Idiopathische Epilepsie beim Australian Shepherd  🧠🐕

Ein sachlicher Überblick zu einer komplexen und emotional belastenden Erkrankung – basierend auf Wissenschaft.

Was ist idiopathische Epilepsie (IE)? 🔍

Kanine Epilepsie wird diagnostiziert, wenn mindestens zwei epileptiforme Krampfanfälle innerhalb von mehr als 24 Stunden auftreten (ohne erkennbare akute Ursache). Der Begriff „idiopathisch“ (primär) bedeutet: Mit den aktuellen diagnostischen Möglichkeiten (MRT, Liquor, Blutbild usw.) findet man keine strukturelle oder metabolische Ursache – es handelt sich um eine Ausschlussdiagnose. Trotzdem liegt immer eine zugrunde liegende Störung vor. Im Gehirn entsteht ein Ungleichgewicht: Entweder Energiemangel in den Neuronen oder übermäßige Erregbarkeit → unkontrollierte elektrische Entladungen = Krampfanfall. Bei der idiopathischen Form scheint eine genetische Prädisposition häufig, aber auch nicht-genetische Faktoren spielen eine Rolle. 

Häufigkeit & Verlauf beim Australian Shepherd 📊

Epilepsie tritt beim Aussie mit einer allgemeinenPrävalenz von ca. 0,6–0,8 % auf. Eine Langzeitstudie aus 2012 (LMU München, 50 betroffene Aussies) zeigte:
  • Erster Anfall meist um 2,5 Jahre (manchmal früher, selten später).
  • Generalisierte Anfälle bei allen, oft zusätzlich fokale (z. B. nur Verhaltensänderungen).
  • Ca. 60 % schwerer Verlauf mit Cluster-Anfällen oder Status epilepticus.
  • Viele Aussies therapieresistent (trotz Medikamente weiter Anfälle).
  • Hohe Mortalität: Viele verstarben jung (Durchschnitt ~3,1 Jahre), oft durch schwere Anfälle.
Neuere Daten (bis 2025) bestätigen: Der Aussie gehört zu den Rassen mit einem Risiko für Epilepsie, aber die klinische Manifestation variiert stark – viele bleiben mild oder symptomarm.

🟢 Wichtig zu wissen

Merle-Farbe und MDR1-Status haben keinen nachweisbaren Einfluss (Uni München). Nicht jeder Krampfanfall ist auch Epilepsie.

Mögliche Ursachen & neue Forschungsansätze 🔬

Krampfanfälle sind ein Symptom – Ursachen können vielfältig sein:
  • Genetisch/polygen → vermutlich häufigste Form beim Aussie (komplex, kein einfaches Mendel’sches Muster).
  • Darm-Hirn-Achse (Mikrobiom) → Aktuelle Studien zeigen bei IE-Hunden oft Dysbiose, reduzierte SCFA-produzierende Bakterien und erhöhte Th17-Zellen.
  • Immunologische Faktoren → Erhöhte Th17-Zellen bei IE-Hunden (Autoimmun-ähnliche Prozesse?).
  • Andere Hypothesen → Chronische Helicobacter-pylori-Infektion, Vitamin-D-Mangel, GABA-Mangel z.B. durch Aufnahmestörungen.
  • Weitere Risikofaktoren → Chronische Darmentzündungen, Insulinresistenz/Prädiabetes, langfristige Kortisontherapie, Vitaminmängel (D3, B-Vitamine).
Diese Ansätze sind vielversprechend, aber noch nicht Standard – weitere Forschung läuft (z. B. TiHo Hannover, NCSU).

🟢 Wichtig für Züchter & Besitzer

Kein Züchter möchte Epilepsie-Nachkommen – und doch passiert es trotz bester Planung. Da kein Gentest existiert und die Vererbung polygen ist, hilft nur Transparenz: Bei mehreren Betroffenen in der Linie → Risiko höher einstufen. Ausschluss von stark betroffenen Hunden aus der Zucht ist sinnvoll, aber pauschales Ausschließen aller Verwandten reduziert unnötig die genetische Vielfalt. Frühe Therapie (innerhalb der ersten 6 Monate) verbessert die Prognose massiv.

Was können Besitzer tun? ⚕️

  • Bei Verdacht sofort zum Tierneurologen (Ausschluss anderer Ursachen!), wenn möglich Video vom Anfall mitbringen
  • Konsequente Therapie (Phenobarbital, Levetiracetam, Zonisamid usw.) + Wirkspiegelkontrollen.
  • Ernährung optimieren: Ketogen/MCT-Öl, hochwertiges Futter ohne Zucker/Gluten (individuell testen).
  • Mikrobiom checken? → Noch experimentell, aber vielversprechend.
  • Stress minimieren, regelmäßige Bewegung, Vitamin-D-Status prüfen.
Viele Hunde leben trotz IE ein gutes Leben, besonders bei milder Form und guter Einstellung. 
Quellen & weiterführende Literatur 📚
  • Weißl et al. (2012): Disease Progression and Treatment Response of Idiopathic Epilepsy in Australian Shepherd Dogs. Journal of Veterinary Internal Medicine.
  • Hülsmeyer et al. (2015), De Risio et al. (2015), Berendt et al. (2015): Internationale Konsensus-Klassifikation kaniner Epilepsie.
  • Knebel et al.: Th17-vermittelte Immunantwort bei kaniner idiopathischen Epilepsie.
  • Uni München Studie (Tauber, 2017): Epilepsie-Prävalenz & Risikofaktoren.
  • Aktuelle Mikrobiom-Forschung: PMC-Artikel zu Dysbiose, SCFA & Th17 bei IE-Hunden (2023–2025).
  • ASHGI (Australian Shepherd Health & Genetics Institute): Epilepsy-Übersicht.
  • TiHo Hannover & NCSU: Laufende Projekte zu Mikrobiom & Epilepsie.
Stand: Februar 2026. Bei Symptomen immer einen Fachtierarzt konsultieren, jeder Fall ist individuell. ❤️
 

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