Wann Gentests einen Mehrwert bieten & wann sie eine Last sind 🧬
Gentests sind ein wertvolles Tool in der Zucht – aber nicht jeder Test ist wirklich sinnvoll. Während einige Tests echte Erkrankungen vermeiden helfen, können unnötige/unrelevante Tests die genetische Vielfalt einschränken und langfristig die Rasse insgesamt beeinträchtigen. Ein Plädoyer für wissenschaftliche Zucht und generationsübergreifendes Denken.
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Das Dilemma der Gentest-Inflation ⚖️
Gentests haben die Hundezucht revolutioniert: Sie ermöglichen es, Träger sinnvoll zu verpaaren und betroffene Nachkommen zu vermeiden. Doch in Zeiten, in denen Labore Pakete mit 270+ Tests anbieten, entsteht ein Problem: Viele Tests betreffen Erkrankungen, die beim Australian Shepherd gar nicht oder extrem selten vorkommen. Manchmal werden gewisse Gentests von anderen Rassen auch auf den Aussie übertragen, obwohl sie dort keine Rolle spielen oder bei Aussies nicht zur Erkrankung führen. Social Media verstärkt das – es wird mit Gentests geworben die auf nicht-relevante Erkrankungen testen. Das könnte den Eindruck erwecken, dass all diese Erkrankungen beim Aussie vorkommen können – er also potentiell eine belastete Rasse ist. Und stetig kommen weitere Gentests dazu. Dabei dürfen wir die Populationsgenetik & die genetische Vielfalt nicht vergessen: Denken in Generationen, Erhalt der Vielfalt und Vermeidung unnötiger Ausschlüsse.Sinnvolle Gentests – die Essentials für den Aussie ✅
Diese Tests haben bewiesen, dass sie echte Erkrankungen verhindern und die Rasse schützen:- CEA (Collie Eye Anomaly): Verhindert mögliche Augenfehlbildungen – Träger können mit Clear verpaart werden.
- PRA (Progressive Retinal Atrophy): Schützt vor Erblindung – selten beim Aussie, aber essenziell.
- DM (Degenerative Myelopathie): Vermeidet Risiko von Lähmungen im Alter – unvollständige Penetranz, aber wertvoll.
- MDR1: Verhindert betroffene Hunde (-/-)
- Merle: Ermöglicht sichere Verpaarungen.
🟢 Träger sinnvoll nutzen
Jedes Tier trägt potenziell schädliche Allele, wie eine Studie von Donner et al. (2023) zeigt. Die meisten davon sind nur noch nicht identifiziert. Mit schätzungsweise 19.000 Genen im Hunde-Genom ist es schlicht unmöglich, alle zu testen und zu berücksichtigen. Ein ausschließlicher Einsatz von Tieren ohne jegliche Risiko-Allele ist daher unrealistisch. Zuchthunde werden auf relevante Erkrankungen getestet, und Anlageträger (Genotyp N/M) werden gezielt mit genetisch freien Partnern (N/N) verpaart, um ausschließlich gesunde Nachkommen (N/N oder N/M) zu erzeugen, ohne dass ein Risiko für betroffene (M/M) besteht. Das Belassen von Trägern in der Zucht hat also auch Vorteile, wie den Erhalt der genetischen Vielfalt und lässt durch die geringere Einschränkung auch mehr Raum den Fokus bei Verpaarungen auf generelle Gesundheit, Langlebigkeit & Wesen zu schauen.Unnütze Tests – verunsichern mehr als sie nutzen ⚠️
Manche Tests werden vermarktet, obwohl die Erkrankungen beim Aussie nicht relevant sind, zufällige Beispiele:- HA (Hereditäre Ataxie): Keine bekannten Fälle – scheint nicht relevant
- HG (Hyposegmentation der Granulozyten): Harmlose Blutbesonderheit – Ergebnisse haben im Grunde keine gesundheitliche Bedeutung
- Von Willebrand Disease (vWD Typ 1) – Allelfrequenz extrem niedrig (0-0,3%) – keine klinischen Fälle bekannt
- Hüftgelenksinstabilität 1 und 2 – keine bekannte Vorhersagekraft beim Aussie
- 270-Gen-Pakete: Viele Gene betreffen Rassenprobleme, die beim Aussie nie vorkommen – erzeugt trügerische Sicherheit und falsche Wahrnehmung von „Krankheit“.
Populationsgenetik – Denken in Generationen 🌳
Die wahre Gesundheit der Rasse liegt nicht in endlosen Tests, sondern in der Erhaltung genetischer Vielfalt. Zu viele Ausschlüsse (auch bei harmlosen Genen) verengen die Zuchtbasis, erhöhen Inzuchtrisiken und machen die Rasse anfälliger für neue Probleme. Stattdessen: Sinnvolle Tests nutzen, um Träger zu integrieren, und auf echte Gesundheit setzen – Wesen, Typ, Langlebigkeit, Alltagstauglichkeit. Gentests helfen, betroffene Hunde zu vermeiden – darüber hinaus fördern sie keine Gesundheit. Wissenschaft statt Panik: Testen, wo es zählt, und die Rasse schützen.— Ads —

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