verhalten durchaus fördern kann...
Um nochmal das Ausgangsbeispiel mit den Hundebegegnungen zu nehmen. Die Halterin würde jetzt vor dem Bellen clicken, der Hund ist aber schon ins Fixieren übergegangen. Wird dann noch dafür belohnt, da er ja (wie gewünscht) nicht bellt. Dann habe ich auf den ersten Blick einen Hund der zwar leise ist, aber richtig unhöflich sein gegenüber fixiert und somit nicht weniger Probleme in den Begegnungen bekommt. Für mich ist das fehlverknüpft... Oder habe ich da einen Knoten im Kopf?!
 
Dabei
21 Feb 2011
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#25
Vlt trifft es die Überschrift nicht so richtig, was ich meine.
Ist aber auch echt schwer zu erklären.

Schreckreiz ist furchtbar, weil Hund dann Angst bekommt......Angst vor dem Reiz / Geräusch (z. B. Wurfkette, was dann auch eine Angst vor klappernden Schlüsseln auslösen könnte) und, wenn es dumm läuft, eben auch Angst vor einem Gegenstand, der da grad rumsteht. Keine Ahnung...z. B. eine Mülltonne, ein Mensch mit Schirm usw.
Angst ist ein schlimmes Gefühl, das will niemand bei seinem Hund.
Nun stellt sich mir die Frage, da ja immer sofort kommt, wenn jmd schreibt, er macht was über Schreckreiz - wenn du das im falschen Moment machst, dann....... -
1. reicht einmal aus (also einmal der falsche Moment), damit der Hund dann Angst vor einem Regenschirm hat?
2. geht sowas auch über positive Verstärkung? Nicht mit dem Ergebnis, dass der Hund Angst vor dem Schirm hat, sondern dass er den so toll findet, dass er zu jedem Menschen rennt, der einen Schirm hat?

Um beim Beispiel mit den Hundebegnugen zu bleiben: wie Adele schon schrieb, lässt der Hund das Bellen, fixiert und benimmt sich trotzdem wie ein A****, halt lautlos.
Der Hund hat, sagen wir mal, Stress bei diesen Begegnungen, egal ob er nun laut oder leise ist.
Ist dieses "Gefühl" für den Hund nun leichter oder besser oder was auch immer, als Angst?
Ich denke nicht. Es ist für ihn genauso sch****

Vlt redet man nicht darüber, weil es einem gar nicht bewusst ist, dass man mit etwas "Positivem" eben auch negatives Verhalten fördern oder "auslösen" kann.
Zudem kommt es schleichend, so dass einem Wochen oder gar Monate später, gar nicht bewusst ist, warum der Hund nun so "plötzlich" ein störendes Verhalten zeigt.
Die Angst durch den Schreckreiz ist ja sofort greifbar.
 
Dabei
7 Okt 2014
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#26
Um nochmal meine Hunde als Beispiel zu nehmen ...
Ilai kreischt Menschen an, die er mag, das wurde leider immer und immer wieder von einigen Leuten hier im Haus bestätigt, egal wie nett und später auch weniger nett ich versucht habe, denen klarzumachen, das ich das nicht möchte!
Daraus hat sich ein Teufelskreis entwickelt.
Er kreischt, die sprechen ihn an und greifen sogar an mir vorbei nach ihm, er springt daraufhin hoch, die beschweren sich, ich korrigiere es, lasse ihn abseits absitzen und sobald ich seine Aufmerksamkeit habe, wird er wieder gelockt...Wenn er dann mein Kommando auflöst, setze ich es wieder durch usw...Es ist sogar mal vorgekommen , dass er in dieser Situation nach der Leine geschnappt und meine Hand gestreift hat und ich ihm aus purem Reflex einen Klaps versetzt habe.
Insgesamt eine absolut unschöne und ätzende Situation für ihn (und mich) mit sehr viel Stress und dauernder Korrektur, ich bin genervt, sauer und teilweise echt hilflos, weil da dann ohne Scheiß drei Leute um mich herum stehen und ich nicht weg kann mit ihm.
Die Verhaltenskette ist also schon längst da.
Kreischen, mich anschauen, von der anderen Person belohnt werden, weiter kreischen, von allen Seiten Aufmerksamkeit bekommen, Diskussion mit mir anfangen etc., es läuft immer gleich ab.
Eine Fehlverknüpfung wäre es meiner Meinung nach aber erst, wenn er beispielsweise den Klaps auf die Leute übertragen hätte oder aber vielleicht jetzt alle Menschen ankreischen würde in der Hoffnung, dass er dann gestreichelt würde.
Die Verhaltenskette kann ich momentan auch nicht wirklich durchbrechen, weil schon der Versuch von außen boykottiert wird, ich kann lediglich grade versuchen, den Auslöser zu meiden (und den Umzug herbeisehnen).
Bei einer Fehlverknüpfung dagegen würde ich den Auslöser vermutlich bewusst einsetzen, um an der Angst zu arbeiten.
 
Dabei
23 Dez 2007
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#27
Yuma, mein kleines Superbrain, ist wahnsinnig schnell dabei, zu verknüpfen - und das ist sowohl negativ als auch positiv. Wenn ich sie draußen rufe, dann weiß sie z.B ganz genau, ob jemand kommt oder nicht, allein durch meine Tonlage. Beim Agilitytraining, bei dem sie als Rentner eigentlich fast nur noch zuschaut sucht sie sich in unbeobachteten Momenten die Wippe im Parcour, geht einmal drüber und lässt sie knallen, dreht um damit sie noch mal knallt (damit es auch ja jeder mitbekommt), setzt sich dann ans Ende und bellt solange, bis ihr endlich jemand für ihre Leistung einen Keks gibt :-D
Auf Spaziergängen werden fremde Menschen grundsätzlich ignoriert, aber wehe wir gehen auf eine Hundewiese (selbst wenn sie da noch nie war): sie hat einfach verknüpft: Hundewiese = viele Menschen mit Hund = viele Menschen mit Keksen und dann packt sie ihr vollendetes Bettelrepertoire aus und hat damit auch grundsätzlich Erfolg.
Was übrigens auch echt witzig ist, müsst ihr mal ausprobieren: einfach mal in einem leeren Raum freundlich winken und "Hallo!" rufen, da gehen meine Hunde ab wie Schmidts Katze :-D Allerdings hat sich das mittlerweile schon ein bisschen abgenutzt, nachdem ich sie zu häufig veräppelt habe
 
Dabei
10 Jan 2016
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#28
Mir ist aufgefallen, dass, wenn jemand schreibt, er setzt z. B. eine Wurfkette, Rappeldose o. ä. ein, immer gleich sofort das Ding mit der Fehlverknüpfung kommt, wenn man diesen Schreckreiz im falschen Moment einsetzt.
Stimmt ja auch so ;)

Wo gar nicht bis selten von Fehlverknüpfung gesprochen wird, ist, wenn jemand "rein positiv" verstärkt.
Aber hier kann der Klick, das Markerwort, Leckerli usw genauso im falschen Moment kommen und der Hund lernt u. U. eine komplette Verhaltenskette, die gar nicht erwünscht war.

Ein gutes Beispiel dafür war der Aussie meiner Freundin. Der hat bei Hundebegegnungen immer fürchterlich gebellt.
Irgendwer kam dann auf die Idee: gib ihr doch in diesen Situationen ein Leckerli.
Das hat meine Freundin ca 14 Tage gemacht. Dann erzählte sie mir, dass sich das Bellen irgendwie verändert hätte (also im Ton). Auch hätte sie den Eindruck, dass ihr Hund gar nicht mehr wegen der anderen Hunde bellt, sondern sie anbellt.
Hier war wirklich die Verknüpfung so, dass ihr Hund gemeint hat, er muss bellen, damit er einen Keks bekommt. Kam der Keks nicht, wurde der Hund richtig nervig und fordernd.

Ich denke, wenn das jemandem passiert, der wenig Erfahrung hat, kann das für diesen Menschen (und seinen Hund) zu einem großen Problem werden, weil er es gar nicht bemerkt.

Nur darüber redet man (fast) nie......die Fehlverknüpfung wird meist bei Schreckreizen erwähnt.

Mich würde echt interessieren, warum das so ist.
Ich finde Fehlverknüpfungen immer "schlimm".....für Hund und Mensch.
Klar, damit kann man auch ganze Verhaltensketten aufbauen, nur.... fliegt meinem Hund die Rappeldose um die Ohren, weil ich ein Scheiß Timing habe und genau in dem Moment ein Kind um die Ecke kommt dann denkt mein Hund hm Kind -> Rappeldose-> Kind scheiße wenn ich Pech hab gibts irgendwann den Beißvorfall... so ein einprägendes Erlebnis ist nicht so leicht reversibel, Belohne ich mal zum falschen Zeitpunkt, na ja, da kann ich denken das war jetzt eben so das nächste Mal klappt es besser,so etwas ist lange nicht so einprägsam. Ein Verhalten über positive Verstärkung zu ändern ist ja genau deshalb viel langwieriger und mühsammer, es ist eben kleinschrittiger. Ein Schreckreiz ist immer sehr einprägsam, dafür auch gleich sehr dauerhaft, auch wenn es dann der falsche Moment war.

Jeder wie er mag, ICH würde mir das gut überlegen wenn ich das gezielt einsetze
 
Dabei
10 Jan 2016
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#29
Ach ja... und wenn ich ein Scheißtiming habe... so Menschen gibt es ja, die haben da kein Gefühl für, dann aber lieber mit Keksen als mit Schreckreizen, da bekommt der Hund wenigstens keine Angst dabei. Das Ergebnis unerwünschte Verhalten hat man nämlich so oder so
 

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