Paroxysmale Dyskinesie (PD) ist eine seltene anfallsartige Bewegungsstörung – eine wichtige Differentialdiagnose zu Epilepsie. Nur ein paar wenige Fälle beim Aussie sind bekannt.
Was ist paroxysmale Dyskinesie? 🔍
PD ist eine episodische, nicht-epileptische Bewegungsstörung, die in Attacken auftritt. Die Hunde bleiben bei vollem Bewusstsein, können reagieren und versuchen bewusst, ihren Körper zu kontrollieren, doch die Muskulatur führt unwillkürliche, dystone oder choreatische Bewegungen aus. Nach Sekunden bis Minuten ist der Anfall vorbei – ohne Nacherkrankungsphase, ohne Desorientierung, meist ohne Speichelfluss.
⚡ Wichtigste Abgrenzung zu Epilepsie
- Volles Bewusstsein während des Anfalls: Hund reagiert auf Ansprache
- Kein Umfallen in Seitenlage, kein Zungenbiss
- Keine Nacherkrankungsphase oder Erholungsphase, sofort wieder normal
- Keine Todesfälle durch PD bekannt
- Meist keine Dauertherapie nötig
Primäre vs. sekundäre PD, die zwei Hauptformen
Primäre (idiopathische) PD: vermutlich genetisch bedingt, oft rassespezifisch. Bekannteste Form: glutensensitive paroxysmale Dyskinesie beim Terrier (Border Terrier, Soft Coated Wheaten). Hier kann die PD komplett verschwinden, allein durch eine 100% glutenfreie Ernährung. Der Aussie gehört nicht zu den typischen Rassen für diese Erkrankung, man geht daher meist von einer erworbenen PD aus.
Sekundäre (erworbene) PD: Ausgelöst durch Stoffwechselstörungen, Toxine (wie Endotoxine und metabolische Toxine), Entzündungen oder Mikrobiom-Dysbalance (-> Darm-Hirn-Achse). Vermutlich die häufigere Variante bei untypischen Rassen. In Facebook-Gruppen und Tierarztforen wird zunehmend über Zusammenhänge mit SIBO (Small Intestinal Bacterial Overgrowth), Gluten-/Stärke-/Oxalat-Intoleranz und Mikrobiom-Störungen diskutiert. Das könnte erklären, warum immer mehr Hunde (auch Aussies) betroffen sind – nicht durch neue Genetik, sondern durch veränderte Fütterung und Umwelt. Das muss noch weiter untersucht werden.
Häufigkeit beim Australian Shepherd 📈
Es gibt keine Statistiken, PD ist beim Aussie keine häufige Erkrankung und wird oft mit Epilepsie verwechselt. In großen Gesundheitsumfragen (ASHGI) taucht sie nicht auf. In Tierneurologen-Praxen und Online-Gruppen wird sie jedoch zunehmend als Differentialdiagnose genannt – Das könnte an besserer Diagnostik (Video-Aufnahmen, Neurologen-Konsultation) und/oder Umweltfaktoren (Futter, Mikrobiom) liegen, nicht an einer echten Zunahme der Erkrankung. Bekannt ist diese Erkrankung vor allem bei verschiedenen Terrier Rassen (Border Terrier, Soft Coated Wheaten Terrier, Russell Terrier), Labrador Retriever & Cavalier King Charles Spaniel.
Verlauf & Management: PD belastend für Besitzer, doch meist gut beherrschbar 🌿
Für Besitzer betroffener Hunde ist die Erkrankung emotional sehr belastend. Die plötzlichen, dramatisch wirkenden Bewegungsattacken (auch wenn sie nicht lebensbedrohlich sind) lösen oft große Angst und Hilflosigkeit aus, besonders wenn sie zunächst mit einem epileptischen Anfall verwechselt werden. Bei vielen Hunden bleibt PD episodisch und mild (1–5 Anfälle pro Jahr). Häufige Auslöser: Stress, Aufregung, bestimmte Futtermittel, körperliche Anstrengung und manchmal auch unbekannte oder keine sichtbaren Auslöser. Therapie:
- falls bekannt, Trigger meiden (z. B. Gluten, Oxalate, Stärke reduzieren)
- Mikrobiom-Vielfalt unterstützen (Probiotika, Präbiotika, Futterumstellung)
- Bei Bedarf: Gabapentin oder Diazepam als Bedarfsmedikation (mit Fachtierarzt besprechen)
- Nur selten Dauerantiepileptika nötig (im Gegensatz zu Epilepsie)
Die Prognose ist zumindest nicht schlecht , viele Hunde leben durch Management symptomarm
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