Zwiespaltiges Verhalten gegenüber Fremden

Dabei
29 Dez 2015
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#1
Hallo ihr Lieben!

Mein Rüde, unkastriert, knapp 14 Monate, zeigt seit kurzem ein Verhalten das mich ziemlich irritiert und bei dem ich auch mit dem Training nicht wirklich weiter komme.
Ich habe ihn als Welpen bekommen und er war von Anfang an allen Menschen gegenüber total zugetan und aufgeschlossen. Er war immer ein großer Fan von Öffentlichen Verkehrsmitteln ("So viele Leute die alle nur in diesem Bus fahren um mich zu streicheln und mit mir zu spielen!" :p , Besuch, jeglichem Kontakt mit irgendwem. Null Berührungsängste, im Allgemeinen eher Probleme den Hund davon zu überzeugen, dass ihn nicht jede einzelne Person auf diesem Planeten knuddeln möchte ;)
Als er etwa 10-11 Monate alt war fing das an sich zu ändern.
Momentan ist sein Verhalten dabei total hin und her gerissen. Er findet andere Menschen noch immer spannend und super, bekommt aber total die Krise wenn man ihn berühren will.

Beispiele:
... Hund läuft entspannt mit wedelnder erhobener Rute mit mir durch die Fußgängerzone. Wir bleiben an ner Ampel stehen. Jemand stellt sich mit etwas Abstand neben uns. Hund "Oh ein Mensch ich geh mal gucken", läuft hin und schnuppert an der Hand. Person bemerkt Hund, dreht sich ihm zu und Hund beginnt sofort angriffsmäßig nach vorne zu springen und heftig zu bellen.
... Besuch kommt; Hund hat den schon ein paar mal gesehen, wenn auch nicht so regelmäßig und schon etwas her, damals war noch problemlos Streicheln möglich. Person wird im Flur begeistert und stürmisch von ihm und unserem zweiten begrüßt, fiepsen, an ihm hochspringen, große Freude. Person geht mit mir in die Hocke und bewegt Hand einen cm in seine Richtung - Hund springt knurrend und bellend nach vorne
... Anderer Besuch sitzt am Tisch, Hände im Schoß. Hund läuft freudig um ihn rum, schnuppert an ihm, nimmt Leckerlis von ihm. Hand ohne Leckerli dreht sich auch nur um - Hund geht in den Angriffsmodus, vorspringen, verbellen, knurren. Kurz darauf beim essen liegt er direkt neben dem Stuhl der 'ach so bösen' Person entspannt auf der Seite und schläft.

Man hat das Gefühl dass zwei unterschiedliche Hunde in ihm wohnen, einer der Fremde total klasse findet, und einer mit panischer Angst der auf jeden Fall verhindert werden muss berührt zu werden. Eine kleine Handbewegung legt den Schalter um und aus dem "Hallo du lustiger spannender Fremder" wird ein "Woha du Monster, wag dich mich anzufassen und ich bringe dich um". Er hat noch nie wirklich gebissen, ist bei seinem Vorspringen und Wegschnappen aber sicher auch nicht so weit davon entfernt.
Dass er körperlich Schmerzen hat wenn ihn jemand anfasst glaube ich eher nicht. Mit gut bekannten Personen tobt und schmust er wie eh und je.

Es gab keinen mir ersichtlichen Grund zu diesem Umschwung... Er wurde nie misshandelt, hat keine schlechten Erfahrungen gemacht und ich kann mich auch an keine besondere furchteinflößende Situation erinnern die ein solches Verhalten logisch begründen würde.
Dass er nicht immer so welpenhaft aufdringlich ist sondern rassetypisch etwas reservierter gegenüber Fremden wird - okay. Aber das Verhalten ist mir für 'reserviert' ja doch etwas zu krass, zumal es vor dem Umlegen des Schalters ja auch nicht zurückhaltend ist.

Ich habe auch nicht das Gefühl, dass es durch Training momentan besser wird. Mit einer Person beispielsweise haben wir nun schon einige male wenn sie da ist geübt. Person sitzt auf dem Boden um nicht durch vorbeugen und Körpergröße noch bedrohlicher zu wirken. Füttert Leckerlis. Was der schon Futter an diesen Hund gegeben hat... :p Nichts desto trotz sieht Hund keinen Grund sein Verhalten der Person gegenüber zu ändern. Eine falsche Bewegung und er geht wieder in seine Abwehr.

Ich kann es mir wirklich nicht erklären und bin zur Zeit leicht am Verzweifeln. Hat jemand von euch schon mal etwas ähnliches gehabt oder kann sich da einen Reim drauf machen?

Wenn die ganzen Feiertage rum sind und unser TA wieder auf hat werde ich erst mal ein Blutbild und ein paar Schilddrüsenwerte nehmen lassen, eine subklinische SDU kann ja gegebenenfalls auch zu solchen unerklärlichen Aggressionen führen.

Nichtsdestotrotz würde ich mich über weiteren Input und Anregungen freuen, denn wenn da alles unauffällig ist bin ich genau so schlau wie vorher.

Einen guten Jahreswechsel allerseits und Danke im Voraus für eure Hilfe!

Liebe Grüße, Phinya
 
Dabei
10 Mrz 2014
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#2
Hi, vom lesen und rein aus dem Bauch raus würde ich sagen es gab eine Situation die du vielleicht nicht als bedrohlich deuten kanst aber für den Hund trotzdem bedrohlich war. Lassie hatte zum Beispiel plötzlich Angst vor dem Staubsauger. Im Nachhinein konnten wir uns zusammen reimen das dieser wahrscheinlich umgefallen ist als sie in diesem Zimmer war, sie meidet nämlich dieses Zimmer auch
Eine weitere Möglichkeit ist eine komische Art der Angstphase die meisten um diese Zeit ist. Es gibt allerdings bestimmt noch viele andere Möglichkeiten.
Ich würde an deiner Stelle mir einen guten Fachmann suchen, der vor Ort drauf schaut und dir auch beim aufarbeiten helfen kann. Gerade weil viele Ursachen möglich sind, und auch viele Signale Verhaltensweisen auftreten ist Hilfe über das Internet sehr schwer und wird euch wahrscheinlich kaum gerecht.
.
Außerdem ist es mit 3 Monaten Länge keine Phase mehr sondern ein Problem das sich eher verfestigt.

Ich wünsche dir das meine Befürchtungen sich in Rauch auflösen. Auf jeden Fall wünsche ich euch ein erfreuliches und erfolgreiches Jahr 2016
 
Zuletzt bearbeitet:
Dabei
31 Aug 2015
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#3
Hi, vom lesen und rein aus dem Bauch raus würde ich sagen es gab eine Situation die du vielleicht nicht als bedrohlich deuten kanst aber für den Hund trotzdem bedrohlich war.

--> der Gedanke kommt mir auch. Meinst du wirklich er würde beißen? Ich kenn so einen Fall da entsteht es aus totaler Unsicherheit raus seitens dem Hund. Warum die Unsicherheit ohne gerade spontan erkenntliche Vorgeschichte gute Frage. Aber mir kommt eben auch der Gedanke unsicherheit und da wären wir wieder bei Michaelas satz, den ich oben zitiert hab. Mein Hund hat auch eins zwei Sachen wo ich keinen Plan habe wo die herkommen aber hier bellt er aus Unsicherheit und ich weiß bis heute nicht warum, er fande die dinge davor auch nicht seltsam.
Oder beschützend ? Würde es grad echt gern mal sehen. Hättest du einen guten Ansprechpartner sprich Trainier überhaupt in deiner Nähe?

Was passiert wenn du in die Situation eingreifst oder die Situation übernimmst oder abbrichst oder oder oder, je nachdem was erforderlich ist? Also ich meine wirklich ERNST deinerseits eingreifst und ihm da ne Ansage machst und es im scharfen Ton unterbindest und du dich penetrant in die Situation drängelst. Er hat da nicht zu meckern, verbellen etc etc. Schwer zu beschreiben. Ich meine eben sobald das vorkommt konsequent abbrechen bzw du übernimmst und er hat sich zu legen oder sowas. Wie beim Besuch am Tisch ich glaub ich würde da schon meinem Hund mal eine Ansage machen obs noch geht und ihn auf sein Platz schicken,

Was mir noch kommt gerade: ist es evtl auch wirklich was, was sich entwickelt hat aber mehr so auf die art, aaahh ein Mensch den muss ich mir mal näher ansehen...., ich schnuppere, was der will was von UNS??? (beschützend) pff der passt mir aber gar nicht in kram, kenn ich zu wenig, kenn ich gar nicht, will ich nicht. Bedeutet eine Mischung von Hund aus beschützend, führung für EUCH übernehmen, allein entscheiden ob der mensch passt zu uns oder nicht, oder kennen wir zu wenig, oder wer weiß was der von meinem frauchen will, und unsicherheit was dieser mensch überhaupt will, und dazu hat er ein charakter der nicht zurückschreckt. Das kommt mir grade so wenn ich über alles schreibe.
Es gibt ja auch AUssies die Reserviert sind und sich zurückziehen, wenn aber ein Rüde kommt und ziemlich taff ist und generell mutig ist könnte es sich so äußern?

Aber wie gesagt ich schreib hier grad wie wild tausend Gedanken, man muss es wirklich erst gesehen haben und vorallem Eure Beziehung (deine zu deinem Hund) gesehen haben, den charakter vom hund und deinen.

Wenn er in der stadt an fremden schnüffel will würde ich es gar nicht dazu kommen lassen. (War ja nur ein beispiel von dir :) , kann ja an der ampel immer mal passieren aber ich denke du weißt was ich mein oder?)
 
Dabei
5 Sep 2014
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#4
Also mit ca. 1 Jahr hatte Betty auch wieder eine "Angstphase" und war hin und hergerissen zwischen "juhuu ich freue mich" und dann "ups, jetzt hab ich Schiss und mach einfach mal viel Tamtam!"

Das mit dem Leckerli verfüttern finde ich gut, eben in die Hocke gehen, abwenden, Hund nicht ansehen und Leckerli fressen lassen (nicht locken, sonder einfach warten bis der Hund kommt). Oft haben die Helfer das Gefühl, "ah jetzt hat der Hund schon 5 Leckerli gefressen, jetzt darf ich doch mal streicheln" und dann ist der ganze Trainingseffeckt dahin...
Ich hab die Erfahrung gemacht, wenn wir das viel geübt haben war Betty immer ein bisschen in einer Habacht-Stimmung, deshalb haben wir dann für eine bestimmte Zeit die Kontaktaufnahme zum Hund komplett abgeblockt. Wollte jemand den Hund anstarren oder die Hand ausstrecken, bin ich vor sie gestanden oder hab die Hand von der anderen Person weggeschubst. Ich kann dir leider nicht sagen wie lange wir das gemacht haben... es war eher fliessend (vielleicht so zwei Wochen wirklich streng und dann eher so nach Gefühl...).
Aber rückblickend hab ich das Gefühl, das hat Betty viel Sicherheit und somit auch Gelassenheit gegeben. Sie weiss jetzt das wir da sind und allenfalls auch einschreiten wenn es ihr unangenehm wird.

Zusätzlich hab ich in diesem Zeitraum auch die ausgestreckte, zukommende Hand schön-geclickert. Also mich zuerst mal vor Betty gestellt und die Hand auf ihr Gesicht zubewegt und geclickert + Leckerli. Bei mir hat sie damit natürlich keine Probleme aber sie soll erstmal das Konzept verstehen und total relaxt bei der Übung bleiben. Dann hab ich mich noch zusätzlich über sie gebeugt und gequitscht "jöööö sooo ein süüüsser Hund" und immer fleissig click + Leckerli. Das gleiche hat dann mein Mann auch gemacht (zuerst kleine Bewegungen Richtung Gesicht, bis zum bedrohlichen über sie beugen und auf den Kopf tätscheln) und schlussendlich noch mein 2-Meter Schwager in spe. Vielleicht sind deinem Rüden nur ganz bestimmte Bewegungen unangenehm (ausgestrecke Hand, zu nahes Gesicht, anstarren etc.) und die kannst du dann gezielt üben.

Ich hoffe ich konnte ein wenig helfen, das sind nur mal ein paar Tips die uns geholfen haben. Ich hoffe ihr findet eine Lösung die zu euch passt!
 
Dabei
31 Aug 2015
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#5
das mit dem abblocken find ich auch eine gute Anregung. Im Grunde genommen zwar konsequent scharf unterbinden (wenn positiv füttern gaaaaaaar nichts bringt) andererseits den Hund schützen und andere blocken.
 
Dabei
10 Mrz 2014
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#6
Ich finde alle Ratschläge wirklich gut, und im großen und ganzen bin ich kein besonderer Fan von sofortigen Trainer, weil vieles wirklich entwicklungsbedingt sich irgendwann erledigt. Hier habe ich vom erzählen den Eindruck das das Verhalten sich verstärkt. Da aber über das Internet nur Vermutungen über die Ursache gemacht werden können, und auch über das Verhalten. Der/die Halterin aber einiges schon versucht hat und nicht den Eindruck hat das es etwas gebracht hat, abblocken, und auch andere Maßnahmen sehr genau Ausgeführt werden sollten. Rate ich dringend zu einem Trainer.
Ich habe unsere Katze auch "schön" geklickert, aber nur 2 Tage dann sofort abgebaut. Lassies "wildern" haben wir unterbunden in dem sie immer eine Belohnung bekommt wenn sie in den Wald läuft und sofort zurück kommt. Sie kommt auch, aber wenn es ihr langweilig ist, rennt sie auch in den Wald, kommt sofort zurück und holt sich ihr Leckerli. Da ich nur vermuten kann wann sie wirklich stöbert und wann nicht rufe ich natürlich sofort! Für mich ist diese Leckerli Erpressung o.k. da sie nicht so oft ist, aber ich bin mir sicher das Lassie auch in anderen Situationen sofort eine eigene Taktik entwickeln würde um daran zukommen. Deshalb würde ich auf jeden Fall jemanden drüer schauen lassen.
Ich weis aus Erfahrung das ein guter Trainer nicht leicht zu finden ist, aber schau in Vereinen, bei mehreren Hundeschulen vorbei. Auch Tierärzte kennen sich oft mit Verhaltenstherapie aus.
 
Dabei
9 Apr 2014
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#7
Kurz und knapp und aus eigener Erfahrung: Hol Dir fachmännische Hilfe und zwar bald!!!

Das Verhalten ist schon länger zu beobachten und alle Lösungsansätze zeigen noch immer keinen Erfolg - für mich ist spätestens jetzt ein Profi gefragt bevor vll doch noch alles schlimmer wird. Ein "Außenstehender" sieht mehr als Du und ich, die wir ja in gewisser Weise "alltagsblind" sind. Lass doch zumindest mal das Verhalten einschätzen (also, welchen Hintergrund könnte es haben?). Daraus ergibt sich dann, wie Du vorgehen könntest - z. B. ob "streng" bei Pubertätsspinnerei, feinfühlig bei Unsicherheit oder vll auch geduldiges Abwarten...

Viel Erfolg, Ihr kriegt das hin:)
 
Dabei
29 Dez 2015
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#8
Hallo allerseits!

War leider wegen Neujahrsstress ein paar Tage nicht so am PC... Ich hoffe ihr seid alle gut reingerutscht :)
Vielen Dank erst mal für die ganzen Antworten! Ich geh mal alles durch und versuche was dazu zu schreiben.

Also ich habe im Eingangstext versucht mich irgendwo doch "kurz zu fassen" (was mir bestens gelungen ist *öhm* xD). Ich gehe aber doch nochmal etwas näher drauf ein. Zu beschriebener Anfangszeit war eine klare Handlung offensichtlich die ihn so reagieren lies - Leute die auf den Kopf fassen wollen. Warum ist eigentlich 99 % der Weltbevölkerung der Meinung, dass Vorbeugen und Kopf tätscheln eine adäquate Begrüßung für Hunde ist? :confused: Unter anderem auf anraten meiner Trainerin (wir sind in einer meiner Meinung nach ziemlich guten Hundeschule, arbeiten über positive Verstärkung, Trainer mit bhv Ausbildung) habe ich fremde Leute dabei dann geblockt, gebeten in die Hocke zu gehen und nicht am Kopf anzufassen, und dann war für ihn auch alles okay. Gleichzeitig habe ich geübt dass ich mal eher von oben fasse und das schönfüttere, so wie Ellu das bei Betty beschrieben hat.
Irgendwann war es ihm dann aber egal ob die Person sitzt oder steht, auf den Kopf fassen will oder an die Seite. Dieses extreme ist noch keine drei Monate ;)
Er hat nicht wirklich Probleme mit generellem Körperkontakt. Und bei wilden Begrüßungen von Besuch den er ein bisschen kennt springt er auch an denen hoch und stört sich nicht nah bei denen zu sein. Weihnachten beispielsweise hat er bei einer sitzenden Person freiwillig für ein Leckerli von mir die Vorderbeine auf den Schoß gestellt. Sobald die allerdings die Hand bewegt hat fällt er in sein Verhaltensmuster. Also scheint es schon vor allem am anfassen zu liegen, warum auch immer.

Für eine Schrecksituation die ich nicht bemerkt habe würde ja eher sprechen, dass er das Verhalten ab einem gewissen Zeitpunkt komplett so zeigt. Bei deinem Staubsauger, @radelschnauzerl, klingt das ziemlich logisch :) Hier finde ich passt es nicht so ganz, es kommt mir eher nach einer generellen Unsicherheit vor. Du schreibst was von Angstphasen, das könnte schon auch sein dass es noch durch die Pubertät bedingt ist.

@dabdidab wenn ich ihn unterbreche lässt er sich schon davon abbringen. Also wenn er am bellen ist, ich ins Geschirr greife und ihn zurück hole kann er sich problemlos wieder neben mich setzen und die Person (dann misstrauisch - nach dem Motto wer einmal anfassen wollte tuts auch wieder) beobachten. Oder wenn ich ihn dann wegschicke, er geht nicht sofort wieder hin und muss den jetzt 'fertig machen' oder was weiß ich. Aber er wirkt auf mich dabei unsicher und nicht frech. Und die Unsicherheit verschwindet durch Anmotzen meinerseits ja nicht, das macht die Situation für ihn ja nicht angenehmer. Fremde draußen anschnüffeln lass ich ihn im Normalfall natürlich mittlerweile nicht mehr :) Ich wollte mit dem Beispiel nur zeigen dass er es tun würde wenn er dürfte und wie er dann reagiert.

@Ellu, das kommt mir ziemlich bekannt vor :D Ich habe auch teils eher das Gefühl wenn ich mit einer Person übe und Leckerlis geben lasse wird er misstrauisch und reagiert eher, weil er natürlich spitzgekriegt hat dass auf Leckerlis geben meist streicheln kommt. Und die 'der hat doch drei Leckerlis gefressen, guck der mag mich, ich fass den jetzt an auch wenn du sagst ich soll nicht'-Helfer kenne ich auch sehr gut xD Wie reagiert eure denn mittlerweile nach eurem Training gegenüber Fremden?
Wenn Leute nur vor uns stehen und ihn anstarren fand er das auch ne Zeit lang gruselig (das war dann mehr so in der Mitte), das geht jetzt meist wieder weil er mittlerweile darauf vertraut dass ich die Leute nicht an ihn ran lasse.

Wir waren in der Welpengruppe und sind mittlerweile in der Junghundestunde, ich habe unsere Trainerin auch schon mal darauf angesprochen als es noch eher das Kopf anfassen Problem war. Zur Zeit sind Hundeschulferien aber am Wochenende werde ich sie mir in der Stunde natürlich gleich nochmal schnappen :) Also ich versuche nicht das ganze rein über Hilfe aus dem Netz zu lösen ;) Ich denke aber dass es immer ganz gut sein kann ein paar weitere Meinungen zu hören, vllt die ein oder andere Trainingsidee aufzuschnappen oder vllt von Leuten zu hören die ähnliche Probleme haben / hatten, deshalb meine Entscheidung auch hier im Forum zu fragen. Auch Trainer sind ja nicht allwissend und wenn es was rassetypisches ist stößt man hier vllt auf Erfahrungen.
 
Dabei
5 Sep 2014
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#9
Wie reagiert eure denn mittlerweile nach eurem Training gegenüber Fremden?
Also ersteinal ich bin auch froh dass unsere Hundeschulleiterin das so früh gesagt hat und uns immer dazu gedrängt hat mit Betty an dem Thema zu arbeiten. Ihr seid ja auch schon seid einiger Zeit dran und das ist echt gut!
Vielleicht findet ihr ja bei eurem Rüden ein paar Ähnlichkeiten:
Als Junghund (so 6-12 Monate alt) kam bei Betty immer wieder die Neugier durch und gewisse Leute waren ihr von Beginn an symphatisch. Ihr Verhalten war sehr schwankend. Mal sehr freudig, dann wieder sehr unsicher. Die Spitze war dann diesen Sommer (mit so ca. 14-15 Monaten) da hat sie einfach ALLE angebellt, ging nach vorne mit 2 Meter Abstand vor der Person und bellte, knurrte etc. Einmal hat sie beim Camping einer Frau in den Rock geschnappt und geknurrt... Oder hat den Besucher zuerst kurz streicheln lassen und dann hat sie übelst geknurrt und gebellt. Es hat mir teilweise echt Angst gemacht, dass sich das noch mehr zuspitzen wird. Wir haben uns dann eine Trainerin nach Hause geholt und sie riet uns hauptsächlich Betty Sicherheit zu geben und ihr Grenzen zu setzen. Also wenn Leute auf sie zukommen sie abschirmen und eine zeitlang wirklich GAR keinen Kontakt zuzulassen und auch beim Spazieren wenn uns Leute entgegenkommen sie einfach mit einem "hinter mich" hinter mich gehen lassen. Begegnungen auf dem Spaziergang waren zwar nie ein Problem aber ich denke Betty hat dadurch einfach erfahren, dass sie nicht ausgeliefert ist und hinter mir immer ein sicherer Platz für sie ist. Und 2. wenn Betty von selbst aus doof zu fremden Personen ist (also hingeht und sie anbellt etc.) sie konsequent immer und immer wieder sie hinter uns zu setzen.

Jetzt ignoriert sie Fremde völlig wenn wir draussen sind und nicht angesprochen wird. Wird sie angesprochen, entscheidet die Sympathie. Entweder geht sie zur Person hin und lässt sich anfassen oder sie schaut mich an und klappt die Ohren etwas zurück. Das ist dann für mich das Signal sie zu mir zu rufen und der anderen Person zu sagen, dass der Hund nicht angefasst werden möchte. Es sind nur feine Signale die unsere Hunde manchmal zeigen, aber wenn man mal weiss WANN man reagieren muss wird alles viel entspannter (auch der Hund!)
Wenn wir (wie jetzt über die Feiertage) mit Leuten zusammen sind, die einfach nicht die Hände und auch die Augen nicht von ihr lassen können, wird sie sehr unsicher. Sie mag es nicht so angestarrt und bedrängt zu werden. Allerdings knurrt oder bellt sie nicht mehr, sondern schaut sich zu mir um und ich hol sie dann zu mir. Geb ihr Leckerli oder schicke sie zu jemanden den sie mag und sage den Leuten einfach immer und immer wieder dass der Hund jetzt in Ruhe gelassen werden soll.

Ich denke ihr seid auf einem guten Weg und du machst ja schon echt viele Dinge. Sprich es nochmals mit der Trainerin an und dann braucht es manchmal nur noch ein bisschen Vertrauen dass sich alles zusammensetzt und es dann *klick" macht im Hundekopf :))

Das ist jetzt etwas lang geworden, deshalb nur noch kurz: ich würde mir an deiner Stelle jetzt das Ziel setzen dass dein Rüde die nächsten zwei Wochen keinen Grund hat in dieses Verhaltensmuster zu fallen. Sei es durch umgehen der Situation oder rechtzeitig abbrechen, klickern, schönfuttern etc. Zieh einfach alle Register dass er nicht mehr so reagieren muss und überleg dir gleichzeitig was du anstelle gerne für ein Verhalten von ihm hättest (soll er sich abwenden wenn es ihm zu viel wird?, soll er einmal bellen und dann rufst du ihn weg?, etc etc.) Ich würde aber nicht verlangen dass er plötzlich alle Menschen mögen muss oder es einfach so "über sich ergehen lassen muss", denn das kann keiner :) (nicht mal wir Menschen :p)
 

*Loki*

Lokimotive
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16 Mai 2011
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#10
Wie wäre es, wenn du anderen einfach sagst, dass er sich nicht gerne anfassen lässt und sie das dann auch nur machen, wenn er den Kontakt sucht?
Also ich kenne das von Fenix auch (19 Monate). Er hat es allerdings von Anfang an konsequent gezeigt: die Leute, die er liebt, die dürfen ihn überall anfassen, die die er nicht kennt oder nicht mag, die dürfen erstmal GAR NICHTS.
Oft ist es auch der Augenkontakt, der von uns Menschen instinktiv gesucht wird. Guckt man Fenix NICHT an, ist es sehr viel einfacher, Kontakt mit ihm aufzunehmen. Meine Eltern z.B. dürfen ihn erst nach einer "Aufwärmphase" ansehen, vorher nur "missachten", ausser er kommt halt von selbst an. Ansonsten geht er sofort vor und bellt und knurrt.

Ich habe das weitgehend "akzeptiert", denn ich weiß ja mittlerweile, wie ich es vermeiden kann: 1. KEIN Blickkontakt, 2. KEINE Annäherungsversuche, 3. Fenix nimmt zuerst Kontakt auf und wird dafür sehr zielgerichtet bestätigt.
Wenn an der Ampel jemand Fremdes meinen Hund einfach streichelt (auch wenn er mal schnüffelt, was ich eigentlich auch nicht zulasse!), dann ist er selbst schuld, wenn Fenix ihn dumm anmacht. Er beisst ja nicht, sondern er ist dann halt so richtig eklig!
Ich meine, mit Fenix habe ich einen sehr "ursprünglichen" Aussie Zuhause, er ist sehr stur, eigensinnig und hat trotzdem einen hohen will to please. Er ist eben "reserviert gegenüber Fremden" und ist bei fast allen fremden Menschen erstmal unsicher und extrem vorsichtig. Machen sie einen Fehler, schläft die Unsicherheit direkt in definsive Aggression um .... Wir haben es wie gesagt, ganz gut im Griff und er wird sich da auch nie ändern. Ich kann ihn dazu zwingen, sich von anderen anfassen zu lassen, aber SCHÖN wird er das nie finden!
 
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31 Aug 2015
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#11
Stimme Loki und Ellu vollstens zu. Und wenn du ihn "unterbrechen" kannst und er sich problemlos neben dich / Hinter dich setzt super! Ich meinte damit nicht ihn anzupflaumen ABER einfach eine konsequente Mischung aus lass das sein, und komm zu mir / hinter mich, ich geb Dir Schutz. (Damit bekämpfst du ja die Unsicherheit)

Jeder Hund vorallem die Aussies sind oft sensibel, fremden gegenüber reserviert und misstrauisch etc. aber ich finde wenn mein Hund so ein verhalten zeigt, er hat ja bei mir alles, er kriegt schutz und ich passe auf ihn auf, aber ich möchte deshalb trotzdem nicht das er andere menchen in form von bellen knurren angeht, genauso nicht andere Hunde - und da hab ich schon auch mal gemotzt das er es lassen soll.. Wenn er unsicher ist soll er zu mir kommen. Mittlerweile ist es bei uns sie wie bei Ellu. Ich finde auch das was alles Ellu geschrieben hat im letzten Absatz super und Loki das mit dem nicht anfassen und dann denke ich kriegst du das auf alle fälle hin :)
 
Dabei
7 Jan 2014
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#12
Was du da beschreibst ist eigentlich ein rassetypisches Aussieverhalten. Die hocherhobene,langsam sich bewegende Rute, zeigt höchste Anspannung an. Herr Kontrolettie skannt das Gebiet. Auch das er von sich aus den Kontakt zu fremden Menschen aufnimmt ist nicht freundliches Interesse sondern Kontrolle! Diese Kontrolle steht ihm zu, aber der Mensch darf sich das Gleiche nicht herausnehmen! Viele Hütehunde lassen sich ungern anfassen und weichen zurück.
Vom Alter her könnte durchaus auch noch eine Unsicherheitsphase dazu kommen. Alles ist erst mal gefährlich und wird argwöhnisch beobachtet. Manche verstecken sich dann hinter Frauchen, andere,vorzugsweise Aussies, gehen in Hab Acht Stellung.
Ich würde auch einen Trainer drauf schauen lassen,denn auch das was ich schreibe ist Vermutung. Als Sofortmasnahme kannst du dafür sorgen das keiner deinen Hund anfasst. Im Gegenzug hat dein Hund auch zu keinem hinzugehen und zu schnüffeln. Stelle dich immer zwischen Menschen und deinem Hund,übernimm du die "Kontrolle" damit er es nicht muss. Manchmal ist das gar nicht so leicht weil sich ein Aussie eine Aufgabe, die er sich selbst gestellt hat, ungern abnehmen lässt. Da ist dann ruhiges Durchhaltevermögen angezeigt.
 
Dabei
7 Sep 2012
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#13
Wie wäre es, wenn du anderen einfach sagst, dass er sich nicht gerne anfassen lässt und sie das dann auch nur machen, wenn er den Kontakt sucht?
Also ich kenne das von Fenix auch (19 Monate). Er hat es allerdings von Anfang an konsequent gezeigt: die Leute, die er liebt, die dürfen ihn überall anfassen, die die er nicht kennt oder nicht mag, die dürfen erstmal GAR NICHTS.
Oft ist es auch der Augenkontakt, der von uns Menschen instinktiv gesucht wird. Guckt man Fenix NICHT an, ist es sehr viel einfacher, Kontakt mit ihm aufzunehmen. Meine Eltern z.B. dürfen ihn erst nach einer "Aufwärmphase" ansehen, vorher nur "missachten", ausser er kommt halt von selbst an. Ansonsten geht er sofort vor und bellt und knurrt.

Ich habe das weitgehend "akzeptiert", denn ich weiß ja mittlerweile, wie ich es vermeiden kann: 1. KEIN Blickkontakt, 2. KEINE Annäherungsversuche, 3. Fenix nimmt zuerst Kontakt auf und wird dafür sehr zielgerichtet bestätigt.
Wenn an der Ampel jemand Fremdes meinen Hund einfach streichelt (auch wenn er mal schnüffelt, was ich eigentlich auch nicht zulasse!), dann ist er selbst schuld, wenn Fenix ihn dumm anmacht. Er beisst ja nicht, sondern er ist dann halt so richtig eklig!
Ich meine, mit Fenix habe ich einen sehr "ursprünglichen" Aussie Zuhause, er ist sehr stur, eigensinnig und hat trotzdem einen hohen will to please. Er ist eben "reserviert gegenüber Fremden" und ist bei fast allen fremden Menschen erstmal unsicher und extrem vorsichtig. Machen sie einen Fehler, schläft die Unsicherheit direkt in definsive Aggression um .... Wir haben es wie gesagt, ganz gut im Griff und er wird sich da auch nie ändern. Ich kann ihn dazu zwingen, sich von anderen anfassen zu lassen, aber SCHÖN wird er das nie finden!
Ja, so ein Exemplar wie Linda habe ich hier Zuhause auch. Schon mit 8 Wochen machte sich ihre deutliche Reserviertheit u. Unsicherheit gegenüber Fremden bemerkbar. Dank einer sehr guten Hundeschule, haben wir hier einiges ändern können. Aber Anfassen lassen von Fremden ist u. bleibt ein Tabu, das ich akzeptiert habe! Wenn jemand Fremdes sie unverhofft u. vor allem unerlaubt (!) anfasst, muss er damit Leben, das sie schnappt. Wenn man sie nicht beachtet, kann es bei ausgewählten fremden Leuten vorkommen, das sie sich durchaus anfassen u. streicheln läßt. Auch Menschen die sie schon länger kennt dürfen das. Bei TA hat sie gelernt, das sie es erdulden muss, ob sie will oder nicht.... sie sackt dann in sich zusammen u. läßt es über sich ergehen.
Fremde Menschen werden ignoriert oder aber, wenn sie komisch sind, verbellt.
Es gibt außer mir nur noch 2-3 weitere Personen, die sie überhaupt noch begrüßt, wenn sie sie sieht.

Die Unsicherheit sollte nicht sein, ist aber bei vielen Aussies vorhanden. Die Reservierheit gegenüber Fremden ist bei ursprünglichen Aussies mitunter sehr ausgeprägt u. bei Hunden aus AL oft ausgeprägter, als bei Showlinien, die sich auf Shows sicher u. gelassen in Menschenmengen bewegen u. von Richtern begutachten (anfassen lasssen) müssen.
Ein Hund der hier aufmuckt, fliegt aus der Wertung.
Man kann sicherlich darüber Diskutieren, ob damit bereits der Rassestandard in Bezug auf diesen Charakterzug aufgeweicht wird oder ob es eine Anpassung an unsere heutige, dichtbesiedelte Welt ist u. der Aussie mehrheitlich eben nicht mehr auf abgelegenen Farmen lebt.
 
Dabei
5 Sep 2014
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#14
@Aussiewolf: ich stimme dir im Text oben zu, ausser bei dem Satz

Wenn jemand Fremdes sie unverhofft u. vor allem unerlaubt (!) anfasst, muss er damit Leben, das sie schnappt.
Der einzige der damit leben muss, ist der Hund und der Halter, denn der wird die Probleme kriegen wenn Hund einmal zuschnappt. Auch wenn der andere natürlich unerlaubt den Hund angefasst hat, ist es trotzdem der Halter der die Probleme kriegen wird und letztendlich natürlich auch der Hund (Maulkorb o.ä.). Deshalb finde ich die Aussage nicht ganz passend.

Es ist wichtig, dass ein Hund auch unverhoffte Berührungen zu tolerieren lernt (wie beim TA auch) und nicht selbständig reagiert.

@Phynia: Ich bin gespannt was dein Trainer dir/euch rät...
 
Dabei
7 Sep 2012
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#15
@Aussiewolf: ich stimme dir im Text oben zu, ausser bei dem Satz



Der einzige der damit leben muss, ist der Hund und der Halter, denn der wird die Probleme kriegen wenn Hund einmal zuschnappt. Auch wenn der andere natürlich unerlaubt den Hund angefasst hat, ist es trotzdem der Halter der die Probleme kriegen wird und letztendlich natürlich auch der Hund (Maulkorb o.ä.). Deshalb finde ich die Aussage nicht ganz passend.

Es ist wichtig, dass ein Hund auch unverhoffte Berührungen zu tolerieren lernt (wie beim TA auch) und nicht selbständig reagiert.

@Phynia: Ich bin gespannt was dein Trainer dir/euch rät...

Sehe ich mittlerweile anders. Ich grabsche schließlich auch nicht fremde Menschen oder gar deren süße Kinder an.
Da ich es aber gar nicht erst zu solchen Situationen kommen lasse....
 

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